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Full text of "Sitzungsberichte"

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Sitzungsberichte 



der 



königl. bayer. Akademie der Wissenschaften 

zu München. 



Jahrgang 1864. Band I. 



München. 

Druck von F. Straub (Wittelsbacherplatz 3). 

1864. 

In Commission bei G. Franz. 







M?2ii2, 






Uebersiclit des Inhaltes. 

Die mit * bezeichneten Vorträge sind ohne Auszug. 

Phüosophisch-philol. Classe. Sitzung vom 2. Januar 1864. 

Seite 
*Christ: Beiträge zur Geschichte der Antiken-Sammlungen in 

München 1 



Mathematisch-physikal. Classe. Sitzung vom 9. Jan. 1864. 

Steinheil: Ueber einen neuen Meridiankreis seiner Construc- 

tion (mit einer Tafel) 1 

Bischoff: Ueber das Verhältniss des Horizontalumfanges und 
des Schädel-Innenraumes zum Gehirngewichte (mit 

zwei gravirten Tafeln) 13 

Buchner: 1) Ueber das Turpethharz, eine Mittheilung des 

Herrn Dr. Spirgatis in Königsberg 53 

2) Ueber das Berberin 61 

3) Ueber das aetherische Oel aus den Früchten von 
Abies reginae Amaliae 67 

v. Kobell: Ueber den Aedelforsit und Sphenoklas .... 72 
Mohr: Ueber verbesserte Methoden in der Trennung und Be- 
stimmung des Kupfers 79 



IV 



Seite 

Historische Classe. Sitzung vom 16. Januar 1864. 

*Giesebrecht: Eine Untersuchung der Fränkischen Reichs- 

annalen des Karolingischen Zeitalters 82 



Philosophisch-philol. Classe. Sitzung vom 6. Februar 1864. 

Schlagintweit, E.: Ueber den Gottesbegriff des Buddhismus 83 
*Plath: Ueber Verfassung und Verwaltung des chinesischen 

Reiches unter den drei ersten Dynastieen .... 102 



Mathematisch-physihal. Classe. Sitzung vom 13. Febr. 1864. 

Steinheil: Der Astrograph. Ein Apparat zum Zeichnen des 

durch Fernrohre betrachteten Sternhimmels . . 103 
Schönbein: Chemische Mittheilungen. 

1) Einige Angaben über den Wasserstoffschwefel 107 

2) Ueber ein neues höchst empfindliches Reagens 
auf das Wasserstoffsuperoxyd und die salpetrig- 
sauren Salze 113 

3) Ein Beitrag zur genauen Kenntni ss des mensch- 
lichen Harnes 115 

4) Ueber die Bildung einer fluorescirenden Materie 
beim Faulen des menschlichen Harnes . . . 132 

5) Ueber das Vorkommen des Wasserstoffsuper- 
oxydes im menschlichen Körper 134 

Jolly: 1) Ueber die Ausdehnung des Wassers von 30«C. bis 

100o C 141 

2) Ueber eine Federwage zu exacten Wägungen . . 162 
Kolbe (in Marburg): Ueber eine neue Classe organischer 

Schwefelverbindungen ...... 167 



Seite 

Historische Classe. Sitzung vom 20. Februar 1864. 
*Roth: Säcularisation des Kirchengutes unter den Karolingern 170 



Einsendungen von Druckschriften 171 



Mathematisch-physikal. Classe. Sitzung vom 12. März 1864. 
Vogel jun.: Ueber den Einfluss des Frostes auf Kartoffeln 177 



Historische Classe. Sitzung vom 18. März 1864. 
*Döllinger: Ueber den Untergang des Templer-Ordens, dessen 

Ursachen, die Schuld oder Unschuld des Ordens 184 



Oeff. Sitzung zur Feier des 105. Stiftungstages v. 30. März 1864. 

Vorstand Baron von Liebig: Einleitende Worte 185 

Ansprache und Ueberreichung der 
goldenen Medaille an den Jubilar 

geheimen Rath von Martius 186 

von Martius: Entgegnung 187 

Nekrologe: 1) auf Heinrich Rose 192 

2) auf Andreas von Zipser . . . 195 

3) auf Ferdinand von Schmöger . 196 



Einsendungen von Druckschriften 197 



Philosophisch-philol. Classe. Sitzung vom 7. Mai 1864. 
*Beckers: Ueber die wahre und bleibende Bedeutung der 

Naturphilosophie Schellings 207 



VI 



Seite 

Mathematisch-pkyslJcal. Classe. Sitzung vom 7. Mai 1864. 

Pettenkofer: Bemerkungen über die chemischen Untersuch- 
ungen von M. J. Reiset über die Respiration 
von landwirtschaftlichen Hausthieren . . . 207 
Gümbel: Ueber das Knochenbett (Bonebed) und die Pflanzen- 
schichten in der rhätischen Stufe Frankens . . . 215 

Vogel jun.: Ueber die Torfkohle 279 

Nägeli: Ueber den inneren Bau der vegetabilischen Zellen- 
membranen (mit zwei Tafeln) 282 



Historische Classe. Sitzung vom 28. Mai 1864. 
*Sighart: Ueber ein aus Wachstafeln bestehendes Buch vom 

Jahre 1340 326 



Einsendungen von Druckschriften 327 






Sitzungsberichte 

der 

königl. bayer. Akademie der Wissenschaften. 



Philosophisch -philologische Classe. 

Sitzung vom 2. Januar 1864. 



Herr Christ hielt einen Vortrag: 

„Beiträge zur Geschichte der Antiken-Samm- 
lungen in München". 

Derselbe wurde für die Denkschriften bestimmt. 



Mathematisch -physikalische Classe. 

Sitzung vom 9. Januar 1864. 



Herr Steinheil berichtete 

,,Ueber einen neuen Meridiankreis seiner 
Construction". 

Es ist auffallend, dass die Declinationsbestimmungen 
der Fundamental - Sterne noch immer constante Differenzen 
[1864. 1. 1.] 1 



2 Sitzung der math.-phys. Gasse vom 9. Januar 1864. 

zeigen, die bis zu 2 Bogensekunden gehen, wenn man die 
Ergebnisse verschiedener Sternwarten mit einander vergleicht. 
Da diese Differenzen bestehen, obschon allen Beobachtungen 
dieselben Reductionselemente zu Grund gelegt sind, so muss 
die Ursache darin liegen, dass die Werthe der kleinen Re- 
ductionsgrössen a, b, c (die bekannte Reductionsformel ist: 
t — (a -f. x) = a. Sin (y— 6) + b. cos (y—J) + c. See <F) 

cos rf cos d 

unrichtig angenommen werden, oder mit andern Worten, 
dass diejenigen Correctionen , durch welche die Bewegungen 
des Instrumentes auf mathematisch richtige gebracht werden 
sollen, noch behaftet sind mit constanten Fehlern, deren 
Quellen sich bis jetzt der Erkenntniss und Berücksichtigung 
entzogen haben. 

In der That sind auch Ursachen, die störend wirken 
müssen, anzugeben, die sich bei dem jetzt üblichen Meri- 
diankreise *) nicht entfernen lassen. 

Die Hauptursache der Fehler in den Declinationsangaben 
ist wohl in der Durchbiegung des Fernrohrs zu suchen. 

Soll daher ein Instrument gebaut werden, welches zu 
der Hoffnung berechtigt, die constanten Fehler bis auf kleine 
Theile einer Bogensekunde zu entfernen, so muss es die 
Möglichkeit geben, die Reductionsgrössen bis zu dieser Ord- 
nung sicher vor und nach der Sternbeobachtung, ohne viel 
Zeitaufwand zu bestimmen, und es muss das Instrument so 
weit vor Temperaturveränderungen gesichert sein, dass die 
Annahme der Proportionalität für die kurze Zwischenzeit 
zwischen diesen Bestimmungen durch den Erfolg gerecht- 
fertigt wird. Wir müssen also die Vorstellung aufgeben, 



1) Ich meine damit nicht bloss den ursprünglich von Bessel an- 
gegebenen, von Reichenbach zuerst ausgeführten Kreis, sondern auch 
die in mancher Beziehung verbesserten Meridiane von Repsold, von 
Pistor u. A. 



Steinheil: Ein neuer Meridiankreis. 3 

dass der Meridiankreis invariabel aufgestellt und in seinen 
Theilen zu einander invariabel bleibe. Wir müssen im Ge- 
gentheil annehmen, dass alles — Instrument und Aufstel- 
lung — in beständigem Aendern begriffen sei und jetzt die 
Constanten der Reduction a, b, c so zu bestimmen suchen, 
wie sie im Momente der Sternbeobachtung wirklich sind. 

Damit diese beständigen Bewegungen möglichst langsam 
und gleichmässig werden, ist est nöthig, das Instrument vor 
der strahlenden Wärme des Beobachters und der der Beleuch- 
tungsquellen zu schützen und in der Art zu umhüllen, dass 
Aenderungen der äusseren Temperatur nur sehr langsam 
bis zum Instrumente dringen. Es wird ferner nöthig sein, 
Untersuchungen wie die über die Theilungsfehler des Krei- 
ses und die Gestalt der Drehungszapfen für zwei sehr ver- 
schiedene Temperaturen anzustellen, um ihre Werthe als 
Function der letzteren kennen zu lernen. Vor Allem aber 
scheint es nöthig, dem Instrument eine solche Gestalt zu 
geben, dass eine Durchbiegung der Absehenslinie der streng- 
sten und beständigen Controle unterstellt bleibt. 

Wir wollen nun zeigen, wie diess zu erlangen ist : 
Im Allgemeinen besteht das Instrument aus einem Fern- 
rohre, 2 ) welches horizontal von Osten nach Westen gelegt 
ist und vor dem Objectiv ein rechtwinkeligtes Prisma trägt, 
so dass, wenn sich das Bohr um seine Axe dreht, successive 
alle Punkte des Meridians durch die Mitte des Gesichtsfeldes 



2) Das Fernrohr kann nicht füglich mehr als 4 Pariser Zoll 
Oeffnung erhalten wegen des Prisma's von gleicher Oeffnung. Doch 
werden 4 Zoll bei beleuchteten Faden und völlig dunklem Gesichts- 
felde genügen, die kleinen Planeten wohl mit sehr wenig Ausnah- 
men beobachten zu können. Wollte man bis zu 6 Zoll Oeffnung an 
Objektiv und Prisma gehen, was übrigens erst indicirt wäre, wenn 
die Resultate mit 4-zölligen Instrumenten vorlägen und es wün- 
schenswerth machten, so wäre das nur eine Geldfrage — ■ die aber 
sonst lösbar wäre. 

1* 



4 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

gehen. Ein Kreis am Prisma-Ende durch lange Mikroskope 
(a a Fig. 2) abgelesen in Verbindung mit einem Aufsuchungs- 
kreis am Ocular-Ende, welcher die Grade und Minuten an- 
giebt, misst die Nadirabstände der Sterne. 

In dieser Gestalt bietet das Instrument wesentliche Vor- 
theile. Das Auge des Beobachters behält stets dieselbe Lage 
und Richtung. Ohne den Sitz zu verlassen, kann der Be- 
obachter die Sterne einstellen, den Höhenkreis ablesen und 
alle Correctionen ermitteln. 

Bei diesem Instrument ist der Beobachter durch eine 
Scheidewand (b. b. Fig. 1) vollständig von dem Räume ab- 
geschieden, in welchem der Meridiankreis steht. Diese Zwi- 
schenwand trägt das Mikroskopocular (c. Fig. 1) des Meri- 
diankreises, welches mit repetirendem Filarmikrometer ver- 
sehen ist; aus der Wand treten bloss die Oculare der 
Ablesungsmikroskope und die Loupe (d. Fig. 1) für den 
Aufsuchungskreis , endlich der Schlüssel (e. Fig. 1) hervor, 
durch dessen Handhabung das Instrument gedreht und ein- 
gestellt wird. Die Beleuchtung der Fäden des Meridiankrei- 
ses und der Fäden des Filarmikrometers im dunklen Ge- 
sichtsfeld, dann die Beleuchtung der Stellen an den Kreisen, 
die abgelesen werden, und der Trommeln der Mikrometer, 
welche die Ablesung bewirken, geschieht von einer einzigen 
Lichtquelle aus (Argand'sche Lampe, oder Gasflamme), welche 
sich in der Nähe des Beobachters befindet, durch Spiegelung 
und Sammellinsen in solcher Art, dass das Bild oder ein 
Theil des Bildes der Lichtquelle an den betreffenden Stellen 
concentrirt wird. Man sieht hieraus , dass es in dieser 
Weise ermöglicht ist, vom bewohnbaren Räume aus zu. be- 
obachten, ohne dadurch störend auf die Beobachtung ein- 
zuwirken. 

Bei dieser Anordnung war die Absicht leitend, alle Ab- 
weichungen des Instrumentes und seiner Aufstellung leicht 
und sicher ermitteln zu können. 



Steinheil: Ein neuer Meridiankreis. 5 

Obschon es complicirter scheint, eine durch Spiegelung 
gebrochene Absehenslinie in Anwendung zu bringen, so ge- 
bührt ihr doch der Vorzug, weil sie in jeder Lage des 
Höhenkreises vollständig controlirt ist, was bei den jetzigen 
Instrumenten fehlt. Bei unserem Instrumente kann die Ab- 
sehenslinie fehlerhaft sein : 

A. in Bezug auf ihre Lage zu den andern Theilen des 
Instrumentes. 

B. in Bezug auf die Aufstellung oder die Orientirung 
gegen den Nadirpunkt und Südpunkt. 

Wäre das Instrument streng richtig für sich , so hätte 
man nur die Grössen a, b zu bestimmen. Die Abweichung 
im Azimut a etwa zwischen einem Collimator in Süd und 
einem entfernten Signal in Nord, den Fehler der Neigung b durch 
einen Quecksilberhorizont unter dem Prisma durch das im 
Quecksilberspiegel sichtbar gemachte Bild der erleuchteten 
Fäden. 

Damit aber diese Grössen richtig bestimmt werden, 
muss man wissen , wie viel die optische Axe gegen die an- 
dern Theile des Instrumentes, und zwar bei allen Lagen des 
Kreises unrichtig ist. 

Auch diese Fehler können in b' c' zerlegt und dann 
mit den a' b berücksichtigt werden. 

Ist die Gerade, die durch den Mittelpunkt des Objek- 
tives und den des Fadenkreuzes gelegt werden kann , nicht 
zugleich Drehungsaxe des Instruments, so muss dieser Fehler 
verkleinert und bestimmt werden. Dazu kann das Mikro- 
skopocular dienen, was auf das Fadenkreuz des Rohres ein- 
gestellt bleiben muss für alle Angaben des Höhenkreises. 
Ist aber einer der Drehungszapfen, oder sind beide nicht 
rund, so kann diess nicht erlangt werden und man muss 
nach Abnahme des Prisma's und durch Vorsetzen eines Colli- 
matorfernrohrs, in der Verlängerung der optischen Axe, in 



6 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

welches man mit dem Meridianinstrumente sieht, die Ab- 
weichungen bestimmen, die das Fadenkreuz des Collimators 
während einer Umdrehung des Meridians macht. Diese Ab- 
weichungen lassen sich mit dem Filarmikrometer des Oculars 
für verschiedene Angaben des Kreises bestimmen, und zer- 
legt in Werthe von c' und b' in Tafel bringen. Die Be- 
stimmungen müssen für zwei sehr verschiedene Tempera- 
turen wiederholt werden, um sie als Funktion der Tempera- 
tur kennen zu lernen. 

Nehmen wir jetzt an, dass sich das Rohr zwischen Ob- 
jektiv und Kreuzfäden durchbiege oder verspanne, so wird 
in Folge dessen doch keine Biegung im jetzigen Sinne des 
Wortes eintreten. Denn der Mittelpunkt des Objektives und 
des Fadenkreuzes werden ihre Höhe nicht ändern , da sie 
unmittelbar von den Lagern unterstützt sind. Wohl aber 
wird die Ebene des Objektives sich ändern gegen die optische 
Axe. Wenn wir also jetzt das Prisma vor das Objektiv 
bringen, so wird dieses den ganzen Einfluss der Biegung 
oder SpannuDg des Rohres erleiden. 

Allein das Prisma bietet selbst die Mittel zur Bestim- 
mung dieser Biegung in aller Schärfe und für jede Angabe 
des Kreises. Denn seine Planfläche, welche direkt vor dem 
Objektive steht, und normal zur optischen Axe stehen sollte, 
bildet einen Planspiegel, der das Bild der erleuchteten Fäden 
im Brennpunkte des Objektives zeigt. Dieses Bild der Fä- 
den erscheint völlig scharf und ohne Parallaxe gegen die 
wirklichen Fäden. Es kann somit der Abstand dieses Bil- 
des von den wirklichen Fäden für jede Kreisangabe mit 
dem OcularfLlarmikronieter gemessen werden. Indessen könnte 
doch das Prisma in dieser Spiegelfläche um ihre Axe drehen, 
was nicht sichtbar wäre und doch einen direkten Einfluss 
auf die Declinationsbestimmung ausübte. Allein die dritte 
Planfläche des Prisma's bildet einen Planspiegel im Innern 
des Glases, der ebenso ein Bild der erleuchteten Fäden im 



Steinheil: Ein neuer Meridiankreis. ' 

Brennpunkte erzeugt, und dieses Bild würde sich gegen die 
wirklichen Fäden um den vierfachen Winkel bewegen, wenn 
eine Drehung um die erste Spiegelfläche vorhanden wäre. Auch 
eine Verstellung des Mittelpunktes des Objektives gegen die Axe 
seines Drehungszapfens ist durch diese Spiegelbilder con- 
trolirt, weil diese eben so wirkt, als wenn die Fäden im 
Brennpunkte sich verstellten, also den Abstand der Spiegel- 
bildfäden um den doppelten Winkel ändert. Wenn also die 
Lagen der Spiegelbilder gegen die Fäden, und der Mittel- 
punkt des Fadenkreuzes gegen die Axe des Zapfens gemessen 
sind, ist die Absehenslinie controlirt und die Controle ist 
sonach ganz vollständig. 

Da sich nun das Prisma bis auf wenige Bogensekunden 
in den Winkeln richtig herstellen lässt, so scheint es mir 
am zweckmässigsten , die beiden Spiegelbilder den Fäden 
symmetrisch auf beide Seiten der wirklichen Fäden zu legen, 
wobei die Verstellungen, die nur Theile einer Sekunde be- 
tragen, ohne Messung zu erkennen wären. Man darf auch 
nicht glauben, dass diese Nebenbilder die Beobachtung des 
Sternes beirren, da sie viel schwächer beleuchtet sind, als 
die wirklichen Fäden und den Stern durchsehen lassen, 
während die wirklichen Fäden ihn decken oder verschwin- 
den machen. 

Bei der obigen Stellung der Refiexbilder des Faden- 
netzes wird eine kleine Collimation des Mittelfadens unver- 
meidlich; da eine solche aber doch immer in Rechnung 
gebracht werden muss, und da sie höchstens einige Bogen- 
sekunden beträgt, so entsteht daraus kein Uebelstand für 
die Beobachtungen. 

Ist in dieser Weise der Einfluss der Gestalt der Dreh- 
ungszapfen und der etwa mögliche Einfluss einer Durch- 
biegung des Prisma's für alle Kreisangaben bekannt, so 
kann die Collimation zwischen zwei Fernröhren, angebracht 
im Nord- und Südhorizont und auf einander gerichtet, in 



8 Sitzung der math.-phys. Ciasse vom 9. Januar 1S64. 

aller Schärfe bestimmt werden , und erst jetzt , wenn auch 
diese bekannt ist, findet sich die Neigung (b) der Absehens- 
linie durch Anwendung eines Quecksilberhorizonts, der unter 
das Objektiv gestellt ist, und in welchem man das Spiegel- 
bild der beleuchteten Fäden zur Coincidenz bringt, oder 
die noch restirenden kleinen Abstände mit dem Filarmikro- 
meter des Oculares misst. 

Nachdem wir so gezeigt haben , durch welche Anord- 
nung im Bau des Instrumentes die Correctionen a, b, dann 
b' und c' zu jeder Zeit und völlig sicher ermittelt werden 
könnea , sei es uns gestattet , zur Beschreibung des Instru- 
mentes selbst überzugehen. Ich habe zwar die Idee dieses 
Instrumentes schon im Jahre 1850 in den A. N. veröffent- 
licht, komme aber jetzt wieder darauf zurück, nachdem ich 
unterdessen die oben angegebenen Mittel gefunden habe, 
alle Fehlerquellen einer strengen und beständigen Controle 
zu unterziehen. 

Das Instrument liegt in einem gusseisernen Lagerstück 
(A) , an welchem Höhen - und Azimutalcorrection der drei 
Fussschrauben angebracht sind; diese Schrauben besitzen 
kugelförmige, zur Drehung genau centrische Enden , welche 
in conische Lagerpunkte passen , die in einem eisernen 
T-förmigen Stücke (B) angebracht sind, welches unmittelbar 
in die Oberfläche des Meridianpfeilers eingelassen und ein- 
gegossen ist. 

Die Lager des Rohres bilden einen Winkel von 90 ° 
und zwar durch polirte Steinplatten (C. C. Fig. 2), welche 
die Zapfen tangiren. Zur Verminderung des Druckes sind 
Gegengewichte mit Frictionsrollen (D. D. Fig. 1) auf der 
Tragplatte angebracht, weldie den grössten Theil der Schwere 
des Instrumentes heben. 

Das Rohr ist aus zwei Conus von Eisenblech zusammen- 
gesetzt, die in der Mitte zusammengeschraubt und mit einem 
gezahnten Kreise (E. Fig. 1 u. 2) versehen sind; in diese 



Steinheil: Ein neuer Meridiankreis. " 

Verzahnung greift ein seitlich gestelltes Zahnrad (F. Fig. 1 
und 2) ein, was durch einen langen Schlüssel (e. Fig. 1) 
bewegt wird, der durch die Scheidewand zum Beobachter 
führt und also zur Drehung des Instrumentes genügt. 

Das Glasprisma ist mit der Hypotenusfläche durch 
Bügel und zwei seitliche Schrauben auf einer Metallplatte 
festgehalten. Diese Platte mit dem Prisma schiebt sich in 
eine mit dreieckigen Vorsprüngen versehene Metallscheibe, 
deren Rand in den Lagerzapfen des Objektives etwas ein- 
gedreht ist. Durch 3 Zug- und 3 Druckschrauben ist die 
Platte mit dem Objektivlagerzapfen verbunden und kann 
dadurch gegen die Axe des Rohres geneigt werden. 

Ueber dieses Stück hinweg schiebt sich der Glaskreis 
auf schwachem Conus, durch eine Flanche des Objektivkopfes 
orientirt und mit einem Ringe festgeklemmt. Nun kömmt 
am Objektivzapfen der cylindrische Theil , auf welchem das 
Instrument im Lager dreht; dann bei etwas kleinerem 
Durchmesser der für die FrictionsrolJen bestimmte Theil; 
endlich ist das conische Rohr am engen mit Flanche ver- 
sehenen Theil in den Zapfen eingeschraubt. In diesen 
Zapfen selbst sind die Objektivlinsen (i. Fig. 1) genau ein- 
gedreht und durch einen cylindrischen Ring (K. Fig. 1) 
federnd festgehalten und es ist der Zapfen hinter der Auf- 
lage des Objektives zur Verminderung der Last des Zapfens 
weiter ausgedreht. 

In ähnlicher Weise ist der Zapfen für die Aufnahme 
der Fadenplatte construirt. Diese ist so gestellt, dass die 
Fäden genau in der Brennweite des Objektives liegen und 
in dieser Ebene durch 4 Schrauben verstellt und angedrückt 
werden können. Am Ende dieses Zapfens sitzt der Auf- 
suchungskreis (h. Fig. 1) conisch aufgesteckt, der wieder 
durch einen Federring festgeklemmt wird. 

Der Kreis, eine Spiegelglasplatte, ist durch äusserst feine, 
nur mikroskopisch sichtbare Theilstriche von 5 zu 5 Minu- 



10 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

ten getheilt; die Mikrometer der Mikroskope lassen Vio 
einer Bogensekunde und noch kleinere Theile erkennen. 
Dieser Kreis hat keine Zahlen, da der Aufsuchungskreis 
(h. Fig. 1) an der Ocularseite Grade und Minuten durch 
einen Nonius giebt. Die Fehler der Theilung können direkt 
nach den bekannten Methoden durch 3 Mikroskope ein für 
allemal bestimmt werden für zweierlei sehr verschiedene 
Temperaturen. 

In einem Abstände von etwa 4" von der Fadenebene 
ist die Grenze der Scheidewand (b. Fig. 1), welche das 
Ocularmikroskop (c. Fig. 1) zu tragen hat. Der Raum 
zwischen den Fäden und der Wand ist zur Beleuchtung der 
Fäden sowohl im Meridiankreis, als im Filarmikrometer 
bestimmt. 

In diesem Raum stehen nämlich zwei Planspiegel (1 u. 
m Fig. 1) gegen einander 90 ° und zur Axe 45 ° geneigt, 
und es ist deren Mitte in der Weite des Fadenraumes aus- 
geschnitten. Diese beiden Spiegel erhalten Licht, was recht- 
winkelig zur optischen Axe auf dieselben fällt. Der eine 
Spiegel (1) reflektirt es in einem Kranze gegen die Faden- 
platte des Instrumentes , der andere (m) gegen die Faden- 
platte des Mikrometers. Auf beiden Fadenplatten sitzen 
aber je 4 Spiegel (o. Fig. 2 Prismen) in der Richtung der 
Fadenkreuze, welche das Licht schräg und von beiden Seiten 
auf die Fäden werfen und sie von beiden Seiten beleuchten. 
Diese 4 Spiegel jeder Platte drehen mit den Fäden herum, 
während die durchbrochenen Spiegel fest stehen bleiben. 
Die Fäden des Meridianinstrumentes und des Ocularmikro- 
meters sind somit in allen Lagen der Fäden unter gleichem 
Winkel erleuchtet und das Gesichtsfeld , was in die ausge- 
brochene Stelle trifft, bleibt völlig dunkel. Zwischen der 
Lichtcpielle, vor welcher eine Blendung steht, die nur einen 
Lichtring durchdringen lässt, und der Platte, auf der die 



Steinheil: Ein neuer Meridiankreis. 11 

Fäden befestigt sind , ist eine Sammellinse 3 ) angebracht, 
deren Stellung so angenommen wird, dass sie das Bild des 
Lichtringes der Flamme, in der Grösse des Ringes in dem 
die 4 Fadenspiegel stehen, auf diese Spiegel wirft; so dass, 
wenn die Spiegel mit den Fäden drehen, sie immer im 
Lichtringe bleiben. 

Da die Lichtquelle sich im selben Raum mit dem Be- 
obachter befinden soll, so muss in der Scheidewand eine 
Oeffnung (etwa mit Glimmerblatt verschlossen) und ein 
Spiegel unter 45 ° angebracht sein , der das Licht recht- 
winkelig gegen die optische Axe auf die durchbrochenen 
Spiegel hinwirft. 

Alle anderen Stellen, welche einer Beleuchtung bedür- 
fen, sind nach demselben Princip durch eine Sammellinse, 
die das Bild der entsprechenden Lichtblendung auf die zu 
beleuchtende Stelle wirft, behandelt. Die Lichtquelle muss 
sonach höher stehen, als der Beobachter. 

Die Mikroskope (a a Fig. 2 Objektiv u. feststehender Faden) 
zur Ablesung des Glaskreises sind direkt auf den Lagern des 
Instrumentes befestigt. In der Scheidewand sind auf der 
Tragplatte für den Filarmikrometer auch die Mikroskopocu- 
lare mit den Mikrometerschlitten befestigt ; der Ocularapparat 
ist jedoch getrennt von dem Mikroskopkörper, welcher den 
feststehenden Faden trägt, damit sich etwaige kleine Ver- 
stellungen durch Bewegung der Mikrometerschraube dem 
Mikroskope selbst nicht mittheilen können. 

Damit Temperaturveränderungen möglichst langsam und 
gleichmässig auf das Instrument wirken, ist dieses mit loser 



3) um die Helligkeit der Beleuchtung beliebig zu vermindern, 
ist nur erforderlich, die Oeffnung dieser Linse zu beschränken, wozu 
eine Reihe immer kleiner ausgedrehter Blendungen dient; ebenso 
kann durch gefärbte Gläser vor der Lichtkreisblendung die Farbe 
der Beleuchtung beliebig geändert werden. 



12 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Baumwolle umgeben , und es ist nur freigelassen , was der 
optische Theil erfordert. 

Vor das Prisma des Objektives ist desshalb eine Röhre 
von Pappe gestellt, die ebenfalls aussen mit Baumwolle um- 
geben ist. Zum Schutze vor Staub sind die Lager mit be- 
sonderen Kappen überdeckt. 

Der Ocularfilarmikrometer hat einen Positionskreis und 
zwei Schuber zur Repetition der Messung. Als Ocular dient 
ein Ocularmikroskop. Im Brennpunkte des Mikroskopob- 
jektivs liegen die Fäden des Meridiankreises, im Brennpunkt 
des Mikroskopoculars die Fäden des Filarmikrometers. Die- 
ses Filarmikrometer und die Oculare der Mikroskope sind 
in der Metallplatte (p. p. Fig. 1) eingeschraubt, welche sich in 
der Ebene der Scheidewand parallel zur Fadenebene ver- 
stellen lässt. Die Scheidewand muss, wie der Pfeiler des 
Instrumentes, vom Fussboden isolirt sein. 

Es steht zu erwarten, dass die Correctionen der Ge- 
sichtslinie gegen das Instrument sich als sehr constant er- 
weisen werden, so dass ihre Bestimmung für zweierlei Tem- 
peraturen ein- für allemal genügt. Dann ist die Berichtigung 
durch a und b für die Aufstellung allein vor und nach der 
Sternbeobachtung genügend, indem die Werthe b' und c' 
aus einer kleinen Tafel so beigefügt werden, wie sie der 
beobachteten Temperatur des Instrumentes entsprechen. 



Steinheil' scher Meridiankreii 

Fij:l. 




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Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 13 

Herr Bisch off hielt einen Vortrag 

„Ueber das Verhältniss des Horizontal-Uin- 
fanges und des Innenraums des Schädels 
zum Gehirngewichte". 

In seinem verdienstvollen Werke: Ueber Wachsthum 
nnd Bau des menschlichen Schädels. Leipzig 1862, hat 
Herr Professor H. Welker p. 35 und ff. den Gedanken 
entwickelt, dass es möglich sei, aus dem Horizontalumfang 
des Schädels einen, wenn auch nur ungefähren, doch inner- 
halb bestimmter Gränzen sicheren Schluss auf das zuge- 
hörige Hirngewicht zu ziehen. Es ergab sich ihm dieser 
Satz vorzüglich aus dem von ihm beobachteten gleichmäs- 
sigen Wachsen des Schädelinnenraumes mit dem Horizontal- 
umfange desselben, und andererseits glaubt er auch aus den 
bekannten Resultaten über Hirnwägungen und seinen Mes- 
sungen des Schädelinnenraumes auf ein constantes Verhält- 
niss dieser beiden rechnen zu können. Er erhielt nämlich 
aus seinen Messungen des Schädelinnenraumes von 30 Män- 
nern und 30 Weibern für jene als Mittel 1448 Cm., für 
diese 1300 Cm., welche Zahlen sich wie 100 : 89,7 verhalten. 
Aus einer Zusammenstellung der bekannten R. Wagner' sehen 
Tabelle über Hirngewichte berechnet er aber als mittleres 
Hirngewicht für Männer 1389 Grm., für Weiber 1249 Grm., 
welche Zahlen sich wie 100 : 89,9 verhalten , also ein fast 
ganz übereinstimmendes Verhältniss. 

Welker entwirft, gestützt auf diese Voraussetzungen, 
pag. 37 seines Werkes folgende Tabelle über Horizontal- 
schädelumfänge , Schädelinnenraum und die dazu gehörigen 
Gehirngewichte von 100 von ihm auf erstere gemessenen 
Schädeln, wobei männliche und weibliche Schädel und Ge- 
hirne nicht geschieden sind. 



14 



Sitzung der math.-phys. Gasse vom 9. Januar 1864. 



Mittel des 


Berechnetes mittler 


Schädelinnen- 


Gehirngewicht in 


raums in Ccm. 


Grammen. 


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1690 


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Horizontalumfang des 
Schädels in Millim. 

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490 
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510 
520 
530 
540 
550 
560 
570 

Als Verhältnisszahl zwischen Schädelinnenraum und Gehirn- 
gewicht ergiebt sich ihm für den Mann auf 100 Ccm. Schädel- 
innenraum : 95,9 Grm. Himgewicht, für das Weib auf 100 
Ccm. Schädelinnenraum : 96,1 Grm. Hirngewicht. Um diese 
an nicht zusammengehörigen Schädeln und Gehirnen nur durch 
Berechnung gefundenen Zahlen, auch durch einige direkte 
Beobachtungen zu prüfen, stellte Welker dann auch noch 
an einem weiblichen und zwei männlichen Individuen direkte 
Bestimmungen aller drei Grössenverhältnisse an, welche fol- 
gendes Resultat ergaben : 

Horizontal- Schädel- Gewicht des 
umfang, innenraum. Gehirns. 
Mädchen v. 18 Jahren . 480 1100 1093 

Mann „ 40 „ . 551 1610 1539 

Mann „ 40 „ . 553 1680 1617 

woraus sich als mittlere Verhältnisszahl zwischen Schädel- 
innenraum und Hirngewicht 100 : 95,36 ergiebt. 

Dieser in Kürze hier wiedergegebene Gedanke Welkers 
schien mir bei den jetzt mit Recht wieder allgemein aufge- 
nommenen Untersuchungen über das Gehirn und sein Ver- 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 15 

hältniss zu der geistigen Begabung und Entwicklung von 
grosser Bedeutung. 

Es ist nämlich ohne Zweifel eine selbst nur theilweise 
Lösung dieser wichtigen und interessanten Frage, allein auf 
dem Wege zahlreicher, lange Zeit fortgesetzter und sorgfäl- 
tiger kritischer Beobachtungen, die gewiss noch über viele 
Generationen ausgedehnt werden müssen, zu erwarten, wenn 
sie ein einigermassen zuverlässiges Resultat geben sollen. 
Dazu ist aber das anatomische und auf Sectionen begrün- 
dete Material zu schwierig zugänglich und zu klein, und es 
wäre von ausserordentlicher Bedeutung, wenn dieser Weg 
umgangen und einfache Messungen an Lebenden zur An- 
strebung dieses Zieles benutzt werden könnten. Welche 
Masse von Beobachtungen über das Gehirngewicht und sein 
Verhältniss zur günstigen Befähigung und Leistung würde 
man mit Leichtigkeit sammeln können, wenn dazu nichts 
weiteres als die Messung des grössten Schädelumfanges 
gehört! 

Allein dazu scheint mir vor Allem nöthig, dass dieser 
Satz über ein constantes Verhältniss zwischen Schädelumfang 
und Hirngewicht erst noch sorgfältiger geprüft wird. Vor 
Herrn Welkers eigenen Beobachtungen, Messungen und 
Wägungen habe ich alle mögliche Achtung, da ich aus 
früherer und langjähriger Bekanntschaft weiss, wie sorgfältig 
er verfährt. Allein die eine Hälfte der Basis seines Satzes, 
diejenige, welche auf Hirnwägungen beruht, ist nicht sein 
Eigenthum, sondern hat einen sehr verschiedenartigen Ur- 
sprung, der schon an und für sich nicht immer zuverlässig 
ist, und mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und 
hat. Auch die zu seiner Aufstellung angewendeten Mittel- 
berechnungen haben, wie ich glaube, noch sehr viel Bedenk- 
liches. An und für sich aber kann man nicht sagen, dass 
Welkers Satz nur Unbedenkliches ausspräche. Denn wenn 
gleich zwischen Schädelumfang und Schädelinnenraum, und 



16 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

auch wieder zwischen Schädeliunenraum und Hirnvolumen 
und Gewicht unzweifelhaft innerhalb gewisser Gränzen ein 
übereinstimmendes Verhältniss vorhanden ist, und man seit 
undenklichen Zeiten aus einem grossen Schädel, wenn er 
nicht pathologisch ist, auf ein grosses Hirn und sehr gün- 
stige Begabung geschlossen hat und schliesst, so handelt es 
sich hier doch um genauere und auf bestimmte Zahlen 
zurückführbare Verhältnisse, wenn der in Frage stehende 
Satz eine wissenschaftliche Bedeutung haben und gewinnen 
soll. Da tauchen dann aber auch noch andere Zweifel auf, 
als die, welche in einer verschiedenen Schädeldicke, in einer 
abnormen Form, oder in Racen- Verschiedenheiten des Schä- 
dels sich aussprechen , welche Welker bereits berührt hat. 
Es kommen dabei auch die Hirnhäute und, worauf wahr- 
scheinlich in allen diesen Fragen ein besonderes Gewicht zu 
legen ist, die Textur- und Mischungsverhältnisse und das 
davon abhängige specifische Gewicht des Gehirns in Be- 
tracht, welche auf das absolute Hirngewicht und Volumen 
und ebenso wieder auf die Hirnthätigkeiten einen bedeuten- 
den Einfluss ausüben können. 

Alle diese Faktoren sind aber so unendlich schwierig, 
ja augenblicklich noch ohnmöglich in Rechnung zu ziehen, 
dass, wie mir scheint, vor der Hand nichts anderes übrig 
ist, als alle solche Fragen rein empirisch sorgfältig zu prü- 
fen, die Resultate nur vorsichtig zu Schlüssen zu benutzen, 
und sie der Zukunft zum weiteren Ausbau zu überliefern. 
Wer auf diesem Gebiete sogleich glänzende und Aufsehen 
erregende Früchte zu pflücken denkt, der möge besser davon 
bleiben. Hier kann nur allein die Ansammlung von gutem 
Material verdienstlich sein ; die Ausbeute desselben gehört 
der Zukunft; denn das Bedüifniss an jenem zu einer ratio- 
nellen Beantwortung der gegebenen Fragen übersteigt die 
Leistungsfähigkeit und Gelegenheitsmögliclikeit des Einzelnen 
und selbst der einzelnen Generation. 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 17 

Aus diesen Gründen und Gesichtspunkten habe ich 
schon seit lange angefangen, das mir dargebotene Material 
besonders über Hirngewichte zu sammeln, und sehe mich 
jetzt nur desshalb veranlasst, einen Theil der gewonnenen 
Resultate zu einer Besprechung der von Welker aufgewor- 
fenen Frage zu veröffentlichen , um Andere zur Verfolgung 
des gleichen Weges anzuregen, so wie ich selbst auf dem- 
selben fortschreiten werde. 

Meine Untersuchungen erstrecken sich vorläufig nur auf 
150 Köpfe und zwar 100 männliche und 50 weibliche. Sie 
gehören fast alle dem bayerischen Volksstamme und der- 
jenigen Menschenklasse an , welche in Hospitälern zu ster- 
ben und der Anatomie anheiin zu fallen pflegt. Es handelt 
sich also bei ihnen wohl schwerlich um irgend eine höhere 
geistige Entwicklung, von der ich aber auch bei dieser 
Gelegenheit die Befähigung und Anlage sehr wohl unter- 
schieden haben will. 

Die Messungen geschahen an dem ganzen Körper 
mit einem nach Art eines älteren Schusterinaasses mit einem 
Schieber versehenen Messstabe; an dem Schädel mit 
einem Bande. Ich habe mich dazu nach Welkers Beispiel 
zum Theil eines gewöhnlichen gedruckten Centimeter- Mess- 
bandes bedient, auf welchem nur noch die Millimeter nach- 
getragen waren. Allein ich fand ein solches Band auf die 
Dauer doch nicht brauchbar. Bei trockenen Schädeln geht 
es recht gut damit ; allein bei den nach Abziehen der Kopi- 
schwarte feuchten und blutigen, frischen Köpfen sind diese 
Bänder bald ruinirt und unbrauchbar; sie werden nass, 
trocknen ein und zerreissen. Ich habe mir desshalb zuerst 
ein Maass von Pergament machen lassen, welches erst stark 
in Wasser und dann in Fett getränkt war, später aber auch 
dieses wieder mit einem lakirten, in Millimeter getheilten 
Ledermessbande vertauscht. Es besitzt einen kleinen Metall- 
schieber mit einej Stellschraube, so dass es, um den Kopf 
[1863. I. 1.] 2 



18 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

gelegt, festgestellt und dann abgelesen werden kann. Ich 
iiätte gerne einen metallenen Messring angewendet, in der Art, 
wie ihn die Hutmacher zum Messen der Köpfe bei Auswahl 
der Hüte benutzen. Allein der Versuch überzeugte mich, 
dass sich ein solcher Messring, wenn er auch schmal und dünn 
ist, nicht hinlänglich an den Schädel anschliesst, um mit 
Zuverlässigkeit benutzt werden zu können. Das Maas wurde 
nach Welkers Anleitung über die tubera frontalia und den 
tuber occipitale , d. h. also über den grössten Horizontal- 
umfang des Kopfes umgelegt, wobei ich allerdings öfter ge- 
wünscht hätte, dass die tubera frontalia deutlicher ausgeprägt 
gewesen wären, als dieses der Fall war. Ich glaube nicht, 
dass es dabei auf ein paar Millimeter ankommt und an- 
kommen darf; denn die übrigen zur Beachtung kommenden 
Factoren können auch keiner entsprechenden Genauigkeit 
unterworfen werden, und es würde also nur Spiegelfechterei 
sein, hier eine minutiöse Genauigkeit zu affektiren. 

Die Wägungen geschahen bei dem ganzen Körper mit 
einer gewöhnlichen Decimalwage , welche höchstens auf 
2 = 20 Grm. zieht; die Hirnwägungen dagegen auf einer 
feineren Wage, welche für 1 jio Grm. noch einen deutlichen 
Ausschlag giebt. Auch hier ist grössere Genauigkeit Spie- 
gelfechterei; einige Tropfen Blut oder Wasser, die unver- 
meidlich verloren gehen, bedingen weit grössere Fehler und 
Unterschiede , als die Genauigkeit der Wage und Wägung. 

Da ich mir von dem zu prüfenden Satze ganz vorzüg- 
lich dann einen Erfolg versprach, wenn derselbe auf den 
Lebenden in Anwendung gesetzt werden könnte, so schien 
es mir von Bedeutung, den Einfluss der Haare und der 
Kopfschwarte auf den Schädelumfang mit in Rechnung ziehen 
zu können, und ich habe daher von einer gewissen Zeit an 
den Schädelumfang mit den Haaren, ohne Haare, und dann 
ohne Kopfschwarte gemessen. 

Das Ergebniss stellt sich in den nachfolgenden Tabellen 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 19 

dar, bei welchen ich zunächst eine Scheidung der Männer 
und Weiber habe eintreten lassen, da die durchgreifenden 
Verschiedenheiten bei beiden Geschlechtern zu gross sind, 
und auch die Zahl der Beobachtungen zu verschieden, um 
aus beiden vereinigt eine Mittelzahl zu bilden. 

Ich habe sodann zwei Tabellen entworfen, die eine 
vollständigere, bei welcher das Hirngewicht die Reihenfolge 
bestimmte. In ihr ist das Alter, Körpergrösse, Körperge- 
wicht, Schädelumfang nach seinen drei Modifikationen, Hirn- 
gewicht , Schädeldicke und Todesart nebst etwaigen Bemer- 
kungen verzeichnet. Es fehlt zuweilen ein und die andere 
Angabe, weil ich nicht alle Leichen ganz unberührt, sondern 
zuweilen schon theilweise secirt erhielt. Auf Berücksich- 
tigung der Schädel dicke unter den drei Rubriken dick, 
dünn und normal, machte mich erst Herr Professor Welker 
aufmerksam, und sie fehlt also für die früheren Beobach- 
tungen, doch ergab sich mir bis jetzt kein Grund für eine 
genauere Beachtung dieses Verhältnisses; es verschwindet 
dieser Einfiuss gegen die übrigen Verschiedenheiten. Mit 
der Diagnose der Todesart ist es wohl auch nicht zu genau 
zu nehmen; sie ist nur der Bezeichnung auf dem Abliefer- 
schein der Leiche entnommen; doch schien sie mir nament- 
lich bei grösseren Gewichtsabweichungen, in Beziehung auf 
grosse Magerheit oder Fettreichthum , oder Wasseransamm- 
lung beachtenswerte 



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Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 



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30 



Sitzung der matli.-yliys. Classe vom 9. Januar 1864. 



Tabelle II. 

über die Gehirngewichte im Vergleich zum Schädel- 

horizontalumfang, geordnet nach dem Schädel- 

horizontalumfang. 

I. Männer. 



Peripherie des 
Schädels. 


Hirngewicht. 


Peripherie des 
Schädels. 


Hirngewicht. 


49,0 


1055 


52,0 


1464 


49,2 


1170 


52,3 


1340 


49,3 


1265 


52,3 


1475 


49,5 


1215 


52,4 


1425 


49,75 


1220 


52,5 


1452 


50,0 


1285 


52,5 


1392 


51,0 


1282 


52,5 


1268 


51,2 


1200 


52,5 


1372 


51,5 


1200 


52,6 


1287 


51,5 


1285 


52,75 


1301 


51,5 


1353 


52,8 


1305 


51,5 


1220 


53,0 


1162 


51,8 


1294 


53,0 


1236 


51,8 


1420 


53,0 


1305 


52,0 


1200 


53,0 


1320 


52,0 


1220 


53,0 


1330 


52,0 


1295 


53,0 


1352 


52,0 


1295 


53,0 


1352 


52,0 


1310 


53,0 


1382 


52,0 


1315 


53,0 


1384 


52,0 


1325 


53,0 


1385 


52,0 


1357 


53,0 


1385 


52,0 


1375 


53,0 


1395 


52,0 


1378 


53,0 


1400 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 



31 



Peripherie des 
Schädels. 


Hirngewicht. 


Peripherie des 
Schädels. 


Hirngewicht. 


53,0 


1416 


54,2 


1370 


53,0 


1420 


54,3 


1400 


53,0 


1472 


54,5 


1515 


53,0 
53,0 


1475 
1503 


54,5 
54,5 


1521 
1770 


53,2 
53,3 


1300 
1245 


55,0 
55,0 


1405 
1552 


53,3 


1390 


55,0 


1642 


53,3 


1475 


55,0 


1660 


53,4 


1377 


55,3 


1500 


53,5 


1235 


55,5 


1430 


53,5 


1352 


55,5 


1433 


53,5 


1358 


55,5 


1498 


53,5 


1480 


55,5 


1620 


53,5 


1380 


55,6 


1490 


53,5 
53,6 
54,0 


1500 
1487 
1250 


55,75 
56,25 
56,3 


1432 
1520 
1565 


54,0 


1275 


56,5 


1480 


54,0 
54,0 


1280 
1290 


57,5 
58,0 


1540 
1602 


54,0 
54,0 


1350 
1400 


59,25 


1585 


54,0 


1430 






54,0 


1440 






54,0 


1445 






54,0 


1475 






54,0 
54,0 
54,0 


1495 
1512 
1665 







32 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 





II. Weiber. 




Peripherie des 
Schädels. 


Hirngewicht. 


Peripherie des 
Schädels. 


Hirngewicht. 


47,5 


1105 


51,5 


1208 


47,8 


1232 


51,5 


1280 


49,0 


1105 


51,5 


1280 


49,0 


1147 


51,5 


1355 


49,0 


1155 


51,5 


1360 


49,0 


1155 


51,6 


1400 


49,0 


1167 


52,0 


1205 


49,0 


1189 


52,0 


1215 


49,0 


1265 


52,3 


1204 


49,0 


1090 


52,5 


1297 


49,5 


1162 


52,5 


1525 


49,5 


1200 


52,8 


1305 


50,0 


1380 


'53,0 


1235 


50,0 


1235 


53,0 


1319 


50,2 


1322 


53,0 


1375 


50,3 


1151 


53,0 


1390 


50,3 


1210 


53,2 


1452 


50,5 


1205 


53,5 


1222 


50,5 


1210 


53,5 


1236 


51,0 


1045 


54,0 


1370 


51,0 


1150 


54,7 


1530 


51,0 


1158 






51,0 


1177 






51,0 


1178 






51,0 


1180 






51,0 


1252 






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Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 33 

Ich ziehe aus der ersten Tabelle für jetzt keine 
weiteren Resultate, weil ich mir vorbehalte, bald eine weit 
grössere Reihe von Hirnwiegungen mitzutheilen , die durch 
ihre Zahl zu allgemeinen Folgerungen eine grössere Berech- 
tigung geben wird. Ich habe sie hier nur in Beziehung auf 
die drei Rubriken des Schädelhorizontalumfanges gegeben, 
und um dem Leser alles ihm etwa wünschenswerthe Material 
zur Beurtheilung der zweiten Tabelle zu liefern. 

Diese zweite Tabelle enthält nur eine Rubrik über 
den Schädelhorizontalumfang und eine über das Hirngewicht ; 
sie ist nach ersterem geordnet und soll also dem eigent- 
lichen Zwecke dieser Mittheilung, der Prüfung des Welker' - 
schen Satzes, dienen. 

Es ergiebt sich aus ihr zunächst bei dem Manne als 
Mittelzahl für den Schädelhorizontalumfang 532 Mm. und 
für das Hirngewicht 1387 Grm. ; bei dem Weibe ein Schä- 
delhorizontalumfang von 511 Mm. und ein Hirngewicht von 
1246 Grm., was zwar im Allgemeinen, wie auch nicht an- 
ders zu erwarten war, die Beziehung beider Grössen zu 
einander bestätigt, indessen keine genauere Einsicht in die- 
selbe gestattet. 

Zu diesem Zwecke wähle ich das Welker'sche Verfahren 
die Schädelhorizontalumfänge in einer von 10 zu 10 Mm. 
steigenden Reihe zu ordnen, und dazu das zugehörige Mit- 
telhirngewicht hinzuzusetzen; ebenfalls für beide Geschlech- 
ter getrennt. Wir erhalten dadurch folgende beide Ta- 
bellen : 



[1864. 1. 1.] 



34 



Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

I. Männer. 



Zahl der 

Gehirne und 

Schädel. 


Horizontal- 
schädelumfang. 


Hirngewicht. 


6 


490—500 


1203 


8 


510—518 


1282 


21 


520—528 


1340 


30 


530—536 


1375 


18 


540—545 


1522 


11 


550—557 


1523 


3 


562—565 


1525 


1 


575 


1540 


1 


580 


1602 


1 


592 


1585 


100 








II. Weiber. 

475—478 
490—495 
500—505 
510—516 
520—528 
530—535 
540—547 



1168 
1163 
1245 
1228 
1292 
1318 
1450 



Die Ansicht dieser Tabellen bestätigt, wie wohl auch 
kaum anders möglich, zunächst den allgemeinen Satz, dass 
mit Zunahme des Schädelhorizontalunifanges auch das Hirn- 
gewicht steigt. 

Im Allgemeinen könnte man alsdann auch wohl sagen, 
dass sie im Sinne Welkers eine stätige Zunahme beider 
Verhältnisse darthun. Für die Männer gilt dieses durchweg, 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 35 

bis auf die letzte Reihe, deren Zahl aber auch nur auf ein 
einziges Gehirn gegründet ist. Für die Weiber linden sich 
schon grössere Störungen, zwischen der 1. und 2. und zwi- 
schen der 3. und 4. Reihe. 

Allein die von mir gewonnenen Zahlen weichen von 
denen Welkers in mehrfacher Hinsicht ab. Sie geben zu- 
nächst durchaus keine so gleichmässig steigende Reihe, wie 
die Welker' sehe, die sehr gleichmässig ansteigt. Der 
Sprung von der 4. zur 5. Reihe ist z. B. bei mir sehr 
gross; die 5. 6. und 7. Reihe, die um 30 Mm. Horizontal- 
umfang verschieden sind, differiren im Hirngewicht fast 
gar nicht. 

Sodann sind meine Zahlen fast durchgängig kleiner 
als die Welker' sehen , worauf mich Herr Professor Welker, 
dem ich dieselben mitgetheilt habe, selbst aufmerksam ge- 
macht hat. Man sieht dieses besonders deutlich, wenn man 
unsere beiderseitigen Zahlen graphisch verzeichnet, wie die- 
ses auf den beiden beiliegenden Tabellen III. und IV. ge- 
schehen ist, auf welchen Welkers Zahlen mit A, die mei- 
nigen mit O bezeichnet sind. Bei mir fällt die ansehnlich 
grössere Menge derselben unter die mittlere Curve, in wel- 
cher die Welker'schen Zahlen ansteigen. Ich möchte auf 
diesen Unterschied kein so grosses Gewicht legen. Er kann 
möglicher Weise in einer kleinen Verschiedenheit des ange- 
wendeten Maasses und der Messmethode liegen, die selten 
wohl bei zwei Beobachtern ganz genau übereinstimmen, und 
deren Fehler ich bei der äussersten Genauigkeit und Sorg- 
falt des Verfahrens von Herrn Professor Welker ganz zu 
meinen Ungunsten auslege. Auf das etwaige Vorherrschen 
dolichocephalischer Schädel bei meinen Messungen, bei wel- 
chen, wie Herr Professor Welker gezeigt hat, bei einem 
verhältnissmässig grösseren Horizontalschädelumfang ein klei- 
neres Hirngewicht sich findet, glaube ich dagegen nicht 
rechnen zu können , denn die hiesigen Schädel sind fast 

3* 



36 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

ohne Ausnahme brachycephal , wenigstens sind entschieden 
dolichocephalische sehr selten. 

Allein mehr als diese Abweichungen von der Welker' - 
schen Reihe, die sich vielleicht bei einer noch grösseren 
Zahl von Beobachtungen und grösserer Sorgfalt und Ueber- 
einstinimung im Messen und Wiegen möglicher Weise ver- 
mindern könnten, stört mich ein Umstand, der mir die 
practische Verwerthung und Anwendung des Welker'schen 
Satzes und die Mittelberechnungen, aus denen er abgeleitet 
ist, unanwendbar zu machen scheint, das sind die ausserordent- 
lichen individuellen Verschiedenheiten, die sich bei gleicher 
Schädelperipl.erie im Hirngewicht, oder bei gleichem Hirn- 
gewicht in der Schädelperipherie finden. Diese werden 
durch die Mittelberechnungen verdeckt, treten aber bei 
Durchsicht der ganzen Tabellen sehr schlagend hervor. 

So finden wir bei der so häufig vorkommenden Schä- 
delperipherie bei Männern von 520 Mm. Unterschiede von 
1200 — 1464 Grm., bei 530 Mm. Unterschiede von 1160 — 
1500 Grau, bei 540 Mm. Unterschiede von 1250— 1665 Grm., 
und bei Weibern bei einer Schädelperipherie von 510 Mm. Un- 
terschiedevon 1045 — 1590 Grm., bei 5 16Mm. Unterschiede von 
1090 — 1400 Grm. etc. Andererseits finden sich auch fast 
ganz gleiche Hirngewichte bei sehr verschiedener Schädel- 
peripherie. So z. B. bei einem Schädel von 492 Mm. Um- 
fang ein Gehirn von 1170 Grm. und bei einem anderen 
von 530 Mm. Umfang ein Hirn von 1162 Grm. Gewicht. 

Auch für diese individuellen Verschiedenheiten scheint 
es mir kaum möglich, den Einfluss der Bracbycephalie und 
Dolichocephalie als genügende Erklärung zu betrachten, ob- 
gleich, wie erwähnt, beide Schädelarten bei gleicher Peri- 
pherie einen verschiedenen Innenraum besitzen. Denn es 
kommen derartige Verschiedenheiten hier nicht vor, und sie 
müssten ausserordentlich gross sein, um für die erwähnten 
Unterschiede des Gehirngewichtes eintreten zu können. 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 37 

Ebenso habe ich vergebens die verschiedene Schadel- 
dicke zu einer genügenden Erklärung zu benutzen versucht. 
Meine Aufzeichnungen in dieser Hinsicht geben hiezu keinen 
hinreichenden Anhalt, und möchte ich überhaupt bezweifeln, 
dass die in dieser Hinsicht vorkommenden Unterschiede für 
sich allein genügend sein könnten. Ausserdem würde diese 
Correctur natürlich ihre Anwendbarkeit bei Bestimmung des 
Hirngewichtes Lebender ganz verlieren. 

Wenn aber schon Brachycephalie und Dolichocephalie 
einen bestimmten Eimiuss auf das Verhältniss des Schädel- 
innenraums zum Horizontalumfang ausüben, so sehe ich 
nicht wohl ein, wesshalb nicht aucli die verschiedene Schä- 
delhöhe hiebei von wesentlicher Bedeutung sein sollte. Bei 
dem Extreme des Missverhältnisses in dieser Hinsicht, bei 
den sogenannten Thurmköpfen, hat Herr Professor Welker 
schon erwiesen, dass trotz sehr kleiner Peripherie der Schä- 
delinnenraum und das Hirngewicht beträchtlich sein kann. 

Ich kann zwei ähnliche Fälle beibringen, welche eben- 
falls darthun, dass bei ungewöhnlich hohem Schädel der 
Horizontalschädelumfang sehr gering, das Hirngewicht nichts- 
destoweniger ziemlich hoch sein kann. Beide sind von Wei- 
bern. Die eine war 36 Jahre alt und zeigte einen ziemlich 
hohen Schädel mit auffallend stark abfallendem Hinterhaupt. 
Der Horizontalumfang betrug nur 485 Mm. , der Höhen- 
durchmesser 140 Mm., der Schädelinhalt 1333 Ccm., das 
Hirngewicht 1260 Grm. ; die Pfeil- und Kranznath sind an 
diesem Schädel ganz verschwunden. Der zweite Fall be- 
trifft ein Mädchen von 16 Jahren, die im Wochenbett ver- 
starb und mir durch ihren Schädelbau sehr auffiel. Der 
Schädel hatte einen Horizontalumfang von 492 Mm., war 
135 Mm. hoch, hatte einen Gehalt von 1342 Ccm. und ein 
Hirngewicht von 1300 Grm. ; die Kranznath ist obliterirt. 
Diese Person wurde mir als ganz verständig und in ihrer 



38 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Art selbst gebildet geschildert. Beide Hirngewichte fallen 
über die Mittelzahl. 

Diese deutliche Einwirkung der Schädelhöhe auf das 
Hirngewicht bei gleichem Schädelunifang scheint mir nun 
aber auch bei geringeren Graden der Verschiedenheit in der 
Schädelhöhe nicht übergangen werden zu können und wahr- 
scheinlich zu den erwähnten individuellen Abweichungen von 
dem Parallelismus zwischen Horizontalumfang und Hirnge- 
wicht beizutragen. 

Es ist zu bedauern, dass solche geringere Verschieden- 
heiten wohl schwerlich leicht beim Lebenden werden festzu- 
stellen oder gar in Rechnung zu ziehen sein. 

Einen nicht zu vernachlässigenden Factor kann ferner, 
wie mir scheint, auch die Verschiedenheit des specifischen Hirn- 
gewichtes, als Ausdruck verschiedener Structur- und Textur- 
verhältnisse , ausmachen. Herr Professor Welker schreibt 
mir zwar, dass nach seinen eigenen und fremden Erfah- 
rungen in dieser Hinsicht bei gesunden Individuen und auch 
bei vielen nicht Gesunden nichts zu fürchten sei. Allein 
wenn ich die bedeutenden Verschiedenheiten bedenke, welche 
die Gehirnsubstanz an Krankheiten Verstorbener rücksicht- 
lich ihrer Härte und Weichheit und ihres ganzen Verhaltens 
zeigt, so möchte ich für kranke Gehirne diesen Satz für 
keineswegs hinreichend befestigt erachten; ja ich glaube, 
dass auf diesen Umstand manche der abweichenden Zahlen 
meiner Tabelle zu schieben ist, da er natürlich bei Welkers 
Berechnungen ganz ausser Acht kam. Wäre hierauf viel zu 
rechnen, so würde sich die Sache für die Bestimmung des 
Hirngewichtes Lebender und Gesunder wieder besser 
stellen; denn bei Gesunden dürfte in der That der Unter- 
schied nicht zu gross sein. 

Endlich glaube ich aber, dass bei dieser Parallele zwi- 
schen Schädelhorizontalumfang und Hirngewicht auch die 
Hirnhäute, und namentlich die Dura mater mit den Sinus, 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 39 

einen Factor abgeben, der wahrscheinlich zuweilen sehr wirk- 
sam, aber leider nicht mit in Rechnung zu ziehen ist. Sie 
tragen zu viel zur Erfüllung des Schädelinnenraumes bei 
und influiren durch die Verschiedenheit ihrer Entwicklung 
zu sehr auf das Hirngewicht, als dass man aus dem Schä- 
delhorizontalumfange, auch wenn derselbe mit dem Schädel- 
innenraum einen grösseren Parallelismus zeigen sollte, als 
wirklich der Fall ist, auf das Hirngewicht schliessen könnte. 
Ich komme daher zu dem Resultate, dass das Verfah- 
ren, allein aus dem bekannten Schädelhorizontalumfange 
einen einigermaassen sicheren Schluss auf das Hirngewicht 
zu ziehen , zu meinem Bedauern kaum anwendbar und ge- 
rechtfertigt sein möchte. Es kommen ausser dem Schädel- 
horizontalumfange, als dem allerdings wichtigsten Factor, 
doch auch noch zu viele andere auf die Grösse und Erfül- 
lung des Schädelinnenraumes einwirkende und leider nicht 
einmal an dem scelettirten Schädel, noch viel weniger aber 
bei dem Lebenden, bis jetzt möglicher Weise in Rechnung 
zu ziehende Factoren ins Spiel, welche die auf dieses Ver- 
fahren gesetzte Hoffnung leider nicht berechtigen. 

Nach diesem Schlüsse hat die Ermittelung des Ein- 
flusses des Haarwuchses und der Kopfschwarte auf den 
Horizontalumfang des Kopfes, wenigstens für diesen specia- 
len Fall, vielleicht kein besonderes Interesse mehr. Indessen 
sind die Zahlen einmal gewonnen, und können vielleicht für 
andere Fälle noch einen Werth erhalten. Das Ergebniss 
ist übrigens mir wenigstens ziemlich überraschend. Bei dem 
Manne beträgt das Mittel des Schädelhorizontalumfanges mit 
den Haaren 555 Mm., ohne Haare 546, ohne Kopfschwarte 
532 Mm. Es wäre danach bei dem Manne im Durchschnitt 
auf die Haare 9 Mm., auf die Kopfschwarte 14, auf beide 
23 Mm. zu rechnen. Bei dem Weibe beträgt das Mittel 
des Schädelhorizontalumfanges mit den Haaren 536 Mm., 
ohne Haare 527, ohne Kopfschwarte 511; also kommen auf 



40 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

die Haare ebenfalls 9 Mm., auf die Kopfschwarte 16, auf 
beide zusammen 25 Mm. Dieses Resultat hat mich wenig- 
stens in Beziehung auf die gleiche Dicke der Haare bei 
beiden Geschlechtern und auf die bedeutende Dicke der 
Kopfschwarte überrascht. Uebrigens kommen auch hier sehr 
grosse individuelle Verschiedenheiten vor. Carus (Grund- 
züge der Kranioscopie , p. 38) glaubt für die Dicke der 
Hautdecken des Schädels, bei Anwendung des Tasterzirkels 
2"' Par. in Rechnung bringen zu können. 

Ich habe übrigens das Verfahren des Herrn Professor 
Welker auf dessen eigenen Wunsch auch noch dadurch zu 
prüfen gesucht, dass ich die Verhältnisse des Schädelhori- 
zontalumfanges , des Schädelinnenraumes und des Hirnge- 
wichtes an einer, wenn auch nur kleineren Zahl von Schä- 
deln und Gehirnen ermittelt habe. Ich bediente mich dazu 
zunächst einer Anzahl in unserer Sammlung aufbewahrter 
Schädel, die aus irgend einem besonderen Grunde scelettirt 
worden waren, und deren zugehöriges Gehirngewicht ich 
aufgezeichnet hatte , wie z. B. Schädel hingerichteter Ver- 
brecher. 

Die hiezu angestellten Messungen sind alle von mir 
selbst möglichst sorgfältig ausgeführt worden; theils mit 
einem in Gentimeter und Millimeter eingeteilten Bande, 
theils mit dem Tasterzirkel. In der Messmethode habe ich 
mich ganz Welker angeschlossen , weil sie mir durchaus 
zweckmässig zu sein scheint. Die Bestimmung des Schädel- 
innenraums geschah mit trockener reiner Hirse und Ab- 
messen der zur Erfüllung des Schädels benutzten Menge in 
einem genau graduirten Glascylinder , wobei während des 
Füllens Schädel und Glas fieissig geschüttelt und aufge- 
stossen wurden. 

Die nachfolgende Tabelle enthält die bei 12 männ- 
lichen und 6 weiblichen scelettirten Köpfen erhaltenen Re- 
sultate. 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 



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Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 



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44 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Aus dieser Tabelle ergiebt sich als Mittel für die zwölf 
Männerschädel 

Für den Horizontalumfang 533 Mm. 
,, ,, Scliädelinnenraum 1558 Ccm. 
,, das Gehirngewiclit 1386 Grm. 

Als Verhältnisszahl zwischen letzteren beiden 100 : 88,9. 
Die Welker'schen Zahlen sind 

Für den Horizontalumfang 521 Mm. 
,, ,, Schädelinnenraum 1448 Ccm. 
,, das Gehirngewicht 1389 Grm. 

Verhältnisszahl der beiden letztern 100 : 95,9. 
Nur das Gehirngewicht stimmt hier überein, weil in 
der That die Tabelle die Extreme der männlichen Hirnge- 
wichte enthält. Die Verhältnisszahl zwischen Schädelinnen- 
raum und Hirngewicht ist dagegen sehr abweichend. 

Für die sechs weiblichen Schädel ergiebt sich als Mittel 
Für den Horizontalumfang 514 Mm. 
„ ,, Schädelinnenraum 1410 Ccm. 
„ das Hirngewicht 1356 Grm. 

Verhältnisszahl zwischen letzteren 100 : 96,1. 
Welker hat zu Mittelzahlen 

Für den Horizontalumfang 504 Mm. 
„ „ Schädelinnenraum 1300 Ccm. 
,, das Hirngewicht 1249 Grm. 

Verhältnisszahl zwischen letztern 100 : 96,1. 
Während diese letzte Zahl übereinstimmt, sind meine 
übrigen Zahlen alle ansehnlich grösser. 

Da nun meine Tabelle wirklich sehr verschiedene Fälle 
enthält, so dürfte es zweckmässig sein, die Extreme auszu- 
scheiden, und unter den Männern nur die 9 Mörderschädel 
zu nehmen, deren in der That keiner ganz besondere Ver- 
hältnisse zeigt, und die ausserdem als ganz gesund zu be- 
trachten sind; und von den weiblichen nur Nro. I. IV. und 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngeicicht. 45 

V. , welche ebenfalls nichts Besonderes ausser der grossen 
Schwere und Dicke des letzteren darbieten. 

Allein auch diese Ausscheidung liefert wesentlich ver- 
schiedene Zahlen von den Welker'schen , nämlich bei den 
Männern 

Für den Horizontalumfang 538 Mm. 
,, ,, Schädelinneraum 1428 Ccm. 
„ das Hirngewicht 1280 Grm. 

Verhältnisszahl letzterer 100 : 86,4, » 
wobei besonders das geringe Hirngewicht und auch die 
niedrige Verhältnisszahl auffallend und abweichend ist. 

Bei den drei Weibern stellen sich die Mittelzahlen 
Für den Horizontalumfang 509 Mm. 
„ ,, Schädelinnenraum 1349 Ccm. 
,, das Hirngewicht 1328 Grm. 

Verhältnisszahl der beiden letzteren 100 : 98,4, 
die , wenn auch besser , doch nicht besonders günstig mit 
den Welker'schen stimmen. 

Allein ich bin geneigt, auf alle diese Abweichungen von 
den Welker'schen Zahlen nicht viel zu geben. Meine Schä- 
del sind, wie gesagt, meist eigenthümlicher Art und ihre 
Zahl noch immer zu klein ; Welker's Zahlen könnten an- 
dererseits, wenn sie auf eine grössere Zahl direkter Beob- 
achtungen gegründet wären, auch vielleicht noch eine Ab- 
änderung erfahren; der Weg könnte vielleicht der rich- 
tige sein. 

Was mich aber an dieser Hoffnung zu meinem Bedauern 
wesentlich verzweifeln lässt , das sind die individuellen Dif- 
ferenzen, die ich in meiner Liste zunächst zwischen Schädel- 
innenraum und Hirngewicht auftreten sehe, welche, wie mir 
scheint, den Werth einer Mittelzahl ganz illusorisch machen. 
Nro. VIII. differirt von Nro. VII. im Hirmjewicht nur um 



46 Sitzung der viath.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

5 Grm. , ini Schädelinhalt um 220 Ccm. Nro. VIII. von 
Nro. VI. im Hirngewicht nur um 47 Grm. , im Schädel- 
innenraum um 365 Ccm. etc. Umgekehrt differiren Nro. II. 
und V. im Schädelinnenraum nur um 40 Ccm., im Hirnge- 
wicht um 152 Grm. Nro. IV. und VII. im Schädelinnen- 
raum nur um 10 Ccm., im Hirngewicht um 118 Grm. etc. 
Aehnliches findet sich bei den weiblichen Schädeln. Auf- 
fallende Unterschiede in der Schädelbildung in Beziehung 
auf Dicke oder Bi achy - und Dolichocephalie , obgleich ich 
kaum wüsste. welchen Einfluss solche auf dieses Verhältniss 
zwischen Schädelinnenraum und Gehirngewicht ausüben könn- 
ten, finden sich in diesen Fällen nicht. 

Aus diesen Zahlen scheint mir daher unwidersprechlich 
hervorzugehen , dass auf die Ausfüllung der Schädelhöhle 
noch andere Factoren einen ansehnlichen Einfluss ausüben, 
als das blosse absolute Hirngewicht. Wahrscheinlich kommt 
das mit dem specifischen Gewichte wechselnde Hirnvolumen 
und vielleicht noch mehr das Verhalten der Hirnhäute und 
besonders der Dura mater und ihrer Sinus in Betracht, 
welche durch verschiedene Dicke und Entwicklung einen 
sehr verschiedenen Raum in der Schädelhöhle einnehmen 
können. In der That glaube ich, bei der grossen Zahl von 
Schädeleröffnungen und Himherausnahmen , die ich selbst 
schon vorgenommen habe, bedeutende Verschiedenheiten in 
dieser Hinsicht beobachtet zu haben. Leider werden die- 
selben schwerlich einer genaueren Messung unterworfen wer- 
den können. 

Um zu ermitteln, wie es sich in Beziehung des Ver- 
hältnisses des Schädelhorizontalumfanges und des Hirnge- 
wichtes verhält, habe ich. die zwölf Männerschädel in der 
Welker'schen Weise von 10 zu 10 Millim. geordnet , was 
nachstehende Tabelle giebt: 



Bisclwff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 47 

Zahl der FälJe. Horizontalumfang. Hirngewi cht. 

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1 520 1332 

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1 546 1431 

2 550 1517 
1 570 1671 

Diese Reihe stimmt leidlich genug mit der Welker'schen 
und zeigt fast einen constanten Parallelismus zwischen beiden 
Grössen. Bei den Weibern ist dieses keineswegs der Fall, 
was man mit Recht auf die drei sehr abweichenden For- 
men IL III. und VI. schieben könnte. 

Allein auch hier sind wieder die individuellen Differen- 
zen so gross, dass sie eine Mittelberechnung ohne Anwend- 
barkeit erscheinen lassen. Nro. II. und XII. haben einen 
ganz gleichen Horizontalschädelumfang und differiren im 
Hirngewicht um 590 Grm ; dazu ist IL noch sehr dick und 
XII. sehr dünn, keiner von beiden aber von abweichender 
Form, sondern einander sehr ähnlich. Ebenso sind III. und 
XII. nur um 5 Mm. im Umfang, aber um 571 Grm. im 
Gehirngewicht verschieden. Das sind meines Erachtens Dif- 
ferenzen, die offenbar nicht allein in der Verschiedenheit der 
beiden berücksichtigten Factoren begründet sind, und daher 
durch grosse Zahlen keine irgend zweckmässige Ausgleichung 
finden können. 

Ich habe endlich, um auch noch diese Probe nicht un- 
versucht zu lassen, bei mehreren frischen Leichen die be- 
treffenden Messungen und Gewichtsbestimmungen vorgenom- 
men, wobei ich nur bemerke, dass ich vor Bestimmung des 
Schädelinnenraumes die Dura mater vollständig auch von 
der Basis des Schädels entfernte , sowie die Hypophysis 
cerebri, die beiden Gangl. semilunaria des Trigeminus und 
die Carotis interna hinwegnahm, um die Verhältnisse denen 
am scelettirten Schädel möglichst gleich zu machen. Die 
nachstehenden Tabellen ergeben das bei 10 Männer- und 
5 Weiber-Schädeln erhaltene Resultat. 



48 



Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 



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[1864. I. 1.] 



50 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Der mittlere Schädelhorizontalumfang bei den 

Männern ist hier 524 Mm. 
Der mittlere Schädelinnenraum 1528 Ccm. 

Das mittlere Hirngewicht 1338 Grm. 

Das Verhältniss zwischen beiden letzteren 100 : 87,5. 
Bei den Weibern beträgt das Mittel dieser Grösse 
Für den Schädelhorizontalumfang 513 Mm. 
„ „ Schädelinnenraum 1431 Ccm. 

,, das Hirngewicht 1290 Grm. 

Die Verhältnisszahl zwischen beiden letzteren 100 : 90,2. 
Sowohl die Mittelzahlen als auch die Reihe der Einzel- 
zahlen stimmen hier besser mit Welker's Zahlen überein, 
doch kommen immerhin so grosse Abweichungen vor, dass 
die Verhältnisszahl zwischen Schädelinnenraum und Hirn- 
gewicht bei mir bei den Männern um 8,4 Proc. , bei den 
Weibern um 5,9 Proc. geringer ist, als bei Welker. Ausser- 
dem finden sich wieder zu grosse individuelle Verschieden- 
heiten in dem Verhältniss des Hirngewichtes zu dem Schädel- 
innenraum, um die Mittelberechnung zu gestatten, z. B. bei 
einer Differenz von nur 2 Grm. Hirngewicht eine Differenz 
von 110 Ccm. im Schädelinnenraum. 

Eine Zusammenstellung der Schädelhorizontalumfänge 
und der Hirngewichte der Männer nach der Zunahme ersterer 
von 10 : 10 Mm. ergiebt folgende Reihe: 

Zahlen. Horizontalumfang. Hirngewicht. 
1 503 1077 

1 512 1222 

4 520 1404 

3 530 1400 

1 540 1275 

Hier herrscht wieder wenig Harmonie, und wenn auch 
wegen zu geringer Zahl von Beobachtungen die Mittelzahlen 
kein Gewicht haben, so sind doch individuelle Differenzen, 
wie sie sich wieder z. B. bei der ersten und letzten Reihe 



Bischoff: Schädelumfang und Gehirngewicht. 5 1 

finden, zu gross, um eine anwendbare Regel aufstellen zu 
können. Allerdings trägt zur Erklärung dieses letzten auf- 
fallenden Verhältnisses wesentlich bei, dass der Schädel 
Nro. III. mit 540 Mm. Horizontalumfang und so geringem 
Hirngewicht abnorm dick war, auf dem Scheitel nämlich 
10 Mm. und in der Peripherie 6 Mm. Sein Innenraum 
war nur 190 Ccm. grösser als bei dem Schädel von 503 Mm. 
Horizontalumfang, und dem entsprechend auch sein Hirnge- 
wicht nur 198 Grm. grösser. 

Fasse ich das Resultat aller vorstehenden Erfahrungen 
zusammen, so komme ich zu dem Schlüsse, dass, wenn 
auch selbstverständlich der Schädelhorizontalumfang der 
wesentlichste Factor für die Grösse des Schädelinnenraumes 
und des Hirngewichtes ist, dennoch auch noch andere Fac- 
toren so sehr auf das Verhältniss sowohl des Horizontal- 
umfanges zum Innenraum, als dieses zum Hirngewicht, und 
daher auch des ersteren zu letzterem bestimmend einwirken, 
dass für den individuellen Fall nicht mit genügender Ge- 
nauigkeit aus dem Schädelhorizontalunifange auf das Hirn- 
gewicht geschlossen werden kann. Wo es sich dagegen um 
Vergleichung grösserer Reihen von Schädeln und Hirnen 
und um eine ihr Verhältniss ausdrückende Mittelzahl han- 
delt , wie z. B. bei der Vergleichung männlicher und weib- 
licher Schädel, oder der Schädel verschiedener Racen, oder 
vielleicht auch nur Stämmen derselben Rage, da glaube ich 
allerdings, dass man sich vollkommen mit dem einfachen 
Maasse des Schädelhorizontalumfanges begnügen kann. 



Anhangsweise glaube ich hier noch einige Worte über 
das Hirngewicht von Tiedemann äussern zu sollen. Ich 
habe in meiner Gedächtnissrede auf denselben mitgetheilt, 
dass sein Gehirn bei der Section nur 1254 Grm. wog, und 
R. Wagner hat natürlich nicht unterlassen, dieses Ergebniss 

4* 



52 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

zu Gunsten seines Widerspruches gegen den Parallelismus 
von Gehirngewicht und geistiger Begabung und Entwicklung 
geltend zu machen. x ) Welker hatte hierauf an das hohe 
Alter Tiedemann's und die unzweifelhaften Zeichen der 
Atrophie des Hirns erinnert ; 2 ) auch hatte ich selbst brief- 
lich R. Wagner auf dieses Sectionsresultat aufmerksam ge- 
macht. Wagner hat darauf in den Göttinger gelehrten An- 
zeigen, 1862 16. April, p. 604, erwidert, ,.dass er sicher 
glaube, dass eine solche senile Atrophie der Hirnsubstanz 
wohl höchstens eine Gewichtsveränderung von 20 — 30 Grm. 
betrage. Der Gewichtsverlust müsse stets annähernd er- 
kannt werden können durch die Menge der serösen Flüssig- 
keit, welche den Raum der durch Atrophie geschwundenen 
Stellen einnimmt. Von einer solchen sei in Tiedemann's 
Sectionsbericht nicht die Rede.'" In einer späteren Mit- 
theilung in den Nachrichten von der G. A. Universität Göt- 
tingen, 1862 v. 12. Nov., p. 480, hat sich dann Wagner 
erinnert, dass im Sectionsbericht allerdings gesagt ist: „Die 
Arachnoidea war verdickt und getrübt und unter ihr befand 
sich selbst an der Obertiäche ziemlich viel Wasser' 1 , aber 
er meint dennoch, dass der Gewichtsverlust gewiss nicht 
mehr als 50—60 Grm. betragen haben werde. Die ange- 
sammelte und bei der Section abfiiessende Menge \Vassers 
ist allerdings nicht gemessen worden; doch haben mir die 
die Section ausführenden Herren gesagt, dass dieselbe im 
Ganzen allerdings bedeutend gewesen sei, und überhaupt 
war der Ausdruck der Atrophie an dem Gehirn deutlich 
genug ausgesprochen. Feiner ist in dem Sectionsbericht 
der bedeutenden Dicke des Schädels Erwähnung gethan, 
und es möchte wohl die Frage aufgeworfen werden können, 
ob diese nicht auch als eine Folge der schon länger einge- 



1) Vorstudien, 2. Abtheilung. 

2) Wachsthum und Bau des menschlichen Schädels, p. 69. 



Buchner: Das Turpethharz. 53 

leiteten Hirnatrophie betrachtet werden könnte; wenigstens 
war Tiedeniann sonst von durchaus nicht starkem Knochen- 
bau. Ein analoges Beispiel scheint mir der oben in der 
letzten Tabelle mitgetheilte Fall Nro. III. eines 73-jährigen 
Mannes zu sein. Um so mehr halte ich es unter diesen 
Umständen gerechtfertigt, die Schädelperipherie Tiedemann's 
in Betracht zu ziehen. Dieselbe beträgt aber an dem nach 
seinem Tode von dem Kopf genommenen genauen Abguss 
545 Mm. , und da er fast keine Haare mehr hatte , auch 
äusserst abgemagert und die Kopfschwarte sehr dünn 
war, so kann für letztem allerhöchstens obige Mittelzahl 
von 14 Mm. in Abzug gebracht werden. Die Schädelperi- 
pherie betrug also 531 Mm. und dazu würde nach obiger 
Tabelle als Mittelgewicht wenigstens ein Gehirn von 1422 Grm. 
gehören. Tiedemann's Gehirn hätte sich also danach schon 
etwas über das Mittelgewicht erhoben. 



Herr Buchner sprach: 

1) Ueber das Turpethharz, eine Mittheilung des 
Herrn Professor Dr. Spirgatis in Königsberg. 

Bereits vor fünf Jahren hatte ich die Ehre , der Kgl. 
Akademie der Wissenschaften die vorläufigen Resultate einer 
Untersuchung über die Constitution des Scammoniums zu 
überreichen. *) Dieselben bewiesen, dass dieses Harz ebenso 
wie zwei andere schon früher von Kays er und W. Mayer 
untersuchte und gleichfalls der Familie der Convolvulaceen 
entstammende Harze, nämlich das Convolvulin , 2 ) das Harz 

1) Gelehrte Anzeigen der k. bayer. Akademie der Wissenschaf- 
ten. 1858. Nr. 13. 

2) Kayser, Annalen der Chemie und Pharmacie LI, 81. Mayer, 
ebendaselbst LXXXIII, 121. 



54 Sitzung der math.-pkys. Classe vom 9. Januar 1864. 

von Ipomoea Purga Wender, und das Jalapin *) das Harz 
von Ipomoea Orizabensis Pelletan, zur Classe der Glucoside 
oder gepaarten Zuckerverbindungen gehöre. Auch sprach 
ich damals die durch fortgesetzte Versuche 4 ) fast zur Ge- 
wissheit gewordene Vermuthung aus , dass Scammonin (ge- 
reinigtes Scammonium) und Jalapin identisch seien, und 
fügte ferner jener Mittheilung die Bemerkung bei, dass 
nach meinen Beobachtungen noch ein viertes drastisches 
Convolvulaceenharz, nämlich das der Wurzel von Ipomoea 
Turpethum R. Br.. der Gruppe der Glucoside angehöre. 

Möge es mir nun gestattet sein, der Kgl. Akademie in 
Folgendem ausführlichere Mittheilungen über letzteren Gegen- 
stand zu unterbreiten. 

Ich bezog die Turpethwurzel von dem Triester Hause 
Behr & Comp. 

Die Wurzel lieferte gegen 4 % Harz, von dem etwa 
V20 in Aether löslich, das Uebrige hingegen darin unlöslich 
ist. Meine Untersuchung gilt allein dem in Aether unlös- 
lichen Harz. 

Um dasselbe zu gewinnen . wurde die Wurzel mit kal- 
tem Wasser möglichst erschöpft, hierauf getrocknet, grob 
geschnitten und mit Alkohol ausgezogen. Von den bräun- 
lich gefärbten alkoholischen Auszügen , welche trotz mehr- 
maliger Behandlung mit Knochenkohle sich nur wenig ent- 
färbten, zog ich den Alkohol ab und schied das Harz mit- 
telst Wasser aus. Die so erhaltene braungelbe Masse wurde 
wiederholt mit Wasser ausgekocht, getrocknet, gepulvert und 
zur Entfernung des in Aether löslichen Theils vier- bis 
fünfmal mit Aether geschüttelt und eben so oft aus ihrer 
Lösung in absoluten Alkohol durch Aether gefällt. 

Das auf diese Weise dargestellte Harz, welches ich 



3) Mayer, daselbst XCV, 129. 

4) Daselbst CXVI, 289. 



Buchner: Das Turpethharz. 55 

Turpethin nennen möchte, bildet eine geruchlose, anfangs 
indifferent, später scharf und bitterlich schmeckende bräun- 
lich-gelbe Masse, welche ich durch kein Mittel weiter zu 
entfärben vermochte. 

Es lässt sich sehr leicht zu einem graulichen Pulver 
zerreiben , wobei es einen fast unerträglichen Reiz auf die 
Schleimhaut der Nase und des Mundes ausübt. In Alkohol 
ist es ähnlich wie Jalapin und Scammonin leicht löslich , un- 
terscheidet sich aber von diesen beiden Harzen wesentlich 
durch seine Unlöslichkeit in Aether. Das Turpethin schmilzt 
bei ungefähr 183 ° C. 

Beim Erhitzen auf Platinblech färbt es sich nach dem 
Schmelzen braun , dann schwarz unter Ausstossung eines 
eigenthümlichen scharfen Geruches , entzündet sich endlich 
und verbrennt mit heller, russender Flamme, unter Zurück- 
lassung von Kohle. 

Gegen concentrirte Schwefelsäure zeigt dasselbe ein ähn- 
liches Verhalten wie Convolvulin, Jalapin und Scammonium- 
harz. Das Turpethin löst sich nämlich darin langsam zu 
einer schön rothen Flüssigkeit, welche beim Verdünnen mit 
Wasser Anfangs noch höher roth, dann aber braun und 
endlich schwarz wird. 

Der Elementaranalyse unterworfen, zeigte das Turpethin 
im Mittel von vier sehr genau stimmenden Verbrennungen 
folgende Zusammensetzung : 

Kohlenstoff 56,60 
Wasserstoff 7,81 
Sauerstoff 35,59 
100,00. 

Diese Zahlen sind auffallender Weise genau dieselben, 
welche Mayer für die Zusammensetzung des Jalapin's, und 
welche ich für die Zusammensetzung des Scammonin's erhielt. 



56 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Mayer fand nämlich als Mittel von sieben Verbrennungen 
des Jalapin's die Zahl : 5 ) 

Kohlenstoff 56,52 

Wasserstoff 8,18 

Sauerstoff 35,30 
100,00, 
während ich bei der Analyse des Scammonin's als Mittel von 
acht Verbrennungen folgende Zahlen erhielt : 6 ) 

Kohlenstoff 56,50 

Wasserstoff 7,97 

Sauerstoff 35,53 
100,00. 
Aus diesen Daten berechneten wir für Jalapin und Scam- 
monin die Formel Ces Hö6 O32, welche verlangt 

Kohlenstoff 56,66 

Wasserstoff 7,77 

Sauerstoff 35,57 
100,00 
und ich habe keinen Grund, dem Turpethin eine andere 
Formel zu geben. 

Auch gegen starke Basen verhält sich das Turpethin 
ganz ähnlich wie Convolvulin, Jalapin und Scammonin. Es 
wird durch dieselben unter Wasseraufnahme in eine in 
Wasser leicht lösliche Säure , welche ich Turpethsäure zu 
nennen vorschlage, umgewandelt. 

Ich habe diese Säure wie die Scammonsäure darge- 
stellt, indem ich das Turpethin unter Beihilfe von Wärme 
in Barytwasser löste, den Baryt durch Schwefelsäure und 
die überschüssig zugesetzte Schwefelsäure durch Bleioxyd- 
hydrat entfernte, hierauf fütrirte, aus dem Filtrat das gelöste 
Bleioxyd mittelst Schwefelwasserstoff ausfällte und die so 



5) Annalen der Chemie und Pharniacie. XCV, 134. 

6) Ebendaselbst CXVI, 296. 



Buchner: Das Turpethharz. 57 

erhaltene farblose Flüssigkeit zur Trockene eindampfte. Die 
Turpethsäure bildet dann eine amorphe, gelblich gefärbte, 
glänzende, durchscheinende, sehr stark hygroskopische Masse ; 
geruchlos von säuerlich - bitterlichem Geschmacke und stark- 
saurer Reaction, beim Erhitzen auf Platinblech mit heller 
russender Flamme verbrennend. 

Ich fand diese Säure im Mittel von drei Verbrennungen 
zusammengesetzt aus 

Kohlenstoff 53,88 

Wasserstoff 7,90 

Sauerstoff 38,22 

100,00. 

Ihre Zusammensetzung entspricht mithin der Formel: C68 
H6o Cs6, aus welcher sich berechnet 

Kohlenstoff 53,97 
Wasserstoff 7,94 
Sauerstoff 38,09 
100,00. 

Die Turpethsäure ist hienach aus dem Turpethin durch 
Aufnahme von vier Aequivalenten Wasser entstanden und 
unterscheidet sich von der Jalapin- und Scammonsäure, 
welche die Formel Ü68 H59 O35 besitzen, durch den Mehr- 
gehalt von einem Aequivalent Wasser. 

Von zwei Barytsalzen dieser Säure , welche ich dar- 
stellte, ergab das erste im Mittel von mehreren Versuchen 
die Zahlen : 

Kohlenstoff 49,55 
Wasserstoff 7,22 
Sauerstoff 34,10 
Baryt 9,13 

100,00. 



58 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Das zweite: 

Kohlenstoff 45,58 

Wasserstoff 6,63 

Sauerstoff 30,49 

Baryt 1 7,30 

100,00. 
Das erste dieser Salze ist mithin nach der Formel: 
C68 H59 O35, BaO zusammengesetzt, welche verlangt 

Kohlenstoff 49,54 

Wasserstoff 7,16 

Sauerstoff 34,00 

Baryt 9,30 

100,00. 
Das zweite aber entspricht der Formel: Ü68 Hss O34, 2BaO, 
denn diese verlangt 

Kohlenstoff 45,78 

Wasserstoff 6,51 

Sauerstoff 30,52 

Baryt 17,19 

100,00. 
Dieselbe merkwürdige Spaltung nun, welche Convolvulin 
und Convolvulinsäure, Jalapin und Jalapinsäure, Scammonin 
und Scammonsäure bei der Behandlung mit Mineralsäuren 
erfahren, erleiden auch Turpethin und Turpethsäure. Auch 
sie zerfallen hiebei in eine Säure von fettartiger Consistenz. 
welcher ich den Namen Turpetholsäure beigelegt habe, und 
in Zucker. 

Die Turpetholsäure scheidet sich bei der Spaltung in 
Form eines gelblich-weissen , körnigen Conglomerats aus. 
Man reinigt sie durch Auswaschen und Schmelzen mit Was- 
ser, Auflösen in wässrigem Alkohol, Entfärben dieser Lösung 
mit Thierkohle und drei- bis viermaliges Umkrystallisiren 
aus verdünntem Weingeist. Sie bildet so dargestellt eine 
schneeweisse Masse, welche bei 300facher Vergrösserung die 



Buchner: Das Turpethharz. 59 

Gestalt feiner Nadeln und Bündel derselben annimmt. Die 
Nadeln besitzen etwa eine Länge von 1 lioo bis 2 /ioo Linie. 
Geruchlos, von kratzendem Geschmacke, in Alkohol leicht, 
weit schwerer in Aether löslich. Die Lösungen reagiren 
sauer. Die Turpetholsäure schmilzt bei ungefähr 88 ° C. 
Beim stärkeren Erhitzen zersetzt sie sich ähnlich wie Scam- 
monolsäure unter Verbreitung eines weissen , Augen und 
Nase heftig reizenden Rauches, während Kohle zurückbleibt, 
die endlich auch vollständig ohne Hinterlassung von Asche 
verbrennt. 

Die Turpetholsäure zeigte im Mittel von drei Verbren- 
nungen folgende Zusammensetzung : 

Kohlenstoff 66,53 

Wasserstoff 11,21 

Sauerstoff 22,26 
100,00. 
Diese Daten stimmen mit der Formel C38H32O8, denn 
daraus lässt sich berechnen 

Kohlenstoff 66,66 

Wasserstoff 11,11 

Sauerstoff 22,23 
100,00. 
Von der Scammonolsäure, welche die Formel Csz H30 06 
besitzt, unterscheidet sich die Turpetholsäure hienach da- 
durch, dass sie zwei Aequivalente Wasser mehr enthält. 

Der Zucker, welcher das zweite Spaltungsproduct des 
Turpethins und der Turpethsäure bildet, kann in der Flüs- 
sigkeit, aus welcher sich die rohe Turpetholsäure ausge- 
schieden hat, ohne Weiteres durch die bekannte Reaction 
mit Kali und schwefelsaurem Kupferoxyd, welche sehr schön 
ausfallt, nachgewiesen werden. Behufs seiner genaueren 
Constatirung entfernte ich , ähnlich wie es bei der Unter- 
suchung des Scammonium's für den gleichen Zweck ge- 
schehen ist, die in der Flüssigkeit befindliche Schwefelsäure 



60 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

durch Bleioxydhydrat, das gelöste Blei mittelst Schwefel- 
wasserstoff, dampfte dann stark ein und behandelte den 
Abdampfungsrückstand mit Aether, um die kleine Menge 
von Turpetholsäure , welche beim Erkalten der abgedampf- 
ten Flüssigkeit sich noch ausgeschieden hatte, fortzunehmen. 

Die so erhaltene gelbbräunliche Flüssigkeit zeigte alle 
Eigenschaften des Zuckers (Glucos). Sie besass einen süssen 
Geschmack, entwickelte auf Platinblech erhitzt den Geruch 
nach Caramel und erlitt durch Hefe die geistige Gährung. 

Ich habe bis jetzt zwei Salze der Turpetholsäure unter- 
sucht, nämlich das Natron- und das Barytsalz. 

Das Natronsalz bildet eine blendend weisse, seidenartig 
glänzende Masse, welche bei 300facher Vergrösserung die 
Form von scharf ausgeprägten rhombischen Platten mit 
Winkeln von etwa 55 und 125 ° annimmt. 

In 100 Theilen desselben wurden gefunden: 

Kohlenstoff 61,90 

Wasserstoff 9,99 

Sauerstoff 18,03 

Natron 10,08 



100,00. 

Das turpetholsäure Natron besitzt hienach die Formel: 
C32H31O7, NaO, woraus sich berechnen lässt 

Kohlenstoff 61,94 
Wasserstoff 10,00 
Sauerstoff 18,06 
Natron 10,00 

100,00. 

Den turpetholsauren Baryt, welchen ich bisher nur in amor- 
phem Zustande erhalten konnte, fand ich in 100 Theilen 
zusammengesetzt aus 



Buchner: Zur Geschichte des Berberins. 61 

Kohlenstoff 53,60 

Wasserstoff 8,75 

Sauerstoff 16,02 

Baryt 21,63 



100,00. 
Die Formel C32H31O, BaO verlangt 
Kohlenstoff 53,99 
Wasserstoff 8,72 
Sauerstoff 15,75 
Baryt 21,54 



100,00. 

Die bisher erhaltenen Resultate dieser Untersuchung 
dürften hienach auf folgende Thatsachen deuten : 

Das Turpethin gehört, wie das Convolvulin, Jalapin und 
Scammouin zu den gepaarten Zuckerverbindungen, ist aber, 
obwohl es eine dem Jalapin und Scammonin gleiche Zusam- 
mensetzung besitzt, mit diesen Harzen nicht identisch, son- 
dern denselben nur isomer, da es sich von ihnen, abgesehen 
von minder erheblichen Eigenthümlichkeiten , sowohl durch 
seine Unlöslichkeit in Aether, wie auch durch die abwei- 
chende Zusammensetzung seiner Derivate unterscheidet. Der 
Spaltungsprocess des Turpethins in Turpetholsäure und in 
Zucker lässt sich durch folgende Gleichung ausdrücken : 

C68H56Ü32 + 12 HO = C32H32 08 -f 3(Cl2Hl2Ül2). 

Fernere Versuche, mit deren Anstellung ich zur Zeit 
beschäftigt bin, werden entscheiden, ob diese Anschauungs- 
weise die richtige ist. 



Derselbe gab 

2) Beiträge zur Geschichte des Berberins. 

Herr J. Dyson Perrins hat in einer im Journal of 
the Chemical Society, XV, 339, veröffentlichten Abhandlung 
über das Berberin auch die chemische Untersuchung dieses 



62 Sitzimg der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

wegen seines Vorkommens in verschiedenen Pflanzenfamilien 
besonders interessant gewordenen Körpers zu geben versucht. 
Aber ich bedauere, sagen zu müssen, dass sich hierin eine 
Unrichtigkeit eingeschlichen hat, welche in Berzelius' 
Jahresbericht ihren Ursprung hat, und welche ich mir schon 
darum zu berichtigen erlaube, weil sie auch von deutschen 
Journalen, welche Perrins' Abhandlung aufgenommen haben, 
unverändert wiedergegeben wurde. Es wird nämlich be- 
hauptet , dass das Berberin im Jahre 1835 von Buchner 
und Herberger in Berberis vulgaris entdeckt worden sei. 
Es ist allerdings wahr, dass Buchner (mein Vater) und 
Herberger, und zwar schon im Jahre 1830, in einer von 
ihnen publicirten Abhandlung 2 ) über die Berberizenwurzel 
den gelben Bitterstoff dieser Wurzel, welchen sie Berberin 
nannten, beschrieben, allein aus dieser Beschreibung ersieht 
man deutlich, dass ihnen die Darstellung des Berberins im 
reinen Zustande nicht viel besser gelungen war, als Bran- 
des', welcher im Jahre 1825 eine Analyse derselben Wur- 
zel unternommen hatte. 2 ) Buchner und Herberger beschrie- 
ben das von ihnen dargestellte Berberin als eine extrakt- 
artige, hygroskopische Masse, sehr leicht löslich in Wasser 
und Alkohol. Aus der ganzen Beschreibung ist ersichtlich, 
dass sie das Berberin noch nicht im reinen Zustande erhal- 
ten hatten; dieser Stoff von damals war kaum mehr als 
ein gereinigtes weingeistiges Extrakt, welches sich zum jetzi- 
gen Berberin ungefähr verhält, wie ein gereinigtes Bella- 
donnaextrakt zum krystallisirten Atropin. 

Die Darstellung des Berberins im krystallisirten Zu- 
stande gelang erst drei Jahre später meinem Vater allein, 



1) Chemische Abhandlung über die Berberizenwurzel; von Dr. 
J. A. Buchner und J. E. Herberger. Repertorium für die Pharma- 
cie, XXXVI, 1. 

2) Archiv der Pharmacie, XI, 29. 



Buchner: Zur Geschichte des Berberins. 63 

als er eine grössere Menge der Wurzelrinde von Berberis 
vulgaris mit kochendem Wasser auszog und das wässrige 
Extrakt mit heissem Alkohol behandelte. 3 ) Das auf diese 
Weise erhaltene und gehörig gereinigte Berberin wurde 
hierauf von meinem Vater und mir näher studirt und in 
einer im Jahre 1835 veröffentlichten Abhandlung beschrie- 
ben. 4 ) Diese Abhandlung ist mehr oder minder vollständig 
auch in mehrere andere Zeitschriften übergegangen, nament- 
lich in Liebig's Annalen der Pharmacie, XXIV, 228. Ber- 
zelius berichtet von dieser Arbeit in seinem Jahresbericht 
von 1836 (XVI. Jahrgang) ebenfalls, indem er daselbst 
(S. 288 der deutschen Ausgabe) sonderbarer Weise sagt: 
,, Buchner und Herberger haben das von ihnen entdeckte 
Berberin (Jahresb. 1833, p. 275) einer neuen und vollstän- 
digeren Untersuchung unterworfen, wobei es ihnen glückte, 
dasselbe rein zu erhalten." Dieser Irrthum ist denn auch 
von Herrn Perrins in seine sonst ausgezeichnete Abhandlung 
aufgenommen worden; er ist dadurch in denselben Fehler 
verfallen, wie mehrere andere Chemiker, welche die Ge- 
schichte ihrer Wissenschaft nicht aus den Quellen, sondern 
aus Jahresberichten oder anderen mehr oder minder ma- 
geren, das Wesen der Sache nicht selten entstellenden Aus- 
zügen zu schöpfen pflegen. 

Aber ich muss mich hier selbst wegen eines Irrthumes 
anklagen, welchen ich bei meinem Studium des Berberins 
begangen habe, nämlich wegen des Irrthumes, damals die 
basische Natur des Berberins verkannt zu haben. Der Um- 
stand, dass das Berberin ein Farbstoff ist, wegen dessen das 



3) S. Repertorium für die Pharmacie, 2. Reihe, II, 3. 

4) lieber das Berberin in chemischer, medicinischer und tech- 
nischer Beziehung; von A. Buchner, Vater und Sohn. Vorgelesen 
in der Sitzung der k. Akademie der Wissenschaften zu München 
am 9. Mai 1835. Repertorium für die Pharmacie, 2. Reihe, 11, 1. 



64 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Wurzelholz des Berberizenstrauches sogar zum Gelbfärben 
des Leders benützt wird , Hess in mir nicht den Gedanken 
aufkommen , dass dieser schöne Farbstoff , obgleich stick- 
stoffhaltig, zu den Alkaloiden gehöre, weil zu jener Zeit ein 
farbiges, zum Färben der Gewebe dienliches Alkaloid etwas 
ungewöhnliches war. Auch die Eigenschaft des Berberins, 
ähnlich einigen anderen gelben Farbstoffen, durch Alkalien 
dunkler gefärbt zu werden, und dann beim Ansäuern der 
alkalischen Flüssigkeiten seine ursprüngliche reingelbe Farbe 
wieder anzunehmen , ferner seine Eigenschaft , durch einige 
Säuren , anstatt in einen löslicheren Zustand überzugehen, 
aus seiner Auflösung gefällt zu werden und auch mit meh- 
reren Metallsalzen Niederschläge zu bilden — alles dieses 
lenkte mich leider von der Idee ab, dass das Berberin ein 
Alkaloid sein könnte. 

Es wird allgemein behauptet, dass der basische Charak- 
ter des Berberins zuerst von Fleitinann erkannt worden 
sei, welcher im Jahre 1846 eine ausführliche Arbeit über 
das Berberin und seine Salze bekannt gemacht hat. 5 ) Ohne 
das Verdienst Fleitmann's, die Eigenschaften und die Zu- 
sammensetzung des Berberins und seiner salzigen Verbin- 
dungen genauer kennen gelernt zu haben , als diess früher 
geschehen war, nur im Geringsten schmälern zu wollen, 
muss ich doch erwähnen, dass Herr Dr. G. Kemp aus 
Cambridge der Erste war, welcher die Eigenschaft des Ber- 
berins, mit Säuren Verbindungen einzugehen, wahrgenom- 
men hat. Herr Kemp hat seine Beobachtungen hierüber im 
Jahre 1841 gemacht und über einige dieser krystallisirten 
Verbindungen eine kurze Notiz im Repertoriiun für die 
Pharmacie, 2. Reihe, XXIII, 118 veröffentlicht. Später wur- 
den von diesem Chemiker das Platindoppelsalz und andere 



5) Annalen der Chemie und Pharmacie. L1X, 160. 



Buchner: Zur Geschichte des Berberins. 65 

Berberinsalze analysirt ; diese Analysen stehen, wenn ich nicht 
irre, in der Chemical Gazette V. 5, S. 209. 

Meine erste Analyse des Berberins , welche ich in der 
gemeinschaftlich mit meinem Vater veröffentlichten Abhand- 
lung mitgetheilt habe, weicht bedeutend von den Analysen 
Fleitmann's und anderer Chemiker ab. Die Ursache dieser 
Differenz liegt zum Theil darin, dass, wie Fleitmann nach- 
gewiesen hat, das früher für rein gehaltene Berberin kein 
freies , sondern salzsaures Berberin war. Ich habe mich 
seitdem auf das Bestimmteste überzeugt, dass das aus der 
Berberizenwurzelrinde durch kochendes Wasser ausgezogene 
und durch Auflösen in kochendem Alkohol gereinigte Ber- 
berin, auch wenn zu seiner Reinigung gar keine Salzsäure 
angewendet wurde, dennoch eine bedeutende Menge Salz- 
säure enthält. Allerdings kam bei der Darstellung einer 
grösseren Menge Berberins im Laboratorium meines Vaters, 
aus welchem auch das Untersuchungsmaterial Fleitmann's 
stammte, Salzsäure in so fern in das Spiel, als man damit 
das Berberin aus den letzten Mutterlaugen ausfällte, allein 
da ich das von mir auf Salzsäure untersuchte Berberin selbst 
dargestellt hatte, so konnte ich sicher sein, dass hierzu keine 
Salzsäure genommen worden war. Gleichwohl gab es, als 
es mit reinem Kalk geglüht und die geglühte Masse in ver- 
dünnter Salpetersäure aufgelöst worden war, mit Silber- 
lösung einen bedeutenden Niederschlag von Chlorsilber. Es 
ist also erwiesen, dass das Berberin unmittelbar aus der 
Berberizenwurzelrinde mit alleiniger Anwendung von Wasser 
und Alkohol wenigstens theilweise als salzsaure Verbindung 
erhalten wird; entweder ist diese Verbindung in der Ber- 
berize schon gebildet vorhanden, oder sie bildet sich, wie 
Fleitmann vermuthet, durch wechselseitige Zersetzung von Chlor- 
kalium 6 ) oder Chlornatrium und organisch-saurem Berberin. 



6) In der Asche eines kalt bereiteten wässrigen Auszuges der 
[1864.1.1.] 5 



66 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Ich habe indessen Ursache zu vermuthen, dass die aus 
der Berberizenwurzelrinde erhaltenen gelben Krystalle nicht, 
oder wenigstens nicht immer vollkommen salzsaures Ber- 
berin seien. Ich habe vor 21 Jahren, als ich mich in Lie- 
big's Laboratorium in Giessen mit chemischen Untersuchungen 
beschäftigte, ein durch wiederholtes Umkrystallisiren aus 
kochendem Alkohol scheinbar vollkommen gereinigtes Ber- 
berin mehrmals analysirt und immer mehr Kohlenstoff, als 
das reine salzsaure Berberin verlangt, aber weniger, als im 
freien Berberin enthalten ist. erhalten. Eine Chlorbestim- 
mung wurde nicht vorgenommen, weil ich damals einen 
Salzsäuregehalt im Präparat nicht ahnte. Aber selbst die 
verschiedenen Kristallisationen eines und desselben Präpa- 
rates waren nicht gleich zusammengesetzt ; eine Krystalli- 
sation gab mir 63,11, eine zweite 64,29 und 64,33 und 
eine dritte sogar 65,55 und 65,68 pr. C. Kohlenstoff. Das 
salzsaure Berberin verlangt gegen 63 und das freie Berberin 
ein wenig über 67 Proc. Kohlenstoff. Die von mir beob- 
achteten Schwankungen mögen zum Theil daher rühren, 
dass das salzsaure Berberin, wie Herr Perrins gefunden hat, 
bei längerem Erwärmen auf ungefähr 100 ° C. etwas zer- 
setzt wird, wesshalb das salzsaure Salz zur Elementaranalyse 
nicht geeignet ist, und auch daher, dass das Reinigen der 
Berberinsalze durch Umkrystallisiren sehr schwierig ist. 
Allein die gefundenen Zahlen lassen mich auch vermuthen, 
dass ich es mit einem Gemenge von salzsaurem und freiem 
Berberin zu thun hatte. 

Herr Perrins giebt an, dass die Herren Chevallier 
und Pell et an das Berberin zuerst beobachtet, dass sie es 
schon im Jahre 1826 aus Xanthoxylum clava Herculis er- 
halten und unter der Benennung Xanthopikrit sehr genau (?) 



Berberizenwurzelrinde fand ich eine ziemlich bedeutende Menge von 
Chlorkalium. 



Büchner: Das äther. Oel a. d. Früchten v. Abies Reg. Amaliae. 67 

beschrieben haben. 7 ) Diess ist richtig , allein dessenunge- 
achtet wusste Niemand etwas von dem Vorkommen desBer- 
berins in der genannten Pflanze, so lange nicht die Identität 
des Xanthopikrits und des Berberins nachgewiesen war, was 
erst in neuester Zeit von Herrn Perrins geschehen ist. Die 
Entdeckung, dass Xanthoxylum Berberin enthält, ist also 
eigentlich von Herrn Perrins und nicht von den Herren 
Chevallier und Pelletan gemacht worden. Wie dem auch 
sei, so viel ist gewiss, dass das Berberin aus der Pflanze, 
von welcher es seinen Namen hat, im krystallisirten Zustande 
zuerst von meinem verstorbenen Vater dargestellt worden 
ist; die Ehre der Entdeckung dieses schönen Stoffes wird 
also auch fernerhin diesem zuerkannt werden müssen. 



7) Journ. de Chimie medicale. 11. 314. Im Originale steht Zan- 
thoxylum und Zanthopicrite anstatt Xanthoxylum und Xantlwpicrite, 
welche offenbar die richtigeren Namen sind. 



3) Ueber das ätherische Oel aus den Früchten 
von Abies Reginae Amaliae. 

Der Güte des Herrn Leibarztes Dr. Lindermayer in 
Athen verdanke ich eine Sendung von Samen oder viel- 
mehr Früchten jener Tanne, welche man vor einigen Jahren 
in den Wäldern Arkadiens auffand und, weil man sie für 
eine neue Art hielt, der Königin von Griechenland zu Ehren 
Abies Reginae Amaliae benannte. Es kommt mir nicht zu, 
darüber zu entscheiden , ob diese Tanne wirklich eine be- 
sondere neue Species, oder ob sie, wie Einige glauben, nur 
eine Varietät einer der schon bekannten Abiesarten sei; 
ihre Früchte erregten mein Interesse besonders wegen des 
sehr angenehm riechenden ätherischen Oeles, welches in der 
Fruchtwand in so reichlicher Menge enthalten ist, dass es 

5* 



68 Sitzung der math.-phys. Clause vom 9. Januar 1864. 

beim Zerdrücken derselben ausfliesst. Dieses Oel lässt sich 
daher sehr leicht durch Destillation der zerquetschten Früchte 
mit Wasser gewinnen; aus 150 Grammen Früchte wurden 
auf diese Weise etwas über 26,25 Grm. Oel erhalten, wel- 
ches auf dem überdestillirten Wasser schwamm ; da aber 
ein Theil des Oeles im Wasser gelöst blieb , so lässt sich 
annehmen, dass die genannten Früchte wenigstens 18 Proc. 
flüchtiges Oel enthalten. 

Herr Dr. Eduard Thiel aus Cassel hat dieses Oel in 
meinem Laboratorium einer Untersuchung unterworfen, wo- 
raus sich ergiebt, dass es wie die übrigen bekannten flüch- 
tigen Oele der Coniferen zur Gruppe der Camphene mit der 
Formel C20H16 gehöre. 

Es ist frisch destillirt ganz farblos und sehr dünnflüssig. 
Sein Geruch ist von demjenigen des Terpenthinöles ganz 
verschieden; er ist, wie schon erwähnt, sehr angenehm bal- 
samisch, citronenartig und noch feiner als jener des ätheri- 
schen Oeles aus den Zweigen von Pinus Pumüio H. , wel- 
ches vor vier Jahren in meinem Laboratorium von Herrn 
Mikolasch aus Lemberg untersucht worden ist. 1 ) 

Das speeifische Gewicht des entwässerten Oeles wurde 
bei mittlerer Temperatur = 0,868 gefunden. Es zeigte bei 
einer Temperatur von -j- 20,2 ° C. und einer Länge der 
Flüssigkeitssäule von 25 Centimeter eine Ablenkung der 
Ebene des polarisirten Lichtes von bloss 5 ° nach links. 
Unter dem gewöhnlichen Luftdrucke begann es bei 156° CL 
zu sieden; der Kochpunkt stieg aber bald auf 170°, blieb 
dann längere Zeit constant und erhöhte sich endlich bis 
auf 192°. 

Die Elementaranalyse des mittelst Chlorcalciums ent- 
wässerten und rectificirten Oeles wurde mit Kupferoxyd im 
Sauerstoffstrome ausgeführt und gab folgendes Resultat: 

1) S. Annalen d. Chem. u. Pharm. CXV1, 323 ; auch mein Repeiv 
torium, IX, 337. 



Buchner: Das cither. Oel a. d. Fruchten v. Abies Reg. Amaliae. 69 

I. 0/200 Grm. gaben 0,630 Kohlensäure und 0,23 
Wasser. 

IL 0,300 Grm. lieferten 0,946 Kohlensäure und 0,342 
Wasser. 

III. 0,310 Grm. gaben 0,977 Kohlensäure und 0,355 
Wasser. 

Diess macht für 100 Theile: 

I. IL HI. Mittel. 

Kohlenstoff 85,91 86,00 85,96 85,96 
Wasserstoff 12,77 12,67 12,73 12,72. 

Man sieht aus diesen Zahlen, dass das Oel in dem Zu- 
stande, in welchem es zur Elementaranalyse verwendet wurde, 
gleich mehreren anderen ätherischen Oelen aus der Reihe 
der Camphene nicht vollkommen sauerstofffrei ist. Gleich- 
wohl wirkt es auf blankes Kalium oder Natrium nur sehr 
wenig ein; es entwickeln sich bloss anfangs einzelne Gas- 
bläschen, wobei sich das Oel bräunlich färbt, dann aber 
scheint jede Einwirkung aufzuhören, denn das Metall bleibt 
in der Regel vollkommen blank; nur manchmal umhüllt es 
sich mit einer gelb - rothen gallertartigen Masse. Eine Ver- 
änderung des Geruches findet durch diese Veränderung nicht 
statt. Die wenigen Gasbläschen, welche sich in den ersten 
Momenten der Berührung des entwässerten Oeles mit Kalium 
oder Natrium entwickeln , deuten darauf hin , dass von der 
geringen Menge Sauerstoff, welche in dem Oele enthalten 
ist, sich wenigstens ein Theil im Hydratzustande darin be- 
findet. Uebrigens zieht dieses Oel sehr rasch Sauerstoff aus 
der Luft an und verharzt sich dabei, so dass es schon dess- 
halb schwer ist, es vollkommen sauerstofffrei zu erhalten. 
Diess gelingt am besten, wenn man das mit Kalium oder 
Natrium behandelte Oel in einem mit Kohlensäure gefüllten 
Apparat destillirt und sogleich darauf in Glasröhren bringt, 
deren Spitzen vor der Lampe zugeschmolzen werden. 

Die Eigenschaft, den Sauerstoff aus der Luft anzuziehen 



70 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1S64. 

und zunächst zu ozonisiren, besitzt dieses Oel in einem viel 
höheren Grade , als das Terpenthinöl , denn während man 
eine Mischung von letzterem mit Stärkekleister und Jod- 
kaliumlösung längere Zeit an der Luft den Sonnenstrahlen 
aussetzen muss, um Jod frei zu machen und die blaue 
Reaction von Jodstärke zu beobachten, geschieht dieses mit 
dem Oele aus den Früchten der neuen Tanne schon nach 
wenigen Minuten. Ebenso wird mit Schwefelblei überzogenes 
Papier nach dem Befeuchten mit letzterem Oele und Aus- 
setzen an das Sonnenlicht viel schneller entfärbt, als durch 
Terpenthinöl. 

Während das Oel durch Sauerstoffanziehung sich ver- 
dickt und verharzt, ändert es auch seinen angenehmen Ge- 
ruch in einen viel weniger angenehmen. Da man aber die 
Früchte der genannten Tanne einige Jahre in offenen Ge- 
fässen aufbewahren kann, ohne dass das ätherische Oel 
darin seinen balsamischen Geruch oder den dünnflüssigen 
Zustand verändert , so muss angenommen werden , dass es 
sich hier in luftdichten Behältern eingeschlossen befindet. 
Diess ergiebt sich auch daraus, dass diese Früchte, so lange 
sie unverletzt sind, ungeachtet ihres Reichthumes an ätheri- 
schem Oele nicht darnach riechen. 

Gegen Jod verhält sicu dieses Oel ganz anders, als das 
Terpenthinöl ; es löst nämlich das Jod vollkommen ruhig 
ohne Dampfbildung und ohne sich zu erhitzen auf. Die 
Auflösung ist braunroth gefärbt und besitzt den unveränder- 
ten Geruch des Oeles und des Jodes zugleich. 

Ein Theil des Oeles wurde in der Kälte der Einwirkung 
von entwässertem Chlorwasserstoff ausgesetzt, wobei es sich 
gelb , dann braun und zuletzt violett färbte. Das mit salz- 
saurem Gase gesättigte Oel wurde durch Waschen mit Was- 
ser und einer Lösung von doppeltkohlensaurem Natron von 
der anhängenden Salzsäure befreit und durch Chlorcalcium 
entwässert, worauf es eine gelbliche Flüssigkeit darstellte, 



Büchner : Das äther. Oel a. d. Früchten v Äbies Eeg. Amaliae. 7 1 

von einem dem des ursprünglichen Oeles ähnlichen, aber 
minder angenehmen Gerüche. 

Zur Analyse dieser Verbindung wurde ihr Dampf über 
reinen, in einer Glasröhre zum Glühen erhitzten Aetzkalk 
geleitet, dieser dann in verdünnter Salpetersäure gelöst und 
die Menge des Chlors in dieser Lösung durch salpetersaures 
Silberoxyd bestimmt. 0,330 Grm. der Verbindung gaben 
0,280 Grm. Chlorsilber, was 20,98 Proc. Chlor oder 21,57 
Proc. Chlorwasserstoff entspricht. Diese Verbindung ist dem- 
nach wie die meisten Verbindungen der Camphene mit 
Chlorwasserstoff nach der Formel C20H16, HCl, welche 
20,58 Proc. Chlor verlangt, zusammengesetzt. Da diese 
Verbindung in der Kälte nichts Krystallinisches ausschied 
und da sich auch beim Erhitzen mit rauchender Salpeter- 
säure nach Berthelot's Methode nichts Festes daraus subli- 
mirte, so darf angenommen werden, dass das ätherische Oel 
aus den Früchten der arkadischen Tanne nur aus einem 
einzigen Individuum bestehe, und nicht wie das Terpenthinöl 
ein Gemisch von zweierlei Camphenen sei. 

Als Heilmittel kann das neue Oel, wie die von Herrn 
Professor Seitz in hiesiger Poliklinik angestellten Versuche 
beweisen, in allen den Fällen benützt werden, in welchen 
man das Terpenthinöl anzuwenden pflegt; wegen seines 
angenehmen Geruches verdient es diesem vorgezogen zu 
werden. 



72 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Herr von Kobell trug vor: 

„Ueber den Aedelforsit und Sphenoklas". 
1. 
Unter dem Namen Aedelforsit sind zwei Mineralien be- 
kannt, welche beide zu Aedelfors in Schweden vorkommen 
und von Hisinger und Retzius analysirt wurden. Retzius 
selbst hat das von ihm untersuchte Mineral zu Hisinger's 
Mehlzeolith gestellt. Er giebt an, dass es mit Salpetersäure 
gelatinire und schreibt für die Mischung die mineralogische 
Formel CS 3 + 3 AS 3 + 4 Aq. Die Analyse gab: 
Kieselerde 60,280 

Thonerde 15,416 

Kalkerde 8,180 

Eisenoxyd 4,160 

Talkerde und 

Manganoxyd 0,420 

Wasser 11,070 

99,526. 

(Schweigger's N. Jahrbuch f. Chemie und Physik. Bd. 27. 1819. 

p. 392.) 

Das von Hisinger untersuchte Mineral habe ich meines 
Wissens zuerst nach dem Fundorte Aedelfors benannt und 
will es hier unter diesem Namen weiter besprechen. Hisinger 

hat -es nach seiner Analyse wesentlich als CaSi bestimmt 
mit eingemengtem Silicat von Thonerde, Talkerde, Eisenoxyd 
und Manganoxyd. Er fand nämlich: 



Kieselerde 


-57,75 


Kalkerde 


30,16 


Talkerde 


4,75 


Thonerde 


3,75 


Eisenoxyd 


1,00 


Manganoxyd 


0,65 



98,06. 
(Kongl. Vetenskaps-Academiens Handlingar, För Aß 1838.) 



v. Kobell: Das Aedelforsit und Sphenoklas. 73 

Er rechnete damals die Sauerstoffrnenge der Talkerdc 
nicht zu der der Kalkerde , sondern zu der der Thonerde. 
Dass ich dasselbe Mineral vor mir hatte, beweist ausser der 
übereinstimmenden Beschreibung auch dessen von Hisinger 
angegebene Eigenschaft, beim Erwärmen mit grünlichgelbem 
Lichte stark zu phosphoresciren. 

Dieses Mineral kommt in derben Massen vor, welche 
ausgezeichnet kleinsplitterigen Bruch zeigen. Unter der Lupe 
erkennt man krystallinische, sehr feinkörnige, mitunter auch 
in's verworren Faserige übergehende Structur. Die Farbe 
ist gelblich-graulichweiss , es ist an den Kanten durchschei- 
nend. Die Härte steht der des Orthoklas ziemlich nahe und 
das specifische Gewicht fand ich = 3,0 (Hisinger giebt es 
nur zu 2,584 an). 

Vor dem Löthrohre schmelzen feine Splitter = 4, ein- 
zelne Blasen entwickelnd zu einem glänzenden grünlichen, 
halbdurchsichtigen Glase. Beim Erhitzen eines grösseren 
Stückes kann man schon am Tageslicht das Phosphoresciren 
bemerken. Von Salzsäure und Schwefelsäure wird das Mi- 
neral nur sehr wenig angegriffen. Da es mit Calcit ver- 
wachsen ist, so wurde das zur Analyse verwendete Pulver 
zuvor durch schwache Salzsäure von diesem gereinigt und 
mit Kalilauge aufgeschlossen. Die Trennung der Basen 

R und R geschah durch Neutra lisiren der sauren Auflösung 
mit doppelt kohlensaurem Natron und wurde am Präcipitat, 
welches wieder in Salzsäure gelöst wurde, wiederholt und 
dadurch noch etwas Kalk und eine merkliche Menge Talk- 
erde abgeschieden. 

Die Analyse gab : 



74 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 







Sauerstoff. 


Kieselerde 


61,36 


32,72 


Thonerde 


7,00 


3,27 


Kalk erde 


20,00 


5,71) 


Talkerde 


8,63 


3,45 i 


Eisenoxydul 


2,70 


0,59J 


Spur v. Man- 




- 


ganoxydul 







9,75 



99,69 

Obwohl der Eisengehalt sehr gering ist, so stellte ich 
doch einen Versuch an, dessen Oxydationszustand zu be- 
stimmen. Ich erhitzte etwa 2,5 Grm. des Mineralpulvers 
mit dem 5-fachen Gewicht feingeriebenen Boraxglases gemengt 
in einer kleinen gläsernen Retorte, deren Rohr in eine Flasche 
eingefügt war, in welcher Kohlensäure entwickelt wurde. 
Als die Retorte nach längerem Glühen durch Verstärkung 
der Gasflamme zu schmelzen begann, schlug ich den Hals 
ab und liess den Kolben in einem bedeckten Gefässe erkal- 
ten. Ich zerrieb dann den zum Theil nur zusammengesin- 
terten Inhalt, ohne das etwa anhängende Glas zu entfernen, 
und kochte das Pulver in einem Glaskolben mit verdünnter 
Salzsäure, unter Hinzufügen einiger kleinen reinen Calcit- 
krystalle. Die Flüssigkeit wurde filtrirt und ich bewerk- 
stelligte dieses in einer Atmosphäre von Kohlensäure in der 
Art, dass ich in das Filtrum, welches gross genug war, die 
Flüssigkeit auf einmal zu fassen, einen kleinen Calcitkrystall 
warf und ebenso Calcit in das Cylinderglas brachte, welches 
das Filtrat aufnahm. Die sauere Flüssigkeit entwickelte so 
im Trichter, welcher mit einer Glasplatte bedeckt wurde, 
Kohlensäure und das Filtrat befand sich auch in einer At- 
mosphäre von Kohlensäure. Natürlich ist dieses einfache 
Verfahren nur anwendbar, wo es sich nicht um die gesammte 
zu filtrirende Flüssigkeit, sondern nur um einen beliebigen 
Theil derselben handelt, denn ausserdem würde das Brausen 



v. Köbeti: Das Aedelforsit und Sphenoklas. 75 

und Spritzen im Trichter, ungeachtet der aufgelegten Glas- 
platte, doch einen Verlust herbeiführen. Nachdem das Fil- 
trat erkaltet war, titrirte ich dasselbe durch eine Lösung 
von phosphorsaurem Manganoxyd. Nach Beendigung der 
Oxydation kochte ich die rosenrothe Flüssigkeit in einem 
Kolben mit einem Ueberschuss von reinem Zink, stellte 
dann das ursprüngliche Volumen durch verdünnte Salzsäure 
wieder her und titrirte abermals. Der Verbrauch der Man- 
ganlösung war in beiden Versuchen so gleich, dass kein 
Zweifel blieb, das Eisen als Oxydul in Rechnung zu bringen. 
Ich ziehe für dergleichen analytische Untersuchungen 
eine Lösung von phosphorsaurem Manganoxyd *) der ge- 
wöhnlichen Chamäleonlösung vor, weil die Rosenfarbe, welche 
die Probeflüssigkeit nach Beendigung der Operation an- 
nimmt, sich längere Zeit ganz unverändert erhält, während 
sie von der Chamäleonlösung in wenigen Minuten sich bleicht 
und verschwindet. Wenn man ein Volumen concentrirter 
Salzsäure mit dem fünf- bis sechsfachen Volumen Wasser 
verdünnt und einen Theil davon durch Zutropfen von Cha- 
mäleonlösung, einen andern ebenso durch phosphorsaures 
Manganoxyd deutlich roth färbt, so kann man sich leicht 
von dem Unterschiede in der Haltbarkeit der Farbe über- 
zeugen; dass man aber bei der constanten Farbe sicherer 
ist, dass die verlangte Oxydation gehörig geschehen, als bei 
der wieder verschwindenden, ist für sich klar. Nur bei 
stärkerer Verdünnung ist auch die Farbe der Chamäleon- 
lösung länger haltbar. 

Die Sauerstoffmengen der angeführten Analyse des Aedel- 
forsit zeigen das Verliältniss Si : R : R = 30 : 3 : 9, oder 
10 : 1 : 3. 



1) Vergl. meine Abhandlung hierüber in Gelehrten Anzeigen der 
k. bayr. Akademie d. Wissenschaften. 1859. Nro. 47 u. 48. Jahrb. 
für pract. Chemie LXXV1. 415. 



76 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Janttar 1864. 
Die Formel ist daher: 



Ca 
g Si + 9 RSi , oder M Si + 9 Mg 

Ee 



Si. 



2. 

Das Mineral, welches ich Sphenoklas nenne, von den 
keilförmigen Bruchstücken, welche beim Zerschlagen häufig 
erhalten werden (G<p/jv, der Keil, und xkäco, zerbrechen), 
findet sich zu Gjellebäck in Norwegen. Ich erhielt es von 
Dr. Krantz in Bonn mit der Bezeichnung Kalktrisilikat. 
Ein solches Silicat von dem genannten Fundorte wird von 
Hisinger angegeben (Jahresbericht von Berzelius IV. 1825. 
p. 154). Ich muss bezweifeln, dass das von mir untersuchte 
Mineral dasselbe sei, welches Hisinger analysirt hat, denn 
seine Mischung ist von einem Kalktrisilikat weit entfernt 
und kommt mit keinem der bekannten Silicate überein. 

Das Mineral bildet parallele dünnere und dickere Lagen 
in einem bläulichen körnigen Calcit. Die Farbe ist blass- 
graulichgelb, es zeigt splittrigen Bruch und beim Kerzenlicht 
einen Schimmer, welcher auf krystallinisch-blättrige Structur 
hinweist, es ist an den Kanten durchscheinend und nahe 
von der Härte des Orthoklas. 

Das specifische Gewicht einer von Calcit und etwas ein- 
gemengtem Pyrit durch Salpetersalzsäure gereinigten Probe 
(in Pulverform) ergab sich = 3,2. 

Vor dem Löthrohr schmilzt das Mineral leicht = 3 
und vollkommen ruhig zn einem dichten, glänzenden, grün- 
lichen Glase , im Kolben giebt es kein oder nur eine Spur 
von Wasser. Von Salzsäure und Schwefelsäure wird es 
wenig angegriffen, nach dem Schmelzen aber wird es von 
Salzsäure zersetzt und scheidet die Kieselerde in gallert- 
artigen Klumpen ab. Es wurden 2,5 Grm. des gereinigten 



v. Kobell: Das Aeäelforsit und Sphenoklas. 77 

Pulvers mit kohlensaurem Natron aufgeschlossen, nach Ab- 
scheidung der Kieselerde, die Thonerde mit dem Eisenoxyd 
durch Neutralisiren der salzsauren Lösung mit doppelt koh- 
lensaurem Natrum gefällt , das Filtrat eingeengt und mit 
einer Lösung von chlorsaurem Kali in heisser concentrirter 
Salzsäure versetzt und unmittelbar durch Aetzammoniak das 
Manganoxyd präcipitirt, weiter der Kalk durch kleesaures 
Ammoniak und die Talkerde durch phosphorsaures Natrum 
und Ammonik. 

Das Mittel zweier nahe übereinstimmender Analysen 
war: 

Sauerstoff. 
Kieselerde 46,08 . 24,57 .... 4 

Thonerde 13,04 . 6,10 .... 1 

Kalkerde 26,50 . 7,57 



Talkerde 6,25 . 2,50 

Eisenoxydul 4,77 . 1,06 

Manganoxydul 3,23 . 0,68 



11.81 



99,87 

Das Sauerstoffverhältniss von Si, it und R ist offenbar 
4:1:2, wonach sich die Formeln feSi-f- 3R 2 Si, oder 
auch £ Si 2 -f- 2 R 3 Si bilden lassen. 

Dass das Mangan als Oxydul enthalten , zeigte sich 
deutlich bei der Behandlung einer Probe mit Phosphorsäure. 
Die zur Syrupdicke eingekochte Masse war weuig bräunlich 
gefärbt, auf Zusatz einiger Tropfen concentrirter Salpeter- 
säure kam sogleich die rosenrothe und violette Farbe des 
phosphorsauren Manganoxyds zum Vorschein. Eine Probe 
mit Boraxglas in einer Retorte aufgeschlossen und wie bei 
der vorigen Analyse des Aedelforsit behandelt, zeigte, dass 
das Eisen als Oxydul in dem Mineral enthalten sei. 

Obige Formeln haben gegen die gewöhnlichen der Sili- 
cate etwas Auffallendes und Exceptionelles , es ist dieses 



78 Sitzung der math.-phys. Glosse vom 9. Januar 1S64. 

aber bei allem Neuen und zum erstenmal Beobachteten der 
Fall und lassen sich ungezwungen nicht wohl andere Aus- 
drücke für die Mischung geben, man müsste denn, wie aber 
auch nicht annehmbarer, ein Aluminat in Rechnung bringen. 
Der bläuliche Calcit, welcher den Sphenoklas begleitet, phos- 
phoresirt beim Erhitzen mit einem auffallenden röthlichgel- 
ben Lichte. Es ist ein sehr reiner kohlensaurer Kalk, ohne 
Talkerde, Thonerde, Fluorcalium oder dergleichen. Der von 
diesem Calcit gereinigte Sphenoklas phosphorescirt beim 
Erwärmen nur mit schwach gelblichem Schein. Ich prüfte 
bei dieser Gelegenheit mehrere Calcite und Dolomite auf 
Phosphorescenz und fand, dass auch der bläuliche Calcit 
von Cziklowa im Banat , welcher den bekannten Kalkgranat 
begleitet , ähnlich dem oben erwähnten , stark phosphores- 
cirt. Da Grotthuss gefunden, dass vom Chlorophan, wenn 
er in Salzsäure gelöst wird, das Präcipitat mit Aetzammoniak 
ebenfalls phosphorescire, so untersuchte ich , ob es sich mit 
den genannten Calciten auch so verhalte. Ich löste sie in 
Salzsäure und fällte mit kohlensaurem Ammoniak. Das 
Präcipitat zeigte aber keine Spur von Phosphorescenz. Die 
Eigenschaft des Phospborescirens ist also nicht unbedingt 
von der Art der Substanz abhängig, auch nicht von der 
Krystallisation, denn das Präcipitat des kohlensauren Kalkes 
besteht auch aus Krystallen, von denen freilich nicht immer 
zu sagen ist, ob sie hexagonal, oder von der Aragonitform 
sind. Die Aggregation solcher Krystallindividuen und die 
gegenseitige Spannung, welche an ihnen durch das Erwär- 
men des Aggregats entsteht, kann die Molecularschwingung, 
welche Phosphorescenz bedingt, auch nicht hervorbringen, 
denn fein geriebenes Pulver des norwegischen Calcit's phos- 
phorescirt fast so lebhaft, wie ein grösseres Stück, nur ist 
die Farbe des Lichtes mehr roth. Diese Calcite verlieren 
durch Erhitzen ihre bläuliche Farbe , ich hatte aber nicht 



Mohr: Trennung und Bestimmung des Kupfers. 79 

Material genug, uni zu untersuchen, woher diese Farbe ihren 
Ursprung habe. 

Mit schönem rosenfarbenem Lichte phosphorescirt durch 
Erwärmen auch der feinkörnige Dolomit vom St. (iotthard, 
in welchem die grünen Tremolitkrystalle vorkommen, der 
bräunliche Dolomit aus dem Zillerthale zeigt aber keine 
Phosphorescenz , eben so wenig der Magnesit von Hall und 
aus Mähren. 



Zur Vorlage kam von Herrn Mohr in Coblenz eine 
Abhandlung 

,,Ueber verbesserte Methoden in der Trennung 
und Bestimmung des Kupfers''. 

Das Kupfer steht in den Lehrbüchern der analytischen 
Chemie mit dem bösen Rufe eingeschrieben, dass seine 
frischgefällte Schwefelverbindung sich an der Luft oxydire, 
und am Ende des Auswaschens wieder sich löse und in das 
Filtrat komme. Ich habe gefunden, dass diese üble Eigen- 
schaft des Schwefelkupfers ganz beseitigt werde, wenn man 
die Fällung in der Siedhitze bewirkt. Das so gefällte 
Schwefelkupfer setzt sich in der Flüssigkeit, die wasserklar 
darüber steht, leicht ab, lässt sich durch Filtration leicht 
trennen und kann Tage lang feucht auf dem Filtrum stehen, 
ohne dass sich eine Spur desselben oxydirt und wieder 
durchläuft. Durch diesen Handgriff wird die quantitative 
Bestimmung des Kupfers ungemein erleichtert, und die An- 
wendungen liegen auf der Hand. 

Zur Bestimmung des Kupfers und Eisens im Kupferkies e 
dient denn folgendes Verfahren. 



80 Sitzung der math.-phys. Classe vom 9. Januar 1864. 

Man schliesse den feingepulverten Kupferkies in einer 
Porcellanschale mit starker Salpetersäure und etwas Schwe- 
felsäure durch Eindampfen bis zur Trockenheit auf. Hier- 
bei verfliegt alle Salpetersäure, der ausgeschiedene Schwefel 
verbrennt, und die Metalle bleiben als schwefelsaure Salze 
übrig. Man wiederhole diese Operation mit weniger Säure 
noch einmal. Darauf löst man die übrig bleibende Masse 
mit verdünnter Schwefelsäure , um jede Spur von Blei zu- 
rückzuhalten und filtrirt. Im Filtrat ist alles Kupfer und 
ein Theil des Eisens. Man erhitzt zum Kochen , leitet 
Schwefelwasserstoffgas hinein, bis alles Kupfer als Schwefel- 
kupfer gefällt ist und sich ganz scharf abgesetzt hat. Nun 
fiiltrirt man und wascht mit heissem destillirten Wasser 
aus. Im Filtrat bestimmt man das Eisenoxydul mit Cha- 
mäleon oder doppelt chromsaurem Kali. Das Schwefelkupfer 
kann man nach Rose im Wasserstoffstrom stark geglüht als 
solches bestimmen , oder nach einer unten zu beschrei- 
benden Methode. 

Das Eisen, was (vielleicht mit Blei) noch im Rückstande 
ist, kann mit Salzsäure gelöst und nach einer der bekannten 
Methoden bestimmt werden. 

Ganz besonders schwierig sind sehr kleine Mengen von 
Kupfer und Eisen genau zu bestimmen. Hat man ein Fil- 
trum angewendet, so ist die direkte Wägung schon unmög- 
lich. Ein Filtrum, welches 2 bis 4 Milligramme Asche hin- 
terlässt, kann jede Bestimmung von 1 bis 2 Milligramm 
Substanz ganz falsch machen. Der blosse Wägungsfehler 
kann 100 °/o der Substanz betragen. In diesem Falle ist 
die Titrirmethode ganz besonders angezeigt. 

Das Werkblei der Hütten enthält in der Regel sehr 
kleine Mengen Kupfer und Eisen. Diese lassen sich auf 
Filtren gar nicht, selbst nicht annähernd, bestimmen. Bei 
einer solchen Untersuchung fand sich die folgende Bestim- 
mungsmethode als sehr übereinstimmende Resultate gebend. 



Mohr: Trennung und Bestimmung des Kupfers. 81 

10 Grm. Blei werden in sehr verdünnter Salpetersäure 
gelöst, mit destillirter Schwefelsäure gefällt, filtrirt und aus- 
gewaschen. Das Filtrat wird einmal zur Trockne verdampft, 
um kleine Reste von schwefelsaurem Bleioxyd unlöslich zu 
machen und alle Salpetersäure zu entfernen. Der Rest mit 
verdünnter Schwefelsäure ausgezogen enthält nur das Kupfer 
und Eisen. 

Es wird mit Schwefelwasserstoff heiss gefällt, die kleine 
Menge Schwefelkupfer durch Filtriren geschieden, und im 
Filtrat ohne Weiteres das Eisen mit sehr verdünntem Cha- 
mäleon bestimmt. 

Das Schwefelkupfer wird in eine Platinschale abgespritzt, 
mit einigen Tropfen Salpetersäure und Schwefelsäure zur 
Trockne gebracht, dann in Wasser gelöst, mit Jodkalium 
versetzt und das ausgeschiedene Jod mit Hundertstelunter- 
■ schwefligsaurem Natron bestimmt. 1 CG. dieser Flüssigkeit 
entspricht 0,0006336 Grm. Kupfer, und liest man mit l fio CC. 
ab, so kann man noch 0,00006336 Grm. Kupfer, oder */i6 
Milligramm mit grosser Sicherheit bestimmen. 

Vergleichende Versuche mit bekannten Kupferlösungen 
gaben mit der Hundertstehmterschweflichsauren Natron- 
lösung absolut richtige Zahlen, so dass die Sicherheit der 
Resultate vollkommen feststeht. 



[1864. I. 1.] 



82 Sitzung der histor. Classe vom 16. Januar 1864. 



Historische Classe. 

Sitzung vom 16. Januar 1864. 



Herr Professor Giesebrecht trug vor 

,.eine Untersuchung der Fränkischen Reichs- 
Annalen des Karolingischen Zeitalters". 



Sitzungsberichte 

der 

königl. bayer. Akademie der Wissenschaften. 



Philosophisch - philologische Classe. 

Sitzung vom 6. Februar 1864. 



Zur Vorlage kam von Herrn Dr. Emil Schlagintweit 
eine Abhandlung 

„Ueber den Gottesbegriff des Buddhismus". 

Die Grundlehren des Buddhismus. — Leerheit von Stoff das Höchste, 
das Absolute. — Leerheit die Seele, das Alaya, der Dinge. — Die 
Buddhas, ihre Thätigkeit, ihre Vielheit, ihr Körper. — Buddhas der 
Beschauung. — Systematische Entwickelung des Gottesbegriffes. — 
Inhalt des Gotteswesens. — Historische Elemente und ihr Einfluss. 

Befreiung vom Dasein und dessen Jammer durch Zer- 
störung der Ursachen der Wiedererzeugung ist das Charak- 
teristische der Lehre des Buddha. Künftige Existenz wird 
verhindert durch Beherrschung der Leidenschaften, die Ver- 
gnügungen der Welt sollen vermieden werden, weil ihr Ge- 
nuss leicht zu bösen Handlungen ausschreitet, in Tugend 
allein soll Befriedigung gesucht werden; es sei zwar nicht 
leicht , nach diesen Principien zu handeln , aber der Erfolg 
[1864.1.2.] 7 



84 Sitzung der philos.-phüol. Classe vom 6. Februar 1864. 

entschädige für die momentane Entsagung. Bald wurden 
die Erfordernisse vermehrt, und je später, desto zahlreicher 
werden die Vorschriften, deren Beachtung die vollkommene 
Vernichtung der Existenz bedingt, doch wurden jetzt auch 
geringere Stufen der Belohnung eingeführt, entsprechend der 
Unterscheidung verschiedener Grade in den geistigen An- 
lagen. Nur diejenigen, welche der Welt entsagt haben, die 
Cleriker, werden zur höchsten Weisheit befähigt erklärt; 
Meditation ist dazu unumgänglich nothwendig , Tugend allein 
reicht nicht mehr aus zur Erkenntniss. Dann wurde ange- 
nommen, die Meditation erzeuge besondere übernatürliche 
Kräfte, endlich genügt auch Tugend und Meditation nicht 
mehr, wenn nicht mit übernatürlicher Kraft begabte Wesen 
ihre Hilfe gewähren , indem sie belehren , noch bestehende 
Zweifel entfernen, und die Schwierigkeiten beseitigen, welche 
der Erreichung des Zieles von bösen Dämonen drohen ; ihre 
Hilfe wird durch Gebete, Opfer und Ceremonien erlangt. 
Der Buddha hatte nicht verboten, zu den alten Volksgöttern 
als höheren Wesen mit Verehrung und Vertrauen aufzu- 
blicken, aber der Mensch ist von ihrer Beihilfe nicht ab- 
hängig, er kann von ihnen lernen und sich an ihrem Bei- 
spiele zu guten Thaten begeistern, es ist ihm aber unmöglich 
sie zu übertreffen an Einsicht und Macht, da auch sie die 
höchste Weisheit erst noch erringen müssen. Selbst noch 
dann , als Meditation ein wesentliches Erforderniss wurde, 
nahm man Anfangs an, dass Alles von der Energie des 
Menschen allein abhänge; nach der späteren Lehre wird 
Energie ohne Erfolg bleiben, wenn sie nicht geleitet wird 
von einer höheren Intelligenz , der Gottheit. *) So verliess 
der Buddhismus den ursprünglichen Weg, auf welchem die 



1) Je weiter wir zurückgehen, desto einfacher ist die Lehre und 
desto weniger Götter finden wir. Im Sütra der 42 Sätze, Satz 10, 
wird durch die Verehrung der Götter und Unholde dieser Welt kein 
Verdienst erworben, wohl aber durch die Achtung und Verehrung 



Schlag intiveit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 85 

Menschen durch Selbstvervollkommnung zum Höchsten sich 
erheben sollten, und gelangte zur Annahme eines obersten 
göttlichen Wesens. Vom Standpunkte des Stifters betrach- 
tet ist diess eine Verschlechterung seines Princips , da die 
Gottheit nur denen , welche die oft kleinlichen Opfercere- 
monien kennen und beachten , ihre Hilfe gewährt , ohne 
welche es unmöglich ist, dem Dasein zu entschwinden; wir 
dagegen sehen darin eine unbewusste, ja fast unfreiwillige 
Erhebung zu höherer Auffassung, welche jedoch unter dem 
Einflüsse von Anschauungen, entlehnt dem Cultus der Na- 
turkräfte, noch nicht bis zur vollkommensten, reinsten Durch- 
bildung fortschreiten konnte. — In meinem „Buddhism in 
Tibet" hatte ich Gelegenheit, auf den Zusammenhang hinzu- 
weisen, welchen die Ansicht von der Erwerbung übernatürlicher 
Kräfte durch Beschauung auf die Entwicklung der gegen- 
wärtigen Form des Buddhismus äusserte; hier werde ich 
versuchen darzustellen, wie das Dogma, dass übernatürliche 
Fähigkeiten für die endliche Befreiung nothwendig seien, in 
einer theistischen Richtung fortdrängte, und wie die Mit- 
wirkung der Gottheit zur Erreichung des Zieles aus den 
eigentümlichen Lehrsätzen des Buddhismus begründet und 
damit in Einklang gebracht wurde. Begünstigt wurden diese 
Bestrebungen dadurch , dass die Unterstützung durch die 
alten Volksgötter stets für möglich gehalten worden war, 
eine Anschauung, welcher die buddhistischen Führer in 
ausgedehnter Weise damals nachgaben, als der steigenden 
Erstarkung der Brahmanen entgegen getreten werden musste ; 
wichtig war auch der Einfluss, den centralasiatische Cultus- 
formen auf das Erscheinen der Tantras und der mystischen 
Schule in Indien äusserten. 



der Eltern. Schiefner, im Bullet, hist.-phil. de l'Acad. de St. Pet., 
Vol. IX, S. 70. Vgl. Hardy, Manual of Buddhism, S. 42. Was- 
siljew, der Buddhismus, S. 91, 101, 108. 

7* 



86 Sitzung der phüos.-philol. Classe vom 6. Februar 1864. 

Leerheit von Stoff das Höchste, das Absolute. 
Der Buddha hatte erklärt, dass die Begehrlichkeit, welche 
zur Sünde führt, am sichersten in Zurückgezogenheit an ab- 
gelegene Orte überwunden werde, weil das Leben in der 
Welt Wünsche errege , deren Befriedigung zwar momentane 
Lust gewähre, allein Veranlassung werde zu sündhaften 
Handlungen. Die Führer der Hmayäna-Schulen behaupten, 
dass die volle Erkenntniss nur in Zurückgezogenheit und 
Meditation über die Gründe des Seins und der Sünde er- 
reicht werden könne, desswegen werden diejenigen, welche 
der Welt entsagen, eine grössere Einsicht erlangen, als die 
Laien. Meditation wird noch nicht mit übernatürlichen 
Fälligkeiten belohnt ; die Arhats, die höchst weisen Menschen, 
überkommen die Abhijnäs erst, nachdem sie die volle Ein- 
sicht erlangt haben. Das Nirväna- Werden, das Verlöscht- 
werden in Nichts, ist der Gegensatz des Existirens, im Ver- 
löschen besteht die höchste Glückseligkeit. Die Mahäyäna-Schu- 
len, die Nachfolger des Hlnayäna, sagen, ein Nichtswerden müsse 
desswegen das höchste Ziel sein, weil die Welt, das Form 
habende, keine wahre Befriedigung biete, sondern nur schein- 
bare. Alles was Namen hat oder Gestalt, ist vergänglich, 
zerfällt, Vergehen ist aber mit Jammer verbunden, im Nirväna 
ist kein Jammer, folglich kein Vergehen mehr und auch 
keine Form , weil sonst doch wieder Zerstörung und Jam- 
mer sich dort finden müsse ; daraus ergebe sich , dass der 
Zustand derer, welche sich Nirväna verdient haben, vollkom- 
mene Befreiung von Stoff und Form sei, eine absolute Leer- 
heit, Sünya. 2 ) Aber es ist hervorzuheben, dass hier, ver- 
schieden von unserer Definition der Gestalt in den mathe- 
matischen Figuren und Körpern , der blosse Begriff der 



2) Der Beweis, dass die Bestandteile des Körpers, die Skandhas, 
und die Bedingungen der P'ormerzeugung zerstört werden, wenn 
Nirväna erreicht ist, wird auf verschiedene Weise von Nägärjuna, 



Schlag intweit: Der Gottesbrgriff des Buddhismus. 87 

Gestalt als unzertrennlich von der materiellen Existenz auf- 
gefasst wird. Gestaltetes, Existirendes, sei noch nicht wirk- 
liches Sein, weil noch Stoff, der vergänglich ist; es sei 
Täuschung , sagen sie , wenn man es , verführt durch die 
sinnliche Wahrnehmung, als wirkliches Sein betrachte. Exi- 
stirendes wird nicht höher geschätzt, als die Schöpfungen 
der Magier, welche der Reihe nach verschiedene Dingeher- 
vorbringen, in denen kein Fortbestehen ist. Absolutes Sein 
hat nur das Leere, dieses allein hat das Merkmal der Un- 
abhängigkeit, des Einfachen im Gegensatze gegen Zusammen- 
gesetztes; es ist unsichtbar und unfassbar, es hat keine 
Beschaffenheit und lässt sich nicht beschreiben, es kommt 
von keinem Orte und geht nirgends hin. 3 ) Das Forschen 
nach den Merkmalen und Kräften einer Sache bewirke nur 
relative Wahrheit : Erkennen der Merkmale und Kräfte ; das 
Zergliedern der Merkmale und Kräfte führe zu absoluter 
Wahrheit: es werde erkannt, dass, was als Kraft, als Merk- 
mal einer Sache gefunden worden war, dieses nur sei wegen 
des Zusammenhanges mit Anderem , nichts Selbstständiges, 



dem Stifter der Mahäyäna - Lehre , in den Unterredungen geführt, 
welche er mit dem Könige Milinda hatte. Vgl. die Uebersetzungen 
des Milinda Prasna in Hardy's Manual of Buddhism, besonders Seite 
424 — 59. — Ich will hier noch einer kleinen Abweichung erwähnen, 
welche ich in einer Ausgabe des Beichtbuddhagebetes in der Biblio- 
thek der Royal Asiatic Society in London fand. Es heisst dort 
Fol. 1, b: „Ich glaube, dass der Leib nicht in Nirväna eingehe." 
Das Manuscript, welches mir zu der Uebersetzung dieses Gebetes 
vorgelegen hatte für die Abhandlung in den Sitzungsberichten 1863, 
S. 81—99, hatte nach Leib den Zusatz „der Buddhas"; dieselben 
Worte fanden sich auch in dem Pariser Documente, vgl. Sitzungs- 
berichte, 1863, S. 149. 

3) Yon der Leerheit handeln ausführlich: Das Präjna Päramitä 
(Schmidt, in den Mem derPet. Acad. Bd. IV, S. 185), Hardy, Manual, 
Cap. IX.; Burnouf, Introduction , S. 543. Rgya tch'er rol pa, von 
Foucaux, Bd. 1., S. 173, 324. 



88 Sitzung der philos.-philol. Classe com 6". Februar 1864. 

für sich Bestehendes. Durch solche analysirende Betrach- 
tungen werde Weisheit und Ueberzeugung von der Eitelkeit 
der Dinge erlangt. Ferner wird gesagt: in jedem Materiel- 
len sei auch Leeres, Selbstständiges, Dauerndes, diess sei 
das Unabhängige, der Stoff hänge sich daran an, löse sich 
aber wieder ab in Folge der genauesten Beachtung aller 
Vorschriften; grösste Enthaltsamkeit wird verlangt und tiefste 
Abstraktion von der Aussenwelt in Meditation, überdiess 
sollen auch Opfer und selbst momentaner Schmerz nicht 
gescheut werden, wenn damit das eigene Heil und das An- 
derer gefördert wird ; in diesem Sinne werden die schwersten 
Dinge in grösster Zahl von den Bödhisattvas verrichtet, oder 
von denjenigen Menschen, welche in Folge ihrer eigenen 
Selbstbeherrschung bereits in der nächsten Geburt die Bud- 
dhawürde erhalten werden. Ihre Mildthätigkeit, ihr Mitleid 
mit den Menschen ist unbegrenzt; um sie zu befreien und 
auf den wahren Weg zu führen, steigen sie nieder zur Erde, 
und ermuntern zu rechter Handlungsweise durch Wort und 
Beispiel. Ein tliätiges Eingreifen wird von ihnen noch nicht 
erwartet; die Gläubigen blicken zu ihnen als dem höchsten 
Vorbilde auf, sie bitten , sie zu bestärken in guten Vor- 
sätzen und zu rechter Tiiat anzuleiten. Hinsichtlich der 
Veranlassung zur Vermischung des Leeren mit formbil- 
dendem Stoffe stellt auch diese Schule keine von der früheren 
abweichende Erklärung auf. Die Vermischung wird in der 
Begehrlichkeit gesucht, welche aber jetzt aus Unwissenheit 
erklärt wird ; sie sei die Ursache der Weltenbildung und 
der Erzeugung , so sei es von Anfang her gewesen und 
werde so in Ewigkeit sein, ,,es giebt keinen Anfang und 
kein Ende". 

Leerheit die Seele, das Alaya, der Dinge. Die 
Yogächärya-Schule , welche die Lehre des Mahäyäna in der 
mystischen Richtung fortbildete, betrachtete das Leere als 
Seele , als Alaya , und gab ihr damit bereits einen mehr 



Schlagintweit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 89 

persönlich begrenzten Begriff als sie ursprünglich hatte. 
Sie bezeichnet die Vermischung mit Materie als Verdunk- 
lung, als Verunreinigung, und als die Aufgabe des Menschen 
die Reinigung der Seele, die Ausscheidung der Materie; sie 
ist vollzogen im Nirväna, dort ist keine Materie_mehr, bloss 
Leeres. 4 ) Es scheinen noch so viele einzelne Alayas ange- 
nommen zu werden, als frühere Individuen waren. Die 
Ansicht, es gebe im Grunde nur ein Alaya, von welchem 
ein Theilchen in jedem Dinge abgetrennt sich befinde, finden 
wir erst in der mystischen Lehre; sie geht consequenter- 
weise auch so weit, zu behaupten, die von der Materie ge- 
reinigten Älayas fiiessen alle in eine Einheit zusammen. 
Dieses einheitliche Alaya ist das Absolute , das Höchste ; es 
ist das Ewige, und da der Buddhismus keinen Anfang an- 
erkennt, weder in Bewegung, noch im Absoluten, auch an- 
fanglos. Mit diesem Begriffe tritt auch der Ausdruck des 
Göttlichen auf; die Absonderung des Materiellen wird als 
Wiedervereinigung mit der Gottheit dargestellt, und diese 
als ganz reines Alaya defmirt. Damit wurde jedoch der 
Fundamentalsatz des Buddhismus nicht aufgehoben, dass die 
Zukunft des Menschen durch Schuld und Verdienst geregelt 
werde ; auch jetzt noch bewirkt der Mensch seine Reinigung 
durch seine eigenen Handlungen, durch den Beistand der 
Gottheit wird jedoch der sonst langsame, mit Schmerzen 
verbundene Process der Reinigung durch Existenz abgekürzt, 
und ihr Einfiuss ist so gross, dass das Ziel in überraschend 
kurzer Zeit erreicht werden kann; es wird behauptet, dass 
in einer einzigen Geburt, ja selbst mit Einem Schlage, die 
Befreiung und Vereinigung eintreten könne. 

Die Buddhas, ihre Thätigkeit, ihre Vielheit, 
ihr Körper. Ueber das Streben nach Vereinigung mit der 
Gottheit wird das Ringen nach dem Buddhapfade gestellt. 



4) Wassiljew, Der Buddhismus, S. 143, 164, 174, 334—47. 
t 



90 Sitzung der philos.-philol. Classe vom 6. Februar 1864. 

Vereinigung bewirkt bloss Selbstbefreiung, die Buddhathätig- 
keit ermöglicht auch die Befreiung Anderer. Das reine 
Alaya ist zwar keiner Aktualität mehr fähig; die Buddhas 
jedoch, obwohl schon reines Alaya, müssen erst noch ihren 
Beruf vollkommen erfüllen , erst nachdem sie als Buddha- 
verkünder aufgetreten sind , ziehen sie sich von der Erde 
in das vollkommen bewegungslose Nichts der formlosen Welt 
zurück. Um die Wesen auch über die Dauer ihres Lebens 
als menschlicher Buddha hinaus, welches nicht länger ist 
als die durchschnittliche Lebenszeit der Menschen in der 
Periode, in welcher sie auftreten, zur Reinigung von der 
Materie anleiten zu können , übertragen sie . bevor sie die 
Erde verlassen, ihre Machtfülle einem Stellvertreter, welcher 
statt ihrer bis zum Erscheinen des nächsten Buddha die 
Wesen leitet und die Schwierigkeiten beseitigt, welche von 
der menschlichen Schwäche und den Umtrieben der bösen 
Geister drohen. 

Die ursprüngliche Lehre weiss nur von einem Buddha, 
dem historischen Begründer des Buddhismus; eine Vielheit 
von Buddhas wird zuerst von der Sauträntika- Schule ange- 
nommen. In jeder Weltumwälzung erscheine ein Buddha, 
um das Gesetz wieder von Neuem zu verkünden; die Welt- 
umwälzungen seien nicht zu zählen , zahllose seien vorher- 
gegangen, zahllose werden folgen, ebenso unbegrenzt sei die 
Zahl der bereits erschienenen und der noch kommenden 
Heilsverkünder. Damit hängt die Lehre zusammen, dass 
diejenigen Menschen, welche alle Bedingungen der Vollkom- 
menheit erfüllt haben , jedoch die Buddhawürde noch nicht 
erreichen konnten, weil die Zeit für die Erscheinung eines 
Buddha nicht gekommen ist — nie kann mehr als ein Buddha 
in derselben Periode erscheinen — , als BöJhisattvas die 
Menschen belehren und unterweisen. Viele Andere, wenn 
sie schon nahe der vollen Erkenntniss gekommen sind, wer- 
den dadurch, dass sie den Versuchungen böser Geister nicht 



Schlaginticsit : Der Gottesbegriff des Buddhismus. 9 1 

widerstehen und eine verbotene That vollführen, jetzt noch 
nicht zur Erkenntniss gelangen. Sie bringen es bloss bis 
zur Stufe göttlicher Wesen, als solche sind sie mit grösserer 
Kraft als die Menschen ausgestattet, und gerne helfen sie, 
nach der späteren Lehre , besonders wenn sie angerufen 
werden, gegen die bösen Geister, von denen behauptet wird, 
dass sie stets trachten, durch ähnliche Künste die Menschen 
vom Wege der Tugend abzulenken. 5 ) 

Da die Buddhas, ehe sie als Lehrer auftraten, die Be- 
freiung von Wiedergeburt bereits erreicht hatten, so werden 
sie von den älteren Schulen als völlig formlos dargestellt; 
das Mahäyäna unterscheidet jedoch bei ihnen drei Körper, 
den Körper des Nirmanakäya, des Sambhogakäya und des 
Dharmakäya. 6 ) Im Nirmänakäya wandelt der Bödhisattva 
auf Erden, im Sambhogakäya ist die Intelligenz der Bödhi, 
der höchsten Weisheit, verkörpert, er erhält ihn in dem 
Augenblicke, wo er alle Bedingungen der Vollkommenheit 
erfüllt hat; der Körper des Dharmakäya ist den Buddhas 
eigenthümlich nach ihrem Weggange aus der Welt in die 
reinen Sphären des Nichts. Da die Bödhisattvas bereits 
nicht mehr der Wiedergeburt unterworfen sind, so hatte 
schon der Nirmänakäya Theil an Nirväna, er sei jedoch der 
Form nach noch Körper, ganz gleich dem der Menschen, 
unter welchen er lebt und wirkt. Mit feiner Spaltung des 
Begriffes wird fortgefahren, die Unwissenden täuschen sich, 
indem sie darin einen wirklichen Körper erblicken ; es sei 
zwar noch äussere Form vorhanden, und desswegen wird 
dieser Körper als ,, Nirväna mit einem Rest" von Form be- 
zeichnet, aber es darf dieses nicht in dem Sinne aufgefasst 



5) Wassiljew, 1. c, S. 314. Buddhism in Tibet, S. 107 ff. 

6) Vgl. Foe Koue Ki, S. 182 der Calcutta Ausgabe; Schmidt, 
Mem. de l'Acad. de Pet. Vol. I. S. 221—62; Vol. IV. S. 187. Was- 
siljew, 1. c. S. 137. 



92 Sitzung der plulos.-jihilol. Classe vom 6. Februar 1864. 

werden, dass noch Wiedererzeugung stattfinde. Aetherischer, 
sublimer ist der Sambhogakäya, der feinste ist der Dliarma- 
käya, in beiden ist kein Rest mehr von Form. 

Buddhas der Beschauung. An die Unterscheidung 
dreier Körper anknüpfend entwickelte sich in der mystischen 
Lehre das Dogma der Dhyäni Buddhas und Dhyäni Bödhisat- 
tvas. Es erscheint jeder Buddha zu gleicher Zeit in den 
drei Welten, welche die buddhistische Cosmologie annimmt. 
In der Welt der Gelüste, zu welcher die Erde gehört, er- 
scheint er in menschlicher Form ; in der Welt der Formen 
in der verfeinerten Gestalt ihrer Bewohner, in der Welt der 
unkörperlichen Wesen ohne Forni. Die Erscheinungen in 
den beiden unteren Welten werden als Mänushi Buddhas, 
„menschliche Buddhas", und als Dhyäni Buddhas, „Buddhas 
der Beschauung" unterschieden, jeder derselben wird auch 
mit einem persönlichen Namen benannt. Die Manifestation 
in der dritten Welt ist wie formlos, so auch namenlos. Die 
Dhyäni Buddhas haben die Fälligkeit, durch die Kraft der 
Beschauung aus sich ein Abbild hervorzubringen, einen 
gnostischen Sohn , welcher in der Fülle der Machtvollkom- 
menheit sofort fertig entstellt. Das Hervorbringen eines 
Wesens kraft der Beschauuug wird in den heiligen Schrif- 
ten Geburt durch Verwandlung, Entstehung aus dem Geiste 
(apparitional birth bei Hardy) genannt, nur solche, welche 
bereits die Götterregionen bewohnen, werden in dieser Weise 
geboren; die Erzeugung wird dargestellt als Ausströmen 
eines Strahles aus den Augen, dein Munde, oder dem Her- 
zen. 7 ) Das so entstandene Abbild, der Dhyäni Bödhisattva, 



7) Hodgson, Illustrations , S. 60, 77, 83, 86. Schmidt, Memoirs, 
Bd. I, S. 106. Schmidt, Ssanang Ssesten, S. 323. Schiefner, die Ver- 
schlechterungsperioden, Bulletin hist.-phil. de l'Acad. de Pet. Bd. IX, 
S 3. Schmidt, in denMemoirs, Bd. IV, S. 187. Manikambum, in meinem 
Buddhism in Tibet, S. 84. Hardy, Manual, S. 40, 64, 441, 443, 456. 
Die heiligen Werke unterscheiden, ebenso wie die alten Indier es 



Schlag intioeit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 93 

handelt als Stellvertreter des Buddha mit derselben Macht- 
fülle, welche seinem Urbilde eigenthümlich ist. 

Systematische Entwickelung des (jottesbegrif- 
fes. Wenn ich nun versuchen werde, die Begrenzung des 
(iottesbegriffes in etwas systematischer Weise zu erläutern, 
so darf ich wohl zugleich auf die so charakteristischen Mo- 
difikationen hinweisen, welchen man in den ursprünglichen 
Anschauungen dieser Völker sowohl, als auch in deren spä- 
terer Entwicklung begegnet. Mystischer Terminologie ist 
um so schwerer zu folgen, wenn sie in zu kühnen Schlüssen 
fortschreitet, oder wenn sie, wie in den Tantras , den Pfad 
sinnlicher Führung verlässt. Hier verbindet sich damit noch 
der Umstand, dass auch die Wahl der für die Begriffe ge- 
brauchten Worte nicht selten eine etwas unbestimmte ist. 

Wir sahen, dass Zerfliessen in Nichts, absolute Ruhe 
und Leerheit als Höchstes gedacht wird; schwer ist es, 
dahin zu gelangen, aber gross sind die dadurch geschaf- 
fenen Fähigkeiten ; diese hinterlassen die Buddhas , indem 
sie aus sich ein Abbild als Stellvertreter entstehen lassen 
mit der Aufgabe der Leitung, der Lenkung. Anfangs trat 
der Bödhisattva wohl ganz an die Stelle des Dhyäni Buddha, 
später wurde auch der Dhyäni Buddha noch als handelnd 
gedacht , 8 ) niemals aber wurde auch der Buddha in der 
formlosen Welt noch in Thätigkeit dargestellt. So entspricht 



thaten, vier Arten der Geburt: die Geburt aus dem Mutterleibe, die 
Geburt aus dem Ei, die Geburt aus Wärme und Feuchtigkeit, die 
Geburt durch Verwandlung. Die technischen Ausdrücke sehe man 
in Schiefner's Buddhistischer Triglotte, Bl. 26, s. v. skye-^nas-fczhi'i- 
ming-la. 

8) Nach der Ansicht der Tibeter nehmen die Dhyäni Buddhas 
und Dhyäni Bödhisattvas menschliche Form an, um sich in unmit- 
telbaren Verkehr mit den Menschen zu setzen. Der Dhyäni Buddha 
Amitäbha verkörpert sich im Panchen Rinpochhe, dem geistlichen 
Würdenträger welcher zu Tashilhunpo residirt, sein Dhyäni Bödhi- 
sattva Padmapäni im Dalai Lama zu Lhassa. 



94 Sitzung der philos.-philol. Classe vom 6. Februar 1864. 

jedem Mänushi Buddha sowohl ein Dhyäni Buddha, als auch 
ein Abglanz ohne Namen in der formlosen Welt, überdiess 
jedem Buddha in Ruhe ein Buddha in Bewegung, und zwar 
ist die Begriffsverbindung in folgender Weise sich vorzu- 
stellen. Der Mänushi Buddha hatte bloss die Autgabe der 
Wiederverkündung der Lehre, er verschwindet; der Dhyäni 
Buddha ist der Buddha in Bewegung, der Abglanz in der 
formlosen Welt ist der Buddha in Ruhe. Beide, der 
Dhyäni Buddha und der Abglanz , sind dem Wesen nach 
nur Eins , nur Leeres , nur gereinigte Seele ; aus Mit- 
leid mit den Menschen ist dieses Leere , ehe es ganz in 
Ruhe sich versenkte , einmal noch in der Hervorbringung 
eines Stellvertreters, eines Dhyäni Buddha, für die noch mit 
Materie verbundenen Welten thätig geworden. Und in jeder 
Weltperiode wirkt der Dhyäni Buddha durch seinen Bödhisat- 
tva bis zum Auftreten eines neuen Buddha , indem dieser 
auch einen neuen Bödhisattva hervorbringt. Der Wechsel 
in der Persönlichkeit des Lenkenden ist nicht durch einen 
Wechsel in der Kraft veranlasst, die Kraft bleibt vielmehr 
dieselbe, es ist stets die gereinigte Seele, und diese ist Eins, 
in ihr werden alle von der Materie befreiten Alaya-Theilchen 
absorbirt. 

Das Alaya der Buddhas, der reine, wesenlose Abglanz, 
welchen sie in die formlose Welt senden, ist das Göttliche: 
die Alayas der Menschen sind davon ausgeschlossen, sind 
als niedriger zu denken, weil die Nirväna- Vollkommenheit 
geringer ist, als die Buddha- Vollkommenheit. Die Buddhas 
sind einsichtsvoller , machtvollkommener , ihnen allein, nicht 
auch den bloss Nirväna - Gewordenen , wird Verehrung ge- 
zollt , weil nur sie die Befreiung Anderer sich zur Aufgabe 
setzen, während die einfach Nirväna- Gewordenen bloss ihre 
eigene Befreiung bewirkt haben. 9 ) Selbst schon reines Alaya 

9) Vergl. das Rgya tch'er rol pa von Foucaux, Bd. I, S. 253, 
wo die Buddha-Intellisrenz weit über Befreiung von Existenz gestellt wird. 



Schlag intweit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 95 

geworden, entfaltet der Buddha doch noch seine Machtfülle, 
indem er einen Stellvertreter erschafft, ein Akt, wodurch er 
den gewöhnlichen Nirväna-Vollkommenen weit überragt. Be- 
zeichnend ist auch, dass in den heiligen Schriften nicht, von 
der Gottheit in einem objektiven Sinne gesprochen wird, 
das Höchste wird persönlich gefasst, als der oberste Buddha. 
Auch aus der Betrachtung der Vereinigung als eine Ab- 
sorption ergiebt sich der Vorzug des Buddha - Alaya, da 
dasjenige , welches etwas in sich aufnehmen soll , als höher 
gedacht werden musste , als das Aufzunehmende. Zwischen 
den Buddha - Alayas besteht kein Unterschied mehr, denn 
ihnen wohnt nach der mystischen Lehre Vollkommenheit von 
Ewigkeit her inne, nicht erst seitdem sie Buddha geworden 
waren; auch der Shambhogakäya ist bereits früher vorhanden 
gewesen, da auch in den Buddhas nichts Anfang oder Ende hat. 
Die Gesammtheit der Buddha-Alayas stellt die Gottheit 
dar. Den Inbegriff, die Einheit der Buddhas in der form- 
losen Welt gegenüber den einzelnen, die erschienen sind, 
bezeichnet der Name Adi Buddha, tibetisch wChhog-gi- 
dang-po'i-sangs-rgyas. „der erste, erhabenste Buddha". Als 
thätiger Gott entspricht ihm Vajradhara, tibetisch rDo-rje- 
'chhang, auch rDo-rje-'zin, ,,der Scepterhalter" ; seine Stel- 
lung bezeichnen die Prädikate, „der oberste Buddha, der 
oberste Sieger, der Herr der Geheimnisse, der Vornehmste 
der Tathägatas, das Wesen ohne Anfang und Ende". Ihm 
legen die unterjochten Geister das feierliche Gelübde ab, 
nichts mehr gegen die Menschen und die Herrschaft der 
Lehre zu unternehmen. Er handelt durch seinen Stellver- 
treter, den Bödhisattva Vajrasattva, im Tibetischen rDo-rje- 
sems-rfpa', ,,der mit einer diamantenen Seele Begabte". Er 
ist „höchste Intelligenz, das Haupt, der Führer der fünf 
Dhyäni Buddhas". 10 ) Er beschützt die Menschen in jeder 

10) Csoma, Analysis of the Kanjur, As. Res. Bd. XX, S. 494, 
503, 505, 536, 550. Das Verhältniss Vajradharas zu Vairasattva habe 



96 Sitzung der phüos.-'pMtol. Classe vom 6. Februar 1864. 

Weise, desswegen sollen Gebete an ihn zur Bestärkung der 
Anrufung anderer Götter gerichtet werden, damit Alles, was 
den Erfolg hindern könne, sicher beseitigt werde. Die Ti- 
beter glauben jedoch, dass man sich mit derselben Sicher- 
heit der Erhörung auch stets an die Vertreter der zuletzt 
erschienenen Mänushi Buddhas wenden könne, aber die An- 
rufung sei nothwendig, sonst versagen die Gebete und Opfer 
ihren Dienst, wie dem Vogel die Flügel, wenn sie geschnit- 
ten sind. 

Neben Vajradhara, Vajrasattva, den Buddhas, ihren 
Stellvertretern und den Bödhisattvas wird noch eine unend- 
lich grosse Menge von Gottheiten niedrigeren Ranges ange- 
rufen. Auch ihre Macht beruht auf den Folgen verdienst- 
licher Thaten. Dem Ursprünge nach besteht also kein Un- 
terschied zwischen ihrer Macht und derjenigen der Buddhas, 
bloss Steigerung, keine begriffs massige Verschiedenheit findet 
statt. Daraus bildete sich dann in der mystischen Lehre 
die Doktrin, alle Göttlichkeit beruhe auf einem Ausflusse 
aus der höchsten Intelligenz und die heutigen Tibeter be- 
haupten auf Grund davon, alle Götter seien Eines, es gebe 
nur Einen Gott, er zeige sich aber den Wesen in verschie- 
dener Gestalt. 11 ) Es ist dabei noch hervorzuheben, dass 
sie der Ansicht sind, die Gottheiten erregen sich durch 
Thätigkeit; es wird angenommen, dass dem Zustande der 
Ruhe eine andere Stellung, ein anderer Ausdruck entspreche, 



ich bereits in Buddhisra in Tibet, Cap. VI, erläutert, auf ihre Stel- 
lung zu Adi Buddha, und dessen Aeusserungen von Macht durch 
Ausflüsse, wurde ich durch Hodgson's Sketch of Buddhism (Blustra- 
tions, S. 65), und Schmidt's Bemerkungen zu Ssanang Ssetsen, S. 330 
hingewiesen, und ganz besonders durch den glücklichen Umstand 
wiederholter persönlicher Besprechung der wichtigsten Tantras mit 
meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Schiefner in Petersburg, und 
Herrn Prof. Goldstücker in London. 
11) Buddhism in Tibet, S. 107. 



Schlagintweit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 97 

als in Momenten der Thätigkeit sich zeige. Auch in Ab- 
bildungen werden die Götter in verschiedener Gestalt dar- 
gestellt, je nachdem sie in Ruhe oder in Aktion vorgestellt 
werden. So hat Melha, der Gott des Feuers, eine er- 
schreckende Miene, wenn er die bösen Geister verscheucht, 
auch reitet er dann einen Widder, während Bilder, die ihn 
in Ruhe darstellen, im Ausdrucke an Buddhas erinnern. 

Diess ist der Begriff des Gottes im Buddhismus in 
Tibet, in Indien Avar er selbst in seiner letzten Ausbildung 
nicht dazu fortgeschritten, sondern dabei stehen geblieben, 
die Volksgötter stets nach Ursprung und Wesen als unver- 
eint mit dem Buddhagotte darzustellen. 

Inhalt des Gotteswesens. So gross der Einfluss 
ist, welchen die Gottheit auf das Schicksal der Menschen 
übt, so wird ihr doch auch jetzt nicht die Funktion eines 
Lenkers und Schöpfers der Welt gegeben. Die Ursache der 
Schöpfung ist die Schuld, die Sünden begangen aus Begehr- 
lichkeit und Unwissenheit. Es giebt eine Zeit, und diese 
Periode kehrt stets wieder, in welcher Alles Chaos ist. Nach 
einer langen Zeit der Ruhe kommt das ordnungslose Chaos 
in Bewegung. Festes trennt sich vom Flüssigen , einzelne 
Welten entstehen, Bewohner höherer Regionen, welche noch 
nicht alle früheren Sünden getilgt haben, erhalten kraft der 
Geburt durch Verwandlung einen menschlichen Körper und 
werden auf die fest gewordene Erde versetzt. Anfangs ist 
nur Freude, Begierden regen sich und werden befriedigt, 
es entsteht Streit, geschlechtliche Triebe erwachen, Gebur- 
ten finden statt, diese erzeugen Krankheit und Tod, die 
Gesinnungen werden auf Sinnliches, Irdisches gerichtet, und 
nach einem stetig fortschreitenden Verschlechterungsprocesse 
tritt endlich der Zeitpunkt des Weltunterganges ein; die 
Welten werden wieder in Chaos aufgelöst, und dann beginnt 
wieder vom Neuem derselbe Process des Sonderns, Wer- 
dens und Vergehens nach dem unwandelbaren Gesetze, dass 



98 Sitzung der philos.-philol. Classe vom 6. Februar 1864. 

Verschuldung Abbüssung fordere. 12 ) Durch Reue und ge- 
naue Beachtung der Ritualvorschriften kann zwar die Gott- 
heit veranlasst werden, die Folgen der bösen Thaten aufzu- 
heben , sie wird auch ihre Hilfe nie versagen , aber nicht 
Alle geben sich die Mühe, die Vorschriften sich anzueignen, 
und wenden sich nicht mit Zerknirschung an sie, Viele kön- 
nen nur durch die Uebel der Existenz zur Einsicht gebracht 
werden , und so lange es solche Menschen giebt , so lange 
auch besteht das Universum , zerfällt und reconstruirt sich. 
Wenn auch der Gott der Buddhisten nach Zweckbegriffen 
handelt, in der Richtung nämlich, die vollkommene Entvöl- 
kerung des Weltalls herbeizuführen, so ist seine Thätigkeit 
doch nicht weder eine spontane, freiwillige, noch eine all- 



12) Vgl. Schiefner, Bull, hist.-philol. , Bd. IX. S. 1. — Mit einer 
Darstellung der Verschlechterungsperioden ist auch das tibetische 
Geschichtsbuch eingeleitet : Tsar-du-dngar-ba'i-mkhyen-pa'i-ge-sar- 
gfzhon-nu'i-lang-ts'ho'i-Zchags-kyu-yis; chhos-kun-ri-dags-mig-chan-ma- 
yi-snying-la-6snun-pa'i-rang-dvang-du; 'du-'bral-zlos-gar-ri-mo'i-snang- 
fcrnyan-chhos-nyid-me-long-^ytsang-ma'i-ngos; rdzen-par-'chhar-ba'i- 
byed-po-zur-phud-Znga-pa-7Hgrin-pa'i-rgyan-du-&zhug,s". „Von der in 
bester Ordnung aufgestellten Kenntniss von dem Jüngling Gesar, in 
dessen eigener Gewalt die ganze Lehre (ist), gesaugt mit dem eisernen 
Hacken der Jugend am Herzen der Mutter, „welche die Augen der 
Gazelle hat", — die klare Oberfläche des Spiegels des Gesetzes 
selbst, das Spiegelbild der Figuren des Tanzes, welcher annähert und 
trennt, ist aufgesetzt als Halsschmuck desjenigen, „welcher 5 Haar- 
aufsätze hat" und (das Gesetz) aufgehen macht ohne Schleier (wört- 
lich: in nackter Weise)". „Die Augen der Gazelle habende" ent- 
spricht dem Sanskrit Mrigäkshi, „die fünf Haaraufsätze Habende" 
dem Sanskrit Panchasika; beides können eigene Namen sein. Gesarist 
der Held der berühmten Sage vom Gesar Khan. — Es mögen hier noch 
einige Details über den Inhalt dieses Manuscriptes angereiht werden, 
mit dessen Uebersetzung ich jetzt beschäftigt bin. Die Handschrift 
ist die Abschrift des Exemplares, welches der letzte Descendent der 
früher in Ladak regierenden Familie besass; er erlaubte meinem 
Bruder Hermann, Abschrift davon zu nehmen. Das Manuscript um- 



Schlagintweit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 99 

umfassende. Er tritt nur in Activität unter gewissen Voraus- 
setzungen, das Princip des ursprünglichen Buddhismus , der 
Mensch kann und soll das Höchste durch sein eigenes Ver- 
halten erreichen, ist selbst jetzt noch in der Zulassung eines 
obersten göttlichen Wesens festgehalten. Die Gottheit stellt 
sich nur unterstützend an seine Seite, sie ist gebunden in 
Macht durch den Willen des Menschen, die Abtrennung der 
Materie kann nicht vor sich gehen kraft einer einseitigen 
Willensäusserung der Gottheit. Auf der anderen Seite jedoch 
ist der Mensch abhängig von der Gottheit: während früher 
ihm Alles möglich war, kann er jetzt nur zur Vollendung 
gelangen durch Einwirkung der Gottheit. Auch jetzt noch 
wird eine Vorsehung nicht anerkannt ; selbst diejenigen Schu- 
len in Nepal, welche den Theismus am weitesten ausgebildet 
haben und selbst die Schöpfung, die Erschaffung der Welt 
als sein Werk darstellen, schliessen sie aus. 13 ) 

fasst 31 Blätter mit 6 Zeilen auf jeder Seite und etwa 30 Silben in 
jeder Zeile. Fol. 2 wird Ikshvaku erwähnt, der Stammvater des 
Sonnengeschlechtes, von welchem sich die Säkyas ableiten ; Fol. 3 — 5 
enthalten einen Abriss der Verschlechterungsperioden; Fol. 6 — 11 
handeln von dem Geschlechte der Säkyas, von der Geburt Säkya- 
munis, von der Erlangung der Buddhawürde, und von der Geburt 
seines Sohnes. Einzelne Sätze sind wörtlich aus dem Laiita vistara 
genommen, z. B. Fol. 8, b ist gleich S. 86, Z. 18 ff. des Foucaux'schen 
Textes; Fol. 10 ist aus dem Abhinishkramanasutra, Foucaux's Bd. II, 
S. 389. Die Geschichte von Tibet beginnt Fol. 11: soweit 
ich bis jetzt gekommen bin, bezieht sie sich auf das westliche Tibet, 
die Genealogie der Könige und die wichtigsten Ereignisse werden er- 
zählt. Ueber Gesar kommen keine Nachrichten vor ; das Nennen seines 
Namens auf dem sehr mystischen Titel soll wohl glauben machen, dass 
die Ladaki - Herrscher von ihm abstammen. Wegen der seltenen 
tibetischen Bearbeitung der Sage von Gesar Khan, wovon das ein- 
zige Exemplar, welches bisher erhalten werden konnte, in den 
Sammlungen meiner Brüder sich befindet, verweise ich einstweilen 
auf den Bericht von Schiefner in Bull. hist. -phil. der Pet. Acad. 
Bd. VI, S. 484. 

13) Hodgson, Illustrations, S. 81. 
[1864. I. 2.] 8 



100 Sitzung der philos.-philol. Classe vom 6. Februar 1864. 

Historische Elemente und ihr Einflnss. Was 
hier vorgetragen wurde , ist die Ansicht der Buddhisten in 
Tibet und Hochasien. Die Japanesen erkennen ebenfalls ein 
oberstes göttliches Wesen an, li ) die Buddhisten auf Ceylon 
und auf der indo - chinesischen Halbinsel haben aber das 
System nicht bis zum Begriffe eines obersten Gottes durch- 
gebildet. 15 ) Sie blieben bei der Leerheit als dem eigent- 
lichen Wesen alles Existirenden , als dem Zustande derer, 
welche Nirväna geworden, und als dem Ziele menschlichen 
Strebens stehen. Ihnen fehlte der äussere Anstoss, welcher bei den 
nördlichen Buddhisten zu dieser Ausbildung der Lehre nöthigte. 
Im nördlichen Indien hatten die Buddhisten im 8. und 9. 
Jahrhundert fast überall den früheren Einfiuss an die Brah- 
manen verloren, ihre Klöster wurden zerstört, die Bewohner 
vertrieben , ihr Besitzthum eingezogen , und die Zahl der 
Laien, welche sich ihnen abwendete, musste rasch zunehmen. 
Sie glaubten ihren Verfall verhindern zu können, indem sie 
suchten, die Menge durch grössere Vortheile als die Brah- 
manen ihr boten, an sich zu ketten ; das beste Mittel schien 
ihnen, den alten Volksgöttern, von welchen sich auch die 
Buddhisten nie vollständig abgewendet hatten, wieder mehr Ein- 
fiuss zuzugestehen , als es bisher der Fall war. Sie knüpf- 
ten hierin an die Lehren an, welche durch Priester aus 
Centralasien in Indien bekannt wurden, die vor den mussal- 
manschen Bedrückungen Schutz suchen mochten. Dort waren 
abergläubische Vorstellungen schon in weit höherem Grade 
als in Indien mit den buddhistischen Anschauungen verwebt 
worden. Die Götter, übermenschliche Wesen, zahllos an 



14) Hoffmann, in v. Siebold's „Beschreibung von Japan", B. VI, 
S. 57. 

15) Es wird als Irrlehre bezeichnet zu glauben, dass einige 
Wesen ewig fortdauern. Gogerly, bei Hardy, Manual, S. 388. 



Schlagintweit: Der Gottesbegriff des Buddhismus. 101 

Menge, aller Orten den Menschen umgebend und stets seiner 
Bitten gewärtig, sollen durch Gebete, Opfer und die genaueste 
Vollziehung von Ceremonien, in denen Alles der Eigenthüm- 
lichkeit der anzurufenden Gottheit angepasst ist, zum Dienste 
der Menschen gezwungen werden können ; es wird auf sie 
dadurch eine magische Gewalt ausgeübt, der sie nicht wider- 
stehen können. Ohne ihren Beistand kann nichts gelingen, 
auch die Vereinigung mit der Gottheit wird nur mit Hilfe 
ihrer übernatürlichen Fähigkeiten erreicht werden. Diess 
sind die Hauptzüge ihrer Lehre, welche nach dem wichtig- 
sten Werke darüber Kala Chakra, „das Rad der Zeit", 
tibetisch Dus-kyi-'khor-lo, genannt wird. 16 ) Durch zahlreiche 
Commentare von Indiern erläutert und in das indische 
System des Buddhismus eingeführt, ist sie in der Gestalt, 
wie sie uns in den Tantrabüchern entgegen tritt, als ein 
Werk indischen Denkens zu betrachten. Die Götter des 
Volksglaubens werden an die Stelle der centralasiati sehen 
Gottheiten gesetzt, sie werden zum Mittelpunkte der Cere- 
monien gemacht, der Kreis der Thätigkeit eines Jeden wird 
genau abgegrenzt, jedoch durch die allumfassende und doch 
sich wieder zertheilende Weisheit der Buddhas, welche in 
Adi Buddha sich gipfeln, die Gefahr erfolgloser Anrufung 
beseitigt. 

In Indien konnten die Führer der Buddhisten ungeach- 
tet dieser Zugeständnisse dem buddhistischen Elemente den 
Vorrang vor demBrahmanenthume nicht erringen, spätestens 
im 13. Jahrhundert gab es auf dem Festlande keine Bud- 
dhisten mehr. Aber ihre Bestrebungen hatten eine völlige 
Umgestaltung der Lehre des Buddha zur Folge. Ursprüng- 



16) Csoma, On the origin of the Kala Chakra System. Journ. 
As. Soc. Beug. Bd. H, S. 57. H. H. Wilson, Sketch of the relig. 
sects of the Hindus, As. Res. Bd. XVII, S. 216—29. Hodgson, Illustr., 
S. 23. Burnouf, Introduction, Section V. Wassiljew, 1. c. S. 201. 

8* 



102 Sitzung der philos.-philol. Classe vom 6. Februar 1864. 

lieh einfach, auf guten moralischen Grundsätzen bauend, 
aber doch den Menschen auf sich anweisend, mit dem Be- 
streben, ihn ganz unabhängig zu machen von einem höheren 
Wesen, entwickelte sich auf Grund der mystischen Lehre 
ein verworrenes, schwer zu erfassendes und noch schwieriger 
in allen Details zu befolgendes System von Regeln und 
Ceremonien , und zugleich die Anerkennung eines höchsten, 
obersten Wesens, welches das Schicksal des Menschen be- 
stimmt, an dessen Beistand er gebunden ist, wenn er auch 
nicht ein allmächtiger Gott ist, ein Alles regelnder Lenker 
in unserem Sinne. 



Herr Plath hielt einen Vortrag 

,,Ueber Verfassung und Verwaltung des chi- 
nesischen Reichs unter den drei ersten 
Dynastieen". 

Diese Arbeit wird in den Denkschriften ihre Stelle 
finden. 



Steinheil: lieber den Astrograph. 103 



Mathematisch -physikalische Classe. 

Sitzung vom 13. Februar 1864. 



Herr Steinheil übersendet folgenden Aufsatz: 

„Der Astrograph". 1 ) Ein Apparat zum Zeich- 
nen des durch Fernrohre betrachteten Sternhim- 
mels. 

Der Werth der graphischen Methode bei astronomischen 
Bestimmungen wird im Allgemeinen unterschätzt. Der Grund 
liegt wohl darin, dass man der Aufstellung, wenn sie der 
täglichen Bewegung folgen soll, oft die erforderliche Festigkeit 
nicht zu geben vermag, um zu genügend genauen Bestim- 
mungen zu gelangen. Ich werde im Nachfolgenden zeigen, 
dass graphisch eine weit grössere Genauigkeit zu erlangen 
ist, als selbst die Sternaufnahmen von Ar gelander in Bonn 
durch Beobachtung ergeben haben, und dass dazu nur ein 
Beobachter erfordert wird, während in Bonn drei Beobach- 
ter zugleich beschäftigt sind. Endlich, dass dieser eine Be- 
obachter in derselben Zeit wenigstens eben so viele Bestim- 
mungen macht und zwar in bequemster Lage ohne alle An- 
strengung. 

Ein Fernrohr von. wenigstens 4 Zoll Oeffnung in hori- 



1) Schon vor mehr als 30 Jahren habe ich das erste Instrument 
zu diesem Zwecke construirt, und in Schumacher's Jahrbuch 1838 
beschrieben. Die Charte der Gegend des Nordpoles, welche U. Pohrt 
seiner Zeit damit zeichnete, zeigt, dass die Positionen der Sterne 
etwa auf 1' richtig sind. Der Grund, wesshalb die Genauigkeit nicht 
grösser ist, liegt theils in dem Massstab, welcher 1° = 6'" gab, theils 
aber auch darin, dass die Zeichnungsfläche der Bewegung der Sterne 
folgen musste und daher keine genügende Festigkeit hatte. 



104 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

zontaler Lage von West gegen Ost zeigt durch einen unter 45° 
vor dem Objektive angebrachten Spiegel bei Drehung um seine 
Axe successive alle Theile des Meridians. Das vom Objektiv 
entworfene Bild des Sternhimmels sei durch ein Okularmikroskop 
betrachtet, welches durch die Mauer des Arbeitszimmers des 
Astronomen in horizontaler Lage und in solcher Höhe ge- 
führt ist, dass der davor sitzende Beobachter bequem hinein 
sehen kann. Der Augenort des Okulares sei wenigstens in 
12 Zoll Abstand von der Mauer. Das Okular vergrössere 
vorerst nur 36mal, so dass man einen Quadratgrad am Him- 
mel leicht übersehen kann. 2 ) 

Auf das Bild des Himmels lässt sich nun das Bild der 
senkrecht unter dem Okulare befindlichen Ebene durch einen 
Sömmering'schen Zeichnungsspiegel projiciren, so dass das 
Auge gleichzeitig Licht von der Ebene und von dem Stern- 
himmel erhält. Das Bild des Himmels wird auf der Ebene 
gemessen um so grösser, je weiter die Ebene vom Augen- 
ort abrückt. Wäre der Abstand dieser horizontalen Ebene 
z. B. 8 Zoll, so erschiene ein Quadratgrad des Himmels als 
Quadrat von 60 Linien, oder eine Bogenminute am Himmel 
erschiene eine Linie lang, und da man leicht in 8 Zoll Ab- 
stand 1 /io Linie sieht und einstellt, würde man damit 6 
Bogensekunden am Himmel haben. 

Bewirkt man jetzt durch ein Gestell von Gusseisen in 
Verbindung mit der Mauer oder mit dem isolirten Fuss- 
boden eine so feste Aufstellung der Horizontalfläche, dass 
man diese auch bei Anwendung von einiger Kraft sicher 
nicht um V 10 Linie verstellen kann, so wird der Ort eines 
Sternes auch mit dieser Genauigkeit auf der Ebene zu be- 



2) Diesen Anforderungen entspricht mein Meridiankreis, siehe 
diese Berichte 1864, I, 1. Er kann also zugleich auch dazu benutzt 
werden, Sternzonen -Karten zu entwerfen, um sie mit den vorhan- 
denen Karten zu vergleichen und etwaige Aenderungen zu erkennen. 



Steinheil: Ueber den Astrograph. 105 

zeichnen sein. Dabei ist natürlich vorausgesetzt, dass man 
das Okular so gestellt habe , dass die Parallaxe zwischen 
Bild des Himmels und Bild der Ebene verschwindet. 

Wenn nun die Ebene um ihren Mittelpunkt drehbar, 
aber in jeder Lage zum Feststellen gemacht und mit einem 
horizontal und geradlinig gehenden Schuber versehen wird, 
der ein weisses Fadenkreuz hat, dessen einer Faden parallel 
zur Bewegung des Schubers ist , so kann , weil das helle 
Fadenkreuz auf dem dunkeln Schuber über dem Sternhim- 
mel gesehen wird, das Kreuz auf jeden Stern im Meridian 
eingestellt werden. Man drehe dazu nun die Ebene, bis die 
tägliche Bewegung der Sterne parallel zu dem einen Faden 
ist, so repräsentirt der andere Faden den Meridian und es 
kann durch Bewegen des Schubers im Meridian jeder Stern 
auf den Declinationsfaden eingestellt und beim Durchgang 
durch den Meridianfaden beobachtet werden. 

Um damit eine Sternzonenkarte von 1 ° Breite zu ent- 
werfen, müssen wir mit diesem Apparat einen Registrir- 
apparat in Verbindung bringen und zwar auf folgende Art: 
Erst muss ein Papierstreifen von etwas mehr als 60 Linien 
Breite in der Richtung senkrecht zum Schuber mit einer 
Geschwindigkeit bewegt werden, die nahezu dem scheinbaren 
Fortrücken der Sterne auf der Ebene gleich ist. Diess wird, 
wie bekannt, durch zwei Walzen erlangt, die mit einer von 
Triebwerk gegebenen Geschwindigkeit drehen und den Pa- 
pierstreifen durchziehen. Dieser Apparat ist mit dem festen 
Theil der Ebene in Verbindung und es registrirt sich von 
5" zu 5" der Uhrgang auf beiden Rändern des Streifens 
durch Elektromagnete. 

Unter dem Schuber ist aber ferner ein Elektromagnet 
an diesem so angebracht, dass er sich mit dem Schuber 
quer über den Papierstreifen hin bewegt. Ein galvanischer 
Taster an dem feststehenden Theil des Apparates bewirkt, 
dass der Hebel des Elektromagnetes einen Punkt in den 



106 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Papierstreifen eindrückt, sobald der Taster niedergedrückt 
wird. Wird also ein Stern durch Bewegung des Schubers 
auf den Declinationsfaden oder besser zwischen zwei in klei- 
nem Abstände parallel gezogene Fäden gebracht und der 
Taster im Augenblick des Sterndurchganges niedergedrückt, 
so ist derselbe in der Zonenkarte eingetragen. Die Grössen- 
bezeichnung kann durch die Zeitdauer des Niederdrückens 
des Tasters geschehen, wobei der grössere Stern durch eine 
längere Linie bezeichnet ist. Die Position gilt natürlich für 
den Anfang des Striches. 

Um Sterne, die gleichzeitig durch den Meridian gehen, 
eintragen zu können , ist eine Schuberbewegung des ganzen 
Apparates senkrecht zur Bewegung des Schubers nöthig. 
Dabei überholt der Meridianfaden die Bewegung der Sterne 
und es kann nun ein zweiter oder dritter Durchgang beob- 
achtet werden, worauf der Apparat wieder in die erste Lage 
zurückgeführt wird. 

In sehr sternreichen Gegenden wird man stärkere 
Vergrösserungen anwenden, z. B. die doppelte. Dabei wird 
man jetzt nur 1 /2 Quadratgrad übersehen, während die Zeich- 
nungsfläche gleich gross bleibt. Es muss daher die Ge- 
schwindigkeit des Streifens die doppelte werden. Man er- 
langt aber dann auch die doppelte Genauigkeit bei diesen 
Zonen aufnahmen von 1 li° Breite. Damit der Declinations- 
schuber leicht aus freier Hand eingestellt werden kann , ist 
es nöthig, ihn auf 4 genau gleichgrossen Kugeln zu bewegen. 
Die Kugeln gehen im untern Theil des Apparates in 2 
parallelen Rinnen gebildet durch 2 unter rechtem Winkel 
zusammen laufenden Ebenen. Ganz ähnliche Rinnen in glei- 
chem Abstände sind auf der untern Seite des Schubers. 
Sie passen genau auf die Kugeln. Dabei ist gar keine glei- 
tende Friktion, so dass sich der Schuber mit der kleinsten 
Kraft bewegen lässt. 






Schönbein: Ueber den Wasserstoffschwefel. 107 

Das Triebwerk für den Papierstreifen muss einen Re- 
gulator haben, der sehr verschiedene Geschwindigkeiten zu 
geben erlaubt. Die richtige Geschwindigkeit zeigt sich am 
leichtesten durch Vergleich der berechneten Fortrücknng mit 
der, welche stattgehabt hat. Ein kleiner Unterschied hat 
übrigens nur Einfluss auf nachträglich im verstellten Meri- 
dian beobachtete Durchgänge und ist auch da, wenn die 
Beobachtung nahe liegt, noch unmerklich. Aber im Ganzen 
ist die Charte unabhängig von der Bewegung des Streifens, 
weil die Uhrzeit am Rande registrirt ist, die das Entnehmen 
der AR mit aller Schärfe gestattet. 

Sollte man durch solche Karten nicht bloss Aenderungen 
am Sternenhimmel aufzufinden beabsichtigen, sondern die 
Positionen der beobachteten Sterne ableiten wollen, so wäre 
für die Declinationen ein Massstab erforderlich, welcher 
nach den Tangenten der scheinbaren Winkel von der Mitte 
der Zone aus getheilt wäre (bis + 18°). Im Uebrigen 
kämen alle Reductionselemente wie bei directen Beobach- 
tungen in Anwendung. 



Herr Pettenkofer legt einen Aufsatz von Herrn 
Schönbein in Basel vor, welcher unter dem Titel 

„Chemische Mittheilungen" 
folgende Artikel begreift: 

1) Einige Angaben über den Wasserstoffschwefel. 
Schon Thenard machte darauf aufmerksam, dass manche 
derjenigen Materien, welche das Wasserstoffsuperoxyd zer- 
setzen, auch den Wasserstoffschwefel zu zerlegen vermögen, 
wie z. B. das Platin, die Kohle, die Superoxyde des Man- 
gans, Bleies u. s. w. Ich habe unlängst ebenfalls Versuche 



108 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

mit der besagten Schwefelverbindung angestellt in der Ab- 
sicht, die Umstände genauer zu ermitteln, unter welchen 
dieselbe eine Zersetzung erleidet und zu diesem Behufe ein 
Verfahren beobachtet, von dem ich glaube, dass es zweck- 
mässiger gewesen sei und zu sicherem Ergebnissen geführt 
habe, als der von dem französischen Chemiker eingeschla- 
gene Weg. 

Nach meinen frühern Versuchen kommt dem Wasser- 
stoffschwefel das Vermögen zu, die Indigotinktur zu ent- 
bläuen, welche Wirkung weder auf einer Reduction noch 
Zerstörung des Farbstoffes , sondern auf dem beruht , was 
ich Verhüllung des Indigos nennen möchte. Die durch den 
Wasserstoffschwefel entfärbte Indigolösung bläut sich näm- 
lich wieder von selbst, auch wenn man sie von der Luft 
vollständigst abschliesst, und zwar um so rascher, je höher 
die Temperatur des Gemisches ist. Der Grund dieser frei- 
willigen Bläuung liegt einfach darin, dass der Wasserstoff- 
schwefel von selbst in S und HS zerfällt, auch wenn er mit 
der Indigoblauschwefelsäure vergesellschaftet ist. Nach 
Massgabe dieser spontanen Zersetzung tritt daher auch die 
ursprünglich blaue Färbung der Indigolösung wieder auf, 
aus welchem Verhalten abzunehmen ist, dass jede Substanz, 
welche die entfärbte Indigotinktur augenblicklich zu bläuen 
vermag, auch die Fähigkeit besitzt, den Wasserstoffschwefel 
rasch zu zersetzen. 

Derartige Versuche lassen sich am bequemsten in fol- 
gender Weise anstellen. In Wasser durch Indigotinktur bis 
zur Undurchsichtigkeit tief gebläut und mit einiger Salz- 
säure versetzt, tröpfelt man unter Umrühren die Lösung 
eines mehrfach geschwefelten alkalischen Metalles ein, bis 
das Gemisch völlig entbläut erscheint. Dasselbe filtrirt lie- 
fert eine vollkommen klare und farblose Flüssigkeit, welche 
jedoch bald anfängt, sich zu trüben in Folge der eintreten- 
den Zersetzung des Wasserstoffschwefels und hat man bei 



Schönbein: lieber den Wasserstoff Schwefel. 109 

der Darstellung dieser Versuclisflüssigkeit nicht mehr Schwe- 
felleberlösung angewendet, als genau zur vollständigen Ent- 
bläuung der Indigotinktur nöthig war, so hält auch die 
Bläuung der Flüssigkeit mit ihrer Trübung, welche selbst- 
verständlich von ausgeschiedenem Schwefel herrührt, gleichen 
Schritt. Ist aber in der entfärbten Indigolösung ein Ueber- 
schuss von Wasserstoffschwefel vorhanden . so trübt sich an- 
fänglich die Versuchsflüssigkeit, ohne zugleich blau zu wer- 
den und tritt selbstverständlich deren Färbung um so später 
ein, je grösser jener Ueberschuss gewesen. 

Nach diesen Angaben dürfte es kaum noch der aus- 
drücklichen Bemerkung bedürfen, dass es zweckdienlich sei, 
zur Anstellung der im Nachstehenden beschriebenen Versuche 
einer Flüssigkeit sich zu bedienen, die entweder nur einen 
sehr kleinen, oder noch besser gar keinen Ueberschuss an 
Wasserstoffschwefel enthält. 

Das Ozon und diejenigen Sauerstoffverbindungen, welche 
ich Ozonide nenne, z. B. die Superoxyde des Mangans, Bleies 
u. s. w. , die Uebermangan- , Chrom-, unterchlorige und 
salpetrige Säure und deren Salze, wie auch das Eisenoxyd 
oder dessen Lösungen in Säurt) n bläuen die Versuchsflüssig- 
keit augenblicklich , falls diese Substanzen nicht in Ueber- 
schuss angewendet werden. Eben so verhalten sich Chlor, 
Brom und Jod. 

Sehr stark mit HO verdünntes Wasserstoffsuperoxyd 
wirkt nur sehr schwach auf die Versuchsflüssigkeit ein, fügt 
man aber einem solchen Gemisch nur wenige Tropfen ver- 
dünnter Eisenvitriollösung zu, so erfolgt unverweilt die augen- 
fälligste Bläuung. 

Platinmohr bläut die Versuchsflüssigkeit augenblicklich, 
verliert jedoch seine Wirksamkeit, nachdem er einmal diese 
Reaction hervorgebracht hat; durch Behandlung mit Kali- 
lösung oder Salpetersäure in der Wärme erhält das Metall 
jedoch wieder sein ursprüngliches Bläuungsver mögen. Wie 



110 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

das Platin verhält sich auch das Iridium, Palladium, Rho- 
dium, Osmium und Ruthenium. Fein gepulverte Holzkohle 
verursacht sofort die Färbung der Versuchsflüssigkeit, ohne 
wie das Platin ihre Wirksamkeit zu verlieren. Gelöste Phos- 
phor- und Arsensäure, selbst im verdünnten Zustande, bläuen 
die entfärbte Indigotinktur sofort, während die gleich stark 
verdünnte Salpeter- oder Schwefelsäure (frei von NCU) nur 
sehr schwach bläuend und die Salzsäure gar nicht einwir- 
ken, wie diess übrigens schon die Bereitungsweise der Ver- 
suchsflüssigkeit zeigt, in welcher ein Ueberschuss von HCl 
vorhanden ist. Thenard giebt an, dass auch die Kieselsäure 
den Wasserstoffschwefel zerlege; nach meinen Versuchen 
bläut jedoch dieselbe nur dann unsere 'Versuchsflüssigkeit, 
wenn jene noch Spuren von Eisenoxyd enthält; ist die Säure 
hiervon gänzlich frei, so verhält sie sich völlig wirkungslos. 
Die Lösungen sämmtlicher alkalischer Oxyde rufen die blaue 
Färbung der Versuchsflüssigkeit augenblicklich hervor und 
ebenso diejenigen einer Anzahl von Metallsalzen, z. B. des 
Kupfer-, Mangan- und Nickelsulfates u. s. w. 

Was die spontane Bläuung der entfärbten Indigolösung 
betrifft, so beruht sie erwähntermassen auf der freiwilligen 
Zersetzung des Wasserstoffschwefels, welche diese Verbin- 
dung gerade so leicht in ihrem (an Indigoblauschwefelsäure) 
gebundenen , als im freien Zustand erleidet. Während der 
gewöhnliche Sauerstoff so gut als gleichgültig gegen die 
Versuchsflüssigkeit sich verhält, wirkt dagegen wie der freie, 
so auch der gebundene ozonisirte Sauerstoff rasch und kräf- 
tigst auf dieselbe ein, wie diess aus ihrer augenblicklichen 
Bläuung erhellt, welche das Ozon und die Ozonide verur- 
sachen, falls sie nicht im Ueberschuss angewendet werden, 
in welchem Falle der Indigo wieder zerstört wird. Die 
durch die genannten Materien bewerkstelligte Zersetzung des 
Wasserstoffschwefels , d. h. Bläuung der Versuchsflüssigkeit 
beruht ohne Zweifel auf einer oxydirenden Wirkung, welche 



Schönbein: lieber den Wasserstoffschwefel. 111 

sie auf den einen und andern Bestand theil der Schwefel- 
verbindung hervorbringen , wodurch diese zerstört und die 
Indigoschwefelsäure mit ihren ursprünglichen optischen Ei- 
genschaften in Freiheit gesetzt wird. Dass in gleicher Weise 
auch das Chlor, Brom, Jod und das gelöste Eisenoxyd wir- 
ken, ist mehr als nur wahrscheinlich. 

Was die rasche Bläuung der Versuchsflüssigkeit durch 
Wasserstoffsuperoxyd unter Mitwirkung eines gelösten Eisen- 
oxydulsalzes betrifft, so beruht sie auf der schon längst von 
mir ermittelten Thatsache, dass HO2 bei Anwesenheit eines 
solchen Salzes gleich dem Ozon oder einem Ozonide wirkt, 
wie schon daraus erhellt, dass höchst verdünntes HO2, wel- 
ches für sich allein den Jodkaliumkleister nicht mehr zu 
bläuen vermag, diess augenblicklich thut, falls man einem 
solchen Gemeng nur wenige Tropfen Eisenvitriollösung 
zufügt. 

Die Wirksamkeit der Platinmetalle leite ich aus ihrem 
Vermögen ab, den mit ihnen in Berührung stehenden ge- 
wöhnlichen Sauerstoff zur chemischen Thätigkeit anzuregen 
oder zu ozonisiren und in dem vorliegenden Falle auf den 
Wasserstoffschwefel oxydirend einzuwirken. In früheren Mit- 
theilungen habe ich gezeigt , dass Platinschwamm , mit HS 
nur einen Augenblick in Berührung gesetzt, sein Vermögen 
einbüsste , das Knallgas zu entzünden und ist nachgewiesen 
worden, dass dieser Verlust von der Oxydation des Wasser- 
stoffes von HS herrühre, in deren Folge Schwefel frei wird, 
welcher das Metall umhüllt. Ein gleicher Vorgang findet 
nun höchst wahrscheinlich auch bei der Berührung der 
Metalle mit der Versuchsflüssigkeit statt, bei welcher der 
an ihnen haftende und zur chemischen Thätigkeit angeregte 
Sauerstoff dem Wasserstoffschwefel H entzieht und Schwefel 
ausgeschieden wird , welcher um die Metalle eine Hülle bil- 
dend, deren ozonisirende Wirkung auf aufheben muss. 
Durch Behandlung mit Kalilösung u. s. w. wird der um sie 



112 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

gelagerte Schwefel entfernt und ihnen dadurch auch ihre 
ursprüngliche Wirksamkeit wiedergegeben. 

Auf welche Weise die Phosphor- und Arsensäure die 
rasche Bläuung der entfärbten Indigolösung bewerkstelligen, 
weiss ich nicht anzugeben und es lässt sich einstweilen hier- 
über nicht viel mehr sagen, als dass diese Säuren den ver- 
hüllenden Einfluss auflieben, welchen der Wasserstoffschwe- 
fel auf die blaue Färbung der Indigolösung ausübt. Die in 
Rede stehende Bläuung kann keinen Falles auf einer Zer- 
störung des Wasserstoffschwefels beruhen, wie sie durch 
Ozon, Chlor u. s. w. bewerkstelligt wird, könnte aber mög- 
licher Weise davon herrühren , dass die genannten Säuren 
eine vorübergehende Verbindung mit dem Wasserstoffschwe- 
fel eingiengen und dadurch den Einfluss des letztern auf die 
Indigotinktur aufhöben oder doch stark schwächten. a ) 

Die alkalischen Oxyde bläuen die Versuchsflüssigkeit 
einfach desshalb , weil sie mit dem Wasserstoffschwefel in 
Wasser und Schwefelmetalle sich umsetzen; auf welche 
Weise aber die Kohle wirkt, wüsste ich nicht zu sagen; 



1) Dass es chemische Verbindungen solcher Art gebe, dafür, 
glaube ich, liegen nun zahlreiche Beweise vor und ich selbst habe 
unlängst mehr als eine Thatsache ermittelt, welche zu Gunsten die- 
ser Annahme spricht. So z. B. verhüllen nach meinen Versuchen 
die Lösungen der Quecksilberoxydsalze die Färbung und den Geruch 
des wässrigen Jodes, Bromes und Chlores, wie sie auch ersteres ver- 
hindern, den Stärkekleister zu bläuen, während die Haloidsalze der 
genannten Salzbildner, wie auch die Wasserstoffsäuren derselben diese 
Verhüllung wieder aufheben. Die verdünnte Indigotinktur wird durch 
die genannten Quecksilbersalze grün gefärbt und mittelst der er- 
wähnten Haloidsalze und Säuren wieder gebläut. Solche Veränderun- 
gen deuten offenbar auf die Bildung und Wiederzersetzung chemi- 
scher Verbindungen hin, welche uns dermalen noch gänzlich unbe- 
kannt sind und ebendesshalb die Aufmerksamkeit der Chemiker ver- 
dienen. 



Schönhein: Ein Reagens auf das Wasserstoffsuperoxyd. 113 

so viel ist gewiss , dass unter ihrem Einfluss der Wasser- 
stoffschwefel in S und HS zerfällt. 

Die oben angeführten Thatsachen scheinen mir nun zu 
der Annahme zu berechtigen , dass , wenn nicht in allen, 
doch in den meisten der erwähnten Fälle die Zerlegung des 
Wasserstoffschwefels durch gewöhnliche chemische Wirksam- 
keiten bewerkstelligt werde und die Aehnlichkeit , welche 
zwischen den Zersetzungserscheinungen der genannten Schwe- 
felverbindungen und des Wasserstoffsuperoxydes besteht, nur 
eine scheinbare sei. 

2) Ueber ein neues höchst empfindliches Reagens 
auf das Wasserstoffsuperoxyd und die salpetrig- 
sauren Salze. 

Vor einiger Zeit habe ich gezeigt, dass unter der Mit- 
wirkung eines Eisenoxydulsalzes der angesäuerte Jodkalium- 
kleister ein so entzündliches Reagens auf HO2 sei, dass da- 
durch noch verschwindend kleine Mengen dieses Superoxydes 
mit Sicherheit sich erkennen lassen. Ein anderes Reagens, 
welches dem erwähnten an Empfindlichkeit wo nicht völlig 
gleich, doch sehr nahe kommt und in manchen Fällen an- 
gewendet werden kann , wo gewisser Umstände halber der 
Jodkaliumkleister nicht einmal zu gebrauchen wäre, ist die 
durch Wasserstoffschwefel entfärbte Indigotinktur , von der 
in voranstehender Mittheilung die Rede gewesen. Hat man 
zur Bereitung dieses Reagens nicht mehr gelöste Schwefel- 
leber angewendet, als genau zur Entbläuung der Indigotink- 
tur erforderlich ist, so wird diese farblose Flüssigkeit durch 
Wasser, welches nur Spuren von HO2 enthält, noch deut- 
lich und augenblicklich gebläut werden, sobald man dem 
Gemisch einige Tropfen verdünnter Eisenvitriollösung zufügt, 
wobei jedoch zu bemerken ist, dass die unter diesen Um- 
ständen anfänglich* eingetretene Bläuung wieder verschwin- 



114 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

det, falls das Wasser mehr HO2 enthält, als zur Zersetzung 
des in der entfärbten Indigolösung vorhandenen Wasserstoff- 
schwefels nöthig ist und zwar um so rascher, je grösser 
jener Ueberschuss an Wasserstoffsuperoxyd sein sollte. Wie 
empfindlich unser Reagens auf HO2 sei. mögen nachstehende 
Angaben zeigen. 

Bekanntlich entstehen nach meinen Versuchen beim 
Schütteln einer Anzahl leicht oxydirbarer Metalle mit Was- 
ser und gewöhnlichem reinen und atmosphärischen Sauerstoff 
nachweisbare Mengen Wasserstoffsuperoxydes, unter welchen 
das Zink ganz besonders sich auszeichnet. Schüttelt man 
50 Gramme amalgamirter Zinkspäne mit etwa ihrem dop- 
pelten Gewichte destillirten Wassers in einem etwas geräu- 
migen lufthaltigen Gefässe nur wenige Sekunden lebhaft 
zusammen, so wird das Wasser schon so viel HO2 enthalten, 
um den nicht angesäuerten Jodkaliumkleister beim Zufügen 
einiger Tropfen verdünnter Eisenvitriollösung sofort augen- 
fälligst zu bläuen, das gleiche Wasser vermag aber auch 
die durch Wasserstoffschwefel entfärbte Indigotinktur unter 
Mitwirkung der genannten Eisensalzlösung rasch und deut- 
lich blau zu färben. Aus diesen Angaben ersieht man, dass 
zur Ermittelung kleinster Mengen von HO2 die besagte In- 
digolösung eben so gut als der Jodkaliumkleister dienen 
kann und wie in einer nachstehenden Mittheilung gezeigt 
werden wird, lassen sich durch jenes Reagens noch eben 
so kleine Mengen Wasserstoffsuperoxydes in Flüssigkeiten 
nachweisen, die Substanzen enthalten, welche die Bläuung 
des Jodkaliumkleisters verhindern, wesshalb derselbe in sol- 
chen Fällen als Reagens gar nicht zu gebrauchen ist. Das 
empfindlichste mir bekannte Reagens auf die Nitrite ist der 
mit verdünnter Schwefelsäure versetzte Jodkaliumkleister, 
welchen schon äusserst kleine Mengen irgend eines jener 
Salze auf das Tiefste zu bläuen vermögen. Von gleicher 
Empfindlichkeit für die Nitrite ist die 'durch Wasserstoff- 



Schönbein: Zur Kenntniss des menschl. Harnes. 115 

schwefel (ohne Ueberschuss) entfärbte Indigotinktur, welche 
beim Vermischen mit Wasser, das verschwindend kleine 
Mengen eines salpetrigsauren Salzes enthält, noch augen- 
blicklich und deutlichst gebläut wird. Da es bisweilen ge- 
schieht, dass einer schwach nitrithaltigen Flüssigkeit noch 
anderweitige (reducirende) Materien beigemischt sind, welche 
die Bläuung des angesäuerten Jodkaliumkleisters verhindern, 
nicht aber diejenige der entfärbten Indigotinktur, so ist in 
einem solchen Falle die Anwesenheit sehr kleiner Mengen 
eines salpetrigsauren Salzes nur durch das letzterwähnte 
Reagens zu erkennen , wie aus den Angaben der folgenden 
Mittheilungen erhellen wird. 

3) Ein Beitrag zur genauem Kenntniss des mensch- 
lichen Harnes. 

Wie noch nichts vollkommen gekannt ist, so auch nicht 
de* viel untersuchte Harn, an dem ich unlängst bei Gelegen- 
heit meiner Untersuchungen über die Verbreitung katalytisch 
wirksamer Materien in thierischen Flüssigkeiten eine Reihe 
von Thatsachen ermittelte, welche mir der Beachtung sowohl 
der Chemiker als Physiologen nicht ganz unwerth zu sein 
scheinen. Herr Pettenkofer hat zuerst die Beobachtung ge- 
macht, dass frischer Harn in einem auffallenden Grade das 
Vermögen besitze, die wässrige Jodstärke zu entbläuen, ohne 
dass meines Wissens der ausgezeichnete Münchner Gelehrte 
die Ursache dieser Wirkung näher angegeben hätte. Meine 
über den gleichen Gegenstand angestellten Untersuchungen 
haben zu folgenden Ergebnissen geführt. 

Ein Raumtheil frisch gelassenen , deutlich sauer reagi- 
renden und honiggelb gefärbten Harnes mit vier Raumthei- 
len stark rothbraunen Jodwassers versetzt, lieferte ein Ge- 
misch, das nach wenigen Minuten den Stärkekleister nicht 
im Mindesten mehr zu bläuen vermochte und nur noch 
[1864. I. 2.] 9 



116 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

schwach gelblich gefärbt war; demselben konnten jedoch im 
Laufe einiger Tage noch weitere zehn Rauintheile der be- 
sagten Jodlösimg zugefügt werden, ohne dass das Gemisch 
den Kleister gebläut hätte und kaum ist nothwendig zu be- 
merken, dass unter Mitwirkung der Wärme diese Jodbin- 
dung und die damit verbundene Entfärbung des Harnes 
ungleich rascher als bei gewöhnlicher Temperatur erfolgen. 
Nicht unerwähnt darf aber die Thatsache bleiben, dass ein 
z. B. aus vier Rauintheilen Jodwassers und einem Rauintheile 
Harnes bestehendes Gemisch, welches für sich allein den 
Kleister nicht mehr bläut, diess bei Zusatz verdünnter Schwe- 
felsäure noch augenfälligst thut, auf welche Reaction ich 
weiter unten wieder zurückkommen werde. 

Mittelst thierischer Kohle völlig entfärbter Harn vermag 
zwar auch noch Jod zu binden, aber merklich weniger als 
der gleiche nicht entfärbte Harn, und bei einem Versuche 
fand ich, dass die Menge des durch ersteren gebundenen 
Jodes nur zwei Drittel von derjenigen betrug, welche der 
nicht entfärbte Harn zu binden vermochte, wobei es kaum 
nöthig ist zu bemerken, dass durch Chlor oder Brom dieses 
gebundene Jod wieder frei werde. 

Selbstverständlich wird die besagte Jodbindung durch 
oxydirbare im Harn enthaltene Materien bewerkstelligt und 
aus der Thatsache, dass der Farbstoff dieser Flüssigkeit 
durch das Jod zerstört wird und der entfärbte Harn weni- 
ger Jod als der gefärbte bindet, geht hervor, dass das Harn- 
pigment eine der oxydirbaren Materien sei, welche an be- 
sagter Jodbindung Theil nehmen. Da das Jodwasser oder 
die wässrige Jodstärke durch die Harnsäure und deren Salze 
entfärbt wird und bekannt ist, dass auf diese Substanzen 
bei Anwesenheit von Wasser die Salzbildner zersetzend ein- 
wirken und die genannte Säure wie auch einige ihrer alka- 
lischen Salze nie fehlende Bestandteile des Harnes ausmachen, 
so ist nicht daran zu zweifeln, dass das Vermögen dieser 



Schönbein: Zur Kenntniss des menschl. Harnes. 117 

Flüssigkeit, Jod zu binden, also das Jodwasser oder die 
Jodstärke zu entfärben , hauptsächlich auf ihrem Gehalt an 
Harnsäure und deren Salzen beruhe. Was die letztern, 
namentlich das saure, harnsaure Kali, Natron und Ammoniak 
betrifft, so wirken sie nach meinen Beobachtungen noch 
rascher als die Harnsäure entfärbend auf das Jodwasser 
u. s. w. ein , wobei noch zu bemerken ist , dass die hier- 
durch erhaltene und den Kleister nicht mehr bläuende Flüs- 
sigkeit beim Zufügen verdünnter Schwefelsäure denselben 
augenblicklich und noch merklich stark bläut, welche Reac- 
tion nach meinem Dafürhalten von kleinen Mengen eines 
unter diesen Umständen gebildeten jodsauren Salzes (Kali-, 
Natron jodates u. s. w.) herrührt. Während nämlich ein 
Theil Jodes auf die Harnsäure einwirkt, setzt sich ein an- 
derer Theil dieses Salzbildners mit der alkalischen Basis des 
harnsauren Salzes in Jodmetall und Jodat um , und fügt 
man nun dem gelösten Gemisch verdünnte Schwefelsäure zu, 
so wird die hierdurch frei gewordene Jodsäure mit der vor- 
handenen Jodwasserstoffsäure in Jod und Wasser sich um- 
setzen. Da nun der Harn ausser freier Harnsäure auch 
noch harnsaure Salze mit alkalischer Basis enthält, so er- 
klärt sich hieraus die oben erwähnte Thatsache, dass ein 
Gemisch frischen Haines und Jodwassers, welches für sich 
allein den Kleister nicht mehr bläut, diess bei Zusatz ver- 
dünnter Schwefelsäure thut. 

Nach diesen Angaben versteht es sich nun von selbst, 
dass wie der Harn, so auch die harnsäurehaltigen Sedimente 
dieser Flüssigkeit auf das Jodwasser oder die wässrige Jod- 
stärke entfärbend einwirken und kaum wird noch die An- 
gabe nöthig sein, dass der Harnstoff auf die beiden letztern 
ohne alle Wirkung ist. 

Noch verdient hier die Thatsache der Erwähnung, dass 
die Anwesenheit kleiner Mengen einer kräftigen Säure die 
Wirksamkeit des Jodes gegenüber den oxydirbaren Harn- 

9* 



118 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

bestandtheilen merklich stark abschwächt, wie daraus erhellt, 
dass mit Schwefel - oder Salzsäure versetzter Harn das in 
Wasser gelöste Jod ungleich langsamer bindet, als diess der 
gleiche, aber unangesäuerte Harn thut. 100 Gramme fri- 
schen Harnes, denen nur fünf Tropfen Vitriolöl zugefügt 
worden, mit der gleichen Menge Jodwassers versetzt, liefern 
ein Gemisch, welches bei gewöhnlicher Temperatur 15 — 20 
Minuten stehen muss, bevor es aufhört, den Stärkekleister 
zu bläuen, wogegen die gleiche Menge des unangesäuerten 
Harnes 400 Gramme Jodwassers beinahe augenblicklich der 
Fähigkeit beraubt , den Kleister zu färben. Ohne Zweifel 
hängt dieses Verhalten mit der von mir unlängst bespro- 
chenen Thatsache zusammen , dass schwefel- oder salzsäure- 
haltiges Jodwasser die Indigotinktur nur höchst langsam 
zerstört, die säurefreie Jodlösung dagegen die abgestumpfte 
Indigotinktur ziemlich rasch entbläue. 

Bekanntlich zerstört das Ozon alle organischen Farb- 
stoffe, wie es auch nach den Versuchen von Gorup oxydirend 
auf die Harnsäure einwirkt, wesshalb es nicht auffallen kann, 
dass der Harn Ozon aufnimmt und dadurch sowohl entfärbt, 
als auch noch anderweitig verändert wird. Hat man Harn 
hinreichend lang mit Ozon behandelt, d. h. so lange, bis er 
letzteres nicht mehr merklich zerstört, so hat derselbe auch 
das Vermögen verloren, die wässrige Jodstärke zu entbläuen, 
und schüttelt man solchen Harn mit amalgamirten Zink- 
spähnen einige Zeit zusammen , oder lässt man Metall und 
Flüssigkeit mehrere Tage mit einander in Berührung stehen, 
so wird der abtiltrirte Harn den angesäuerten Jodkalium- 
kleister bis zur Undurchsichtigkeit tief bläuen. Solcher 
Harn, der selbstverständlich vollkommen farblos ist, mit ein 
wenig Pyrogallussäure versetzt, bräunt sich bei Zusatz ver- 
dünnter Schwefelsäure sofort auf das Augenfälligste und 
hängt man in einem verschlossenen Gefässe über diesem 
Gemisch einen feuchten Streifen Jodkaliumstärkepapier oder 



Schönlein: Zur Kenntniss des menschl. Harnes. 119 

ein durch Indigolösung massig stark gefärbtes Papierstück 
auf, so wird jener bald tief gebläut und letzteres nach eini- 
ger Zeit vollständig gebleicht erscheinen. Diese Reactionen 
rühren von einem Nitritgehalte des Harnes her und beruhen 
zunächst auf NOa , welches sich nach meinen Erfahrungen 
bei Anwesenheit von Pyrogallussäure und SOs selbst aus 
äusserst verdünnten Lösungen salpetrigsaurer Salze entbin- 
det, mit dem m der atmosphärischen Luft des Gefässes vor- 
handenen Untersalpetersäure bildend, von welcher be- 
kanntlich schon kleinste Mengen das feuchte Jodkaliumstärke- 
papier zu bläuen und durch Indigolösung gefärbtes Papier 
zu bleichen vermögen (man sehe in Fresenius' Zeitschrift 
meine Angaben über die empfindlichsten Reagentien auf die 
Nitrite). Kaum werde ich zu sagen brauchen, dass der in 
Rede stehende Harn auch die durch Wasserstoffschwefel 
entfärbte Indigotinktur augenblicklich zu bläuen vermöge, so 
dass also über die Nitrithaltigkeit desselben kein Zweifel 
walten kann. 

Es fragt sich nun, wie dieses salpetrigsaure Salz ent- 
standen sei. Nimmt man an, dass schon in dem frischen 
Harne kleine Mengen eines Nitrates enthalten seien, so ist 
es leicht, über die Bildung des fraglichen Nitrites sich 
Rechenschaft zu geben. Bekanntlich haben meine Versuche 
dargethan, dass das Zink, mit gelösten Nitraten in Berühr- 
ung gesetzt, diese Salze schon bei gewöhnlicher Temperatur 
zu Nitriten reducire; ist nun meiner Annahme gemäss ein 
salpetersaures Salz im frischen Harne vorhanden, so muss 
dasselbe durch das genannte Metall ebenfalls in Nitrit ver- 
wandelt werden. 

Woher aber das Nitrat im frischen Harne? Nach mei- 
nen Untersuchungen enthält alles Quell-, Fluss-, Seewasser 
u. s. w., wie auch viele als Speise dienende Pflanzen : Kohl, 
Spinat, Salat u. s. w. kleine Mengen salpetersaurer Salze, 
welcher Umstand die ausnahmslose Nitrathaltigkeit des Har- 



120 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

nes leicht begreiflich macht. Ob aber alles in dieser Flüs- 
sigkeit vorkommende Nitrat von Speise und Trank herrühre, 
dürfte schwer zu entscheiden sein, da möglicher-, wenn auch 
sehr unwahrscheinlicher Weise ein kleiner Theil dieses 
Salzes innerhalb des Organismus sich gebildet haben könnte. 

Bekanntermassen erleidet der bei gewöhnlicher Tem- 
peratur sich selbst überlassene Harn mannigfaltige Verän- 
derungen, deren Inbegriff man die Harngährung zu nennen 
pflegt und von welchen stofflichen Wandelungen ich vollen 
Grund habe anzunehmen, dass sie bei Weitem noch nicht 
alle gekannt, geschweige verstanden seien. Meine über die- 
sen so interessanten Gegenstand gemachten Beobachtungen 
und angestellten Versuche haben zur Ermittelung folgender 
Thatsachen geführt. 

Vier bis sechs Tage lang bei 6 — 10° sich selbst über- 
lassener Harn, gleichgiltig ob offen an der Luft stehend, 
oder von ihr abgeschlossen , zeigt die Eigenschaft , den mit 
SO3 angesäuerten Jodkaliumkleister augenfälligst zu bläuen. 
Nach acht- bis zwölftägigem weitem Stehen bringt er diese 
Reaction in noch viel stärkerem Grade hervor , um jedoch 
dieses Vermögen nach und nach wieder gänzlich zu ver- 
lieren. Bei etwas höherer Temperatur, z. B. bei 16 — 20° 
finden diese Veränderungen ungleich rascher statt, so dass 
bisweilen schon nach acht- bis zvvölfstündigem Stehen der 
Harn den angesäuerten Jodkaliumkleister deutlichst zu bläuen 
vermag, bei welchem Anlass ich nicht unbemerkt lassen will, 
dass Harn von dem gleichen Individuum zu verschiedenen 
Zeiten gelassen, unter sonst völlig gleichen Umständen ver- 
schieden lang stehen muss, bevor er fähig ist, die besagte 
Reaction hervorzubringen. Ich habe z. B. den Fall beob- 
achtet, dass Harn, um 10 Uhr Vormittags gelassen, schon 
nach 12 Stunden den Jodkaliumkleister deutlichst bläuete, 
während der zwei Stunden später von der gleichen Person 
gelassene Harn drei volle Tage stehen musste, ehe er diese 



Schönbein: Zur Kenntniss des mensclü. Harnes. 121 

Wirkung zu verursachen vermochte, obgleich beide Harn- 
portionen neben einander in dem gleichen Zimmer standen. 

Ist der Harn in dasjenige Stadium seiner freiwilligen 
Zersetzung getreten , in welchem er den angesäuerten Jod- 
kaliumkleister am Tiefsten bläut, so vermag er auch, wenn 
mit ein wenig Pyrogallus- und verdünnter Schwefelsäure ver- 
mischt, einen (in einem Gefäss) über ihm aufgehangenen 
feuchten Streifen Jodkaliumstärkejxapieres rasch auf das 
Tiefste zu bläuen, wie auch ein mit Indigotinktur gefärbtes 
Papierstück in nicht gar langer Zeit vollständigst zu bleichen. 
Dass solcher Harn ebenfalls die durch Wasserstoffschwefel 
entfärbte Indigolösung sofort zu bläuen vermöge, bedarf 
wohl kaum der ausdrücklichen Erwähnung. 

Natürlich rühren diese Reactionen gleichfalls wieder von 
einem Gehalte des Harnes an Nitrit her, von welchem Salze 
obigen Angaben gemäss anzunehmen ist, dass es aus einem 
schon im frischen Harn vorhandenen Nitrat entstanden sei. 

Meine frühern Versuche haben gezeigt, dass alle in 
Wasser gelösten salpetersauren Salze, diejenigen mit alkali- 
schen Basen nicht ausgenommen , nicht nur durch Wasser- 
stoff, Zink, Kadmium u. s. w., sondern auch durch sehr ver- 
schiedenartige organische Substanzen: Stärke, Eiweiss, Leim 
u. s. w. allmälig erst zu Nitriten reducirt und diese Salze 
selbst wieder bei noch längerer Einwirkung der genannten 
reducirenden Materien des Gänzlichen zerstört werden. Man 
möchte desshalb geneigt sein zu vermuthen, dass die schon 
im frischen Harn enthaltenen oxydirbaren Substanzen, z. B. 
die Harnsäure und deren Salze, auf das in ihm vorhandene 
Nitrat in der Weise einwirkten , dass sie es erst in Nitrit 
verwandelten, später aber auch noch dieses Salz zerstörten. 
Wie man sieht, würde durch eine solche Annahme die That- 
sache erklärlich, dass der sich selbst überlassene Harn erst 
die Fähigkeit erlangt, den angesäuerten Jodkaliumkleister 
zu bläuen u. s. w., diese Eigenschaft aber nach einiger Zeit 



122 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

wieder verliert. Zu Gunsten einer solchen Erklärung liesse 
sich auch noch die Thatsache anführen , dass gelöstes Am- 
moniaknitrat u. s. w. mit Harnsäure oder deren Salzen einige 
Zeit in Berührung gesetzt, nitrithaltig wird. 

Es liegen jedoch einige Thatsachen vor, welche der 
Vermuthung vollen Raum geben, dass der Hergang der Sache 
nicht ganz so einfach sei und zu der besprochenen Nitrit- 
bildung andere als die erwähnten Materien das Wesentlichste 
beitragen. Bevor ich aber diese thatsächlichen Gründe näher 
angebe, muss ich noch bemerken , dass der Harn , nachdem 
er schon so nitrithaltig geworden ist , um den angesäuerten 
Jodkaliumkleister augenblicklich auf das Tiefste bläuen zu 
können, doch noch in einem ausgezeichneten Grade das Ver- 
mögen besitzt, das Jodwasser oder die Jodstärke zu ent- 
färben. Eigenschaften, welche sich gegenseitig auszuschliessen 
scheinen, die aber beweisen, dass in einem solchen Harne 
neben einer oxydirenden Materie (Nitrit) auch noch oxydir- 
bare oder jodbindende Substanzen enthalten seien. Dieser 
scheinbare Widerspruch löst sich jedoch ganz einfach durch 
die oben erwähnte Thatsache auf, dass die Gegenwart einer 
kräftigen Säure die Einwirkung des Jodes auf die Harnsäure 
oder deren Salze stark hemmt, wesshalb in dem vorliegen- 
den Falle das Jod schneller ausgeschieden , als durch die 
zuletzt genannten Säuren und Salze des Harnes wieder ge- 
bunden wird, welcher Umstand, wie man leicht einsieht, die 
Bläuung des Stärkekleisteis möglich macht. Noch muss ich 
beifügen , dass auch der Harn , welcher durch hinreichend 
langes Stehen wieder nitritlos und alkalisch geworden ist, 
immer noch in einem ausgezeichneten Grade das Vermögen 
besitzt, das Jodwasser oder die Jodstärke zu entfärben, auch 
nachdem die Flüssigkeit durch eine Säure vollkommen neu- 
tralisirt worden ist, was beweist, dass die im frischen Harne 
schon enthaltenen reduciremlen Materien auch noch im alten 
vorhanden sind. 






Schönbein: Zur Kenntniss des mensclü. Harnes. 123 

Meinen Beobachtungen gemäss, und ich darf wohl sagen, 
über diesen Gegenstand Hunderte gemacht zu haben , zeigt 
der Harn , so lange er noch völlig klar ist , niemals die 
Nitritreactionen ; fängt er aber an, sich deutlich zu trüben, 
so hat er auch die Fähigkeit erlangt, den angesäuerten Jod- 
kaliumkleister, oder die durch Wasserstoifschwefel entfärbte 
Indigotinktur zu bläuen, und ich will hier nicht unbemerkt 
lassen, dass der Harn auf letzteres Reagens schon deutlichst 
bläuend einwirkt, wenn er das erstere noch ungefärbt lässt, 
wovon der Grund darin liegt, dass obigen Angaben gemäss 
auch selbst bei Anwesenheit von Schwefelsäure die im Harn 
enthaltenen reducirenden Materien doch immer noch , wenn 
auch langsam bindend, auf freies Jod einwirken. Tritt nun 
der Fall ein, dass nur sehr geringe Mengen Jodes aus dem 
Jodkalium des Kleisters entbunden werden , so treten die- 
selben im Augenblicke ihres Freiwerdens sofort wieder in 
den gebundenen Zustand, wesshalb sie auch den Kleister 
nicht zu bläuen vermögen. Was aber die durch den Was- 
serstoffschwefel entfärbte Indigolösung betrifft, so bläut sie 
sich gleich leicht, ob neben einem Nitrite auch noch Harn- 
säure u. s. w. vorhanden sei oder nicht, wesshalb sie in 
gegebenen Fällen ein noch viel empfindlicheres Reagens ist, 
als selbst der Jodkaliumkleister. 

Bald nachdem die Trübung des Harnes und die ihr auf 
dem Fusse folgende Nitritbildung eingetreten ist, kommen, 
falls die Flüssigkeit an der offenen Luft steht, auf deren 
Oberfläche kleine Pünktchen zum Vorschein, welche allmälig 
zu kreisrunden , grünlich aussehenden Scheiben anwachsend 
im Laufe einiger Wochen den Urin völlig bedecken. Bringt 
man solche nitritlose Harnpilze zu frisch gelassenem Harne, 
so wird derselbe viel früher die Nitritreactionen zeigen, als 
diess Portionen des gleichen Harnes thun, welche man für 
sich allein unter sonst gleichen Umständen sich selbst über- 
lässt. Mittelst der durch Wasserstoffschwefel entfärbten 



124 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Januar 1864. 

Indigotinktur fand ich, dass frischer Harn, nachdem er bei 
gewöhnlicher Temperatur kaum eine Stunde lang mit Harn- 
pilz in Berührung gestanden hatte, bereits deutliche Spuren 
eines Nitrites enthielt, während der gleiche Harn erst nach 
mehrstündigem Stehen den angesäuerten Jodkaliumkleister 
zu bläuen vermochte. Unter dem Einflüsse besagter Pilze 
wird auch das im Harn entstandene Nitrit ziemlich rasch 
zerstört, wie daraus erhellt, dass verhältnissmässig wenig 
frischer Harn mit viel Pilzmaterie bei 16 — 20 ° in Berühr- 
ung gesetzt, schon nach 36 — 48 Stunden die Nitritreaction 
nicht mehr zeigt, während der sich selbst überlassene Harn 
ungleich längere Zeit stehen muss, bis er völlig nitritlos 
geworden ist. 

Was die Materie betrifft, durch welche die freiwillige 
Trübung sowohl des abgeschlossenen, als offen an der Luft 
stehenden Harnes verursacht wird, so erweist sie sich unter 
dem Mikroskop ihrer Hauptmasse nach als eine organisirte 
Materie, d. h. als ein fadiger Pilz, häufig gemengt mit Pilz- 
spuren und einigen Krystallen. Wie den auf der Oberfläche 
des offen stehenden Harnes sich bildenden Pilzen , kommt 
auch der besagten Organismen Materie in einem sehr merk- 
lichen Grade das Vermögen zu, nach Art des Platins das 
Wasserstoffsuperoxyd zu katalysiren , wie ich auch finde, 
dass sie, dem frischen Harne beigemengt, die Nitritbildung 
in demselben namhaft beschleunigt. Da meinen früheren 
Versuchen gemäss die Fähigkeit , das Wasserstoffsuperoxyd 
in Wasser und gewöhnlichen Sauerstoff umzusetzen, bei allen 
uns bekannten Fermenten angetroffen wird, so darf man 
sagen, dass die in und auf dem Harne sich bildenden Pilze 
hefenartige Materien seien. 

Man kann nun fragen , wie diese Organismen die Er- 
zeugung und Zerstörung eines Nitrites im Harne zu bewerk- 
stelligen vermögen. Es könnte diess auf zweierlei Art ge- 
schehen : entweder in Folge des Vorganges der Bildung 






Schönbein: Zur Kenntniss des mensclü. Harnes. 125 

besagter Organismen selbst, oder aber durch eine reducirende 
Wirkung, welche das stoffliche Material der schon gebil- 
deten Pilze auf das im Harn enthaltene Nitrat hervor- 
brächte. 

Da gegenwärtig viel die Rede ist von chemischen Wir- 
kungen, deren nächste Ursache man in Bildungsvorgängen 
thierischer oder pflanzlicher Organismen sucht und man 
namentlich Gährungserscheinungen von einer solchen Ursache 
ableitet , so kann ich nicht umhin , bei diesem Anlasse die 
Bemerkung zu machen, dass mir die Richtigkeit dieser An- 
nahme noch höchst zweifelhaft erscheint, wenn auch nicht 
in Abrede zu steilen sein dürfte, dass mit manchen Zer- 
setzungsvorgängen immer auch die Bildung gewisser Organis- 
men zusammen gehe. Hieraus aber zu schliessen, dass eine 
dieser Erscheinungen auch die unmittelbare Ursache der 
andern sei, möchte doch eine allzu gewagte Folgerung sein; 
denn gar wohl lässt sich die Möglichkeit denken , dass die 
einem Organisationsvorgange als solchem zugeschriebenen 
Wirkungen von der chemischen Beschaffenheit des stofflichen 
Materiales thierischer oder pflanzlicher Gebilde hervorge- 
bracht werden und des Gänzlichen unabhängig wären von 
den physiologischen Vorgängen, welche bei der Bildung sol- 
cher Organismen stattfinden. 

Auf den ersten Anblick möchte man vielleicht zu der 
Annahme geneigt sein , dass auch die Bildung der besagten 
Harnpilze als solche es sei, welche die Erzeugung und Zer- 
störung des Nitrites im Harne zur unmittelbaren Folge habe 
und dieselben somit die Wirkungen eines organischen Bil- 
dungsvorganges wären. Es liegen jedoch Thatsachen vor, 
gemäss welchen die fragliche Nitritbildung und Zerstörung 
mit physiologischen Vorgängen unmittelbar nichts zu thun 
hätten , d. h. als gewöhnliche chemische Wirkungen zu be- 
trachten wären. 

Lässt man nämlich verhältnissmässig kleine Mengen 



126 Sitzung der matli.-ph.ys. Classe vom 13. Februar 1864. 

einer verdünnten Lösung chemisch reinen Ammoniaknitrates 
mit Harnpilzen nur etwa fünf bis sechs Stunden lang bei 
gewöhnlicher Temperatur zusammen stehen . so wird die 
Flüssigkeit bereits in deutlichster Weise die Nitritreactionen 
zeigen: Blauung der durch Wasserstoffschwefel entfärbten 
Indigotinktur und diejenige des angesäuerten Jodkaliumklei- 
sters, iHid ich will beifügen , dass unter den gleichen Um- 
ständen auch die übrigen Nitrate mit alkalischer Basis, z. B. 
der Kalisalpeter, nitrithaltig werden. Es kann aber wohl 
kein Zweifel darüber walten, dass in dem vorliegenden Falle 
das salpetrigsaure Salz aus dem vorhandenen Nitrate da- 
durch entstehe, dass einem Aequivalente desselben zwei 
Aequivalente Sauerstoff entzogen werden, was nur durch die 
oxydirbare Materie des Harnpilzes bewerkstelligt werden 
kann. Auch ist offenbar, dass unter den erwähnten Um- 
ständen nicht nur keine Pilzbildung stattfindet, sondern Pilz- 
materie nothwendig zerstört werden muss. 

Wie schon erwähnt, vermögen nach meinen früheren 
Versuchen sehr verschiedenartige organische Materien mehr 
oder minder rasch reducirend auf die Nitrate einzuwirken, 
wesshalb es nicht auffallen kann, dass auch der Substanz 
der Harnpilze dieses Vermögen zukomme ; warum dieselbe 
aber gegenüber den Nitraten kräftiger reducirend wirke, als 
diess viele andere und namentlich die im frischen Harn 
enthaltenen organischen Materien thun, wüsste ich eben so 
wenig zu sagen, als es mir möglich ist, den Grund anzu- 
geben, wesshalb das Zink ein oxydirbareres Metall ist, als 
das Gold. 

Da ich annehme, dass im frischen Harn ein Nitrat ent- 
halten sei , so muss ich auch geneigt sein , dem reduciren- 
den Vermögen der besagten Pilzmaterie die Umwandlung 
dieses Salzes in Nitrit und die Zerstörung des letztern vor- 
zugsweise zuzuschreiben, an welchen Wirkungen jedoch auch 
noch andere im frischen Harne schon vorhandene organische 



Schönbein: Zur Kenntniss des menschl. Harnes. 127 

Materien, wie z. B. die harnsauren Salze einigen Theil haben 
könnten, eine Möglichkeit, die aus der bereits erwähnten 
Thatsache erhellt, dass gelöstes Ammoniaknitrat, nachdem 
es einige Zeit mit harnsaurem Ammoniak zusammen gestan- 
den, als nitrithaltig sich erweist. 

Ob aber alles beim Stehen des Harnes zum Vorschein 
kommende Nitrit aus dem ursprünglich in dieser Flüssigkeit 
enthaltenen Nitrate hervorgehe, ist eine Frage, welche ich 
weder im bejahenden, noch verneinenden Sinne zu beant- 
worten wage; denn so lange wir die zahlreichen und allem 
Anschein nach höchst verwickelten Vorgänge, welche bei der 
sogenannten Harngährung stattfinden, noch so unvollkommen 
kennen, als es dermalen der Fall ist, lässt sich Nichts mit 
Sicherheit hierüber sagen und daher auch die Möglichkeit 
sich denken , dass im Harn noch auf eine weitere , als die 
von mir angenommene Weise Nitrit gebildet werde, was ich 
jedoch nicht für sehr wahrscheinlich halte. 

Ehe ich zur Besprechung anderer den Harn betreffen- 
der Thatsachen übergehe , muss ich noch einiger Beobach- 
tungen erwähnen, welche auf die spontane Nitritbildung die- 
ser Flüssigkeit Bezug haben und nicht ohne theoretische 
Bedeutung sein dürften. Meine oft und immer mit dem 
gleichen Erfolge wiederholten Versuche haben dargethan, 
dass in frisch gelassenem Harne , den man nur wenige Mi- 
nuten hatte aufsieden lassen, die spontane Nitritbildung un- 
gleich später eintritt , als in dem gleichen Harne , welcher 
nicht erhitzt worden. Wenn z.B. vom gleichen Harne eine 
Portion ohne vorausgegangene Erhitzung schon nach zwölf- 
stündlgem Stehen in einem geheizten Zimmer die Nitrit- 
reactionen auf das Deutlichste zeigte, vermochte unter sonst 
gleichen Umständen eine andere vorher bis zum Sieden 
erhitzte Portion erst nach fünf oder sechs Tagen den ange- 
säuerten Jodkaliumkleister zu bläuen u. s. w. Erwähnens- 
werth dürfte hier noch der Umstand sein, dass durch eine 



128 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

solche kurze Erhitzung die gelbe Färbung des Harnes etwas 
tiefer wird, als sie es ursprünglich gewesen, was beweist, 
dass irgend ein Harn bestandth eil eine chemische Veränderung 
in der Siedhitze erleide. 

Einen ähnlichen Einfluss übt das Wasserstoffsuperoxyd 
auf den Harn aus , dessen freiwillige Trübung und Nitrit- 
bildung schon durch verhältnissruässig kleine Mengen beige- 
mischten HO2 namhaft verlangsamt wird, wie daraus erhellt, 
dass frisch gelassener Harn, dem nur 1 % Wasserstoffsuper- 
oxydes beigefügt worden , volle zehn Tage stehen musste, 
bevor er anfing, sich zu trüben und die Nitritreactionen zu 
zeigen, während eine Portion desselben Harnes unter den 
gleichen Umständen sich selbst überlassen, schon nach 15 
Stunden trüb und nitrithaltig wurde. Ich will hier noch 
beifügen, dass auch die Trübung des HO-haltig gemachten 
Harnes von einer pilzartigen Materie herrührt, wie die Un- 
tersuchung derselben unter dem Mikroskop zeigt, woraus 
erhellt, dass wie bei dem gewöhnlichen, so auch bei dem 
mit Wasserstoffsuperoxyd vermischten Harne die Bildung 
der Pilze mit derjenigen eines Nitiites in engem Zusammen- 
hange stehe, d. h. dass die Umstände, welche die Entwick- 
lung der Organismen im Harne zurückhalten , auch die Er- 
zeugung des erwähnten Salzes verlangsamen. Auf welche 
Weise das Wasserstoffsuperoxyd oder die Erhitzung des 
Harnes die Pilzbildung verzögert, weiss ich für jetzt noch 
nicht zu sagen, doch ist mir schon so viel bekannt, dass 
der Harn und das genannte Superoxyd in einer merkwür- 
digen Beziehung zu einander stehen, wie eine nachstehende 
Mittheilung diess umständlicher zeigen wird. 

Noch habe ich einige den Harn betreffende Thatsachen 
zu besprechen , welche mir ebenfalls der Beachtung werth 
zu sein scheinen und auf das Verhalten dieser Flüssigkeit 
gegen amalgamirte Zinkspähne und den atmosphärischen 
Sauerstoff sich beziehen. Bekanntlich entsteht beim Schütteln der 



Schönbein: Zur Kenntniss des menschl. Harnes. 129 

besagten Metallspähne mit reinem Wasser und atmosphärischer 
Luft rasch und in noch nachweisbaren Mengen Wasserstoff- 
superoxyd , unter gleichzeitiger Bildung von Zinkoxyd. Da 
ich annehme, dass unter diesen Umständen in © und 
gleichsam sich spalte, ersteres mit dem Wasser zu HO + © 
sich verbinde und das Zink oxydire, so musste ich es für 
möglich halten, dass dieses zwischen dem Metalle und 
einer etwa vorhandenen oxydirbaren Materie sich theile, 
d. h. die letztere zugleich mit dem Zink oxydirt werde in 
ähnlicher Weise , wie diess geschieht , wenn man durch In- 
digotinktur gefärbtes Wasser mit fein zertheiltem oder ge- 
schmolzenem Phosphor und atmosphärischem Sauerstoff zu- 
sammenschüttelt, unter welchen Umständen durch das hier- 
bei auftretende Ozon nicht nur der Phosphor, sondern auch 
das gelöste Indigoblau zu Isatin oxydirt wird, unter gleich- 
zeitiger Bildung von HO2. Ich hielt es daher für möglich, 
dass beim Schütteln der genannten Metallspähne mit atmos- 
phärischer Luft und Harn Oxydationswirkungen auf den einen 
oder andern organischen Bestandtheil dieser Flüssigkeit her- 
vorgebracht und dadurch in ihr chemische Veränderungen 
verursacht werden. 

Frischer Harn von honiggelber Färbung, mit etwa dem 
doppelten Gewicht amalgamirter Ziukspähne und atmosphäri- 
scher Luft zusammengeschüttelt, entfärbte sich allmälig und 
hatte man diese Operation längere Zeit fortgesetzt, so ver- 
mochte der vom gebildeten Zinkoxyd abfiltrirte Harn nicht 
mehr so viel Jodwasser zu entfärben, als diess der gleiche 
Harn in seinem natürlichen Zustande that. Bei einem Ver- 
suche betrug die Menge des Jodes, welche durch den mit 
Zink behandelten Harn gebunden wurde, nur noch 2 Drittel 
von derjenigen Menge, die der gleiche, aber unveränderte 
Harn zum Verschwinden brachte, woraus erhellt, dass unter 
den erwähnten Umständen ein Theil der in der thierischen 
Flüssigkeit vorhandenen jodbindenden Substanzen durch Oxy- 



130 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

dation zerstört wurde. Ob durch eine derartige hinreichend 
lang fortgesetzte Behandlung des Harnes ausser dem Farb- 
stoff dieser Flüssigkeit auch noch die übrigen darin enthal- 
tenen oxydirbaren Materien zerstört werden können , habe 
ich noch nicht ermittelt, eben so wenig als die chemische 
Natur der aus ihrer Oxydation hervorgehenden Erzeugnisse ; 
eine Materie tritt jedoch unter den erwähnten Umständen 
auf, über welche ich einige nähere Angaben machen kann. 
Beim Schütteln frischen, so gut als geruchlosen und 
etwas sauer reagirenden Harnes mit amalgamirten Zinkspäh- 
nen und atmosphärischer Luft kommt sofort ein eigenthüm- 
licher und für mich unangenehmer Geruch zum Vorschein, 
an denjenigen erinnernd, welchen man nicht selten in schwa- 
chem Grade am frischen normalen Harn wahrnimmt. Merk- 
lich stärker tritt der besagte Geruch auf, wenn der Harn 
vor dem Schütteln mit dem Metalle durch SO3 etwas ange- 
säuert wird. Die unter diesen Umständen zum Vorschein 
kommende riechende Materie besitzt folgende Eigenschaften. 

1) Sie wird durch ozonisirten Sauerstoff, die Lösungen 
der Permanganate und Hypochlorite, wie auch durch die in 
Wasser zertheilten Superoxyde des Manganes, Bleies u. s. w. 
augenblicklich zerstört. Ebenso durch Chlor, Brom und Jod, 
welche selbstverständlich gebunden werden , wie diess z. B. 
daraus erhellt, dass durch Jod gefärbter Stärkekleister, wenn 
der Einwirkung der riechenden Materie ausgesetzt, mehr 
oder minder rasch entbläut wird, je nachdem dieselbe mehr 
oder minder reichlich vorhanden ist. 

2) Eine Anzahl farbloser Metallsalze wird durch die 
riechende Materie gefärbt, so oder anders, je nach der Basis 
des Salzes und der Dauer der Einwirkung des Riechstoffes. 
Zu den empfindlichsten Reagentien dieser Art gehört das 
Silbernitrat, welches im festen und gelösten Zustande erst 
gebräunt und dann geschwärzt wird. Ein mit verdünnter 
Silberlösung auf Papier geschriebener Buchstabe zeigt diese 



Schönbein: Zur Kenntniss des menschl. Harnes. 131 

Farbenveränderung ziemlich rasch und ebenso die mittelst 
Bleisalzlösungen hervorgebrachte Schrift. Die Kadmium- 
und Antimonoxydsalze werden durch die riechende Materie , 
die ersteren gelb und die letzteren rothbraun gefärbt, welche 
Reactionen am Bequemsten erhalten werden mittelst Papier- 
streifen, die mit den Lösungen der genannten Salze be- 
schrieben sind. Damit diese Färbungen jedoch recht augen- 
fällig und etwas rasch auftreten, ist nöthig, dass die rie- 
chende Materie möglichst reichlich in einem Gefässe entwickelt 
worden sei , was , wie weiter unten angegeben wird , leicht 
bewerkstelligt werden kann. 

3) Alle gelösten Alkalien bringen die riechende Materie 
augenblicklich zum Verschwinden, was jedoch nicht auf deren 
Zerstörung, sondern Bindung beruht, wie daraus hervorgeht, 
dass sie beim Uebersäuern dieser Alkalien wieder zum Vor- 
schein kommt. Damit hängt auch die Thatsache zusammen, 
dass der durch KO, NaO u. s. w. alkalisch gemachte Harn 
mit amalgamirten Zinkspähnen geschüttelt, den fraglichen 
Geruch nicht einmal spurweise entwickelt ; wird aber der so 
behandelte Harn übersäuert, so tritt die riechende Materie 
sofort auf, wie diess der ihr eigenthüm liehe Geruch und die 
erwähnten empfindlichem Reagenspapiere zeigen. 

Aus den voranstehenden Angaben ersieht man, dass die 
in Rede stehende Materie eine flüchtige, leicht oxydirbare, 
mit Alkalien verbindbare, somit säureartige Substanz sei 
und gegen die erwähnten Metallsalze wie Schwefelwasserstoff 
sich verhalte , wesshalb es wohl auch keinem Zweifel unter- 
worfen sein kann, dass die riechende Substanz eine schwe- 
felhaltige Verbindung sei. 

Durch rasches Eindampfen verliert der Harn seine 
Fähigkeit nicht, unter den erwähnten Umständen die rie- 
chende Materie zu erzeugen ; er entbindet sie im Gegentheil 
um so reichlicher, je stärker er auf diese Weise concentrirt 
worden. Harn auf den zehnten Theil seines ursprünglichen 
[1864.1.2.] 10 



132 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Raumes eingedampft und mit S03 angesäuert, entwickelt 
beim Schütteln mit amalgamirten Zinkspähnen u. s. w. so 
viel der riechenden Materie, dass selbst mit Brechweinstein- 
oder einer Kadmiumsalzlösung getränkte Papierstreifen ziem- 
lich rasch dadurch gefärbt werden. 

Welcher Harnbestandtheil zur Bildung der besprochenen 
Materie beitrage, weiss ich nicht anzugeben, jedenfalls haben 
aber die im Harn enthaltenen Sulfate nichts damit zu thun, 
wie sich daraus abnehmen lässt, dass derselbe, auch wenn 
er völlig von den besagten Salzen mittelst Chlorbariums 
befreit worden, wie gewöhnlicher Harn sich verhält. 

Weitere Untersuchungen werden sowohl über die Zu- 
sammensetzung, als auch den Ursprung der fraglichen Schwe- 
felverbindung Aufschluss geben ; anderweitiger Arbeiten halber, 
die alle meine freie Zeit in Anspruch nehmen, ist es aber 
mir selbst nicht möglich, den Gegenstand weiter zu verfol- 
gen, wesshalb ich wünschen möchte, dass ihn ein anderer 
Chemiker aufnähme, der damit freilich keine sehr leichte 
Untersuchung übernehmen würde. 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass in den beiden fol- 
genden Abschnitten von einigen Bestandteilen des Harnes 
die Rede sein wird, welche bis jetzt noch nicht erwähnt 
worden sind. 

4) Ueber die Bildung einer fluorescirenden Materie 
beim Faulen des menschlichen Harnes. 

Lässt man Harn offen an der Luft so lange stehen, 
bis er wieder nitritlos geworden ist und auf seiner Ober- 
fläche eine dicke Pilzschichte sich gebildet hat, wozu je nach 
der obwaltenden Temperatur kürzere oder längere Zeiten, 
jedenfalls Wochen erforderlich sind, so wird die abfiltrirte 
alkalisch reagirende Flüssigkeit eine merklich starke Fluores- 
cenz von smaragdgrünem Licht zeigen, ohne dass zur Wahr- 



Schönbein: Fluorescens des faulenden Harnes. 133 

nehmung desselben irgend ein künstliches Mittel erforderlich 
wäre. Da meine Aufmerksamkeit noch nicht lange auf die- 
sen Gegenstand gerichtet ist, so vermag ich jetzt auch noch 
nicht zu sagen, ob jeder Harn durch täulniss fluorescirend 
werde und eben so wenig ist es mir möglich, über die che- 
mische Natur der Materie irgend etwas anzugeben, welcher 
diese optische Eigenschaft zukommt. Was den ersten Punkt 
betrifft, so habe ich zu wiederholten Malen einen solchen 
Harn erhalten , wobei ich bemerken will , dass derselbe 
immer alkalisch reagirte, also schon ammoniakhaltig gewor- 
den war. 

Geringe Mengen der stärkeren unorganischen und or- 
ganischen Säuren, Schwefelsäure u. s. w., Weinsäure u. s. w., 
einem derartigen Harne beigemischt, heben dessen Fluores- 
cenz sofort auf, welche jedoch durch Alkalien wieder her- 
vorgerufen werden kann, woraus erhellt, dass die fluores- 
cirende Harnmaterie wie das Aesculin sich verhält und 
desswegen gleich diesem einen Gegensatz zu dem Chininsul- 
fate bildet, dessen Fluorescenz bekanntlich durch die gleichen 
Säuren noch gesteigert wird, von denen jedoch die Wasser- 
stoffsäuren des Chlores, Bromes und Jodes eine Ausnahme 
machen, welche das Vermögen des gelösten (Jhininsalzes, zu 
fluoresciren, beinahe bis zur Vernichtung abschwächen. Es 
wäre wohl der Mühe eines Chemikers werth, die beim Fau- 
len des Harnes sich bildende fluorescirende Materie wo 
möglich rein darzustellen und deren Zusammensetzung zu 
ermitteln, wobei es sich herausstellen dürfte, dass sie eine 
dem Aesculin ähnliche Basis sei. 2 ) 



2) Mir vorbehaltend, später wieder auf diesen Gegenstand zu- 
rückzukommen, will ich vorläufig bemerken, dass schon der frische 
Harn schwach fluorescirt und eine verdünnte Eiweisslösung durch 
längeres Stehen an der Luft diese optische Eigenschaft in ziemlich 
hohem Grade erlangt. 

10* 



134 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

5) Ueber das Vorkommen des Wasserstoffsuper- 
oxydes im menschlichen Körper. 

Von der Annahme ausgehend, dass die durch den at- 
mosphärischen Sauerstoff im lebenden Thierkörper verur- 
sachten Oxydationswirkungen ebenso zu Stande kommen, 
wie diejenigen, welche unter Beihilfe des Wassers der gleiche 
Sauerstoff ausserhalb des Organismus bei gewöhnlicher Tem- 
peratur auf unorganische und organische Materien hervor- 
bringt , habe ich , wie diess in meiner Abhandlung „Ueber 
das Verhalten des Blutes zum Sauerstoff - ' unlängst erwähnt 
worden, schon lange mich bemüht, Ozon und Wasserstoff- 
superoxyd im menschlichen Körper aufzufinden, ohne dass 
mir diess bis jetzt gelungen wäre. Es sind aber auch in 
der erwähnten Arbeit die Gründe angegeben, wesshalb im 
Blute weder noch HO2 als solche bestehen können, selbst 
wenn sie in dieser thierischen Flüssigkeit wirklich auftreten 
sollten. 

Da es eine Anzahl sonst leicht oxydirbarer Substanzen 
giebt, neben welchen das Wasserstoffsuperoxyd längere Zeit 
unzersetzt zu bestehen vermag, wie uns hievon die Pyro- 
gallussäure ein auffallendes Beispiel liefert, so hoffte ich, in 
solchen thierischen Flüssigkeiten, deren sämmtliche organische 
Bestandtheile gegen HO* so gut als völlig gleichgiltig sich 
verhalten, das besagte Superoxyd auffinden zu können. 
Würde nämlich diese Sauerstoffverbindung auch nur in sehr 
geringen Mengen irgendwo im Thierkörper angetroffen wer- 
den, so lieferte nach meinem Dafürhalten ein solches Vor- 
kommen den thatsächlichen Beweis, dass meiner Annahme 
gemäss die durch den atmosphärischen Sauerstoff im leben- 
den Organismus hervorgebrachten Oxydationswirkungen ge- 
nau so wie diejenigen ausserhalb des Körpers stattfinden, 
d. h. dass jenen wie diesen diejenige Zustandsveränderung 
des neutralen Sauerstoffes vorausgienge, welche ich die che- 



Schönbein: Wasserstoffsuperoxyd im menschl. Körper. 135 

mische Polarisation dieses Elementes zu nennen pflege. Es 
-würde mit andern Worten aus einem solchen Vorkommen 
des Wasserstoffsuperoxydes geschlossen werden dürfen, dass 
•die im Organismus stattfindenden Oxydationsvorgänge an 
dieselben Bedingungen geknüpft seien, unter welchen die als 
typisch zu betrachtende langsame Verbrennung des Phos- 
phors in wasserhaltiger Luft schon bei gewöhnlicher Tem- 
peratur zu Stande kommt, bei welcher bekanntlich neben 
dem Ozon auch immer das ihm complementäre © im Was- 
serstoffsuperoxyd auftritt. 

Wenn nun nach meinen früheren Versuchen das Blut 
Materien enthält, neben welchen weder das Ozon, noch 
auch das Wasserstoffsuperoxyd bestehen kann, so ist diess 
anders mit dem menschlichen Harne, dessen hauptsächlichste 
organische Bestandteile: der Harnstoff und die Harnsäure 
oder der Salze gegen HOa gleichgiltig sich verhalten, wie 
ich mich hiervon durch Versuche mit diesen Substanzen zur 
Genüge überzeugt habe. Gelangten daher von irgend woher 
in den Harn auch nur kleine Mengen von Wasserstoffsuper- 
oxyd, so würde diese Verbindung nicht wie im Blute (durch 
die Blutkörperchen) sofort wieder zerstört, sondern neben 
den organischen Harnbestandtheilen fortbestehen und somit 
auch durch die geeigneten Mittel nachgewiesen werden 
können. 

Eines der allerempfindlichsten Reagentien auf HO« ist 
sicherlich der Jodkaliumkleister in Verbindung mit einem 
gelösten Eisenoxydulsalze, wodurch sich noch ein Milliontel 
Superoxydes im reinen W'asser mit Sicherheit erkennen lässt ; 
wie man aber leicht einsieht, kann es trotz dieser so grossen 
Empfindlichkeit doch nicht dazu dienen, die Anwesenheit 
von HO2 auch im Harne nachzuweisen, falls in demselben 
nur kleine Mengen Superoxydes vorkommen sollten. Es 
würde die kleine durch HO2 ausgeschiedene Menge Jodes 
durch die gleichzeitig im Harne vorhandene Harnsäure, 



136 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

deren Salze und das Harnpigment sofort wieder gebunden 
und daher der Kleister nicht gebläut werden können. Man 
kann sogar dem frischen Harne noch merkliche Mengen 
verdünnten Wasserstoffsuperoxydes beifügen . ohne dass ein 
solches mit Jodkaliumkleister vermengtes Gemisch beim Zu- 
fügen verdünnter Eisenvitriollösung im Mindesten sich bläuete, 
wobei es jedoch von selbst sich versteht, dass eine Bläuung 
eintritt, falls dem Harn eine hinreichend grosse Menge Was- 
serstoffsuperoxyd beigemischt worden. 

Vor einiger Zeit habe ich ausser dem Jodkaliumkleister 
noch einige andere höchst empfindliche Reagentien auf HO2 
kennen gelernt , welche theils auf reducirenden , theils auf 
oxydirenden Wirkungen dieses Superoxydes beruhen und 
wobei intensive Farben entweder auftreten oder verschwin- 
den. Ein Reagens der letzteren Art ist die Indigotinktur, 
auf welche stark verdünntes Wasserstoffsuperoxyd höchst 
langsam entbläuend einwirkt , diess aber unter Mitwirkung 
kleiner Mengen einer Eisenoxydulsalzlösung ziemlich rasch 
thut. Enthält Wasser z. B. nur ein Hunderttausendtel HO« 
und wird diese Flüssigkeit durch die besagte Tinktur deut- 
lichst gebläut, so erscheint noch nach Stunden die Färbung 
des Gemisches unverändert; lügt man ihm aber nur wenige 
Tropfen verdünnter Eisenvitriollösung zu, so entbläut es 
sich in kurzer Zeit vollständigst und auf diese Weise lässt 
sich im Wasser noch ein Halbmilliontel HO2 entdecken. 

Wie schon in einer voranstehenden Mittheilung ange- 
geben worden , ist die durch Wasserstoffschwefel entbläute 
Indigotinktur in Verbindung mit einer Eisenoxydulsalzlösung 
ein anderes höchst empfindliches Reagens auf das Wasser- 
stoffsuperoxyd und eben die beiden letztgenannten Mittel 
sind es, deren ich mich bei meinen Untersuchungen des 
Harnes auf einen etwaigen Gehalt desselben an HO2 be- 
diente, nachdem ich mich vorher durch zahlreiche Versuche 
vergewissert hatte, dass mit den besagten Reagentien selbst 



Schönbein: Wasserstoffsuperoxyd im mensclü. Körper. 137 

äusserst kleine, dem Harn absichtlich beigemischte Mengen 
von HO2 noch deutlichst sich nachweisen Hessen und somit 
erwiesen war, dass die im Harne vorhandenen oxydirbaren 
Bestandteile keinen hemmenden Einfluss auf diese so cha- 
racteristischen Reactionen des Wasserstoffsuperoxydes aus- 
üben. 

Tröpfelt man zu etwa 200 Grammen frisch gelassenen 
Harnes so viel Indigolösung, dass das Gemisch eine deutlich 
grüne Färbung zeigt und theilt man nun dasselbe in zwei 
gleiche Hälften, zu einer derselben 15 — 20 Tropfen verdünn- 
ter Eisenvitriollösung fügend , so wird diese Harnportion 
bald heller grün oder bräunlichgelb erscheinen , welche Far- 
benveränderung selbstverständlich von einer theilweisen oder 
gänzlichen Zerstörung der Indigotinktur herrührt, während 
dagegen die eisensalzfreie Hälfte ihre anfängliche grüne Fär- 
bung noch immer zeigt. Lässt man in 30 — 40 Gramme 
frischen Harnes 8 — 12 Tropfen durch Wasserstoffschwefel 
genau entfärbter Indigotinktur fallen, so wird das Gemisch 
anfangs sich nicht bläuen , diess aber beim Zufügen einiger 
Tropfen Eisenvitriollösung sofort thun. 

Aus den voranstehenden Angaben ersieht man, dass 
diese beiden Reactionen des Harnes : Zerstörung der Indigo- 
tinktur und Bläuung der gleichen durch Wasserstoffschwefel 
entfärbten Lösung unter Mitwirkung eines Eisenoxydulsalzes 
bewerkstelligt, Oxydationswirkungen sind, welche das Wasser- 
stoffsuperoxyd kennzeichnen, wesshalb ich auch geneigt bin 
anzunehmen, dass im Harne, wenn auch nur äusserst kleine, 
doch noch nachweisbare Mengen dieses Superoxydes ent- 
halten seien. Um jedoch über die Richtigkeit dieser An- 
nahme keinen Zweifel übrig zu lassen, habe ich mich be- 
müht, noch weitere thatsächliche Gründe dafür aufzufinden 
und wie ich glaube , sind nachstehende Angaben als solche 
zu betrachten. 

Bekanntlich wird HO2 durch SO2 sofort zu Wasser 



138 Sitzung der math.-phys. Glosse vom 13. Februar 1864. 

reducirt und wenn nun die vorhin erwähnten Reactionen des 
Harnes von kleinen in ihm enthaltenen Mengen Wasserstoff- 
superoxydes herrühren , so wird derselbe , mit entsprechend 
kleinen Quantitäten SO2 vermischt, besagte Wirkungen nicht 
mehr hervorbringen können, was in der That auch der Fall 
ist. Zu einem gleichen Behufe habe ich mir eine Flüssig- 
keit künstlich bereitet, welche die vorhin genannten Harn- 
reactionen auf das Genaueste nachahmt und in der nur 
äusserst geringe Mengen Wasserstoffsuperoxydes enthalten 
sind. Hat man reinstes Wasser auch nur wenige Sekunden 
lang mit amalgamirten Zinkspähnen und atmosphärischer Luft 
zusammengeschüttelt, so enthält dasselbe schon so viel HO2, 
um entweder den Jodkaliumkleister, oder die durch Wasser- 
stoffschwefel entfärbte Indigotinktur beim Zufügen einiger 
Tropfen Eisenvitriollösung augenblicklich auf das Deutlichste 
bläuen zu können. Ebenso wird ein in der erwähnten Weise 
erhaltenes HO2 -haltiges und durch Indigolösung noch deut- 
lich gebläutes Wasser unter Mitwirkung der Eisenvitriol- 
lösung in kurzer Zeit entfärbt. Vermengt man so oder auf 
irgend eine andere Weise bereitetes höchst verdünntes Was- 
serstoffsuperoxyd mit einer hinreichend grossen Menge ge- 
lösten harnsauren Kali's oder Natron's, so ist das Gemisch 
nicht mehr fähig, unter Beihilfe eines Eisenoxydulsalzes den 
Jodkaliumkleister zu bläuen (der Anwesenheit des harnsauren 
Salzes halber), wohl aber zeigt dasselbe das Vermögen, wie 
der Harn Jodstärke oder Jodwasser zu entfärben. Das 
gleiche Gemisch vermag jedoch unter Mitwirkung der Eisen- 
vitriollösung sowohl das gelöste Indigoblau zu zerstören, als 
auch die durch den Wasserstoffschwefel entfärbte Indigo- 
tinktur zu bläuen und kaum wird es der Angabe bedürfen, 
dass die schweflige Säure besagtem künstlichem Gemisch 
die Fähigkeit entziehe, die besagten Reactionen zu verur- 
sachen. 

Diese vollkommene Uebereinstimmung der Wirkungs- 



Schönbein: Wasserstoffsuperoxyd im menscht Körper. 139 

weise des Harnes mit derjenigen des künstlichen Gemisches 
beruht nach meinem Dafürhalten auf der gleichen Ursache 
und da es keinem Zweifel unterworfen sein kann, dass es 
das Wasserstoffsuperoxyd des besagten Gemisches sei, durch 
welches die beiden Arten von Indigotinktur, die eine ent- 
bläut, die andere gebläut wird, so lässt sich wohl nicht 
daran zweifeln, dass auch der frische Harn die gleichen 
Reactionen vermöge seines HO2 -Gehaltes hervorbringe. 

Der Umstand, dass dieser Gehalt nur ein sehr kleiner 
ist, benimmt, wie mir scheint, der Thatsache nichts von 
ihrer theoretischen Bedeutung ; denn offenbar handelt es sich 
hier mehr um das „Was", als um das „Wieviel", weil das 
Vorkommen des Wasserstoffsuperoxydes im Thierkörper für 
sich allein schon den thatsächlichen Beweis liefern würde, 
dass den im Organismus stattfindenden und scheinbar durch 
den neutralen atmosphärischen Sauerstoff bewerkstelligten 
Oxydationen Zustandsveränderungen vorausgehen, vollkom- 
men gleich denen, welche wir in so vielen andern Fällen 
langsamer Verbrennung an dem gleichen Elemente Platz 
greifen sehen. Es darf daher, wie ich glaube, das erwähnte 
Vorkommen des Wasserstoffsuperoxydes als eine Thatsache 
betrachtet werden, welche für die Theorie der thierischen 
Respiration von Bedeutung ist und die ich desshalb auch 
der besondern Aufmerksamkeit der Physiologen empfehlen 
möchte. 

In einer der voranstehenden Abhandlungen „Ein Bei- 
trag zur nähern Kenntniss des Harnes" ist die Thatsache 
erwähnt , dass HO2 , frisch gelassenem Harne beigemischt, 
die Trübung und die immer damit beginnende Nitritbildung 
dieser Flüssigkeit verzögere und ich will nachträglich noch 
beifügen, dass nach meinen Versuchen diese Veränderungen 
des Harnes um so später eintreten, je mehr ihm anfänglich 
Wasserstoffsuperoxyd beigemischt worden. Ebenso wurde 
in der besagten Mittheilung bemerkt, dass Harn, von der 



140 Sitzung der math.-phys. Gasse vom 13. Februar 1864. 

gleichen Person zu verschiedenen Zeiten gelassen, unter sonst 
gleichen Umständen verschieden lange Zeiten erfordere, um 
trübe und nitrithaltig zu werden. Da nun meinen Beobach- 
tungen zufolge der zu verschiedenen Zeiten gelassene Harn 
die oben erwähnten, das Wasserstoffsuperoxyd kennzeich- 
nenden Reactionen nicht immer gleich stark hervorbringt, 
so darf man wohl hieraus schliessen, dass auch der Gehalt 
dieser Flüssigkeit an HO2 veränderlich, bald grösser, bald 
kleiner sei. Auf welche Weise besagtes Superoxyd die Trü- 
bung und Nitritbildung auch immer verzögern mag, so er- 
klärt sich jedenfalls aus einem solchen Einflüsse ziemlich 
einfach die Thatsache, dass der zu verschiedenen Zeiten 
abgesonderte Harn unter sonst gleichen Umständen verschie- 
den lange. Zeiten zu seiner Trübung und spontanen Nitrit- 
bildung braucht. 

Meine Untersuchungen haben ferner gezeigt, dass das 
dem Harne absichtlich beigemischte HO2 allmälig sich ver- 
mindert und völlig verschwunden ist. sobald die Flüssigkeit 
anfängt sich zu trüben und nitrithaltig zu werden, welches 
Verhalten auch der natürliche Harn zeigt. 

Aus den Angaben dieser und einer voranstehenden Ab- 
handlung erhellt nun , dass die hauptsächlichsten bis jetzt 
erkannten Veränderungen, welche der Harn während seiner 
sogenannten Gährung erleidet, die folgenden sind: 

1) Verschwinden seines Gehaltes an Wasserstoffsuper- 
oxyd, was ohne Zweifel die Oxydation irgend eines andern 
Harnbestandtheiles zur Folge hat. 

2) Auftreten pilzartiger Materien , welche sofort redu- 
cirend auf das im Harn enthaltene Nitrat einwirken , das- 
selbe erst in Nitrit verwandelnd und dann auch dieses Salz 
völlig zerstörend, wodurch selbstverständlich auch die redu- 
cirenden Pilzmaterien eine chemische Veränderung erleiden 
müssen. 



Jolly: lieber Ausdehnung des Wassers. 141 

3) Umsetzung des Harnstoffes in kohlensaures Am- 
moniak unter Aufnahme von Wasser und Bildung einer 
fluorescirenden Materie. 

Es ist für mich jedoch keinem Zweifel unterworfen, 
dass während der Harngährung noch viele andere chemische 
Vorgänge stattfinden, von welchen wir bis jetzt Nichts 
wissen. 

Zum Schlüsse dieser Mittheilung nur noch eine kurze 
Bemerkung, die ich nicht unterdrücken möchte. Man wird 
es vielleicht für eine Uebertreibung halten, wenn ich vom 
Harne zu behaupten wage, dass in ihm eine ganze chemische 
Welt eingeschlossen sei. Unorganische und organische Ma- 
terien sind darin in der mannigfaltigsten Wechselwirkung 
begriffen, finden Bildungen und Wiederzerstörungen organi- 
scher Wesen statt und spielen überhaupt in dieser wunder- 
baren Flüssigkeit chemische, physikalische und physiologische 
Thätigkeiten so bunt durcheinander, dass es nach meinem 
Dafürhalten kaum ein anderes thierisches Secret geben dürfte, 
welches einen so reichen Stoff der Forschung darböte, als 
diess der menschliche Harn thut. Schon seit geraumer Zeit 
mit diesem Gegenstand beinahe täglich beschäftigt, dürfte 
ich wohl berechtigt sein, dessen Bedeutung auf's Neue her- 
vorzuheben und der Ansicht Ausdruck zu geben, dass wir 
von einer erschöpfenden Kenntniss des Harnes und seiner 
freiwilligen Veränderungen noch weit entfernt seien. 



Herr Jolly hält einen Vortrag: 

1) Ueber die Ausdehnung des Wassers von 
30° C. bis 100° C. 

Die Volumenänderungen des Wassers durch die Wärme 
sind seit Hallström wiederholt Gegenstand exacter experi- 



142 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

menteller Untersuchung geworden. Innerhalb der Tempera- 
turschwankungen, wie sie unsere Atmosphäre bietet, sind die 
Resultate, welche verschiedene Forscher erhalten haben, so 
genau übereinstimmend, dass voraussichtlich durch eine Wieder- 
holung der Messungen, auch unter Benützung all der Hilfs- 
mittel, welche heutigen Tnges die Technik bietet, eine wei- 
ter reichende Genauigkeit nicht zu erreichen ist. Die Dif- 
ferenzen fallen in die 5. Decimale, und die noch auftreten- 
den Differenzen sind durch unvermeidliche Fehlerquellen 
bedingt. Sollten Probleme auftauchen, zu deren Lösung 
eine noch weiter reichende Genauigkeit erforderlich wäre, 
so würde nur durch Vervielfältigung der Messungen der 
richtigere Mittelwerth zu gewinnen sein. Indess liegt hier- 
nach dermalen ein Bedürfniss nicht vor. 

Für Temperaturen über 30° C. werden die Abwei- 
chungen schon beträchtlicher, und für Temperaturen über 
50° C. gehen die Abweichungen nahe bis auf eine Einheit 
in der 3. Decimale. Specifische Gewichte von Flüssigkeiten, 
bezogen auf Wasser von gleicher Temperatur, können daher 
in diesen höheren Temperaturen noch nicht in der 3. Deci- 
male als verlässig betrachtet werden. Eine Experimental- 
untersucliung über einige physikalische Eigenschaften der 
Salzlösungen in höheren Temperaturen erforderte eine weiter 
reichende Genauigkeit in der Bestimmung der specifischen 
Gewichte, und wurde hiermit Veranlassung zur Wiederholung 
der Messungen über die Volumenänderungen des Wassers 
in eben diesen höheren Temperaturen. 

Zwei Wege bieten sich zu solchen Messungen dar. Man 
kann die Aenderungen der Volumina aus den Gewichten 
ableiten , welche Glasfläschchen von bekanntem Inhalt , ge- 
füllt mit Wasser verschiedener Temperaturen, fassen, wie 
Gay-Lussac es vorschlug und zur Bestimmung des specifischen 
Gewichtes des Weingeistes anwendete, oder man kann un- 
mittelbar voluminometrisch messen, d. h. die scheinbaren 



Jolly: Ueber Ausdehnung des Wassers. 143 

Volumenänderungen zu Grund legen, welche an einem ther- 
mometerähnlichen Instrumente, nach Kopp einem Dilator- 
meter, beobachtet werden. Beide Wege wurden einge- 
schlagen. 

Die Messungen mit Glasfläschchen wurden schon im 
vergangenen Winter durch Herrn Henrici aus Eberbach 
(Mitglied des math. -phys. Seminars) mit grösster Umsicht 
durchgeführt. Es wurden Gläser angewendet von beiläufig 
30 CC. Inhalt. Der Hals der Gläser war in eine feine 
Spitze ausgezogen. Auf den Hals war eine Glaskappe auf- 
geschliffen, und ebenso passte auf den Hals eine aufgeschlif- 
fene, oben offene, weitere Glasröhre. x ) Die Gläschen wur- 
den mit destillirtem Wasser gelullt, die aufgeschliffenen 
Glasröhren wurden aufgesetzt, ebenfalls mit Wasser gefüllt, 
und durch anhaltendes Kochen, schliesslich unter der Glocke der 
Luftpumpe, wurde das Wasser luftfrei erhalten. Die Gläs- 
chen wurden hierauf zunächst in gestossenes Eis gestellt. 
War nach etwa zweistündigem Stehen die Temperatur ° 
mit Sicherheit erzielt, so wurden die Röhren abgezogen, der 
Hals getrocknet und die Glaskappen aufgesetzt. Die Wä- 
gungen ergaben das Gewicht des Wassers, welches die 
Fläschchen, bis zur Spitze gefüllt, bei Null fassen. Das 
Verfahren blieb das ähnliche für Füllungen bei anderen 
Temperaturen. Die Glasröhren wurden wieder aufgesetzt, 
mit ausgekochtem Wasser gefüllt, und sämmtliche Gläschen 
wurden in ein grösseres Wasserbad, bestehend aus zwei 
concentrischen Gefässen , von denen das äussere beiläufig 
zwei, das innere einen Kubikfuss Wasser fasste, gebracht. 
Durch Bewegung eines Rührers war für Gleichförmigkeit 



1) Der gleiche Apparat wurde von Herrn C. v. Neumann zur 
Bestimmung des Maximums der Dichtigkeit des Meerwassers benützt, 
und in seiner Inauguraldissertation, München 1861, beschrieben und 
abgebildet. 



144 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

der Temperatur in allen Sclnchten gesorgt. Die Tempera- 
turerhöhungen wurden durch Anwendung von Gasflammen 
bewirkt. Je nach der Zahl und Grösse der Flammen konn- 
ten höhere Temperaturen unveränderlich auf die Dauer von 
10 bis 15 Minuten erhalten werden. Mit einem Stechheber 
wurde das über den Spitzen der Fläschchen stehende Was- 
ser weggenommen, und hierauf wurden gemeinsam und 
gleichzeitig alle Fläschchen aus dem Bad genommen. Es 
war nun nur noch übrig, die Röhren abzuziehen, den Hals 
zu trocknen und die Glaskappen aufzusetzen. Die Wägungen 
ergaben dann das Gewicht, welches die Fläschchen, gefüllt 
mit Wasser von bekannter Temperatur, fassen. 

Unter Anwendung dieses Verfahrens hängt die erreich- 
bare Genauigkeit von dreierlei ab. Nämlich von der Schärfe, 
mit welcher Gewichtsbestimmungen gemacht werden können, 
dann von der Schärfe der thermometrischen Bestimmungen 
und endlich von der Genauigkeit, mit welcher der Ausdeh- 
nungscoefticient der zu den Fläschchen benützten Glassorten 
ermittelt wurde. Gewiss ist auch die Technik des Verfah- 
rens von Einfluss; da aber die Füllung bis zur Spitze mit 
grosser Sicherheit erreicht wird und da ein Verlust durch 
Verdampfen nicht eintreten kann, so treten die Fehlerquel- 
len, welche mit der Technik des Verfahrens verbunden 
sind , weit gegen die Fehlerquellen der Wägungen und na- 
mentlich der thermometrischen Bestimmungen zurück. 

Die Wage war vielfach geprüft; sie hat eine Empfind- 
lichkeit der Art, dass sie noch bei 100 Grm. Belastung und 
einem Uebergewicht von 1 jio Mgrm. einen deutlichen Aus- 
schlag giebt. Die grösste Sorgfalt ist bekanntlich bei Wä- 
gungen auf die Gleichheit der Temperatur des zu wägenden 
Körpers mit der Temperatur der Wage zu richten. Ein 
Unterschied von nur wenigen Graden macht sich bemerk- 
bar. Die Temperaturerhöhung, welche Glas durch Ab- 
scheuern mit trockenem Fliesspapier erreicht, genügt, um 



Jolly: lieber Ausdehnung des Wassers. 145 

eine scheinbare Gewichtsänderung von ein oder mehreren 
Milligrammen zu erzeugen. Immer bemerkt man, dass der 
wärmere Körper scheinbar leichter, und der kältere Körper 
scheinbar schwerer ist. Erst wenn der Körper zur Tem- 
peratür der Wage zurückgekehrt ist, erhält man das ur- 
sprüngliche Gewicht wieder. Eine Elektricitätserregung durch 
Reibung ist — wie man diess vermuthungsweise aussprach 
— sicher nicht die Ursache dieser Erscheinung. Denn er- 
wärmte Metalle zeigen ganz dieselbe Erscheinung. Die , je 
nach dem Sinne der Temperaturdifferenz, auf- oder abwärts 
eintretenden Luftströme scheinen dagegen bei empfindlicheren 
Wagen genügend die scheinbaren Gewichtsdifferenzen zu 
erzeugen. 

Die Reduction der Gewichte auf den luftleeren Raum 
wurde in bekannter Weise ausgeführt. Doch ist ausdrück- 
lich hinzuzufügen, dass nicht allein die durch den zu wägen- 
den Körper verdrängte Luft, sondern auch die durch die 
Gewichtsstücke verdrängte Luft zu berücksichtigen ist. Das 
specifische Gewicht der Gewichtsstücke war 8,4. Der Ge- 
wichtsverlust von p. Grm. Wasser ist daher nach der 
Formel 

p. 0,001293 . ^ • 1 + ^ 866B-t (l " y 

zu berechnen, in welcher b den Barometerstand und t die 
Temperatur der Wage bezeichnet. Da die Temperatur des 
Wagenzimmers während aller Wägungen nahe bei Null oder 
nur wenige Grade über Null stand, und da überdiess das 
Zimmer trocken gelegen, auch die Luft in der Wage künst- 
lich trocken erhalten wurde, so konnte der Einfluss der 
Wasserdämpfe auf den Barometerstand unbeachtet bleiben. 
Unter Beachtung der bezeichneten Vorsichtsmassregeln 
finde ich, dass die unvermeidlichen Fehlerquellen bei Wä- 
gungen von Glasgefässen den Betrag von + 0,0002 Grm. 
nicht überschreiten. 



146 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Die thermometrischen Bestimmungen bieten grössere 
Schwierigkeiten dar. Ich hatte Thermometer von Geissler 
in Bonn, von Fastre in Paris, und hatte Thermometer mit 
willkürlicher Theilung, die ich hier von Greiner anfertigen 
Hess, und zu welchen ich Röhren aussuchte, welche auf ge- 
nügende Länge sich von gleichförmigem Kaliber zeigten. 
Sämmtliche Instrumente gaben Zehntel Celsius'scher Grade 
in solcher Grösse, dass mit einem Steinheil'schen Ableser 
noch ganz scharf Vioo ° beobachtet werden konnte. Aber 
in den Temperaturen über 50 ° beschränkt sich die Ueber- 
einstimmung der Instrumente nur auf Zehntel der Grade. 

Ich will hier nicht darauf eingehen, in wie weit die 
beobachteten Abweichungen von kleinen Ungleichheiten im 
Kaliber der Röhren oder von der Gestaltänderung der dünn- 
wandigen Gefässe unter dem Druck einer langen Quecksil- 
bersäule in höheren Temperaturen bedingt sind, ich führe 
nur an, dass ich den Gang der Quecksilberthermometer mit 
den Angaben eines Luftthermometers 2 ) verglich , in einer 
Tabelle die erhaltenen Resultate festhielt, und die Beobach- 
tungen nach den Angaben der Tabelle corrigirte. Da auch 
das Luftthermometer höchstens auf */*<> ° C. die Tempera- 
turen genau bezeichnet, so nehme ich an, dass in den ther- 
mometrischen Bestimmungen diess die Grenze der erreichten 
Genauigkeit war. 

Der Ausdehnungscoefficient der angewendeten Glassorten 
wurde direkt und wiederholt bestimmt. Die Fläschchen 
wurden zu diesem Zwecke mit Quecksilber gefüllt, die auf- 
geschliffenen Glasröhren wurden aufgesetzt, Quecksilber wurde 
bis zur Bedeckung der Spitze der Fläschchen eingegossen, 
und schliesslich das Ganze so vollständig wie ein Thermo- 



2) Es war dasselbe Instrument, welches in der Inauguraldisser- 
tation des Herrn Dr. Recknagel „Therm ometrische Untersuchungen", 
München, 1863, beschrieben und abgebildet ist» 



Jolly: lieber Ausdehnung des Wassers. 147 

meter ausgekocht. Die Besorgniss, ob die dünnwandigen 
Glasfläschchen , die über 500 Grm. Quecksilber fassten, ge- 
fahrlos ein Auskochen des Quecksilbers ertragen könnten, 
zeigte sich unbegründet. Das Auskochen geschah unter An- 
wendung Bnnsen'scher Brenner, und die Fläschchen waren 
in eisernen Schalen , deren Boden mit Sand bedeckt war, 
aufgestellt. Je nach der Dicke der Glaswandungen und der 
Grösse der Fläschchen sind zwei oder drei Brenner erfor- 
derlich. Die ausgekochten Apparate wurden in gestossenem 
Eis auf die Temperatur Null gebracht, die Röhren wurden 
hierauf abgezogen , die Kappen aufgesetzt , und durch Wä- 
gungen wurde das Gewicht des Quecksilbers bestimmt, wel- 
ches die Fläschchen in der Temperatur Null fassen. In 
einer zweiten Operation wurden die Gläschen mit abgezo- 
genen Glaskappen in einen Kochapparat gebracht ; das Queck- 
silber konnte entsprechend seiner grösseren Ausdehnung aus 
der Spitze der Gläschen austreten ; darauf folgende Wägungen 
ergaben die Gewichte, welche die Gläschen in der Tempera- 
tur des kochenden Wassers von Quecksilber eben dieser 
Temperatur fassen. Begreiflich sind die Gewichtsreductionen 
auf den leeren Raum auszuführen; und die Kochwärme des 
Wassers ist nach dem jeweiligen Barometerstand zu bestim- 
men. Bezeichnen p und p t die Gewichte Quecksilber, welche 
die Fläschchen in den Temperaturen 0° und t° fassen, und 
sind a und ß die Ausdehnungscoefficienten des Glases und 
des Quecksilbers, so hat man 

1 + ctt 
Pt ~ Po l + ß V 
welche Gleichung zur Berechnung des Werthes von a be- 
nützt wurde. 

Zu den Versuchen wurden im Ganzen 7 Glasfläschchen 
benutzt. Nr. 1 und 2 waren aus einer älteren zufällig vor- 
handenen Glasröhre geblasen , die übrigen aus Röhren , die 
aus der Glashütte bei Deggendorf bezogen waren. Für den 
[1864. I. 2.] 11 






148 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Ausdehnungscoefficienten der ersten Glassorte wurde gefun- 
den 0,0000261, und für den der andern 0,0000271. 

Nach diesen Vorbemerkungen lasse ich die Zahlen fol- 
gen, welche Herr Henrici in den Messungen erhalten hat. 

Temperatur des Wassers 0°. 



Num- 


Scheinbares 


Baro- 


Tem- 


Gewichts- 


Wahres 


mer des 


Gewicht des 


meter 


peratur 


verlust. 


Gewicht. 


Gläs- 


Wassers. 


in 


der 






chens. 




Millim. 


Wage. 






1 


57,1408 


712 


3° C. 


0,0479 


57,1887 


2 


41,0524 


» 


» 


0,0344 


41,0868 


3 


37,6619 


» 


» 


0,0316 


37,6935 


4 


37,6175 


)) 


» 


0,0316 


37,6491 


5 


38,6400 


» 


» 


0,0324 


38,6724 


6 


33,4108 


716 


3,5 


0,0281 


33,4389 


7 


36,9421 


718 


3,0 


0,0312 


36,9733 




Temperatur des 


Wassers 


28,3° C. 




1 


56,9768 


716 


2,0 


0,0482 


57,0250 


2 


40,9349 


» 


» 


0,0347 


40,9696 


3 


37,5549 


» 


» 


0,0318 


37,5867 


4 


37,5096 


» 


» 


0,0317 


37,5413 


5 


38,5287 


» 


» 


0,0326 


38,5613 




Temperatur des Wassers 


36,5° C. 




1 


56,8366 


722 


1,5 


0,0486 


56,8852 


2 


40,8347 


» 


» 


0,0349 


40,8696 


3 


37,4660 


» 


» 


0,0320 


37,4980 


4 


37,4210 


» 


» 


0,0320 


37,4530 


5 


38,4458 


» 


» 


0,0329 


38,4787 




Temperatur des Wassers 40 ° C. 




1 


56,7683 


724 


2,0 


0,0486 


56,8169 


2 


40,7852 


» 


» 


0,0349 


40,8201 


3 


37,4172 


» 


» 


0,0320 


37,4492 


5 


38,3889 


» 


» 


0,0329 


38,4218 



Jolly: Ueber Ausdehnung des Wassers. 



149 



Num- 


Scheinbares 


Baro- 


Tem- 


Gewichts- 


Wahres 


ner des 


Gewicht des 


meter 


peratur 


verlust. 


Gewicht. 


Gläs- 
chens. 


Wassers. 


in 
Millim. 


der 
Wage. 







Temperatur des Wassers 50,6 ° C. 

1 56,5265 716 4,0 0,0475 56,5740 

2 40,6111 » » 0,0341 40,6452 

3 37,2585 » » 0,0313 37,2898 
5 38,2254 » » 0,0321 38,2575 

Temperatur des Wassers 58,3 ° C. 

1 56,3220 726 5,2 0,0478 56,3698 

2 40,4644 » » 0,0344 40,4988 

3 37,6409 » » 0,0316 37,6725 
5 38,0873 » » 0,0324 38,1197 

Temperatur des Wassers 75,0 ° C. 

1 55,8290 722 6,1 0,0470 55,8760 

2 40,1170 » » 0,0337 40,1444 

3 36,7999 » » 0,0309 36,8308 

5 37,7553 » » 0,0317 37,7807 

Temperatur des Wassers 82,7 ° C. 

1 55,5568 720 6,0 0,0466 55,6034 

2 39,9172 » » 0,0333 39,9505 

6 32,4889 » » 0,0273 32,5162 

7 35,9192 » » 0,0301 35,9493 

Temperatur des Wassers 89,6 ° C. 

1 55,3109 712 6,5 0,0458 55,3567 

2 39,7381 » » 0,0325 39,7706 
6 32,3447 » » 0,0265 32,3447 

Temperatur des Wassers 98,78 ° C. 

1 54,9688 714 6,5 0,0457 55,0145 

Temperatur des Wassers 98,87 ° C. 

2 39,4866 717 7,0 0,0329 39,5195 
Nimmt man das Volumen des Wassers von 0° zur 

Einheit, und bezeichnet V t das Volumen bei t°, bezeichnen 

11* 



150 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

ferner q und q t die Gewichte des Wassers, welches die Fläsch- 
chen in den Temperaturen 0° und t° fassen, so hat man zur 
Bestimmung von V t 

V t =^ (l + «t). 

Aus den Messungen des Herrn Henrici erhält man hiernach 



Temperatur 
0° 
28,3 



36,5 



40,0 



50,6 



58,3 



75,0 



Volumen. 
1,00000 
1,00361 
1,00360 
1,00361 
1,00364 
1,00365 
1,00629 
1,00627 
1,00621 
1,00623 
1,00626 
1,00759 
1,00758 
1,00761 
1,00761 
1,01220 
1,01220 
1,01221 
1,01223 
1,01607 
1,01606 
1,01608 
1,01610 
1,02549 
1,02547 
1,02550 
1,02551 



Mittel. 



1,003622 



1,006252 



1,007597 



1,002220 



1,016077 



1,025492 



Jolly: Heber Ausdehnung des Wassers. 151 

Temperatur. Volumen. Mittel. 

82,7 1,03073 1,030677 

1,03066 
1,03068 
1,03064 
89,6 1,03551 1,035503 

1,03551 
1,03549 
98,78 1,04219 

98,87 1,04234 

Gestützt auf diese Ergebnisse lassen sich folgende In- 
terpolationsformeln bilden. 

Interpolationsformel für Temperaturen von 28° bis 50°: 

V = 1 -f 0,00006659 t — 0,000002277 t 2 

-f 0,00000021264 t 3 — 0,0000000019644 t*. 
Für Temperaturen von 50° bis 80°: 

V = 1 - 0,00030419 t + 0,0000194546 t 2 

— 0,00000022645 t 3 + 0,00000000108731 1*. 
Für Temperaturen von 80° bis 100° C: 
V = 1 - 0,00006468 fc-f 0,0000067561 1 — 0,000000017994 1 3 . 
Man erkennt leicht die Vorzüge und die Schwierigkeiten 
des eingeschlagenen Verfahrens. Die Grösse, die gemessen 
werden soll, ein genau abgegrenztes Volumen Wasser, wird 
durch die in eine feine Spitze endigenden Glasfläschchen mit 
grosser Schärfe erhalten , und die Technik des Verfahrens 
ist sehr einfach. Nach der Capacität der Gefässe wird 
durch eine sechszifferige Zahl das Gewicht des Wassers 
ausgedrückt, und erst die 6. Ziffer wird unter Anwendung 
einer guten Wage bei Wägungen von Glaskörpern unsicher. 
Da bei jedem Versuche mehrere Gläser zugleich in das Bad 
eingesetzt sind, die hiermit alle in absolut gleicher Tem- 
peratur sich befinden, so ist Gelegenheit gegeben, durch das 
arithmetische Mittel der für gleiche Temperaturen berech- 
neten Volumina mit um so grösserer Annäherung die wahren 



152 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Volumina zu erhalten. Dagegen ist die grosse Zahl der 
exact auszuführenden Wägungen lästig und zeitraubend. 
Man sieht sich hiernach veranlasst, nur für grössere Tem- 
peraturabstände die Messungen auszuführen. Die Interpola- 
tionsformeln sind also auch nur auf eine relativ geringe 
Zahl der Messungen gestützt. 

Das voluminometrische Verfahren erfordert nur eine 
oder wenige exacte Wägungen, im Uebrigen beschränkt sich 
die Messung auf die Ablesung der Stellung des Fadens in 
der kalibrirten Röhre. Die Mühe des Aussuchens der Röh- 
ren von gleichmässigem Kaliber wird reichlich aufgewogen 
durch die einfachere Berechnung der Beobachtungen. Doch 
ist die Benützung der Röhren , die einfach konisch verlau- 
fen, nicht gerade von besonderer Schwierigkeit. Man kann in 
diesem Falle durch Tabellen, in welchen die Aenderungen des Ka- 
libers etwa von 10 zu 10 Theilstrichen niedergelegt sind, sich 
die Rechnung sehr erleichtern. Begreiflich wählt man dann 
nur solche Röhren aus , welche eine gleichförmige und sehr 
geringe Aenderung im Kaliber zeigen. Unter den Röhren, 
die mir zu Gebot standen, waren nur zwei auf eine Länge 
von etwas über 4 Decimeter von durchaus gleichmässigem 
Kaliber. 

Eine kleine Abänderung der gebräuchlichen Dilatometer 
hat sich praktisch sehr bewährt. Kugel und Röhre Hess 
ich trennen. Die Kugel wurde mit einem weiteren Halse 
versehen, und die kalibrirte Röhre wurde mit ihrem unteren, 
etwas aufgetriebenen Ende in den Hals der Kugel einge- 
schliffen. Für das Einschleifen ist das Verfahren auf den 
Glashütten, nämlich das Vorschleifen mit kupfernem Konus 
und kupferner Büchse sehr empfehlenswerth. Erst am 
Schlüsse wird mit feinem Schmirgel Glas in Glas einge- 
schliffen. Im Anfange machte mir die Trennung der einge- 
schliffenen Theile zuweilen Schwierigkeiten. Fettet man das 
Ende der Röhre mit Luftpumpenfett schwach ein, so schwach, 



Jolly: lieber Ausdehnung des Wassers. 



153 





dass die Gewichtszunahme des Instruments noch 
kaum 0,0003 Grm. beträgt, und verbindet man 
Kugel und Röhre unter schwachem Druck und 
mit sanftem Drehen, so bietet die spätere Tren- 
nung der Theile, selbst wenn sie lange verbun- 
den waren, keine Schwierigkeiten. An dem 
oberen Ende der kalibrirten Röhre ist eine oben 
offene Kugel angeblasen. Die neben stehende 
Zeichnung erläutert die gebrauchte Anordnung. 

Durch die Trennung der Kugel und der 
Röhre ist Reinigen, Füllen und Auskochen wesent- 
lich erleichtert. Ist die Kugel durch Ausspülen 
mit Salpetersäure und hierauf durch wiederholtes 
Ausspülen mit Wasser gereinigt, und ebenso die 
Röhre, so wird das Austrocknen beider Stücke 
statt unter Anwendung der Wärme weit rascher 
und bequemer dadurch erreicht, dass man nach der Reihe 
mit Weingeist und mit Schwefeläther ausspült, und mit 
Hilfe des Blasetisches einen Strom trockener Luft durch die 
Apparate leitet. Wasser, und ebenso jede andere Flüssig- 
keit, deren Volumenänderung in höheren Temperaturen be- 
stimmt werden soll, müssen vollkommen luftfrei angewendet 
werden, indem sonst in eben diesen Temperaturen eine Ent- 
wicklung von Luftbläschen eintritt, die die Messung illu- 
sorisch machen. Durch anhaltendes Kochen kann die am 
Glas haftende und die von der Flüssigkeit absorbirte Luft 
vollständig entfernt werden. Man kürzt diese Operation ab, 
wenn man die Dilatometer , nachdem sie im Kochapparat 
einige Zeit verweilt sind, unter die Glocke der Luftpumpe 
bringt, und das Kochen im luftverdünnten Räume fortsetzt. 
Flüssigkeiten, deren Zusammensetzung in der Kochwärme 
sich ändern könnte , wie Weingeist , Salzlösungen u. s. w. 
müssen unter einer kleinen Abänderung des Apparates, einer 
solchen, unter welcher die Verdampfung der Flüssigkeit ver- 



154 Sitzung der moth.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

mieden wird, ausgekocht werden. Man erreicht diess, wenn 
man die obere Kugel des Dilatometers mit einer Kälte- 
mischung umgiebt. Zu dem Ende befestigt man unter An- 
wendung eines gespalteneu Korkes ein Blechgefäss, welches 
die Kältemischung aufnimmt, am oberen Ende des Dilato- 
meters. Die .Flüssigkeit in der unteren Kugel kann anhal- 
tend im Kochen erhalten werden, während die in der oberen 
Kugel unter Null stehen bleibt. 

Nach dem Auskochen bringt man in einem Bad die 
Temperatur rasch zurück. Meist bleibt ein Luftbläschen an 
der Verbindungsstelle von Kugel und Röhre hängen. Um 
diess zu entfernen , wird Röhre und Kugel getrennt , was 
schon aus dem Grunde erforderlich ist , um die benutzte 
Röhre ausspülen und austrocknen zu können. Der einge- 
schliffene Theil der Röhre wird nun schwach eingefettet und 
vorsichtig in den Hals der Kugel eingesteckt. Das Mess- 
instrument ist hiermit hergestellt. Es bedarf weiter nichts, 
als ein Einsetzen des Dilatometers in ein Bad, welches 
successiv in höhere und immer genügend lange dauernde 
Temperaturen versetzt wird. Ich habe bei den folgenden 
Versuchen zwei Dilatometer angewendet, die Temperatur 
wurde mit einem Thermometer von Geissler, welches nach 
den Angaben eines Luftthermometers geeicht war, bestimmt. 
In dem Bad war beständig ein Rührer in Bewegung. Um 
ungetheilt die Aufmerksamkeit den Dilatometern und dem 
Thermometer zuwenden zu können , wurde der Rührer des 
Bades durch eine kleine Dampfmaschine 3 ) in Bewegung er- 
halten. 

Von hier an war die Ausführung der Beobachtungen 



3) Die Dampfmaschine ist eine kleine Hochdruekmasckine, die, 
geheizt mit zwei Bunsen'schen Brennern, eine Arbeit von 2 Klgm. 
verrichtet. Ich habe die Maschine nicht wegen der paar Versuche, 
die ich mit Wasser ausführte, sondern wegen einer ausgedehnteren 
Versuchsreihe mit Salzlösungen construiren lassen. 



Jolty: Ueber Ausdehnung des Wassers. 155 

so äusserst einfach, dass ich sie meist dem Diener des Insti- 
tuts übertragen konnte. In allen Fällen wurde zur Ver- 
meidung der Parallaxe mit einem Steinheil'schen Ableser, 
der ungefähr eine lOfache Vergrösserung bot, das Ablesen 
der Instrumente ausgeführt. Um die Verdunstung des Was- 
sers abzuhalten, die in höheren Temperaturen selbst durch 
die engen Röhren der Dilatometer hätte erfolgen können, 
wurden die Röhren durch einen Quecksilberfaden von un- 
gefähr 30 Millim. Länge geschlossen. Zwischen dem Queck- 
silber und dem Wasser war eine Luftblase, so dass also 
der Quecksilberfaden nicht unmittelbar auf dem Wasser 
aufsass. 

Zunächst wurde für beide Dilatometer das wahre Ge- 
wicht des Wassers, welches sie fassen, und der Stand des 
Wassers in den Dilatometerröhren in der Temperatur Null 
bestimmt. Es wurde gefunden: 

Nummer des Wahres Gewicht Wasserstand bei 

Dilatometers. des Wassers. der Temp. 0°. 

1 31,6661 Grm. 110,5 

2 18,1240 » 114,2 

Beide Instrumente wurden auf eine Temperatur von 
etwas über 30 ° C. gebracht. In dieser Temperatur wurden 
Bohren und Kugeln getrennt, die Röhren wurden ausge- 
trocknet und hierauf wieder mit den Kugeln verbunden. 
Das vorbereitete, auf mehr als 30° C. verdünnte Bad nahm 
beide Dilatometer auf und die Beobachtung begann. Es 
wäre sehr zeitraubend, wenn man mit dem Bad genau vor- 
aus bezeichnete, etwa von 5 zu 5 Grad steigende Tempera- 
turen successiv erreichen wollte. Dagegen hat es keine 
Schwierigkeit, Temperaturen herzustellen, die nur um wenige 
Zehntel von jenen abweichen, die man zu erreichen wünscht. 
Die Interpolation, durch welche der Stand des Wassers im 
Dilatometer, entsprechend einer bestimmten Temperatur des 



156 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Bades, gefunden wird, ist höchst einfach. War etwa beob- 
achtet 

Thermometer Dilatometer 

29,92 41,6 

30,24 44,5 

so entspricht einer Temperaturdifferenz von 0,32 eine Aen- 
derung des Dilatometers von 2,9, also einer Temperatur- 
differenz von 0,08 entsprechen 0,7248 Theilstriche des Dila- 
tometers, und für die Temperatur 30° C. ist der Stand des 
Wassers im Dilatometer 42,3. 
Die Beobachtungen ergaben: 

2. 



iperatur. 


Dilatometer Nr. 


1. Dilatometer Nr. 


30° 


42,3 


34,5 


35° 


96,4 


87,3 


40° 


158,8 


148,6 


45° 


228,8 


217,8 


50° 


306.0 


294,6 


55° 


392,2 


378,6 


60° 


484,7 


469,3 



Wahres Gewicht des in den Dilatometern enthaltenen Wassers 
in Nr. 1 31,5023, 
in Nr. 2 18,0264. 
Die Kalibrirung ergab den Logarithmen des cubischen In- 
halts zwischen zwei Theilstrichen 

in Nr. 1 zu 0,9263822 — 4, 

in Nr. 2 zu 0,6916360 — 4. 
Zur Einheit ist hierbei wie in allen folgenden Fällen der 
Kaum angenommen, den ein Gramm Wasser in der Tem- 
peratur Null einnimmt. 

Das Dilatometer Nr. 1 fasst, bis zum Theilstrich 110,5 
mit Wasser von 0° gefüllt, 31,6661 Grai. Würde es nur 
bis zum Theilstrich 42,3 gefüllt, so würde es fassen 
31,6085 Grm. Bezeichnet V t das Volumen des Wassers bei 






Jolly: üeber Ausdehnung des Wassers. 



157 



t°, wenn das Volumen bei ° zur Einheit angenommen wird, 

so hat man 

(1 + at) 



Pt = Po 



V t 



und 

Da 

zu 



wo p , p t die Gewichte des Wassers bei 0° und t° 
a den Ausdehnungscoefficienten des Glases bezeichnet 
p , p t aus den Beobachtungen bekannt sind, und 
0,0000271 für 1° C. gefunden ist, so giebt die oben ange- 
führte Gleichung das Mittel zur Berechnung des numeri- 
schen Werthes von V t . 

Die Berechnung der mit den Dilatometern gemachten 
Beobachtungen ergiebt : 



Temperat. 

0° 
30° 
35° 
40° 
45° 
50° 
55° 
60° 



Vol. des Wassers 
nach Dilat. Nr. 1 
1,000000 
1,004126 
1,005714 
1,007522 
1,009536 
1,011745 
1,014193 
1,016813 



Vol. des Wassers 
nach Dilat. Nr. 2 
1,000000 
1,004111 
1,005684 
1,007498 
1,009523 
1,011753 
1,014191 
1,016801 



Mittel 



1,004118 
1,005699 
1,007510 
1,009529 
1,011749 
1,014197 
1,016807 



Ein zweite Reihe von Beobachtungen ergab 



Temperatur 
60° 
65° 
70° 

75° 
80° 



Dilatometer Nr. 
48,5 
145,6 
248,5 
357,3 
470,5 



Dilatometer Nr. 2 
50,5 
146,2 
247,4 
354,3 
465.6 



Wahres Gewicht des Wassers 

im Dilatometer Nr. 1 31,1380, 

im Dilatometer Nr. 2 17,8218. 
Das Instrument Nr. 1, gefüllt bis zum Theilstrich 48,5 mit 
Wasser von 0°, fasst 31,6108 Grm., und das Nr. 2, gefüllt 



158 Sitzung der math.-j)hys. Classe vom 13. Februar 1864. 



bis zum Theilstrich 50,5, fasst 18,0927 Grm. Gestützt auf 
diese Zahlen und auf die an den Dilatometern gemachten 
Beobachtungen , erhält man für die Volumina des Wassers 
in den Temperaturen von 60° bis 80°: 
Temperat. Vol. des Wassers Vol. des Wassers Mittel 



60° 
65° 

70° 
75° 
80° 



nach Dilat. Nr 
1,016834 
1,019608 
1,022542 
1,025626 
1,028850 



1 



nach Dilat. Nr. 
1,016854 
1,019638 
1,022573 
1,025656 
1.028880 



1,016844 
1,019623 
1,022557 
1,025641 
1,028865 



Eine dritte Reihe von Beobachtungen ergab 



Temperatur Dilatometer Nr. 
80° 28,2 

85° 145,6 

90° 267,4 

95° 393,3 

100° 522,7 

Wahres Gewicht des Wassers 

im Dilatometer Nr. 1 
im Dilatometer Nr. 2 
Das Dilatometer Nr. 1 , mit Wasser von ° bis zum 
Theilstrich 28,7 gefüllt, fasst 31,5966 Grm., und das Nr. 2, 
bis zum Theilstrich 58,4 mit Wasser von 0° gefüllt, fasst 
18,0877 Grm. 

Die mit den Dilatometern in den bezeichneten Tem- 
peraturen gemachten Beobachtungen führen hiernach zu fol- 
genden Resultaten : 



L Dilatometer Nr. 
38,4 
153,4 
272,9 
396,0 
522,7 

30,7763, 
17,6190. 



2 



nperat. 


Vol. des Wassers 


Vol 


. des Wassers 


Mittel 




nach Dilat. Nr. 


1 


nach Dilat. Nr. 


o 




80° 


1,028881 






1,028830 




1,028855 


85° 


1,032248 






1,032184 




1,032219 


90° 


1,035737 






1,035660 




1,035698 


95° 


1,039337 






1,039248 




1,039342 


100° 


1,043034 






1,042934 




1,042984 



Jolly: Ueber Ausdehnung des Wassers. 159 

Man bemerkt, dass die mit den beiden Dilatometern 
erhaltenen Resultate sehr gut übereinstimmen, und dass über- 
haupt Differenzen erst in der 5. Decimale oder in der 6. 
Ziffer der Zahlen, welche die Volumina ausdrücken, bemerk- 
bar werden. Die Abweichungen traten also genau erst in 
derselben Ziffer ein, in welcher auch die Gewichtsbestim- 
mungen des in den Dilatometern enthaltenen Wassers be- 
ginnen, unsicher zu werden. Die Abweichungen, welche 
Herr Henrici nach dem oben beschriebenen Verfahren er- 
hielt, sind noch geringer, als die unter Anwendung der 
Dilatometer, dagegen ist die Anzahl der beobachteten Tem- 
peraturen die doppelte von jener des Herrn Henrici, und es 
ist nicht wie dort eine Interpolation zwischen weit abstehen- 
den Gliedern erforderlich. 

Berechnet man nach den Interpolationsformeln die 
Volumina für die gleichen Temperaturen, welche direkt bei 
den Dilatometern beobachtet wurden, so ergeben sich Dif- 
ferenzen, welche weder aus den unvermeidlichen Fehler- 
quellen der Wägungen , noch aus der Technik des jeweils 
eingeschlagenen Verfahrens sich erklären, welche also ohne 
Zweifel in den Fehlerquellen der thermometrischen Bestim- 
mungen begründet sind. Die Differenzen betreffen meist 
erst die 5. Decimale, und treten in einer Grösse auf, dass 
sie einem Fehler in der Temperaturbestimmung 0,1° bis 
0,2° C. entsprechen, nur in den Temperaturen von 40° bis 
50° sind sie noch bedeutender und entsprechen im äusser- 
sten Falle einem Fehler in der Temperaturbestimmung von 
0,4° C. 

Ich halte die dilatometrisch gefundenen Zahlen für die 
richtigeren, und zwar nicht des Verfahrens halber, sondern 
weil ich mich bei diesen Versuchen eines Thermometers 
bediente, dessen Angaben mit denen eines Luftthermometers 
unmittelbar zuvor verglichen waren. 

Von den vielfachen Messungen über die Aenderung des 



160 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 



Volumens des Wassers in höheren Temperaturen nahm ich 
hier zur Vergleichung nur die Resultate der Arbeit des 
Herrn Pierre 4 ) und der des Herrn Kopp 5 ) auf, weil beide 
Arbeiten mit allen Hilfsmitteln der Technik des heutigen 
Tages und von den bewährtesten und umsichtigsten For- 
schern ausgeführt sind. 



Temp. 


Volumen. 


Temp. 


Volumen. 


Temp. 


Volumen. 


0° 


1,000000 










30° 


1,004071 P. 


55° 


1,014359 P. 


80° 


1,029360 P. 




4064 K. 




4100 K. 




8581 K. 




4098 H. 




4393 H. 




8767 H. 




4118 J. 




4192 J. 




8873 J. 


35° 


1,005677 P. 


60° 


1,017118 P. 


85° 


1,032769 P. 




5697 K. 




6590 K. 




1894 K. 




5710 H. 




6963 H. 




2377 H. 




5699 J. 




6825 J. 




2216 J. 


40° 


1,007512 P. 


65° 


1,019946 P. 


90° 


1,036294 P. 




7531 K. 




9302 K. 




5397 K. 




7601 H. 




9643 H. 




5786 H. 




7510 J. 




9623 J. 




5698 J. 


45° 


1,009562 P. 


70° 


1,022937 P. 


95° 


1,039924 P. 




9541 K. 




2246 K. 




9094 K. 




9705 H. 




2468 H. 




9402 H. 




9529 J. 




2255 J. 




9342 J. 


50° 


1,011815 P. 


75° 


1,026078 P. 


100° 


1,043649 P. 




1747 K. 




5440 K. 




2986 K. 




1940 H. 




5487 H. 




3099 H. 




1749 J. 




5641 J. 




2984 J. 


Die grössten Di 


Jerenz 


en der Results 


ite des 


i Herrn Pierre 


und des Herrn Kop 


p geh 


en bis auf ne 


im Ein 


heiten in der 



4) Ann. Ch. Ph. XV. 1845. 

5) Pogg. Ann. LXXII. 1847. 



Jolly: Ueber Ausdehnung des Wassers. 



161 



4. Decimale , sie entsprechen einer Temperaturdifferenz von 
1,2° C. Dagegen sind die Differenzen der Resultate des 
Herrn Kopp und des Herrn Henrici weit geringer und zei- 
gen überhaupt kaum grössere Abweichungen, als die, welche 
zwischen den von Herrn Henrici erhaltenen und den dilato- 
metrisch gefundenen auftreten. Im Ganzen halte ich es für 
entschieden, dass die von Herrn Pierre erhaltenen Zahlen 
von 50 °C. an aufwärts sämmtlich, und nicht unbeträchtlich, 
zu gross sind. 

Da die Messungen mit den beschriebenen zerlegbaren 
Dilatometern wenig Mühe machen, und die erreichbare Ge- 
nauigkeit wesentlich von der sorgfältigen Vorbereitung der 
Instrumente, der exacten Wägung, der Kalibrirung u. s. w. 
abhängt, so bereitete ich drei solcher Instrumente vor und 
Hess mit denselben von ° bis 45 °, und zwar von Grad zu 
Grad, die Volumenänderungen verfolgen. Ich begnüge mich, 
in der folgenden Tabelle die erhaltenen Resultate zusammen- 
zustellen. 



Temp. 


Volumen. 


Temp. 


Volumen. 


Terap. 


Volumen. 


0° 


1,000000 


16° 


1,000868 


32° 


1,004728 


1° 


0,999972 


17° 


1,001030 


33° 


5052 


2° 


0,999904 


18° 


1209 


34° 


5376 


3° 


0,999884 


19° 


1399 


35° 


5700 


4° 


0,999874 


20° 


1605 


36° 


6050 


5° 


0,999880 


21° 


1812 


37° 


6405 


6° 


0,999902 


22° 


2026 


38° 


6766 


7° 


0,999933 


23° 


2253 


39° 


7131 


8° 


0,999983 


24° 


2487 


40° 


7500 


9° 


1,000045 


25° 


2729 


41° 


7880 


10° 


1,000128 


26° 


2969 


42° 


8271 


11° 


1,000210 


27° 


3229 


43° 


8673 


12° 


1,000323 


28° 


3506 


44° 


9094 


13° 


1,000431 


29° 


3802 


45° 


9514 


14° 


1,000569 


30° 


4107 






15° 


1,000720 


31° 


4412 







162 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1864. 

Herr Jolly trägt vor: 

2) Eine Federwage zu exacten Wägungen. 

Manche Untersuchungen werden nur desshalb nicht in 
Angriff genommen, weil die Technik der Versuche zu um- 
ständlich ist. Vielleicht erscheint hiernach folgende Notiz 
über die Einrichtung einer Federwage, welche bei einer Be- 
lastung von einem oder nur wenigen Grammen noch Milli- 
gramme genau ablesen lässt, gerechtfertigt. 

Ein Versuch, unter Anwendung einer Federwage die 
Aenderungen im Gewichtsverlust eines in Luft verschiedener 
Dichtigkeit aufgehangenen Körpers abzulesen, und hiernach 
einen Apparat zu erhalten , der das Barometer ersetzen 
könne, gab Veranlassung, Federwagen verschiedener Form 
zu prüfen. Das Ziel, das ich erreichen wollte, scheint nicht 
erreichbar, weil einerseits der Einfluss der Temperatur auf 
die Federkraft nicht auf einen einfachen Ausdruck zurück- 
zubringen ist, und weil andererseits Alles, was die Empfind- 
lichkeit der Wage vermehrt, ihre Compendiosität vermin- 
dert, wodurch der Apparat nur in Laboratorien verwendbar 
erscheint. Handelt es sich dagegen nur um solche Anwen- 
dungen der Wage , in welchen kleine Gewichtsgrössen noch 
mit grosser Genauigkeit bestimmt werden sollen , so leistet 
sie genau das Gleiche, was die feinsten Wagen leisten, und 
hat den Vortheil einer unvergleichlichen Wohlfeilheit und 
einer grösseren Becpiemlichkeit voraus. Sie kann zu abso- 
luten Gewichtsbestimmungen, so wie zu specilischen Gewichts- 
bestimmungen fester und flüssiger Körper benutzt werden, 
und wird namentlich in Fällen, in welchen es sich um spe- 
ciiische Gewichte sehr kleiner Körper, von etwa nur weni- 
gen Decigrammen Gewicht, handelt, oder um die specifischen 
Gewichte flüssiger Körper, die nur in kleinen Quantitäten 
zur Verfügung stehen, die besten Dienste leisten. 



Jölly: Eine Federwage. 



163 



Die beistehende Figur erläutert die 
gebrauchte Anordnung. Ein spiralförmig 
gewundener Draht ist in a aufgehangen 
und trägt an seinem unteren Ende b 
zwei Wagschalen c und d. Die Wag- 
schale d ist beständig in Wasser einge- 
taucht. Das Glas, in welchem sich die 
eingetauchte Schale befindet , steht auf 
einem Träger, der am Stativ der Wage 
auf und nieder verschiebbar ist. Eine 
Marke bei m dient, um mit einem Ab- 
leser (einem an einer vertikalen Stange 
verschiebbaren Fernröhrchen von 6- bis 
8-facher Vergrößerung) die Dehnung der 
Spiralfäden an der an dem Stativ ange- 
brachten Scale abzulesen. Um das Fern- 
rohr zu ersparen , habe ich an andern 
Wagen die Theilung unmittelbar auf 
einem Spiegelstreifen, der am Stativ be- 
festigt wurde , aufgetragen. Es wird 
dann mit unbewaffnetem Auge in der 
Art abgelesen , dass man Marke und 
Spiegelbild zur Deckung bringt. Diese 
letztere Art der Ablesung setzt etwas 
mehr Uebung voraus, aber doch nicht 
mehr, als zu genauer Ablesung eines 
Barometers ebenfalls erforderlich ist. 

Belastet man die in der Luft be- 
findliche Schale successiv mit grösser 
werdenden Gewichten, etwa steigend von J /io zu f /io Grm., 
so zeigt die Erfahrung, dass die Zunahme der Dehnung der 
Spirale proportional den aufgelegten Gewichten ist. So fand 
ich z. B., dass eine spiralförmig gewundene Klaviersaite (im 
Handel mit Nr. 6 bezeichnet) bei 36 Windungen, unter 
[1864. I. 2.] 12 







164 Sitzung der math.-p7iys. Glosse vom 13. Februar 1864. 

Anwendung einer Belastung von 0,1 Grin. eine Dehnung von 
45,2 Theilstrichen einer Scale willkürlicher Theilung erfuhr. 
Dieselbe Spirale zeigte bei einer Belastung von 1 Grm. eine 
Dehnung von 452 Theilstrichen , und bei einer Belastung 
von 0,001 Grm. eine Dehnung von 0,452 Theilstrichen. 
Dickere Drähte zeigen bei gleicher Zahl der Windungen 
und gleicher Belastung kleinere Dehnungen, aber immer 
sind in ziemlich weiten Grenzen die Dehnungen den aufge- 
legten Gewichten proportional. 

Der Gebrauch der Wage ist höchst einfach. Man liest 
bei unbelasteter Wage die Stellung der Marke an der Scale 
ab , man belastet hierauf die obere Schale mit einem Ge- 
wicht bekannter Grösse und liest wieder ab. Die Differenz 
der abgelesenen Zahlen giebt die Anzahl der Scalentheile 
an , welche der Grösse des aufgelegten Gewichtes entspre- 
chen. So fand ich z. B. , dass eine Spirale von 30 Win- 
dungen durch eine Belastung von 1 Grm. eine Dehnung von 
372,2 Theilstrichen erfuhr. Bewirkt ein aufgelegter Körper, 
ein Mineralsplitter, ein kleiner Krystall u. dgl. eine Dehnung 
von 211,1 Theilstrichen, so ist sein absolutes Gewicht 

91 j i 

— = 0,5611 Grm., und zwar ist von dieser Zahl erst 

372,2 

die 4. Decimale, d. h. die Zehntel der Milligramme, un- 
sicher. 

Handelt es sich nicht um absolute, sondern um speci- 
fische Gewichte, so ist es gar nicht nöthig, den Werth des 
absoluten Gewichtes in Grammen auszudrücken. Man hat 
nur nach der Reihe drei Ablesungen zu machen. Die erste 
bei unbelasteter Wage, die zweite nach Auflegung des Kör- 
pers in der oberen Schale, und die dritte nach Auflegung 
des gleichen Körpers in der unter Wasser befindlichen Schale. 
Die Differenz der beiden ersten Zahlen giebt, in Scalenthei- 
len ausgedrückt, das absolute Gewicht, und die Differenz 
der zweiten und dritten Zahl giebt, nach der gleichen Ein- 



Jolly: Eine Federwage. 165 

heit ausgedrückt, das Gewicht des verdrängten Wassers. 
Der Quotient dieser Differenzen ist also das specifische Ge- 
wicht. So fand ich z. B. für die Stellung der Marke 

bei unbelasteter Wage .... 64,2 

belastet die obere Schale mit einem 

kleinen Mineralsplitter .... 275,3 

derselbe Mineralsplitter in der un- 
teren Schale ....... 220,8. 

Das absolute Gewicht des Körpers ist demnach ausgedrückt 
durch 275,3 — 64,2 = 211,1 Scalentheile, und der Gewichts- 
verlust in Wasser ist ausgedrückt durch 275,3 — 220,8 = 54,8 

211 1 
Scalentheile. Also ist das specifische Gewicht / = 3,85. 

54,8 

Die dritte Ziffer dieser Zahl, oder die zweite Decimale, ist 
hier unsicher. Es ist diess genau die gleiche Grenze der 
Genauigkeit, welche mit der hydrostatischen Wage erreicht 
werden kann, deren Unsicherheit bekanntlich bei Wägungen 
so kleiner Körper unter Wasser die Zehntel der Milligramme 
ergreift. Ein Spiraldraht von grösserer Zahl der Windungen, 
oder auch ein dünnerer Draht von gleicher Zahl der Win- 
dungen, würde, wenn diess nöthig sein sollte, die Genauig- 
keit vermehren und die Empfindlichkeit über die der hydro- 
statischen Wage bringen lassen. 

Körper von einem Gewicht von mehreren Grammen 
erzeugen eine so beträchtliche Dehnung, dass die Scale 
unbequem lang werden müsste, und endlich würde bei noch 
grösserer Belastung die Elasticitätsgrenze der Spirale über- 
schritten, oder doch die Proportionalität zwischen Belastung 
und Dehnung nicht mehr vorhanden sein. Also ist es für 
solche Fälle angezeigt, stärkere Drähte anzuwenden. 

Soll das specifische Gewicht eines flüssigen Körpers 
bestimmt werden, so wird die untere Schale entfernt und 
statt derselben wird an einem dünnen Platindraht ein Glas- 
körper von beiläufig 1 CC. Inhalt aufgehangen. Die Ge- 

12* 



166 Sitzung der math.-phys. Classe vom 13. Februar 1S64. 

wichtsverluste in Wasser und in anderen Flüssigkeiten wer- 
den dann, wie in dem früheren Falle, in Scalentheilen aus- 
gedrückt. 

Klaviersaiten, wie sie im Handel allerwärts zu erhalten 
sind, bieten das zweckmässigste Material zu Spiralfedern. 
Man erhält sie bekanntlich aufgespult auf kleinen hölzernen 
Rollen, und darf nur Windung um Windung abspringen 
lassen, um unmittelbar brauchbare Spiralen zu besitzen. 

Die Zeichnung erläutert alles Uebrige. Am Stabe A 
ist der Träger B verschiebbar angebracht. Die Stange C 
hat die gleiche Länge wie A, sie kann auf und nieder ver- 
schoben und in jeder Lage festgehalten werden. Je nach 
der Länge der Spirale, mit der man arbeitet, zieht man C 
so weit heraus, dass die Marke bei unbelasteter Wage an 
einen der oberen Punkte der Scale zu stehen kömmt, wo- 
nach man also für die ganze Ausdehnung der Scale, die 
eine Länge von 600 Min. hat, die Dehnung der Spirale 
verfolgen kann. 

Jede Spirale zeigt im Anfang kleine elastische Nach- 
wirkungen, die aber von Tag zu Tag geringer werden und 
die für die Dauer einer Messung geradezu Null sind. Ist 
durch Unvorsichtigkeit eine Spirale beschädigt, so ist der 
Schaden mit einem Aufwand von zwei Kreuzern ersetzt. 
Diess ist wenigstens hier der Preis einer Drahtrolle. *) 



1) Mechanikus Stollenreuther in München verfertigt Wagen mit 
Spiegelablesungen zum Preis von 8 fl. 



Kolbe: Organische Schwefelverbindungen. 167 

Herr Baron v. Liebig übergiebt einen an ihn von 
Herrn Kolbe in Marburg eingesendeten Aufsatz: 

„Ueber eine neue Classe organischer Schwefel- 
verbindungen". 

Das einfache Schwefeläthyl : 4 5 S2 verspricht die 

Quelle mehrerer interessanter neuer Verbindungen zu wer- 
den. Herr von Oefele hat eine derselben bereits im Sep- 
temberhefte der Annalen der Chemie vom vorigen Jahre als 
Diäthylsulfon kurz beschrieben. Diese ausgezeichnet schön 
krystallisirende , sehr stabile, indifferente Substanz von der 

Zusammensetzung : „ | [Sa Ck] , welche man durch Be- 
handlung von einfach Schwefeläthyl mit rauchender Salpe- 
tersäure in reichlicher Menge erhält, ist dem Sulfobenzid: 

* 2 TT \ [S2 0*] analog zusammengesetzt , und steht zur Zu- 
C12 H5J 

sammensetzung der Schwefelsäure : [S2 O4] O2 in ähnlicher 

Beziehung, wie das Areton der Propionsäure: p „ r[Ü2 02] 

zur Kohlensäure : [C2 O2] O2. 

Bei Fortsetzung seiner Versuche hat Herr von Oefele 
unter Anderem weiter gefunden, dass das einfache Schwefel- 
äthyl sich mit Jodäthyl direkt zu einer schön krystallisiren- 
den Verbindung vereinigt, welche in Wasser und in Alkohol 
leicht löslich ist, und aus diesen Lösungen beim Abdampfen 
wieder auskrystallisirt, ohne sich mit den Wasser- oder Al- 
koholdämpfen zu verflüchtigen. 

Diese Verbindung ist ein wahres Salz, nämlich das 

CkHs^ 
Jodür des Radikals: C4H5 MS2] und hat die Zusammen- 

C4H5J 



168 Sitzung der math.-pliys. Gasse vom 13. Februar 1864. 

setzung: C4H5?[S2],J. Ihre Bildung erhellt aus folgender 

C4H5) 
Gleichung : 



tttt 



^ 4 ^ 5 }s 2 + C4H5J = UHo[[S2],J; 

Ü4 llöj ' ' ^ „ I 

Jodäthyl 



C4H5| 

C4H5 

C4H5J 



oiufach Schwe- 



feläthyl Triäthylsulfyljodür 

sie ist zu vergleichen mit der Bildung des Tetraäthylam- 
moniumjodürs aus Triäthylanin und Jodäthyl. 

Wird die wässrige Lösung des Triäthylsulfyljodürs mit 
salpetersaurem Silberoxyd vermischt , so fällt sofort Jodsil- 
ber nieder, und die Lösung enthält salpetersaures Triäthyl- 
sulfyloxyd. 

Durch Digeriren der wässrigen Lösung des Jodürs mit 
frisch gefälltem Silberoxyd entsteht Jodsilber und Triäthyl- 

C4Hö| 
sulfyloxydhydrat : C4 H5 \ [S2] 0. HO, welches beim Abdampfen 

C4H5J 
zuletzt im Exsiccator leicht in klaren , an der Luft zer- 
fiiessenden Krystallen anschiesst. 

Das Triäthylsulfyloxydhydrat ist eine nicht flüchtige, 
beim stärkeren Erhitzen Schwefeläthyl ausgebende, orga- 
nische Base, deren wässrige Lösung stark alkalisch reagirt, 
welche die Metalloxydhydrate aus ihren Salzlösungen wie 
Kalilauge fällt und sich mit Säuren zu neutralen Salzen 
vereinigt. Das schwefelsaure und salzsaure Salz sind kry- 
stallinisch, aber sehr zerüiesslich. Das Platindoppelsalz des 

C4 Hb| . 
Chlorürs: C4H5I [Sa] Cl -f PtCh krystallisirt nach dem Ver- 
C4H5) 

dampfen der wässrigen Lösung leicht in prächtigen grossen, 
wie es scheint, cpiadratischen Säulen. 



Kolbe: Organische Schwefelverbindungen. 169 

Jene Base, welche als Grundradikal den vieratomigen 

tut 

Schwefel: [S2] enthält, wird vernmthlich durch Oxydation 

mit Salpetersäure oder Quecksilberoxyd in eine Verbindung 
des sechsatomigen Schwefels übergehen von der Zusammen- 

C4H5J 

setzung: C± Eb\ [Sa Oa] 0. HO, die vielleicht auch noch schwach 

C4H5J 
basische Eigenschaften hat. 

Gleichfalls lässt sich erwarten , dass etwa durch Be- 
handlung von einfach Schwefelmethyl mit Jodäthyl das Jodür 

Ca Ha) 
von Dimethyläthylsulfyl : CaH3|[Sa]J entsteht, und dass in 

C4H5J 
ähnlicher Weise noch eine Menge analog constituirter Ver- 
bindungen mit diversen Alkoholradikalen sich erzeugen lassen. 

Auch unterliegt es wohl keinem Zweifel , dass das ein- 
fache Schwefeläthyl sich wie mit Jodäthyl, so auch mit Jod- 
wasserstoff oder Chlorwasserstoff direkt verbindet. Mit die- 
sen und anderen Versuchen ist Herr von Oefele in meinem 
Laboratorium eben beschäftigt. 



170 Sitzung der histor. Classe vom 20. Februar 1864. 



Historische Classe. 

Sitzung vom 20. Februar 1864. 






Herr Roth hielt einen Vortrag: 

„Die Säcularisation des Kirchengutes unter 
den Karolingern". 



Einsendungen von Druckschriften. 171 



Einsendungen von Druckschriften. 



Von der Royal Society in Edinburg: 

a) Transactions. Vol. 23. Part. 2. For the Session 1862—63. 

b) Proceedings. Session 1862—63. Vol. 5. Nr. 59. 8. 

Von der Chemical Society in London: 
Journal. Ser. 2. Vol. 1. Oct. Novbr. Decbr. 1863. 8. 

Vom historisclien Verein in St. Gallen: 

a) Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte. 1.2. 1862.1864. 8. 

b) Urkundenbuch der Abtei St. Gallen. Auf Veranstaltung der anti- 

quarischen Gesellschaft in Zürich; bearbeitet von Herrn. Wart- 
mann. Thl. 1 Jahr 700—840. Zürich 1863. 4. 

Von der Societe imperiale des naturalistes in Moskau: 
Bulletin. Annee 1863. Nr. 1. 2. 8. 

Von der h. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen: 

a) Gelehrte Anzeigen. 1 Stück. Januar 1864. 8. 

b) Abhandlungen. Eilfter Band. Von den Jahren 1862 und 1863. 

1864. 4. 

Von dem zoologisch-mineralogischen Verein in Regensburg: 
Correspondenzblatt. 17. Jahrgang. 1863. 8. 

Von der Acadcmie des sciences in Paris: 

Comptes rendus hebdomadaires des seances. 

Tom. 57. Nr. 22—26. Novbr.-Decbr. 1863. 
„ 58. Nr. 1—4. Janvier 1864. 4. 



172 Einsendungen von Druckschriften. 

Von der Tc. Universität in Cliristiania: 

a) Det kongelige norske Frederiks Universitets Aarsberetning for 

Aaret 1861. 1862. 8. 

b) Norske vaegtlodder fra fjortende aarhundrede, beskrevne af C. A. 

Holmboe. Universitetsprogram for andet kalvaar 1863. 4. 

c) Det kongelige Frederiks Universitets Halvhundredaars Fest Sep- 

tember 1861. 1862. 8. 

d) Indledning til Statsvidenskabernes Studium den bistoriske Deel 

ved J. F. Monrad. 1. u. 2. Heft. 1854. 1860. 8. 

e) Supplementer til Dovres Flora af F. Hoch. 1S63. 8. 

f) Om en i Sommeren 1861 foretagen entomologisk Heise afH. Siebke. 

1863. 8. 

g) öm en i Sommeren 1862 foretagen zoologisk Reise i Cbristianias 

og Trondbjems Stifter af Sars. 1863. 8. 
b) Geologiske og zoologiske Jagttagelser anstillede paa en Reise i 
en Deel af Trondbjems Stift i Sommeren 1862. 1863. 8. 



Von der Je. Gesellschaft der Wissenschaften in Cliristiania: 

a) Aegyptiscbe Chronologie. Ein kritischer Versuch von J. Lieblein. 

1863. 8. 

b) Forhandlinger i Videnskabs-Selskabet i Christiania Aar 1862. 8. 



Von der pJiysilealisch-medicinisclien Gesellschaft in Würzburg: 

a) Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift. 4. Band. 1. Heft. 

1863. 8. 

b) Würzburger medicinische Zeitschrift. 4. Band. 3. und 4. Heft. 

1863. 8. 



Vom historischen Filial- Verein in Neuburg a. D. : 

Collectaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns, insbesondere für die 
Geschichte der Stadt Neuburg a. D. und der ehemaligen Graf- 
schaft Graisbach. 29. Jahrg. 1863. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 173 

Vom Verein zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Älter- 
thümer in Mains: 

Führer in dem Museum des Vereins zur Erforschung der rheinischen 
Geschichte und Alterthümer in Mainz und dem römisch-germa- 
nischen Central-Museum daselbst. 1863. 8. 

Von der k. physikalisch-ökonomischen Gesellschaft in Königsberg: 
Schriften. 4. Jahrg. 1863. 1. Abtheilung. 4. 

Von der Redaction des Correspondenzblattes für die gelehrten und 
Realschulen in Stuttgart: 

Correspondenzblatt. 10. Jahrg. Decbr. Nr. 12. 1863. 8. 

Von der Academia real das sciencias in Lissabon: 
Memorias. Nova Serie Tomo 3. Parte 1. 1863. 4. 

Vom historischen Verein für Steiermark in Gratz: 
Mittheilungen. 12. Heft. 1863. 8. 

Vom Real Observatorio in Madrid: 
Anuario. Quinto Anno. 1863. 8. 

Vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den k. preussischen 
Staaten in Berlin: 

Wochenschrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde. Nr. 1 — 4. 1864. 
Januar. 4. 

Von der Universitäts-Bibliothek in Leipzig: 

Archiv für die sächsische Geschichte. Herausgegeben von Dr. Wilh. 
Wachsmuth und Dr. Karl Weber. 2. Band. 2. Heft. Berlin- 
1863. 8. 

Von der pfälzischen Gesellschaft für Pharmacie in Speier: 

Neues Jahrbuch für Pharmacie und verwandte Fächer. Band 21. 
Heft 2. Februar. 1864. 8. 



174 Einsendungen von Dnickschriften. 

Vom Verein für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde in 

Schwerin: 

Mecklenburgisches Urkundenbuch. 1. Band. 786—1259. 1863. 4. 



Vom Herrn Gustav Schneider in Frankfurt: 

Geschichte der englischen Sprache, dargestellt in ihrem Verhältnisse 
zur deutschen und französischen. Freiburg: im Breisgau. 1863. 8. 



Von den Herren Georges Perrot, Edmond Guillaume et Jides Delbet 

in Paris: 

Exploration Archeologique de la Galatie et de la Bithynie d'une 
partie de la Mysie, de la Phrygie , de la Cappadoce et du Pont 
executee en 1861 et publiee sous les auspices du ministere d'etat. 
5 et 6. livraisons. Titre du tome 2. 1862. Fol. 

Vom Herrn J. T. Walker in Calcutta: 

Tables of heights in Sind, the Punjab, N W. Provinces, and Central 
India, determined by the great trigonomical Survey of India, 
trigonometrically and by spirit leveling Operations to May 1862. 
1863. 8. 

Von den Herren Hermann, Adolph und Robert v. Schlag intweit, 
z. Z. hier: 

Results of a scientific mission to India and High Asia. Boute-Book 
of the Western parts of the Himälaya, Tibet, and Central Asia 
and geographical Glossary from the languages of India and 
Tibet, including the phonetic transcription and Interpretation. 
Vol. 3. Mit Atlas. London, Leipzig. 1863. gr. 4. 



Einsendungen von Druckschriften. 1 ' 5 

Vom Herrn Emil v. Schlaginticeit, z. Z. hier: 

Buddhism in Tibet illustrated by literary documents and objecta of 
religions worship. Mit Atlas. London, Leipzig. 1863. 8. 

Vom Herrn Fenicia in Neapel: 
Della Politica. 1863. 8. 

Vom Herrn Paul Botten Hansen in Christiania: 
Peter Andreas Munch. 1863. 8. 

Vom Herrn Johann Fritzner in Cliristiania: 
Ordbog over det gamle norske Sprog. 1 —4. Heft. 1862. 1863. 8. 

Vom Herrn Christ. C. A. Lange in Christiania: 

Norsk Forfatter-Lexikon. 1814—1856, of Jens E. Kraft. 1—6. Heft. 
1857—1863. 8. 

Vom Herrn Bruch in Frankfurt a. M.: 

Der zoologische Garten. Nr. 7—12. 4. Jahrg. 

„ 1. 5. „ 1861. 1863. 8. 

Vom Herrn M. Ad. Hatzfeld in Paris: 
Revue critique et bibliographie. 1. Livr. Janv. 1864. 8. 

Vom Herrn Budik, resp. mährischen Landesausschuss in Brunn: 

Mähren's allgemeine Geschichte. 3. Band. Vom Jahre 1125 bis zum 
Jahre 1173. 1864. 8. 

Vom Herrn U. J. Le Verrier in Paris: 

Annales de l'observatoire imperiale de Paris. 

Observations: Tomes 1 — 8 und 12 — 18. 
Memoires: Tomes 1—7. 1861. 1863. 4. 



176 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Herrn 31. Gachard in Brüssel: 
Don Carlos et Philippe IL Tom. 1 u. 2. 1863. 8. 

Vom Herrn Siegw. Petersen in Christiania: 

Norske Rigsregistranter tildeeis i uddrag. Udgive efter offentlig 
foranstaltning udgivet ved Otto Gr. Lundh. 1861—1863. 1. Bd. 
1523—1571. 2. Bd. 1. Heft 1572—1579. 2. Heft 1579—1588. 



Sitzungsberichte 



der 



königl. bayer. Akademie der Wissenschaften. 



Philosophisch -philologische Classe. 

Sitzung vom 12. März 1864. 



Diese Sitzung fiel aus. 



Mathematisch -physikalische Classe. 

Sitzung vom 12. März 1864. 



Herr Dr. Vogel jun. hielt einen Vortrag: 

„über den Einfluss des Frostes auf Kar- 
toffeln." 
Dass die Kartoffeln durch Frost eine Veränderung er- 
fahren, unterliegt keinem Zweifel, indem schon das äussere 
Ansehen einen wesentlichen Unterschied ergiebt. Eine stein- 
hart gefrorene Kartoffel wird beim Aufthauen weich, stellt 
eine welke , fast knetbare Masse dar , aus welcher sich eine 
braune Flüssigkeit abscheidet und geht nach wenigen Tagen 
[1864.1.3.] 13 



178 Sitzung der math.-phys. Classe vom 12. März 1864. 

in Fäulniss über. Dagegen ist die Natur dieser Veränder- 
ung, ob eine mechanische oder chemische, wiederholt Ge- 
genstand der Controverse geworden. 

Entgegengesetzt der verbreiteten Ansicht, nach welcher 
gefrorene Kartoffeln als unbrauchbar verworfen weiden, 
empfiehlt Lampadius x ) nicht nur die zufällig gefrorenen 
Kartoffeln zur Stärkmehlfabrikation zu benützen, sondern 
sogar die Kartoffeln , aus welchen man Stärkmehl bereiten 
will, absichtlich vorher frieren zu lassen, indem man sich 
dadurch das Zerreiben erleichtere und einige Procente 
Stärkmehl mehr erhalte, als aus den frischen. 

Später hat Girardin 2 ) im Auftrage der Ackerbaugesell- 
schaft des unteren Semedepartements den Gegenstand wieder 
aufgenommen und eine umfassende Versuchsreihe angestellt, 
um die Art der Veränderung kennen zu lernen , welche die 
Kartoffeln durch Frost erleiden. Das Resultat war, dass 
der Frost keine chemische, sondern nur eine mechanische 
Veränderung durch Zerstörung der vegetabilischen Organisa- 
tion bewirke und dass namentlich der Stärkmehlgehalt der 
gefrorenen Kartoffeln im Vergleiche mit den frischen nicht 
vermindert sei. Scheinbar abweichend von diesen Resultaten 
ist die Beobachtung Payen's 3 ), welcher angiebt , dass man 
aus den gefrorenen Kartoffeln nach dem Aufthauen kaum 
*/* des Stärkmehles erhalte, als vor dem Frieren, — schein- 
bar insofern, als man die gefrorenen und wieder aufge- 
thauten Kartoffeln, wie Payen schon sehr richtig bemerkt, 
wegen ihrer teigartigen Consistenz nicht so vollständig zu 
zerreiben und auszuwaschen im Stande ist , wie im frischen 
Zustande. 



1) Mittheilungen des Industrievereins für das Königreich Sachsen. 
5. Lief. S. 256. 1833. 

2) Journal de Pharmacie. Juin 1838. 

3) Comptes rend. 19. Mars 1839. 



Vogel: Einfluss des Frostes auf Kartoffeln. 179 

Die folgenden Versuche mögen zur Bestätigung der 
Payen'schen Beobachtungen einen Beitrag liefern. Die Ein- 
wirkung des Frostes geschah, indem eine Anzahl Kartoffeln 
während einer Nacht bei — 16 ° C. der freien Luft ausge- 
setzt blieb. Nachdem einige derselben an einem warmen 
Orte in kurzer Zeit wieder aufgethaut waren, wurden 2 
Stücke gewogen, in feine Scheiben zerschnitten und getrock- 
net, bis dass keine Gewichtsabnahme mehr bemerkbar war. 
Es ergab sich hiernach in der Berechnung des Wasserge- 
haltes nach Procenten kein Unterschied zwischen den ge- 
frorenen und frischen Kartoffeln. 

Zur Stärkmehlbestimmung wurden frische und gefrorene 
Kartoffeln, nachdem letztere wieder aufgethaut waren, auf 
dem Pteibeisen gerieben und das Stärkmehl unter einem 
langsamen Wasserstrahle auf einem Haarsiebe möglichst 
vollständig ausgewaschen. Zur quantitativen Bestimmung 
des Stärkmehles bediente ich mich durchgängig des vor 
einiger Zeit beschriebenen Amylometers. 4 ) Der Stärkmehl- 
gehalt der untersuchten Kartoffelsorten im frischen Zustande 
ergab sich nach mehrfach wiederholten Versuchen constant 
zwischen 18 und 19 Proc. Dagegen zeigte sich die Ainy- 
lonmenge in den gefrorenen Kartoffeln sehr wechselnd und 
zwar bei ganz gleicher Vornahme der Manipulationen in 5 
verschiedenen Versuchen zu 9,2, 10,01, 11,6, 13,4, 12,5 Proc. 
Wollte man aus diesen 5 Versuchszahlen das Mittel nehmen, 
was indess bei ihrer grossen Abweichung nicht statthaft sein 
kann, so würde sich allerdings eine bedeutende Verminder- 
ung des Stärkmehlgehaltes durch den Frost ergeben und 
zwar erschiene hiernach das Stärkmehl um mehr als ein 
Dritttheil des ursprünglichen Gehaltes vermindert. Gerade 
aber diese geringe Uebereinstimmung zwischen den ein- 
zelnen Beobachtungen zeigt auf das Deutlichste, dass die 



4) Polytechn. Centralhalle. 12. Jahrgang. S. 122. 

13^ 



180 Sitzung der math.-phys. Classe vom 12. März 1864. 

mechanische Methode der Arnylonbestirnmung , wie sie hier 
gewöhnlich durch einfaches Zerreiben der Kartoffel ausge- 
geführt wird, nicht ausreichend ist. Beim Reiben der ge- 
frorenen und wieder aufgethauten Kartoffeln bemerkte man 
schon entschieden einen eigenthümlichen Widerstand und 
ungeachtet sie eben so fein zerrieben wurden, als die 
frischen Kartoffeln, so hatte doch der auf dem Siebe zurück- 
bleibende Rest ein ganz anderes Ansehen und eine andere 
Art der Consistenz. Payen ist daher offenbar völlig im 
Rechte, wenn er den Verlust daraus zu erklären versucht, 
dass die durch das Gefrieren von einander getrennten und 
gegenseitig keinen Druck mehr auf einander ausübenden 
Zellen rundliche Gestalt annehmen, und wenn die Zähne 
des Reibeisens sie treffen, sich einzeln oder zu mehreren 
vereinigt losreissen, ohne jedoch Widerstand genug zu 
leisten, um zerrissen zu werden. 

Um zu entscheiden, ob in der That auf diese Weise 
der Stärkmehlgehalt nicht völlig aus den gefrorenen Kar- 
toffeln ausgeschieden war, wurde in mehreren Versuchen 
der auf dem Siebe nach dem Auswaschen der Stärke ge- 
bliebene Rückstand, von welchem das Wasser ganz klar 
abgeflossen war, in einem Porcellanmörser zerstampft, dann 
unter allmähligem Zusätze erneuter Quantitäten Wassers 
zerrieben und endlich wieder auf dem Siebe mittelst flies- 
senden Wassers ausgewaschen. Aus der so behandelten 
Masse setzte sich noch eine beträchtliche Menge Stärkmehl 
ab, welche nach dem Trocknen und Wägen durchschnittlich 
4 Proc. ausmachte, so dass der Stärkin ehlgehalt dem der 
frischen Kartoffeln zwar sehr nahe kam, ohne denselben 
jedoch jemals vollkommen zu erreichen. 

In einer weiteren Versuchsreihe habe ich von der 
mechanischen Methode der Stärkmehlbestimmung gänzlich 
Umgang genommen und die chemische Methode durch Ueber- 
führung des Amylon's in Stärkezucker zur Anwendung ge- 



Vogel: Einfluss des Frostes auf Kartoffeln. 181 

bracht. In ähnlicher Weise hat schon früher Krocker 5 ) 
den Stärkmehlgehalt in vegetabilischen Nahrungsmitteln be- 
stimmt, indem das Amylon in Zucker übergeführt und mit 
Hefe versetzt der Gährung überlassen worden war. 10 Grm. 
geriebene Kartoffeln wurden mit Wasser gekocht und 
das Amylon durch Schwefelsäure in Zucker übergeführt. 
Nach Neutralisation der freien Säure geschah die Stärkebe- 
stimmung nach der bekannten Fehling'schen Zuckerprobe. 
10 C. C. der Probekupferlösung entsprachen 0,045 Grm. 
Amylon. Es ergab sich aus diesen wiederholt ausgeführten 
Bestimmungen zwischen dem Amylongehalt der frischen und 
gefrorenen Kartoffeln durchaus kein bemerkbarer Unter- 
schied. 

Diese chemische Methode der Amylonbestimmung gibt 
indess gerade in diesem Falle insofern kein entscheidendes 
Kesultat, als nach derselben eine geringe auf Kosten des 
Stärkmehles durch den Frost bedingte Zuckerbildung nicht 
bemerkt werden kann. 

Es ist hier vor Allem zu berücksichtigen, dass zu diesen 
vergleichenden Versuchen Kartoffeln von ganz gleicher ur- 
sprünglicher Beschaffenheit, d. h. von der nämlichen Art 
und Zeit der Aufbewahrung anzuwenden sind. Wenn eine 
Kartoffel nur wenige Tage im warmen Zimmer liegt , so ist 
im Zuckergehalte wahrscheinlich durch die Anbahnung des 
Keimprocesses , ungeachtet während einer so kurzen Zeit 
natürlich keine äusseren Zeichen des Keimvorganges sichtbar 
geworden, doch schon eine Veränderung eingetreten, so dass 
ohne Berücksichtigung dieses Verhältnisses bei so geringen 
Differenzen im Zuckergehalte wesentliche Irrthümer statt- 
finden können. Ich habe daher, um ein möglichst vergleich- 
bares Untersuchungsobjekt zu erhalten, eine Kartoffel in 
zwei Theile zerschnitten und die eine Hälfte während einer 



5) Annal. der Chem. und Pharm. B. 58. S. 212. 



182 Sitzung der math.-phys. Classe vom 12. März 1S64. 

Nacht dem Froste ausgesetzt. 6 ) Als Endresultat meiner 
Versuche in dieser Beziehung, deren Einzelnheiten ich hier 
übergehe, ist zu erwähnen, dass ich durchgängig eine Ver- 
mehrung des Zuckergehaltes durch den Frost, wenn auch in 
wechselndem und geringem Maasse beobachtet habe. Kochte 
man die Kartoffeln vor der Zuckerbestimmung, so stellte 
sich das Verhältniss etwas grösser, als bei den frischen 
heraus. Es scheint somit nicht unmöglich, dass durch den 
Frost ein der Diastase ähnlicher Körper erzeugt werde, 
dessen Wirkung auf die Zuckerbiklung durch Kochen ver- 
mehrt wird. Die teigartige Beschaffenheit der gefrorenen 
Kartoffeln, welche dem vollständigen Auswaschen des Amy- 
lon's hindernd entgegentritt, kann bei der leichten Löslich- 
keit des Stärkezuckers wohl nicht in Betracht kommen. 

Neben der Fehling'schen Zuckerprobe , welche bei 
diesen Versuchen angewendet worden war, wurden auch 
direkte Zuckerbestimmungen ausgeführt. Zu dem Ende be- 
handelte ich in dünne Scheiben geschnittene und scharf ge- 
trocknete Kartoffeln, nachdem sie fein gepulvert waren, im 
gefrorenen und frischen Zustande mit kochendem Alkohol. 
Auch nach dieser Methode ergaben sich Resultate, welche 
eine Vermehrung des Zuckergehaltes durch den Frost be- 
stätigten. Bestimmt man in dem durch Weingeist vom 
Zuckergehalte befreiten Rückstande den Stärkmehlgehalt nach 
der chemischen Methode, so ergibt sich in der gefrorenen 



6) Nach Beobachtungen des Herrn Prof. Nägeli, welche mir 
leider erst nach Abschluss dieser Arbeit bekannt wurden, ist es 
nicht ohne Einfluss auf die Zuckerbestimmung, ob man die zu unter- 
suchende Kartoffel nach der Länge oder der Quere durchschneidet, 
indem die Zuckervertheilung in dem oberen und unteren Theil der 
Kartoffel verschieden sein kann. In wiefern dieser Umstand auf die 
Resultate hier eingewirkt haben dürfte, muss einer später wieder 
aufzunehmenden Versuchsreihe zu entscheiden vorbehalten bleiben. 



Vogel: Einfluss des Frostes auf Kartoffeln. 183 

Kartoffel eine geringe dem Zuckergehalte entsprechende 
Verminderung des Amylon's. 

Beim Aufthauen der gefrorenen Kartoffel fliesst be- 
kanntlich eine Flüssigkeit aus, deren Menge durch leichtes 
Drücken noch bedeutend vermehrt werden kann. Dieselbe 
wird durch Jodwasser nur schwach hellblau gefärbt, ent- 
hält daher kaum Spuren von Stärkmehl. Dagegen ist sie 
sehr reich an Pflanzeneiweiss , indem sie beim Aufkochen 
stark coagulirt und einen voluminösen Niederschlag absetzt, 
in weit grösserer Menge, als die aus frischen Kartoffeln aus- 
gepresste Flüssigkeit. Die gefrorene und wieder aufgethaute 
Kartoffel ist daher offenbar ärmer an Stickstoffhaltigem 
Nahrungsstoff geworden. Den vollen Nahrungswerth wür- 
den die gefrorenen Kartoffeln nur in dem Falle bewahren, 
wenn man sie noch im hartgefrorenen Zustande sogleich in 
kochendes Wasser legte , wobei das gerinneude Eiweiss, 
ähnlich wie das Albumin des Fleisches, welches man in 
kochendes Wasser bringt, nach dem bereits allgemein in 
die Praxis übergegangenen Vorschlag des Herrn Baron von 
Liebig, nicht verloren gehen kann. Ueberhaupt wäre es 
vielleicht zweckmässig, die Liebig'sche Methode des Fleisch- 
kochens auch auf die Kartoffeln auszudehnen. Bringt man 
Kartoffeln, namentlich geschälte, in kaltes Wasser und er- 
hitzt langsam zum Sieden, so bemerkt man stets eine 
Schaumbildung, theilweise von Spuren geronnenen Pflanzen- 
albumins herrührend. Wird dagegen von vornherein kochen- 
des Wasser angewendet, so kann natürlich durch das plötz- 
liche Gerinnen des Eiweisses an der Oberfläche dieser Ver- 
lust nicht eintreten. Vergleichende Stickstoffbestimmungen 
in Kartoffeln, welche mit kaltem und kochendem Wasser 
behandelt worden waren, ergaben bei der vom Anfang 
herein mit kaltem Wasser behandelten Kartoffel eine be- 
merkbare Stickstoffverminderung. Wenn dieselbe auch nicht 
als eine wesentliche betrachtet werden kann, so dürfte sie 



184 Sitzung der math.-phys. Classe vom 12. März 1864. 

doch immerhin bei einem Nahrungsmittel, welches an und 
für sich arm genug an blutbildenden Stoffen ist, einiger- 
maassen berücksichtigt werden. Ich behalte mir vor, meine 
bisherigen Versuche in dieser Beziehung, deren Mittheilung 
hier nur eine vorläufige ist, weiter fortzusetzen und sie 
namentlich auf die Bestimmung des Stickstoffgehaltes ver- 
schiedener Gemüse je nach der Art ihrer Behandlung zu 
erstrecken. 

Da die Kartoffeln, wie aus früheren und meinen eigenen 
hier erwähnten Versuchen hervorgeht, keinen wesentlichen 
Verlust an Amylon durch Frost erleiden, frische Kartoffeln 
dagegen bei der gewöhnlichen Methode der Aufbewahrung 
vermöge des voranschreitenden Keimprocesses sehr bald eine 
Veränderung erfahren, so könnte das absichtliche Frieren- 
lassen vielleicht als ein geeignetes Mittel zur Conserviiung 
der Kartoffeln, welche zur Stärkmehlfabrikation gebraucht 
werden sollen, dienen. Dieser Vorschlag ist auch schon in 
grösserem Maasstabe zur Ausführung gekommen, indem in 
Peru 7 ) bereits Kartoffeln auf diese Weise conservirt werden. 
Man lässt die Kartoffeln im Winter auf hohen Bergen frieren 
und trocknet sie dann rasch in den warmen Thälern des 
Landes, wodurch sie ihren Stärkmehlgehalt unverändert bei- 
behalten. 



7) Annalen der Pharmacie. B. 27. S, 343. 



Historische Classe. 

Sitzung vom 18. März 1864. 
Herr Stiftsprobst Dr. v. Dö Hing er hielt einen Vortrag: 
„Ueber den Untergang des Templer-Ordens, 
dessen Ursachen, die Schuld oder Un- 
schuld des Ordens." 



Oeffentliche Sitzung der k. Akademie der Wissen- 
schaften 

zur Feier ihres 105. Stiftungstages 
am 30. März 1864. 

Einleitende Worte 

des Vorstandes 

Dr. Justus Freiherrn von Liebig: 

„Die Erinnerungsfeier des Tages, an welchem vor 105 
Jahren unsere Akademie der Wissenschaften gestiftet wurde, 
fällt in die Zeit der tiefen Trauer um den theuren , unver- 
gesslichen Fürsten, den ein unerforschlicher höherer Wille 
dem Lande und der Welt so ganz unerwartet und erschüt- 
ternd rasch entriss. In seiner Klage und seinem Schmerze 
erkennt das treue Volk, welch einen treuen Hüter seines 
Wohles es in dem König Max verlor, und nie hat fürwahr 
ein reineres Streben für das Glück seines Volkes das Herz 
eines Fürsten erfüllt. Er war ein warmer Freund der 
Wissenschaften, nicht wie ein Monarch, der ihnen als äus- 
seren Schmuck seines Thrones seine Gunst zuwendet, son- 
dern er liebte sie, weil sie ein Bedürfniss seines Geistes 
waren ; die Beschäftigung mit der Wissenschaft gehörte zu 
seinen unentbehrlichen , liebsten Genüssen , zu ihr flüchtete 
sein Geist, wenn er erregt und ermüdet war von den 
Kämpfen und Störungen des äusseren Lebens. Seinem 
Wollen und Entschliessen ging wie bei dem Manne der 
Wissenschaft in der Lösung schwieriger Probleme ein nur 
allmälig sich vollendender geistiger Process, ein angestreng- 
tes Ringen nach Klarheit und Ueberzeugung voraus und aus 
seinem Drange, sich Rechenschaft zu geben über sein Thun, 
entsprang seine grosse Gewissenhaftigkeit. Der äussere 



186 Sitzung der Gesammt- Akademie vom 30. März 1864. 

Friede, den er mit seinem Volke haben wollte, war der 
innere Friede mit seinem Gewissen. Das Rechte zu wollen, 
war er stets sich bewusst; die Seele war gesund, und wir 
wissen jetzt, dass sein körperliches Leben ein langes schweres 
Leiden war. Die Förderung und Pflege der Wissenschaften 
in allen ihren Richtungen betrachtete er als eine seiner 
würdigsten Aufgaben und nach seinen Absichten sollten 
allen Kreisen der Bevölkerung die Güter und Gaben theil- 
haftig und Nutzen bringend sein , welche die Cultur der 
geistigen Gebiete dem Menschen verleihen." 

Der Vorstand schloss seinen Vortrag mit der Bemerk- 
ung, dass die Verdienste des S. M. Königs Maximilian um die 
Förderung der Wissenschaften weit über die Zeit hinaus- 
reichen, seit welcher er dem Lande angehöre, und dass er, 
weil er nur ein unvollkommenes Bild davon entwerfen könne, 
seinen Collegen, den Herrn Stiftsprobst von Döllinger, er- 
sucht habe, diese Schilderung zu übernehmen. 

Nach Beendigung des Vortrags des Herrn von Döl- 
linger*) wurde von dem Classensekretär Herrn von Martius 
ein kurzer Bericht mit Ehrenerwähnung einiger seit November 
vorigen Jahres durch den Tod abgegangenen Mitglieder der 
Akademie abgestattet. 

Hierauf überreichte der Vorstand dem Herrn Geheimrath 
von Martius die goldene Medaille, welche die k. Akademie auf 
sein 50jähriges Doctorjubiläum prägen liess, mit folgenden 
Worten: ,, Unsere heutige Sitzung fällt mit dem Tage zu- 
sammen , an welchem vor einem halben Jahrhundert eines 
der ausgezeichnetsten Mitglieder unserer Akademie zum 
Doctor medicinae promovirt wurde; heute vor 50 Jahren 
begann unser College, als vielversprechender, talentreicher 
Jüngling, seine glänzende wissenschaftliche Laufbahn — sie 



*) König Maximilian II. und die Wissenschaft, von J. v. Döllinger, 
d. Z. Sekretär der historischen Classe. München, Verlag d. k. Aka- 
demie 1864. 8°. 



Martins: Entgegnung des Jubilars. 187 

entrollt sich uns als eine Periode der erfolgreichsten Thätig- 
keit und der bewundernswürdigsten wissenschaftlichen Leist- 
ungen; mit gerechtem Stolz darf unser Jubilar auf sie zu- 
rückblicken. Was die Welt an Anerkennung einem Manne 
bieten kann, ist ihm geworden; nicht nur in Europa, son- 
dern überall, in allen Kreisen, in welchen die Wissen- 
schaften gepflegt werden, wird der Name des brasilianischen 
Reisenden . des berühmten Botanikers Martius mit Hoch- 
achtung und Verehrung genannt. Zum dauernden Gedächt- 
niss dieses Tages , den unser College heute feiert , hat die 
Akademie eine goldene Medaille prägen lassen , und mir ist 
die Freude vergönnt, sie meinem Freunde zu überreichen. 
Empfangen Sie denn, Herr Geheimerath von Martius, diese 
Medaille als ein sichtbares Zeugniss unserer Anerkennung 
der hohen Verdienste, die Sie sich um die Wissenschaft und 
um die Akademie erworben haben. Möge Gott Sie noch 
lange erhalten, uns und der Wissenschaft, geistig frisch und 
jung, wie heute." 



Entgegnung des Jubilars (Ex temp.): 

Hochgeehrtester Herr Vorstand! 
Meine theueren Herren Collegen! 

Die Ehre , welche Sie mir heute , vor den erleuchteten 
Räthen der Krone, vor dieser hochansehnlichen Versamm- 
lung erweisen, ist so gross, dass ich nicht Worte finde, ge- 
bührend dafür zu danken. Bestürmt von den mannigfach- 
sten Gefühlen stammle ich nur. Gestatten Sie mir also 
nur, dass ich aus tiefbewegtem Herzen stammle: ich danke 
Ihnen für diesen Beweis von collegialischer Freundschaft 
und Nachsicht. Ich empfinde eine stolze Freude, denn, 
„was in dem Herzen Anderer von uns lebt, ist unser 
tiefstes, bestes Sein!" Ihre Theilnahme ist nicht blos eine 
reinmenschliche, wie wir sie dem Alternden zu widmen 



188 Sitzung der Gesammt- Akademie vom 30. März 1864. 

pflegen, der seine Laufbahn fast vollendet bat , sondern sie 
beglückt einen Mann, der weit über ein Menschenalter hinaus 
dieser preiswürdigen Körperschaft angehört. Ja, ich bin 
ein Pfiegesohn dieser Akademie; ich empfinde mich als 
solcher. Wenn ich daher ihr nach meinen besten Kräften, 
mit den reinsten Absichten zu dienen bemüht war, an ihren 
Schicksalen und Erfolgen, an ihrer zunehmenden Wurzelung 
in das patriotische Gerneingefühl der Bayern den innigsten 
Antheil genommen habe, so darf ich wohl unbedenklich 
wenigstens das Lob, von dem mir so gütig zuerkannten 
annehmen, ich sei ,.iide probatus". Und hätte ich diese 
Treue nicht stets bewahrt , wie stünde ich heute an diesem 
Orte? Mächtig mahnt er mich an meine akademische Ver- 
gangenheit. Es ziemt sich nicht, viel von mir selbst zu 
reden ; doch hoffe ich, diese hohe Versammlung werde mit 
Nachsicht anhören, wenn ich erzähle, dass ich in diesem 
Saale im Dezember 1813 zum Eintritt unter die Eleven der 
Akademie bin geprüft worden. Unter diesem Namen wur- 
den damals junge Gelehrte aufgenommen, um sich, der 
Leitung eines Mitgliedes untergeben, in einer Wissenschaft 
auszubilden; so Steffanelli für Astronomie, Meyer für Physik 
und Chemie, Ruland für Physik. Ich, für Botanik, der 
Führung des ehrwürdigen, mir im dankbarsten Gedächtniss 
stehenden v. Schrank zugewiesen, war der jüngste und 
letzte. Sie alle sind schon längst heimgegangen. — In diesem 
Saale empfieng ich im October 1816 das k. Decret als Ad- 
junct und damit als Staatsdiener, bald darauf auch die In- 
structionen der Akademie für eine wissenschaftliche Reise 
nach Brasilien mit meinem, schon 1826 (24. Mai) gestor- 
benen Freunde Spix. Diese Reiseunternehmung, auf welche 
wir, nur eilig und ungenügend vorbereitet, uns schon am 
6. Februar 1817 begaben, hat meiner ganzen literarischen 
Thätigkeit eine bestimmte Richtung gegeben. — Nach der 
Rückkehr aus der neuen Welt ward ich in der Januar- 



Martins: Entgegnung des Jubilars. 189 

Sitzung 1821 als ordentliches Mitglied der Akademie in 
diesem Saale eingeführt; — hier ward ich gewürdigt, bei 
der akademischen Feier zum 25jährigen Jubiläum der Re- 
gierung Seiner Majestät des höchstseligen Königs Max 
Joseph I. als einer der drei Redner aufzutreten, — und 
hier habe ich am 28. März 1848 , da die akademische Ju- 
gend das Haus von Waffen erdröhnen machte, statt des 
verhinderten Vorstandes, zum Erstenmale König Maximilian IL 
als Hort und Beschützer unserer Akademie begrüsst, den 
edlen Monarchen , dessen unvermutheter Tod einen dunklen 
Schatten wirft auf das ganze Bayerland. 

Heute stehe ich an demselben Platze, aber nicht mehr 
umgeben von denselben Männern. Welche Veränderungen 
habe ich in diesen 50 Jahren erlebt! Noch waltet in 
meiner Erinnerung die Gestalt des ehrwürdigen Präsidenten 
Friedr. Heinr. Jacobi, wie ein Weltweiser des classischen 
Alterthums im modernen Gewände ; — dann als Vorstand 
das Triumvirat von Schlichtegroll, Moll und Westenrieder, 
darauf der catonisch- ernste Weiller, — der vielgelehrte 
Schrank, dann, die uns schon näher stehen, der mächtig 
bewegende Philosoph Schelling, — Freiberg und Thiersch. 
Und welcher Umschwung in dem Personale der Classen! 
Die ganze erste und dritte Classe aus jener Zeit sind aus- 
gestorben und in neuen Geistern verjüngt. In der zweiten 
Classe ist nur der ehrwürdige Nestor unserer Körperschaft, 
Herr Hofrath von Vogel noch übrig. Welche ausserordent- 
liche Entwickelung haben die Wissenschaften in diesem Zeit- 
räume erfahren! Aber gerade diese Erwägung hebt uns 
hinweg über die wehmüthigen Empfindungen, die uns heim- 
suchen in der Erinnerung an so viele edle, hervorragende 
Geister, mit denen wir gelebt haben! Die Einzelnen sind 
hinfällige Blätter am Baume der Wissenschaft; dieser selbst 
aber, von göttlichem Hauche durchdrungen, treibt rastlos 
immer neue Wurzeln, neue Aeste, die sich aus allen Aka- 



190 Sitzung der Gesummt- Akademie vom 30. März 1864. 

demien mächtig in einander verschränken. Eine innige 
Solidarität verbindet alle diese Heerde der Forschung und 
sie feiern mit einander den ewigen Fortschritt in den Er- 
folgen ihrer Mitglieder, wohl getröstet über des Einzelnen 
Sterblichkeit: denn Vivitur ingenio. cetera mortis erunt! 

Dem Greise, dessen Sarg nicht mehr grünbeblättert im 
lebendigen Walde steht, sondern schon gefällt und zugeschnit- 
ten ihn erwartet, dürfte es wohl gestattet sein, an diesem 
Orte die Ueberzeugung als die seinige auszusprechen , dass 
wir im Geiste leben. 

Auch wäre es wohl gerechtfertigt, wenn man mich 
fragte, was ich denn als die Frucht eines so langen, der 
Naturforschung geweihten Lebens mir eingethan, mir für 
das letzte Experimentum crucis erworben habe? 

Unsere Zeit ist gar zu bereit anzunehmen, dass jene 
Männer, welche sich der Pflege der Naturwissenschaften 
ergeben , den Materialismus bekennen , abgewendet seien 
vom Glauben an das, was jenseits der sinnlichen Wahr- 
nehmung liegt, dass sie kein Gehör geben den Mahnungen 
an die geistige Unterlage der Dinge. Und doch; wer könnte 
und müsste sie deutlicher vernehmen, als der Naturforscher, 
der nicht am Rande der Erscheinungen steht, sondern mitten 
im Strome des Lebens? Das erkennt er allerdings wohl, 
dass „dieses grosse Ganze nur für einen Gott gemacht ist;" 
aber damit erkennt er auch, dass darin noch etwas An- 
deres walte, als die Gesetze der Erscheinungswelt. 
Diese sucht und findet er mehr oder weniger und sein 
Verstand begreift ihr harmonisches Zusammenwirken als den 
Ausdruck einer höchsten, einer göttlichen Zweckmässig- 
keit. Aber zur Ursache vermag er nicht durchzudringen, 
und in vollster Anerkenntniss menschlicher Unzulänglichkeit 
wird er demüthig. Darum hat unsere Akademie den Wahl- 
spruch gewählt : rerum cognoscere causas ; — sie sagt nicht 
causam. Wunder umgeben den Naturforscher überall. Der 



Martins: Entgegnung des Jubilars. 191 

Metascheinatismus des einfachen Lichtes zum bunten Farben- 
spiel des Spectrums, die Unendlichkeit in den Verbindungen 
und Scheidungen des Stoffes, die Entstehung und Entwick- 
lung des einfachsten Lebenspunctes, wie die Entfaltung und 
Gliederung in immer höher gesteigerten Organismen bis 
herauf zum Menschen: wir sehen, wir beobachten sie, wir 
führen ihre Erscheinungen auf gesetzmässige Reihen und 
Bedingungen zurück, — aber wir begreifen sie nicht in 
ihrem Wesen, — fern, in incommensurabler Weite liegt ihr 
Urgrund — und das &av[id£eiv des Plato, das sich Ver- 
wundern, ist nicht blos der Eingang, es ist auch der Aus- 
gang unserer Forschung. Wer aber findet, dass Anfang 
und Ende der Erscheinung ausser seinem Gesichtsfelde liegt, 
der wird hingetrieben auf ein geistiges Wirken in dieser 
erhabenen Weltordnung, wo Leben Tod und Tod Leben 
bedeutet, wo in dem ewigen Schöpfungsstrome Wellen 
steigen und fallen und sich verschlingen zu Einer unend- 
lichen Kraft, nicht wie todte Spindeln laufen in einem 
Menschenwerke. 

Zufall gibt es wohl in der materiellen Welt, nicht aber 
in jener höhern Region der Intelligenzen, die Gottes Vater- 
auge auf ihren parabolischen Bahnen begleitet. Das war der 
Glaube grosser Meister der Wissenschaft, eines Linne, Kiel- 
meyer, Cuvier, Humphry Davy, meines unvergesslichen Lehrers 
Schrank u. A.; es ist auch der meinige. Auf sehr ver- 
schiedenen Wegen kommt der Forscher zu diesen Ueber- 
zeugungen. Was mich betrifft, so habe ich nicht wie ein 
Bergmann, die Lampe des Genius auf der Brust, analytisch 
forschend in die Tiefe gegraben. Ich war vielmehr ein 
Bergsteiger, der am Abhänge der Wissenschaft emporklet- 
tert, möglichst hoch oben die Sonne der Wahrheit aufgehen 
zu sehen und seinen Horizont zu erweitern; wohl bewusst, 
dass er den Gipfel nicht erreicht. Auf dem langen Wege, 
der mir vergönnt war, habe ich zunächst meine Unzuläng- 



192 Sitzung der Gesammt- Akademie vom 30. März 1864. 

lichkeit kennen gelernt, damit aber auch den ewigen Beruf 
einer Intelligenz, deren Wesenheit denken ist. Und weil, 
wie schon S. Augustinus sagt, das Wesen von sich selbst 
sich nicht trennen kann, so ist mir's Gewissheit geworden, 
dass ich unsterblich bin. Das ist die Frucht meiner Arbeit 
als Naturforscher. 

Bei solcher Ueberzeugung verfolgt der Alternde mit 
heiterer Gelassenheit das Stück Weges, das ihm etwa noch 
übrig sein möchte , und er wiederholt sich täglich , was ein 
grosser Dichter einen König sagen lässt: „Bereitschaft ist 
Alles.'" Hierin haben wir die Euthanasia, davon uns in 
diesen Tagen der Trauer um den allgeliebten König und 
Landesvater, sein hehres Beispiel tröstet. Ja, König Maxi- 
milian war bereit! Mit vollem Bewusstsein, überrascht 
aber nicht erschrocken, mit tapferer Gelassenheit hat er 
dem Tode in's Auge gesehen. Er ist gestorben königlich. 
Er hat, dessen sind wir gewiss, seinem Sohne, König Lud- 
wig IL , der so frühe die Bürde des königlichen Amtes 
überkommen, den Segen hinterlassen, der Friede und Freude 
ist. Mit Zuversicht blickt unsere Akademie, blickt das 
ganze Volk der Bayern auf den jugendlichen Herrscher. 
Möge Friede und Freude ihn umgeben! Das walte Gott! 



Nekrolog auf Heinrich Böse. 193 

Erinnerung 
an die neuerlich gestorbenen Mitglieder der mathematisch- 
physikalischen Classe vom Classensecretär Herrn v. Mar Mus; 

Heinrich Rose, 
den seine Fachgenossen den grössten praktischen Analytiker 
seit Berzelius nennen, ist am 5. August 1795 geboren und 
am 27. Januar d. J. gestorben. Unserer Akademie gehörte 
er seit 1835 an. 

Schon sein Grossvater (Valentin , Vater , geb. zu Neu- 
ruppin 1735, gest. 1771) und sein Vater (Valentin, Sohn, 
geb. zu Berlin 1762, gest. 1807), beide Apotheker und 
Assessoren des Medicinal-Collegii in Berlin, waren Chemiker, 
haben ihrer Zeit nicht unwichtige Beiträge für die Wissen- 
schaft geliefert und sind insbesondere für die geistige Ent- 
wicklung und Hebung des Apothekerstandes thätig gewesen. 

Auch Heinrich widmete sich diesem Stande, doch 
nicht bei dem Vater , der bald nach dem unglücklichen 
Frieden von Tilsit gestorben war und seine Wittwe in trüber 
Zeit mit vier unerwachsenen Söhnen zurückgelassen hatte, 
sondern in D.mzig. In dieser, damals ,, freien" Stadt, unter 
ihrem Gouverneur , dem General Rapp , erlebte er am An- 
fange des Jahres 1813 die furchtbare Belagerung. Im 
Jahre 1815 zog er, wie seine drei Brüder, mit in den 
Krieg. Als Friede wurde, nahm er in Berlin seine Studien 
wieder auf und 1819 setzte er sie in Stockholm unter Ber- 
zelius zwei Jahre lang fort. In der Schule des grossen 
Meisters , dem er stets mit Pietät anhieng, erhielt sein 
emsiger Geist die Richtung für die analytische Chemie, zu- 
mal der unorganischen Körper, welche er seitdem mit der 
ihm eigenen Arbeitsfreudigkeit und der vollen Thatkraft 
eines gediegenen , ernsten Charakters verfolgt hat. Er pro- 
movirte 1821 unter Pfaff in Kiel und habilitirte sich 1822 
an der Universität zu Berlin, wo er schon 1823 ausser- 
ordentlicher, 1835 ordentlicher Professor wurde. 
[1864. 1. 3.1 H 



194 Sitzung der Gesammt- Akademie vom 30. März 1864. 

Als Lehrer besass er ein eigentümliches Talent, die 
Wissenschaft populär zu machen. Auf dem Katheder war 
es die einfache, prunklose, wissenschaftlich - ernste Darstel- 
lung; im Laboratorium die umsichtige, milde, dem Schüler 
entgegenkommende Unterweisung, wodurch er Liebe zur 
Doctrin weckte und tüchtige Kenntnisse aussäete. Er hat 
das erste Privatlaboratorium in Deutschland hergestellt, sich 
jedoch hier niemals mit vielen Schülern zugleich umgeben; 
aber diese wusste er theoretisch wie praktisch in die Tiefen 
der Wissenschaft zu geleiten. So bildete er eine, zwar 
nicht zahlreiche , aber gründliche Schule , welche vorzugs- 
weise die reine Analyse und insbesondere die Mineralanalyse 
vertritt. 

Die erste grössere Arbeit H. Rose's war die Untersuch- 
ung der Mineralien, welche die Kry stallform des Augits auf- 
weisen. Sie wurde in dem Laboratorium von Berzelius 
ausgeführt und bildet (mit SponsdorfTs Arbeit über die 
Hornblende und jener des Grafen Trolle Wachtmeister über 
die Granaten) die Grundlage für die Kenntniss der Iso- 
morphie im Mineralreiche. Sie war im Geiste von Berzelius 
unternommen, des Lehrers, welchen gleichsam fortzusetzen 
Rose sich in zahlreichen Untersuchungen zur Aufgabe ge- 
macht hat. Der Ernst, die Treue und Wahrheitsliebe eines 
edlen Charakters spiegeln sich in diesen wie in allen spätem 
Arbeiten H. Rose's ab, die so zahlreich sind, dass ihre 
Aufzählung hier nicht am Platze wäre. Immer zeichnen sie 
sich durch die Methode aus, welcher die Chemiker das Lob 
des Scharfsinns und der Einfachheit zollen und um deren 
Vervollkommnung er sich rastlos bemühte. Es kam ihm 
niemals darauf an , einen glänzenden Erfolg zu erhaschen, 
oder durch Neues und Unerwartetes zu blenden, sondern 
lediglich auf die Sicherheit und Unumstösslichkeit seiner 
Resultate , auf die möglichste Ergründung der Wahrheit. 

Der Chemiker, welcher einer unübersehbaren Zahl von 



Nekrolog auf Heinrich Böse. 195 

Stoffen, von deren Verbindungen und gegenseitigen Bezieh- 
ungen , einer ganzen Welt von Einzelheiten gegenübersteht, 
erfährt eine mächtige Verlockung, sich lichtungslos nach 
allen Seiten auszubreiten. Obgleich nun Kose in diese Man- 
nigfaltigkeiten eindrang, wie Wenige, so haben doch seine 
Arbeiten keinen desultorischen Charakter, sondern sie hängen 
innerlich organisch zusammen. Es war die Idee einer sorg- 
fältigen, den Zweifel ausschliessenden, gründlich abschliessen- 
den Methode, welche Wahl und Richtung seiner Arbeiten 
leitete. So sind denn die Probleme, welche er sich aufgab 
und die Mittel, mit denen er sie zu lösen suchte, in der 
Klarheit seines 1 die reichsten Erfahrungen beherrschenden 
Geistes verbunden. Diese innerliche Einheit des Gedanken- 
ganges tritt auch in seinem grössten literarischen Werke, 
dem Handbuche der analytischen Chemie (I. Ausgabe 1851. 
2 Bde.), welches mehrfach aufgelegt, und erweitert in's Eng- 
lische und Französische übersetzt worden ist, hervor. Die 
Fachgenossen verehren es, wie eine untrügliche Leuchte 
auf dem Wege experimentaler Forschung. In nüchterner, 
die qualitativen und quantitativen Untersuchungen der Stoffe 
streng von einander haltender Fassung gewährt es subjec- 
tiven theoretischen Speculationen keinen Raum. 

In seinen theoretischen Ansichten schloss sich H. Rose 
denen seines Meisters Berzelius an. Er verwarf die Identi- 
ficirung der Atomgewichte und der Aequivalente und hielt 
daran fest, dass die Gewichte gleicher Volumina einfacher 
Gase das Verhältniss der Atomgewichte ausdrücken. 

So stellt sich uns in diesem hervorragenden Manne 
das Bild eines Scheidekünstlers im wahrsten Sinne des 
Wortes dar und zwar arbeitete in ihm der Gedanke nach 
Ergründung richtiger Einzelnverhältnisse so unablässig, dass 
er die vorhabende Aufgabe ruhelos verfolgte, und sich oft 
dem Kreise der Freunde oder dem Schoosse der Familie 
sogar in Stunden der Nacht entzog, um die in ihm plötz- 

14* 



196 Sitzung der Gesammt- Akademie vom 30. März 1864. 

lieh aufsteigenden Conceptionen praktisch zu prüfen. In der 
Geschichte der Wissenschaften wird diese Gestalt durch 
sittlichen Ernst, Wahrheitsliebe und bis an's Ende unge- 
brochene Arbeitskraft stets als ein edles Vorbild leuchten. 



Christian Andreas von Zipser, 
Doctor der Philosophie und Professor der Naturgeschichte, 
zuerst in Brunn, dann zu Neusohl in Ungarn, geb. zu Raab 
am 25. Nov. 1783, seit 1848 corresp. Mitglied unserer 
Akademie, ist am 20. Februar 1864 gestorben. Er hat sich 
besonders um die geognostische und oryktoguostische Erfor- 
schung seines Vaterlandes sowohl durch selbstständige Schrif- 
ten (topographisch-mineralogisches Handwörterbuch und oryk- 
tognostisches Handbuch von Ungarn) und mehrere einzelne 
zerstreute Abhandlungen als durch Verbreitung der ungarischen 
Mineralien hochverdient gemacht. 



Ferdinand von Schmöger, 
Professor der Physik am Lyceuin zu Regensburg, geboren 
zu München am 8. Januar 1792, ist am 4. März d. J. ge- 
storben. Es folgt ihm das Lob eines wohlwollenden, nüch- 
ternen , bescheidenen Charakters . eines sorgfältigen Lehrers 
nach. Ganz besonders thätig war er auf dem Gebiete der 
Witterungskunde und die durch ihn bekannt gemachten viel- 
jährigen Beobachtungen (von 1774 bis 1834) haben im An- 
schlüsse an die vou Placidus Heinrich die Meteorologie 
von Regensburg wesentlich bereichert. Wir besitzen von 
ihm eine Kosmographie (1817. zweite Aufl. 1820), Elemente 
der Astronomie und Chronologie (1830) und mehrere kleinere 
Schriften. 



Einsendungen von Druckschriften. 197 



Einsendungen von Druckschriften. 



Von der Societe pour la recherche et la consercation des monuments 
historiques dans le Grand- Duche de Luxembourg in Luxemburg : 

Publications. Annee 1862. 18. Luxemburg 1863. 4. 

Von der k. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen: 

Göttingische gelehrte Anzeigen 5—21 Stück. Febr. — Mai 1864. Göt- 
tingen 1864. 8. 

Vom landivirthschaftlichen Verein hier: 

Zeitschrift. 54. Jahrgang. März 3. April 4. Mai 5. 1864. München 
1864. 8. 

Von der Societä Reale in Napoli: 

a) Rendiconto tlell' Accademia della scienze fisiche e matematiche. 

Fascic. 1—8. Maggio— Dicenibre 1862. Anno 2. Fascic. 1 — 10. 
Gennajo— Ottobre 1863. Napoli 1862. 1863. 4. 

b) Rendiconto delle tornate e dei lavori dell' accademia di scienze 

morali e politiche. Anno 1862. Anno Secondo. Gennajo— Ottobre 
1863. Napoli 1863. 4. 

Von der Accademia delle Scienze delV Istituto in Bologna: 

a) Memorie. Tomo 11. Fase. 3 — 4. 

12 1 —4. 

Serie 2. „ 1. „ 1—4. 

„ 2. „ 2. „ 1. Bolog. 1861—63. 4. 

b) Rendiconto delle sessioni dell' accademia. Anno accademico 

1861—1862. Bologna 1861. 8. 



198 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Reale Istituto Lombardo di scienze, lettere ed arti in Milano* 

a) Memorie. Vol. 8. 2. della Serie 2. Fase. 7. 

» 9. 3. „ „ 2. „ 1. 3. 4. 
Milano 1862 1863. 4. 

b) Atti. Vol. 3. Fase. 1—4. 

„ 9—18. Milano 1862-63. 4. 

c) Rendiconti. Classe di scienze matematiclie e naturali. Vol. 1. Fase. 

1. e. 2. Gennajo— Febrajo. Milano 1864. 8. 

Von der Imperiale Regia Accademia di scienze, lettere ed arti in 

Padua : 

a) Nuovi saggi. Vol. 6. 

„ 7. Parte 1. Padua 1847—57. 4. 

b) Rivista periodica. Vol. 12. (Semestre primo e secondo del 1862 — 

1863) Padua 1863. 8. 

Von der Societä italiana di scienze naturali in Milano: 

Atti. Vol. 1. 2. 3. Anno 1855—1861. 
„ 4. Fase. 1—4. 
„ 5. „ 1—5 Milano 1859. 1861—63. 8. 

Von der Royal Institution of Great Br itain in London: 

a) Proceedings. Vol. 4. Part. 1. 2. Nr 37. 38. London 1863. 8. 

b) List of the Membres, Officers and Professors 1863. London 

1863. 8. 

Von der Societe Asiatique in Paris: 
Journal Asiatique. Sixieme Serie. Tom 3. Paris 1864. 8. 

Von der Academie des sciences in Paris: 

Comptes rendus hebdomadaires des seances. Tom. 58. Nr. 5 — 15. 
Fevrier— Avril 1864. Paris 1864. 4. 






Einsendungen von Druckschriften. 199 

Von der kaiserl. Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der 
Naturforscher in Dresden: 

Verhandlungen. 30. Band. Dresden 1864. 4. 

Vom historisclien Verein in Osnabrück : 
Mittheilungen 7 Bd. 1864. Osnabrück 1864. 8. 

Von der Societe royale des sciences in Liege : 
Memoires. Tom. 18. Liege 1863. 8. 

Von der Direction Gen. de V Institut des provinces de France in 

Paris : 

Annuaire des societes savantes et des congres scientifiques 1864. 
Paris 1864. 8. 

Von der Societe d' Anthropologie in Paris: 

Bulletins. Tom. 4 Fase. 4. Septembre--Decembre 1863. Paris 
1863. 8. 

Von der Societe de physique et d'histoire naturelle in Geneve: 
Memoires. Tom. 17. 1. Partie. Geneve 1863. 4. 

Vom Museum Francisco-Carolinum in Linz : 

a) Dreiundzwanzigster Bericht. Nebst der 18. Lieferung der Bei- 

träge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. Linz. 
1863. 8. 

b) Urkundenbuch des Landes ob der Enns. 3. Bd. Wien 1862. 8. 

Von der senkenbergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt 

am Main: 

Abhandlungen. 5. Bd. 1. lieft. Frankfurt a. M. 1864. 4. 



200 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den k. preussischen 
Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde in Berlin : 

Wochenschrift. Nr. 5—16. Febr.— April 1864. Berlin 4. 

Vom Verein für Geschichte und Altcrthumskunde in Frankfurt a. M : 

a) Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt a. M. von J. G. Bat- 

tonn. 2. Heft. Frankfurt a. M. 1863. 8. 

b) Aerzte, Heilanstalten, Geisteskranke im mitteralterlichen Frank- 

furt a. M. Von Dr. Ludwig Kriegk. Frankf. a. M. 1863 4. 

c) Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins. 2. Bd. Nr. 3. Frank- 

furt a. M. 1863. 8. 

Vom historischen Verein für Niederbayern in Landshut: 
Verhandlungen. 10. Bd. 1. Heft Landshut 1864. 8. 

Von der Societe d'agriculture et d'industrie agricole du departement 

in Dijon: 

Journal d'Agriculture de la Cote-d'Or. Annee 1862. 24. Vol. Dijon 
1862. 8. 

Von der natural-history Society in Montreal : 

The Canadian Naturalist and Geologist. Vol. 8. Nr. 6. Decbr. 1863. 
Montreal. 1863. 8. 

Von der Academie imperiale des sciences, arts et belles lettres in 

Dijon : 

Memoires. 2 Serie. Tom. 10. annee 1862. Dijon 1863. 8. 

Von der Philomatischen Gesellschaft in Neisse: 
Denkschrift zur Feier ihres 25jährigen Bestehens. Neisse. 1863. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 201 

Von der Universitäts-Bibliothek in Leipzig: 

a) Archiv für die sächsische Geschichte. Herausgegeben von Dr. M. 

Wachsmuth und Dr. Karl Weber. 2. Bd. 3. 4. Heft. Leipzig 
1864. 8. 

b) Codex diplomaticus Saxoniae regiae. Von G. E. Gersdorf. 2. 

Haupttheil. Urkundenbuch des Hochstiftes Meissen. 1. Bd. Leipzig 
1864. 4. 

Von der Universität in Heidelberg •' 

Heidelberger Jahrbücher der Literatur unter Mitwirkung der vier 
Fakultäten. 

56. Jahrgang 12. Heft. Dezember 1863. 

57. „ 1. „ Januar 1864. 
Heidelberg 1863. 1864. 8. 

Von der Redaktion des Correspondenz - Blattes für die gelehrten und 
Real- Schulen in Stuttgart : 

Correspondenzblatt für die gelehrten und Real- Schulen. Januar 1. 
1864. Stuttgart 1864. 8. 

Von der Lesehalle der deutschen Studenten in Prag : 
Jahresbericht. 1. Juli 1862 — Ende Dezember 1863. Prag 1863. 8. 

Von der k. k. Sternwarte in Wien : 

a) Annalen. 3. Folge. 12. Bd. Jahrgang 1862. Wien 1863. 8. 

b) Meteorologische Beobachtungen an der Wiener Sternwarte von 

1775 bis 1855. 4 Bd. 1823—1838. Wien 1863. 8. 

Von der pfälzischen Gesellschaft für Pharmacie in Speier: 

Neues Jahrbuch für Pharmacie und verwandte Fächer. Zeitschrift. 
Bd 21. Heft 3—5. März— Mai 1864. Speier 1864. 8. 

Von der Academie royale de Medecine de Belgique in Brüssel: 

Bulletin. Annee 1863. Deuxieme Serie. Tom. 6. Nr. 10. 11. 
1864. „ „ „ 7. Nro. 1. 2. 

Brüssel 1863. 1864. 8. 



202 Einsendungen von Druckschriften. 

Von der American Academy of Arts and Sciences in Cambridge : 

List of new nebulae and star-clusters seen at the observatory of 
Harvard College 1847—1863. Cambridge 1863. 8. 

Vom Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti in Venezia : 

Atti. Tomo nono. Serie terza. Dispensa seconda, terza, quarta, dal 
Novembre 1863 all' Ottobre 1864. Venedig 8. 

Von der Societe des sciences naturelles in Neufchatel: 
Bulletin. Tom. 6. Second cahier. Neufchatel 1863. 8. 

Vom naturhistorischen Verein in Hannover: 

Dreizehnter Jahresbericht von Michaelis 1862 bis dahin 1863. Han- 
nover 1864. fol. 

Von der koninklijke natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch 
Incli'e in Batavia: 

Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie. 
Deel 24 Vijfde Serie Deel 4 An. 5. en 6. 
i) 25. „ „ ,, 5. „ 1. 

„ 25. „ „ ,, 5. ,, 2. — 5. 

„ 26. Zesde „ ,, 1. „ 1. en 2. 
Batavia 1862. 1863. 8. 

Von der Royal Society in Dublin: 
Journal. Nr. 30. July 1863. Dublin 1863. 8. 

Von der k. preussisclien Akademie der Wissenschaften in Berlin: 

Monatsberichte. August bis Dezember 1863. Januar, Februar 1864. 
Berlin. 8. 



Von der B. Academia de nobles artes de San Fernando in Madrid: 

Los desastres de la guerra. Coleccion de ochenta läminas inventadas 
y grabadas al agua fuerte por Don Francisco Coya. 1 — 8. 
Madrid 1863. 4. 






Einsendungen von Druckschriften. 203 



Van der 'physikalisch-medizinischen Gesellschaft in Würzburg : 

Würzburger medizinische Zeitschrift. 5. Bd. 1. Heft. Würzburg 
1864. 8. 

Von der Gesellschaft der Wissenschaften in Prag : 

a) Sitzungsberichte. Januar — Juni. 

Juli — Dezember. Jahrgang 1863. 
Prag 1864. 8. 

b) Die pharmacognostische Sammlung des Apothekers Joseph Dittrich 

in Prag. Ausgestellt zur Feier der dritten General-Versammlung 
des allgem. Österreich. Apotheker-Vereins am 1. und 2. Septbr. 
1863 in Prag. Prag 1863. 8. 

Vom Geschichts- Verein für Kärnten in Klagenfurt: 

Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. 8. Jahrgang. 
Kärnten 1863. 8. 

Vom statistisch-topographischen Bureau in Stuttgart: 

Württembergische Jahrbücher für vaterländische Geschichte, Geo- 
graphie, Statistik und Topographie. Jahrgang 1862. 1. und 
2. Heft. 

Vom historischen Verein von ünterfranken und Aschaffenburg in 
Würzburg : 

a) Archiv. 17. Bd. 1. Heft. Würzburg 1864. 8. 

b) Die Sammlungen des historischen Vereins , herausgegeben von 

Prof. Dr. Contzen. 1. Abthl. Bücher, Handschriften, Urkunden 
Würzburg. 1856. 8. 

c) Die Sammlungen des historischen Vereins , herausgegeben von C. 

Heffner. 2. Abthl. Gemälde, Sculpturen, Gypsabgüsse, Waffen, 
Gläser etc. Geräthe, Mobilien, Siegel etc. Ausgrabungen. 
Würzburg 1860. 8. 

Von der naturforschenden Gesellschaft in Zürich: 

Vierteljahrsheft. 6. 7. 8. Jahrgang, je 1—4. Heft. 1861—1863. 
Zürich 8. 



204 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom physikalischen Verein in Frankfurt a. M.: 
Jahresbericht 1862. 1863. Frankfurt a. M. 8. 

Von der deutschen morgenländisclien Gesellschaft in Leipzig: 

a) Zeitschrift. 18. Bd. 1. und 2. Heft. Leipzig 1864. 8. 

b) Indische Studien. Beiträge für die Kunde des indischen Alter- 

thums, von Dr. Albrecht Weber. 8. Bd. Leipzig 1863. 8. 



Vom Herrn M. B. Studer in Bern: 
De l'origine des lacs Suisses. Bern 8. 

Vom Herrn Herde in Braunschweig: 

Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen. 2. Bd. Ein- 
geweidelehre. 2 Lieferung, Harn- und Geschlechtsapparat. 
Braunschweig 1864. 8. 

Vom Herrn Franzesco Zantedeschi in Padua : 

Intorno alla spettrometria e chimica astroatmosferica; all' ozono 
studiato ne' suoi rapporti culla elettricitä atmosferica e la foto- 
grafia ; e con un cenno degli avanzamenti della meteorologica 
in Italia. Padua. 8. 

Vom Herrn James D. Dana in New-Haven : 

1. The Classification of animals based on the principle of cephaliza- 

tion. Nr. 3. Classification of herbivores. 

2. Note on the position of amphibians among the classes of verte- 

brates. New-Haven. 8. 

Vom Herrn J. A. Grunert in Greifswald: 

Archiv der Mathematik und Physik. 41. Tbl. 3. Heft. Greifswald 
1864. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 20 9 

Vom Herrn G. P. Bond in Cambridge: 

On the new form of the achromatic object-glass introduced by 
Steinbeil. Cambridge 1863. 8. 

Vom Herrn Emil Ozyrnidnski in Krdkau: 

Neue cbemiscbe Theorie, durchgeführt durch alle unorganischen 
Verbindungen in allgemeinen Formeln. Krakau 1864. 8. 



Vom Herrn Alfred Volkmann in Halle: 

Physiologische Untersuchungen im Gebiete der Optik. 2. Heft. 
Leipzig 1864. 8. 



Vom Herrn Albert Oppel hier: 

Paläontologische Mittheilungen. Text und Atlas. Fortsetzung. 
Stuttgart 1863. 8. 



Vom Herrn Friedrich W. Schultz in Weissenburg a. d. Lauter: 

Grundzüge zur Phytostatik der Pfalz. Weissenburg a. d. Lautei 
1863. 8. 



Vom Herrn Attilio Tassi in Siena: 

a) Sulla flora della provincia Senese e Maremma Toscana. Siena 

1862. 8. 

b) Esame d'una singolaritä di struttura del flore dell' aquilegia vul- 

garis. Siena 1862. 8. 

Vom Herrn De Colonet- D'Huart in Luxembourg: 

Nouvelle theorie mathematique de la chaleur et de l'electricite. 1. 

Partie. 
Determination de la relation qui existe entre la chaleur rayonnante, 

la chaleur de conductibilite et l'electricite. Luxembourg 1864. 8. 



206 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Herrn Quesneville in Paris: 

Le moniteur scientifique du chimiste et du manufacturier. 
Tom. 1—5. Annee 1857—1863. 

n 6> >i 1864 (1 — 7 livraison) Paris 4. 

Vom Herrn F. van der Straten-Ponthoz in Pau: 

Les neuf preux, gravure sur bois du commencement du quinzieme 
siecle, fragments de l'hotel de Ville de Metz Pau. 1864. 8. 

Vom Herrn L. Vaucher in Genf: 

In M. Tullii Ciceronis libros philosophicos curae criticae. Fase. 1. 
Lausanne 1864. 8. 

Vom Herrn Alexander Ecker in Freiburg: 

Die Anatomie des Frosches. 1. Abthl. Knochen- und Muskel-Lehre. 
Braunschweig 1864 8. 

Vom Herrn A. Kölliker in Würzburg: 

Weitere Beobachtungen über die Wirbel der Selachier, insbesondere 
über die Wirbel der Lamnoidei, nebst allgemeinen Bemerkungen 
über die Bildung der Wirbel der Plagiostomen. Frankfurt a. M. 

1864. 4. 



Sitzungsberichte 



der 



königl. bayer. Akademie der Wissenschaften. 



Philosophisch-philologische Classe. 

Sitzung vom 7. Mai 1864. 



Herr Beckers hielt einen Vortrag: 

„Ueber die wahre und bleibende Bedeut- 
ung der Naturphilosophie Schellings". 
Derselbe wurde für die Denkschriften bestimmt. 



Mathematisch-physikalische Classe. 

Sitzung vom 7. Mai 1864. 



Herr Pettenkofer trug vor: 

„Bemerkungen über die chemischen Unter- 
suchungen von M. J. Reiset über die 
Respiration von landwirtschaftlichen 
Hausthieren". 
Reiset hat in den Annales de Chimie et de Physique 
(dritte Serie Bd. 69. Oktober 1863) eine Fortsetzung der 
[1864.1.4.] 15 



208 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

früher (1849) gemeinschaftlich mit Regnault angestellten 
Untersuchungen geliefert. Da seit dieser Zeit der thierische 
Stoffwechsel theils in seinen festen und flüssigen, theils auch 
in seinen gasförmigen Endgliedern Gegenstand umfangreicher 
und genauer Untersuchungen in Deutschland gewesen ist, so 
war die Hoffnung gewiss nicht unberechtigt, Reiset werde 
die bisherigen Resultate in den Kreis seiner neuen Unter- 
suchungen ziehen. Der Verfasser hat diese Hoffnung ge- 
täuscht und seinen alten Standpnnkt von 1849 unverändert 
beibehalten; anstatt sich eine neue Aufgabe zu stellen, hat 
er die alten Versuche unter denselben wesentlichen Um- 
ständen wie früher wiederholt. Die Fortsetzung der Ar- 
beiten hat uns desshalb auch keinen Fortschritt in unserm 
Wissen gebracht. Die früheren Versuche von Regnault und 
Reiset verdienten zu ihrer Zeit die grösste Beachtung und 
Anerkennung, die sie auch gefunden haben , namentlich weil 
sie an verschiedenen Thierklassen angestellt waren; aber 
nur die grösste Kurzsichtigkeit konnte sich einreden, dass 
sie mehr als ein guter Anfang, dass der Gegenstand im 
Wesentlichen hiemit erlediget wäre. Die Versuche von Reg- 
nault und Reiset haben in Bezug auf den Stoffwechsel nur 
den Werth von qualitativen , aber nicht von quantitativen 
Untersuchungen, weil die Quantität der im Körper sich um- 
setzenden Stoffe gar nicht berücksichtiget worden ist. Der 
ganze Gasaustausch steht als eine isolirte Grösse für sich 
da, und kann ohne die willkürlichsten Hypothesen nicht 
mit dem gesammten Stoffwechsel in Beziehung gebracht 
werden. Die Untersuchungen von Regnault und Reiset 
haben gelehrt: 

1) dass die Produkte der Perspiration bei verschiedenen 
Thierklassen wesentlich die gleichen sind; 

2) dass der athmende Körper aus der Luft wesentlich 
nur Sauerstoff aufnimmt und Kohlensäure abgibt; 

3) dass er unter Umständen auch zwar geringe, aber 



Pettenkofer : Bespiration von landwirthschaftl. Hausthieren. 209 

doch messbare Mengen Wasserstoff und Grubengas aus- 
scheidet ; 

4) dass zwischen der Quantität und Qualität der Nahr- 
ung und der Perspiration ein noch zu erforschender Zu- 
sammenhang sich verräth; 

5) dass weder Ammoniak noch Schwefelwasserstoff 
in bestimmbarer Menge ausgeschieden werden und endlich 
fanden sie 

6) dass der Stickstoffgehalt der in ihrem Apparat ein- 
geschlossenen Atmosphäre sich während eines Versuches bald 
etwas vermehrt, bald etwas vermindert, wo sie dann an- 
nahmen, das Thier habe Stickstoff ausgegeben oder einge- 
nommen. Das abgedunstete Wasser ist ebenso , wie die 
Nahrung und die Ausscheidungen durch Darm und Nieren 
unberücksichtiget geblieben. 

Das Verdienst der Untersuchungen von Regnaul t und 
Reiset liegt somit weniger in der Neuheit der Resultate, 
denn alles Wesentliche war eigentlich schon durch Forsch- 
ungen Anderer einzeln da, als vielmehr in der unzweifel- 
haften Bestätigung und theilweisen Begränzung der vor- 
handenen Vorstellungen, z. B. welche Gase und in welchen 
Mengen bei verschiedenen Thieren und verschiedenen Zu- 
ständen derselben auftreten, worauf mithin bei künftigen 
Versuchen zu achten ist, und worauf nicht. Dass der 
Körper bald Stickgas abgeben , bald aufnehmen sollte , 
war das Unerwartetste. Regnault und Reiset scheinen 
bisher eine Beziehung zwischen dem aus der Luft aufge- 
nommenen Sauerstoff und dem entwickelten oder verschwun- 
denen Stickstoff gesucht zu haben, wenigstens führen sie für 
das Gewicht der beiden Stoffe ein proportionales Verhältniss 
an, das aber auch in Reiset's neuesten Untersuchungen so 
wenig constant ist, dass das entwickelte Stickgas einmal 24, 
das andermal 8760 Hunderttausendstel vom Gewicht des 
verzehrten Sauerstoffes beträgt , während ein anderes Mal 

15* 



210 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Stickstoff verschwindet, ohne dass man nur entfernt einen 
chemischen oder physiologischen Grund, ein Gesetz für 
dieses Hin- und Herspazieren des Stickstoffes zu ahnen ver- 
möchte. Für einen Chemiker, der mit der Zersetzung der 
eiweissartigen Körper näher bekannt ist, gehört diese An- 
nahme gewiss zu den unerwartetsten und erheischt desshalb 
die strengste Prüfung. 

Die inzwischen in Deutschland gemachten Untersuch- 
ungen über den Kreislauf des Stickstoffes der Nahrung beim 
Stoffwechsel im Thierkörper waren der Annahme von Reg- 
nault und Reiset nicht günstig. Bidder und Schmidt hatten 
bei der Katze, Bisekofi' und Voit beim Hunde, Henneberg 
beim Wiederkäuer, J. Lehmann beim Schweine, J. Ranke 
beim Menschen gefunden, dass aller Stickstoff der Nahrung 

— nicht mehr und nicht weniger — durch Nieren und 
Darm ausgeschieden wird. Voit, der sich um die Lösung 
dieser Frage unstreitig das Hauptverdienst errungen, hat in 
neuester Zeit nachgewiesen, dass eine Taube, welche Monate 
lang mit einer gewogenen Menge Erbsen gefüttert wurde, 
allen Stickstoff des Futters — nicht mehr und nicht weniger 

— in den Excrementen der Niere und des Darmes wieder 
ausgeschieden hat. Bei diesem so lange fortgesetzten Ver- 
suche von Voit hätte es unfehlbar zu Tage kommen müssen, 
wenn das Thier täglich auch nur eine höchst unbedeutende 
Menge dieses Stickstoffes an die Luft verloren oder aus ihr 
aufgenommen hätte. 

Solche Thatsachen haben ein unbestreitbares Recht, 
Beachtung zu verlangen, und können nicht mehr durch 
Stillschweigen beseitiget werden. Reiset hätte die Pflicht 
gehabt, seine behauptete Stickstoffausscheidung damit in 
Einklang zu bringen. Anstatt dessen aber hat er uns ohne jede 
weitere Prüfung der deutschen Arbeiten seine alte Methode 
mit ihren bekannten Resultaten wieder vorgeführt. In- 
zwischen hatte ich auch gezeigt, wie man einen grossen und 



Petterikofer : Respiration von landwirthschaftl. Hausthieren. 211 

complicirten Respirationsapparat auf die Genauigkeit seiner 
Angaben durch Controlversuche sicher prüfen kann. Hätte 
Reiset anstatt Kälber, Schafe und Schweine eine brennende 
Stearinkerze in seinen Apparat gebracht, so hätte er ebenso 
wie ich in Erfahrung bringen können, mit welcher Genauig- 
keit er arbeite; und er hätte sicherlich gefunden, dass er 
auch beim Verbrennen eines ganz stickstofffreien Körpers 
bald Zuwachs, bald Verlust von Stickstoff in der Luft seines 
Respirationsraumes erhalte , sobald der Versuch 12 bis 24 
Stunden andauerte. 

Der Apparat und die Methode Reiset's schliessen erst- 
lich den Einfluss der Diffusion der Gase nicht aus, welche 
trotz Kitt und Kautschuk an allen Verbindungsstellen statt- 
findet, und um so merklicher im Resultate hervortritt, je 
länger der Versuch dauert, und je kleiner das im Apparat 
stagnirende Luftvolumen ist. 

Wie leicht kann die Bereitung und Aufbewahrung des 
erforderlichen Sauerstoffes von einer Verunreinigung durch 
Stickstoff begleitet sein! An einer genommenen Probe kann 
diess sehr wenig oder kaum erkennbar sein, aber der Stick- 
stoff-Rückstand von hunderten von Litern, die in der Re- 
spirationsglocke verzehrt worden, kann zuletzt doch sehr 
bemerkbar sein. 

Eine noch so geringe Undichtigkeit im Respirations- 
Raume, welche an einem Quecksilbermanometer durch einige 
Minuten lange Beobachtung gar nicht wahrgenommen wird, 
kann binnen 20 und 24 Stunden immerhin eine beträchtliche 
Menge Stickstoff aus der Glocke heraus oder hinein beför- 
dern, je nachdem der Druck innen oder aussen grösser ist. 

Ebenso kann das Versuchsthier selbst Veranlassung zu 
Störungen im Stickstoffvolum der eingeschlossenen Luft geben. 
Wenn ein Wiederkäuer eben gefressen hat, ehe er in den 
Apparat kommt, so hat er mit seinem Futter mindestens 
so viele Liter Luft verschluckt, als das Futter Kilogramme 



212 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

wiegt. Wenn nun bei der Verdauung reichlich Kohlensäure, 
Grubengas und Wasserstoffgas entwickelt werden, so wird 
der zu Anfang des Versuches in Magen und Gedärmen 
vorhandene Stickstoff am Ende des Versuches ausgetrieben 
sein, und sich nun in der Luft des Apparates befinden. In 
dem Versuche 3. fand Reiset bei einem Schafe, das während 
des Versuches bedeutenden Meteorismus bekam, die höchste 
Menge von ausgeschiedenem Stickstoff (33 Liter), während 
sonst das Maximum bei Schafen 6 Liter war. Dieses Gru- 
bengas hat offenbar zur Vermehrung des Stickstoffes beige- 
tragen, indem es allen Stickstoff der beim Fressen ver- 
schluckten Luft aus dem Körper ausgetrieben hat. Dieser 
Versuch leidet übrigens auch noch an einem anderen grossen 
Gebrechen, was ihn geradezu als unbrauchbar erscheinen lässt. 
Der gasförmig ausgeschiedene Stickstoff beträgt nahezu 42 
Gramme. Wollte man nun annehmen, dass sich diese 
grosse Menge Stickstoffgas aus den Bestandth eilen des Kör- 
pers binnen 14 Stunden entwickelt hätte, so könnte das 
Thier in dieser Zeit Stickstoff weder im Harne, noch im 
Kothe ausgeschieden haben, was doch gegen alle physiolo- 
gische und chemische Wahrscheinlichkeit ist. Ein Schaf setzt 
nämlich in 24 Stunden nicht 40 Gramme Stickstoff um, und 
in diesem Falle sollten binnen 14 Stunden bloss in den 
gasförmigen Ausscheidungen 42 Gramme enthalten sein! 
Dieses Experiment Nr. 3 beweist nur, dass im Apparate 
oder in der Methode irgend wo eine beträchtliche Fehler- 
quelle ist, und wenn der Fehler einmal 30 Liter betragen 
kann, so ist auf die Resultate, wo sich 2 und 3 Liter er- 
geben, wohl auch kein Vertrauen mehr zu setzen. 

Bei den Versuchen 6, 7 und 8, die Reiset mit Kälbern 
anstellte, steigt und fällt die Menge des entwickelten Stick- 
stoffes mit der Menge des entwickelten Grubengases: 

Versuch 6) 14,5 Liter Grubengas 2,8 Liter Stickstoff 
» 7) 16,4 „ - „ 3,1 „ 



Petterikofer : Respiration von landwirthschaftl. Hausthieren. 213 

Versuch 8) 20,4 Liter Grubengas 3,4 Liter Stickstoff. 

Ein weiterer Grund zur Aenderung des Stickstoffge- 
haltes der inneren Luft während des Versuches ist die 
Differenz in der Zusammensetzung zwischen der Luft , in 
welcher das Thier unmittelbar vor dem Versuche gelebt hat, 
und der Luft im Apparate beim Schluss des Experimentes. 
Die Luft , welche das Thier nicht nur im Ernährungskanal, 
sondern auch in den Zwischenräumen der Haare und Federn, 
in der Lunge in den Apparat mitbringt, setzt sich mit der 
Luft im Apparate allmälig in's Gleichgewicht. Die Luft des 
Reiset'schen Apparates ist nun meistens viel kohlensäure- 
reicher, als die äussere Luft. Bei den Versuchen 6 bis 8 
mit Kälbern beträgt der Kohlensäuregehalt 8 bis 13 Volum 
pro mille. So viel Kohlensäure trifft man in den schlechtest 
ventilirten Ställen nicht an. Henneberg und ich untersuch- 
ten im Winter die Luft eines sehr dicht belegten Kulistalles 
auf Kohlensäure, nachdem Fenster und Thüren eine Zeit 
lang geschlossen gehalten waren, und fanden nur 2 1 J2 pro 
mille Kohlensäure als Maximum. Dieses Uebermass von 
Kohlensäure in der Luft des Apparates ist jedenfalls ein 
unnatürliches Verhältniss. 

Schon die früheren Versuche von Dulong und Des- 
pretz zur Bestimmung der thierischen Wärme litten an dem 
Gebrechen, dass sie eine ganz unverhältnissmässige Vermehrung 
des Stickstoffes im Apparate ergaben, die in nicht zu recht- 
fertigender Weise als Stickstoffausscheidung des Thieres von 
Vielen angenommen wurde; von Lieb ig hat bereits im 
Jahre 1845 (Annalen der Chemie Bd. 53. S. 76) nachge- 
wiesen, dass eine solche Annahme geradezu absurd und un- 
möglich ist. 

Nach diesen Thatsachen ist sicherlich nichts weniger 
bewiesen, als dass der Stickstoff der Luft am Stoffwechsel 
auch nur den geringsten Antheil habe. Unter diesen Um- 
ständen bleibt Herrn Reiset wohl nichts übrig, als mit 



214 Sitzung der math.-phys. Glosse vom 7. Mai 1864. 

seinem Apparate gleichfalls Controlversuche zu machen. Erst 
dann, wenn er beim Verbrennen von mehr und weniger 
Stearin , bei grösserer oder geringerer Thätigkeit der Kali- 
Pipetten, welche die Kohlensäure absorbiren u. s. w. genau 
so viel Kohlensäure erhält und Sauerstoff verbraucht, als 
die Elementaranalyse des Stearins verlangt, und erst wenn 
sich dabei das Stickstoffvolum in seinem Apparate unter 
verschiedenen Umständen während einer Versuchsdauer von 
12 bis 24 Stunden gleich bleibt, können seine Angaben über 
die Ausgabe und Einnahme von gasförmigem Stickstoff wieder 
in Betracht gezogen werden , bis dahin muss man sie zu 
den Dingen zählen, welche ebenso grundlos behauptet wer- 
den, als sie unwahrscheinlich sind. 

Und wenn sich auch diese Ausscheidung gasförmigen 
Stickstoffes wider alle Wahrscheinlichkeit nicht ganz als 
Täuschung erweisen würde, so wäre dennoch die bisherige 
Methode von Regnault und Reiset für den Beweis unzu- 
reichend. Wer behaupten will, dass Stickstoff sich zeitweise 
auch gasförmig aus den Bestandtheilen der Nahrung und 
des Körpers entwickeln könne , muss auch nachweisen , dass 
dieser Stickstoff der treffende Bruchtheil des gesammten 
Stickstoffumsatzes im Körper ist. Er muss ebenso , wie es 
Voit, Bischoff, Henneberg, Lehmann und Ranke gethan 
haben, durch eine bestimmte Quantität Nahrung einen 
Gleichgewichtszustand des Körpers herstellen , bis sich Um- 
satz und Ersatz genau entsprechen, und dann muss nachge- 
wiesen werden, wie viel von dem Stickstoffgehalt der täglich 
umgesetzten Nahrung in den gasförmigen, und wie viel in 
den flüssigen und festen Excreten erscheint. So lange diese 
Bilanz nicht klappt, so lange sind Fehler an den Apparaten 
oder Methoden zu verbessern. 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 215 



Herr Gümbel hielt einen Vortrag : 

„Ueber das Knochenbett (Bonebed) und die 
Pflanzen - Schichten in der rhätischen 
Stufe Frankens." 

Die Untersuchungen über die Grenzgebilde zwischen 
Trias und Lias, mit welchen sich in jüngster Zeit so viele 
Geoguosten in so vielfacher Weise beschäftiget haben , 
geben uns in dem ausseralpinen Gebiete Bayerns — in 
Franken — Veranlassung zur Erörterung eiuer besonders 
interessanten Frage. 

Die Gebilde der triasischen und jurassischen Forma- 
tionen , welche sich in dem grossen Dreieck zwischen der 
rechtsrh ei n i s ch en Urgebirgskette (Schwarzwald und Oden- 
Wald), dem hercynischen Gebirgssystein (Thüringer- 
Wald, Fichtelgebirge und ostbayer. Grenzgebirge) ausbreiten, 
gehören unzweifelhaft ein und demselben Entwicklungsgebiete 
an und lassen demgemäss eine grosse Uebereinstimmung in 
Bezug auf Gesteinsbeschaffenheit, Gliederung und auf die 
Art ihrer organischen Einschlüsse erwarten. 

Dieses Gebiet ist für die jurassischen Formationen, 
für Lias, Dogger und Jura (weissen Jura) fast allseitig 
strenge abgeschlossen und steht nur unter Vermittlung ge- 
wisser Schichten, welche bei Schaffhausen über den 
Rhein treten und südlich fortsetzen, in entfernterer Verbindung 
mit den gleichalterigen Ablagerungen in dem eigentlichen 
Juragebirge und in den Alpen. Daher schliessen sich 
die in diesem engeren Distrikte verbreiteten jurassischen 
Ablagerungen für sich zu einer besonderen Provinz — dem 
schwäbisch -fränkischen Kreise — ab, welche durch 
gewisse Eigenthümlichkeiten in der Beschaffenheit der Stein- 
masse der verschiedenen Stockwerke, Stufen und Schichten, 
durch reichere oder ärmere Entwicklung gewisser Lagen, 



216 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

endlich auch in Bezug auf Fülle und Art der Versteiner- 
ungen ebenso sehr mit den Gebilden innerhalb ihres Gebietes 
Uebereinstimmungen, als sie von den benachbarten jurassischen 
Provinzen, — den alpinen, Jura-nordfranzösischen 
und englisch norddeutschen — deutliche Verschieden- 
heiten zeigt. 

Mit der Trias erweitert sich die Grenze dieses Ge- 
bietes selbst weit über die Linien des vorhin gezogenen 
Dreiecks , so dass wir eigentlich bei diesen älteren Sedi- 
mentgebilden nur von einem grösseren Unterschied zwischen 
alpiner und ausseralpiner Trias zu sprechen pflegen. 
Doch verleugnet sich auch bei den Ablagerungen dieser 
geognostischen Periode die grössere Verwandtschaft in der 
Entwicklung der Schichten an benachbarten Punkten gegenüber 
jener in weit auseinander liegenden Gegenden nicht. Die 
Beschaffenheit gewisser Glieder der jüngsten Trias, des 
Keupers, in Schwaben und in dem unmittelbar ange- 
schlossenen Franken wird hierfür die Belege liefern. 

In Schwaben schliesst der Keuper nach oben gegen 
den Lias, wenigstens stellenweise, mit einem Schichtencom- 
plexe ab, welcher in der neuesten Zeit als einer der wich- 
tigsten und weit verbreitetsten Gebirgsglieder der Sekundär- 
periode erkannt wurde. Es sind diess die Schichten, auf 
welche hier zuerst Bergrath Alberti (Beiträge zu einer 
Monogr. d. bunt. Sandst. Muschelk. und Keupers, Stuttgart 
1834) die Aufmerksamkeit gelenkt hat, indem er in diesem 
von ihm „versteinerungsreichen Sandstein von 
Tübingen" genannten Schichten organische Ueberreste 
eigentümlicher Art nachwies. Dieser praktische Gebirgs- 
Forscher setzte den feinköinigen , harten, gelblichen Sand- 
stein voll von Zähnchen , Knochen und Muscheln bereits 
ganz richtig in das Niveau des obersten Keupers. 

Auch Quenstedt beschreibt diese Grenzbildung gegen 
den höherfolgenden Lias bereits in seinem ,.Flötzgebirge 






Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 217 

Württembergs 1843 S. 110 sehr ausführlich als gelben 
Sandstein, der ganz oben den rothen Thonletten des Keupers 
bedecke und aus einer Reihe äusserst feinkörniger, harter, 
oftmals gefritteter, in mannigfaltigem Wechsel durch gelb- 
graue, aber niemals rothe Lettenlagen von einander geschie- 
dener Sandsteinbänke bestehe. In den untersten Bänken finden 
sich nach seinen Beobachtungen niemals Petrefakten, in den 
oberen Lagen zeichnen sich aber schwarze fassrige Kohlen- 
reste , welche in kleinen eckigen Brocken im Sandstein zer- 
streut liegen , sehr aus , und endlich stellen sich in den 
allerobersten Partieen auch einige Muscheln ein: Modiola, 
Avicula, Myaciten, dickschalig, wie die durch Dr. Ber- 
ger aus der Koburger Gegend bekannt gewordenen Thalas- 
si ten (Cardinia), ferner Knochen, Zähne, Schuppen und 
Koprolithen. Diese Schichten stellte Quenstedt schon 
damals, obwohl sie sehr verwandt mit dem Knochenbett der 
Lettenkohlenbildung seien, gleichwohl bestimmt den in 
Südengland schon 1824 durch Buckland und Cony- 
beare (Transact. geol. Soc. 2 Ser. vol I. p. 301) nachge- 
wiesenen, knochenreichen Schichten gleich, welche man in 
England Bone-bed nannte. 

Dieses richtige Erkennen der Parallelstellung einer 
continentalen und englischen Schicht durch Quenstedt 
und die Gewinnung eines so bestimmt orientirenden Ho- 
rizontes müssen als ein bedeutender Fortschritt in der 
Kenntniss des Sekundärgebirges bezeichnet werden. Denn 
ausser in Schwaben wurde die gleiche Schichtenlage noch 
an zahlreichen Punkten Englands (Strickland, Proc. of 
th. geol. Soc. Vol. III. p. 585 und 732, Vol. IV. p. 17; 
Murchison, Geol. of Cheltenham 1845 p. 54), in Irland 
(Portland in Geol. rep. on Londonderry p. 80) und in 
Frankreich zu Valognes in der Normandie (Defrance, Ann. 
d. 1. soc. Linn. d. 1. Normandie), auch bei Lyon (Leymerie 
in Mem. d. 1. soc. geol. de Fr. Vol. III.) nachgewiesen. 



218 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

In ein ganz neues Stadium trat die Bedeutung dieses 
Schichtencomplexes durch die wahrhaft epochemachenden 
Resultate, zu welchen 1856 Prof. Oppel und Süss, ge- 
stützt auf die Vorarbeiten der österreichischen Reichsgeo- 
logen, namentlich die Frz. v. Hau er 's, dann auf jene 
der Schweizer Gebirgsforscher Escher's v. d. Linth 
und Pet. Merian's, durch Untersuchungen und Vergleich- 
ungen alpiner und ausseralpiner Versteinerungen gelangten, 
indem sie dasBonebed und die begleitenden Muschel- 
bänke Schwabens, Englands und Frankreichs 
für die Aequivalente der in den Alpen an so zahl- 
reichen Punkten nachgewiesenen und wegen ihres Reich- 
thums an charakteristischen Versteinerungen für die Orien- 
tirung höchst wichtigen, sogenannten Kö ssener Schich- 
ten erklärten (Sitz. d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien Bd. 
XXI. S. 535. Juli 1856). Damit war einer der besten, bis 
dahin nur erst ganz spärlich festgestellten Horizonte für die 
Parallelisirung alpiner und ausseralpiner Ablagerungen ge- 
wonnen, dessen Erkennen der geognostischen Erforschung, 
namentlich der Alpen, die schönsten Erfolge sicherte, und 
allerorts zu sorgfältigeren Nachforschungen nach diesen Ge- 
birgsgliedern aufmunterte. 

So kam es, dass innerhalb weniger Jahre diese Grenz- 
schicht nicht bloss ausserhalb der Alpen, in dem Gebiete 
der Entwicklung von vorherrschend sandigen Ablagerungen 
oder in dem extralpinen rhätischen Reiche, wie 
man dieses Verbreitungsbezirk gegenüber dem alpinen 
rhätischen Reiche mit vorherrschend kalkiger Natur 
seiner Gesteine nennen könnte, an unzähligen, bisher unbe- 
kannten Orten, selbst in Norddeutschland gefunden wurde, 
sondern auch, dass dieser Horizont innerhalb der Alpen auf 
beiden Gehängen derselben und in dem grossen Alpenge- 
birgssystem überhaupt von der Schweiz bis nach Ungarn und 
Galizien, neuerlichst selbst bis zum Himalaja sich erweiterte. 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 219 

In den Alpen wächst die Mächtigkeit der zu dieser 
Stufe zu rechnenden Gesteinsbänke häufig bis zu mehreren 
Hunderten, ja Tausenden von Füssen. So gewinnt dieses 
Schichtensystem nicht nur vermöge seiner eigenthünilichen, 
sehr bestimmt gesonderten Fauna, sondern auch durch seine 
sehr grosse Verbreitung ausser- und innerhalb des alpinen 
Gebirgssystemes und ansehnliche Mächtigkeit die Bedeutung 
eines in sich abgeschlossenen geognostischen Ganzen. Aus 
diesem Grunde habe ich 1858 (Amtl. Bericht a. d. XXXIV. 
Versammlung d. Naturf. 1859 S. 84.) den Vorschlag ge- 
macht, diese eigenthümliche Zwischenbildung zwischen Keuper- 
mergel und unterstem Lias mit der Bezeichnung rhaetische 
Stufe, — weil diese Schichten in den rhae tischen 
Alpen am grossartigsten entwickelt sind, — zu belegen 
und als ein gesondertes Glied den triasischen Formationen 
anzuschliessen. Diese Bezeichnungsweise hat sich bereits 
mehrfach der Zustimmung österreichischer und englischer 
Geologen, welche sich derselben bedienen, zu erfreuen. 

Je ausgedehnter der Nachweis der Verbreitung dieser 
interessanten Schichtenstufe in den triasischen Bezirken in- 
nerhalb und ausserhalb der Alpen ist, desto auffallender 
müsste es scheinen, wenn in dem engeren und offenbar zusam- 
menhängenden, schwäbisch-fränkischen Distrikte, obwohl in 
dessen südlichem oder schwäbischem Antheil das Bonebed 
und seine Muschellage so reichlich verbreitet sind, die 
nördlichen Gegenden, d. h. Franken sich dieser Bildung 
nicht zu erfreuen hätten. 

Zwar sind auch in Württemberg nicht allerorts die 
Verhältnisse dieser Schichten die gleichen. Quenstedt 
hebt in seinem „Jura' ; S. 25 bereits die Ungleichartigkeit 
der Entwicklung hervor, indem er anführt, dass der charak- 
teristische gelbe Sandstein nur auf den Bergen, die mög- 
lichst ferne vom Rande der Alpe liegen und auch hier nur 
in der SVV. Hälfte, nicht auf der NO. vorkomme. Dem- 



220 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

nach würde nach NO. , d. h. gegen den fränkischen Bezirk 
zu schon in Schwaben eine sichtliche Verminderung oder 
ein gänzliches Erlöschen der Zwischenbildung eintreten. 

In Franken und in dem angeschlossenen coburgischen 
Gebiete sind seit sehr langer Zeit schon Ablagerungen be- 
kannt , welche ebenfalls zwischen den oberen Lagen des 
Keupers und den tiefsten des hier entwickelten Lias gestellt 
sind. Sie enthalten einige wenige Steinkerne von Muscheln, 
vorzüglich aber sehr zahlreiche und prachtvolle Pflanzen- 
reste, welche ihnen zwar eine grosse Berühmtheit verschafft 
haben, jedoch nicht geeignet schienen, über ihre Einreihung 
in diese oder jene Formation vollgültig zu entcheiden. 

Berger war wohl der erste, welcher (Verstein. der 
Fische und Pflanzen im Sandsteine der Coburger Gegend 
1832) die hierher gehörigen Vorkommnisse wissenschaftlich, 
aber ohne gehörige Sonderung der verschiedenen, über ein- 
ander liegenden Sandsteinbänke beschrieb. Er erklärte 
die betreffenden Schichten für unteren Lias und hob be- 
sonders das Vorkommen der von ihm Thalassides ge- 
nannten Cardinien hervor. (N. Jahrb. von v. Leonh. u. 
Bronn 1833. S. 70.) 

Zunächst später wurden die Pflanzenreste aus der Ge- 
gend von Bamberg in dem unter dem Einflüsse Graf von 
Münster' s entstandenen „Verzeichnisse der Versteiner- 
ungen in der Kreisnaturalien - Sammlung zu Bayreuth" er- 
wähnt und das sie umschliessende Gestein der Keup er- 
Formation zu gerechnet (Vergl. 1. c. S. 86 — 88), wohl 
mit Einschluss einiger unmittelbar aufgelagerten Sandstein- 
Platten, welche die liasischen Asterias lumbricalis be- 
herbergen, aber im Ganzen doch richtig aufgefasst. Diese 
Bamberger Fundstätte bezog sich hauptsächlich auf die 
Steinbrüche von Strulle ndorf, aus welchen der bam- 
berger Gelehrte Dr. Kirchner die prachtvollen Pflanzen- 
reste eifrigst sammelte. 



Gümbel: Knochenbett und Pflansenschi chten Frankens. 221 

Bis dahin scheinen bloss die Steinbrüche bei Bamberg 
mit ihren Pflanzen-führenden Lagen in Franken bekannt ge- 
wesen zu sein. Den vereinten Bemühungen des Grafen von 
Münster und Prof. C. Fr. W. Braun in Bayreuth hat man 
es zu danken, dass wenige Jahre später dieselben und wohl 
noch reichere Lagerstätten an mehreren Punkten in der 
nächsten Nähe von Bayreuth entdeckt wurden. Schon 1836 
schreibt Gr. v. Münster (N. Jahrb. von v. Leonh. u. 
Bronn 1836 S. 509) von diesen neuen Fundstellen und 
ihren schönen Pilanzenresten, von denen ein Theil in Stern- 
berg 's Flora der Vorwelt beschrieben wurde, ohne dass aber 
der Ort genannt wurde. Es war diese neue Fundstelle bei 
dem Orte Theta NO. von Bayreuth. Münster nennt 
auch hier noch die einschliessenden Schichten geradezu 
„Keuper". 

Auch Theodori erwähnte 1840 in seiner für den 
damaligen Stand der Wissenschaften wahrhaft bewunderungs- 
würdigen , durch lithologische Genauigkeit ausgezeichneten 
geognostisch - petrefaktologischen Uebersicht aller Abtheil- 
ungen der Liasformation von Banz (gedruckt bei M. Reindl 
in Bamberg 1840) unter der Abtheilung Keuper 1, 2 
und 3 denselben Schichtencomplex , fügt jedoch unter der 
Bezeichnung 4, Quercites-Sandstein, eine Schichtenlage 
dein unteren Liassandstein hinzu, welche ich nach Unter- 
suchung der Original-Stellen wohl nur für eine Modification 
seiner dem Keuper beigezählten 3. oder Equiseten - Sand- 
stein-Schicht halten kann. 

Dr. C. Fr. W. Braun in Bayreuth gebührt das Ver- 
dienst zuerst in v. Münsters Beiträgen (Heft VI. S. 1 1843) 
den Versuch einer möglichst vollständigen und systematischen 
Beschreibung dieser Pflanzenreste versucht und zugleich 
viele neue, sehr ergiebige Fundstellen in der Nähe von 
Bayreuth ausfindig gemacht zu haben. Er erklärte damals die 
Schichten, welche jene Pflanzen-führenden Thonlagen in kleinen, 



222 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

muldenförmigen, und daher von ihm ,, Oasen" genannten 
Vertiefungen einschliessen, für unteren Liassandstein. 

Auch iu dem nördlichen Franken wurde eine sehr er- 
giebige Lagerstätte in den Steinbrüchen am Lindig bei 
Veitlahm unfern Culmbach entdeckt. Der Rentbeamte 
Welt rieh in Culmbach brachte aus diesem Lager eine 
prachtvolle Sammlung der interessantesten Pfianzenüberreste 
zusammen, von denen auch v. Schauroth (Zeitsch. d. d. 
Geol. Ges. 1852. Bd. IV. S. 542) spricht. Indem dieser 
Forscher das Veitlahmer Pflanzenlager und seine geog- 
nostischen Verhältnisse genau beschreibt, bleibt er unschlüs- 
sig, ob dasselbe eher dem Keuper als dem Lias einzuver- 
leiben sei , obwohl er es für genau identisch mit dem von 
Strombeck (Zeitsch. d. d. geol. Ges. IV. S. 54) als ober- 
sten Keupersandstein bezeichneten Gebilde Norddeutsch- 
lands erklärt. 

Ausführlicher spricht sich derselbe Geognost über diese 
Gegenstände 1853 (Zeitsch. d. d. geol. Ges. V. S. 734) 
aus. Er hält hierbei für diese Pflanzen-führenden Schichten 
(Veitlahm-Theta) an dem Niveau des „gelben Sandsteins 
Quenstedt's in Würtemberg" und des „obersten Keuper- 
Sandsteins v. Strombeck's im Braunschweigischen", also 
an dem Niveau der Bonebedschichten fest, glaubt jedoch 
wegen der mehr der Liasgrenze folgenden Verbreitung des 
Gesteins, gemäss seiner petrographischen Beschaffenheit und 
endlich nach seinen organischen Einschlüssen dasselbe zum 
Lias ziehen zu müssen. 

Die Mittheilungen Pf äff 's (N. Jahrb. 1857. S. 4) 
beziehen sich mehr auf die mittleren fränkischen Bezirke 
und bezeichnen den weissen, dort in zahlreichen Steinbrüchen 
aufgeschlossenen Bausandstein, auch jenen mit pflanzen- 
führenden Zwischenlagen an der Jägersburg, als oberstes 
Glied des Keupers. 

Im Jahre 1858 glückte es mir, die ersten Spuren von 



Günibel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 223 



dem Vorhandensein auch das Bonebed als solches durch 
den Fund eines Sargodon tomicus und zwar gerade in 
den auch durch Pflanzen-Einschlüsse so reichen Steinbrüchen 
von Strulleudorf bei Bamberg über diesen Pflanzenschichten 
und unterhalb des Lias zu constatiren (N. Jahrb. von v. 
Leonh. u. Bronn 1858 S. 550) l ). Ich erklärte demnach 
diesen ganzen Schichtencomplex als ein Aequiva- 
lent der das Bonebed einschliessenden Sandstein- 
Gebilde. Auch Cr edner bezeichnet (N. Jahrb. 1860 S. 314) 
eine Reihe der pflanzenführenden Schichten bei Koburg und 
im nördlichsten Franken über dem bunten Keupermergel 
und unter dem Sandschiefer, Schieferthon und Sandstein, in 
welchem er bei Oberfüllbach einen Ammonites planor- 
bis (A. psilonotus Qu.) entdeckte, als Bonebed- 
Schichten und giebt folgendes Generalprofil der Aufeinan- 
derfolge dieser Gesteinsreihe in Nordfranken. 



E. 


Mittlerer Lias 


Ammonites costatus 


D. 


Obere Gruppe des 
unteren Lias 


dunkelgraue Kalksteine und 

Mergel 

(ß und y Quenstedt's) 


C. 

gegen 30' 
mächtig 


Sandschiefer, Schief er- 
Thon und Sandstein 
(a nach Quenstedt.) 


Cardinia trigona (die sog. 

Coburg. Muschelbank 

bildend) 

Ammonites psilonotus, Lima 

Hausmanni, Asterias lum- 

bricalis, Pentacrinus, Ostrea 

spec. 


B. 
10' „ 


Grauer Thon und 

Schieferthon 

— Bonebed - Thon — 


Cycadeen (am häufigsten 

Zamites brevifolius) SpJie- 

nopteris. 

Clathropteris 


A. 

40' „ 


Gelber Sandstein 
— JBonebed-Sandstein — 


bisweilen mit Pflanzenresten 
Anodonta postera 2 ) 



1) Die Angabe Dr. Schrüfer's in „Ueber Juraform, in Franken 
1861" S. 8 ist diesem nach zu berichtigen. 

2) Mit diesen Anodonta postera ist es eine verhängnissvolle 
[1864. I. 4.] 16 



224 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Keuperniergel. 

Dieses Profil ist für unsere späteren Vergleicliungen 
von grösster Wichtigkeit. 

Dr. C. Fr. Wilh. Braun in Bayreuth hat nach mehreren 
älteren, die Pflanzenreste dieser Stufe betreffenden Arbeiten 
diese neuerlichst wieder aufgenommen. (Die Thiere in den 
Pflanzenschiefern der Gegend von Bayreuth, Schulprogramm 
1859/60 und Sitzungsb. d. k. geol. Reichsanstalt 7. Januar 
1862 Bd. XII. S. 144) Er hält die Stellung des betreffen- 
den Schichtensystemes noch für unentschieden und giebt 
dieser xlnsicht dadurch Ausdruck, dass er die Bildung 
Liaskeuper nennt; wenigstens wählt er zur Artenbezeichnung 
das Beiwort „liaso-keuperinus" sehr häufig. Bezüglich der 
Bildung selbst glaubt er annehmen zu müssen: ,,dass die 
Glieder dieser oberfränkischen Bonebed-Gruppe nicht 
aus Schichten von weiter Verbreitung bestehen, sondern 
mehr örtlicher Natur, auf kleineren Raum beschränkte Er- 
zeugnisse sind, welche nach der Periode des Keuperabsatzes 
und zu gleicher Zeit, als die Bildung der unteren Lias- 
Schichten aus dem nahe gelegenen Meere erfolgte, ent- 
standen." Noch deutlicher spricht sich derselbe Forscher 
über diese vermeintliche Faciesbildung aus : „Der Bonebed- 
Sandstein ohne Bonebed und ohne jede andere Liasmuschel 
tritt nicht unter dem Lias, sondern neben demselben 
auf. Er ist das Landerzeugniss zur Zeit des Absatzes des 



Geschichte. Credner erwähnt sie (1. c. S. 312), wahrscheinlich 
nach mündlichen Angaben v. Schauroth's, als Einschluss der 
sogenannten Gurgenkern-Schichten. Mein sehr verehrter 
Freund erklärte nun aber bei meinem Besuche in Coburg, dass Nie- 
mand eigentlich recht wisse, was die ächten Gurgenkern-Schichten 
seien und dass jener Fund einer unzweifelhaften Anodonta 
p oster a nicht sicher gestellt sei. Darnach fällt Seh ruf er 's An- 
gabe (1. c. S. 6) von selbst weg. 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzern chichten Frankens. 225 

marinischen Lias vom untersten Gliede bis hinauf zu dem 
Posidonien-Schiefer. Die Vegetation der thonigen Einlager- 
ungen in demselben ist jene der Gestade der Liasmeere, 
die Fortsetzung jener des Keupers. Das Pflanzen- 
lager von Theta horizontirt mit dem unteren, jenes von 
Veitlahm bei Kulmbach fällt mit oberem Lias zu- 
sammen." 

Mein verehrter Bayreuther Freund denkt sich mithin 
den Bonebed-Sandstein ohne Bonebed, wie er meint — den 
er lieber Palissyen-Sandstein (wegen der häufigen 
Einlagerung der Palissya JBrauni Endl.) nennen möchte — 
als eine blosse Facies des gesammten Lias. Ich bedauere 
dieser geistreichen, aber nicht auf direkte Beobachtungen 
gegründeten Theorie nicht zustimmen zu können, weil, wie 
ich in den folgenden zahlreichen Profilen unzweideutig nach- 
weisen werde, überall durch ganz Franken der Lias in 
seiner Ganzheit, in welcher er überhaupt hier entwickelt ist, 
normal über und nur in Folge von Dislokationen und 
Schichtenneigungen neben dem sog. Palissyen - Sandstein 
lagert. Die Braun'sche Ansicht sehen wir von einem dank- 
baren Schüler Braun' s Herrn Dr. Popp fast wörtlich 
wiederholt. 

Ich wende mich nun zur näheren Erörterung der Dop- 
pelfrage: 1) giebt es in Franken wirklich eine 
Schicht, welche das Bonebed vertritt, und 2) 
dürfen die pflanzenführenden Gebilde über dem 
buntfarbigen Keuperlettenschiefer Frankens als Aequiva- 
lente der das Bonebed begleitenden Gesteins- 
Lagen angesehen werden. 

Wenn wir absehen von dem keineswegs unzweifelhaft 
verbürgten Vorkommen der für das Bonebed sehr charak- 
teristischen Anodonta postera, welches Credner, wie früher 
angeführt wurde , erwähnt , so ist bis jetzt in dem ganzen 
Schichtencomplexe, welchen man fast einstimmig wegen 

16* 



226 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

seiner dem Bonebed gleichen Lagerung zwischen dem ober- 
sten bunten Keuper und den tiefsten Liasgliedern als dessen 
Vertreter annimmt, kein einziger Ein- oder Zweischalerein- 
schluss nachgewiesen. Anders verhält es sich mit Knochen- 
oder Zahnresten. Es ist bereits auf den Fund eines Sar- 
godon tomicus in dem Steinbruche von Strullendorf hinge- 
wiesen worden. Bei einem Besuche derselben Steinbrüche 
im Sommer 1863 kam ich gerade zur Zeit dahin, wo durch 
Abräumung behufs Gewinnung des tiefer liegenden Bausand- 
steines die Schichtfiäche auf einen bedeutenden Raum bloss- 
gelegt und durch Regengüsse rein gewaschen war. Bei dieser 
günstigen Gelegenheit entdeckte ich nun in der gleichen 
Lage, aus der Sargodon tomicus Plien. stammt , noch zwei 
sehr bezeichnende Bonebedspecies : 

Ceratoclus cloacinus Qu. 
Hybodus cloacinus Qu. 
in einer von Eisenoxyd durchdrungenen Sandsteinlage zu- 
gleich mit einer Cardinia als Steinkern, die zwar kaum 
eine ganz sichere Bestimmung zulässt, jedoch nach dem 
Steinkorn und seinem Abdruck beurtheilt der von Martin 
beschriebenen Cardinia acuminata am nächsten zu stehen 
scheint. Sie wird als Cardinia cf. acuminata in der Folge 
bezeichnet werden. 

Ganz gleiche Cardinien hatte ich früher schon an vielen 
Punkten unmittelbar über dem Bausandstein — immer ver- 
einzelt und nicht dicht aufeinander gehäuft, wie in der 
höher liegenden sogenannten Coburger Muschelbank — 
getroffen und als ein Zeichen angesehen, dass diese Schicht 
bereits dem eigentlichen Lias angehöre. Dieser Fund mit 
unzweifelhaften Bonebed -Knochen und ein zweiter in dem 
Steinbruche bei Witzmannsberg zwischen Sesslach und 
Coburg, wo ganz dieselbe Form der Cardinia cf. acumi- 
nata mit einem ebenfalls sehr charakteristischen Bonebed- 
Zahn (Termatosaurus Albertii Plien.) zusammen sich findet, 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 227 



und endlich die Mittheilung meines Freundes Prof. Oppel, 
dass ganz ähnliche Cardinien auch dem schwäbischen Bone- 
bed nicht fremd seien, lässt diese Form der Cardinia, die 
allerdings von den höheren, folgenden des eigentlichen Lias 
abweicht, als charakteristische Begleiterin der Bonebedschicht 
in Franken erscheinen. 

Durch diese Sicherstellung des Bonebed-Niveau's in den 
Steinbrüchen bei Strullendorf gewinnen die dort aufgeschlos- 
senen Profile erhöhte Bedeutung, wesshalb ich sie hier mit- 
theilte und zwar, um das Schwankende der Grenzgebilde 
selbst in den unmittelbar aneinander stossenden Lagen zu 
zeigen, in drei in dem Thiergartenholz daselbst beisammen- 
liegenden Steinbrüchen : 

Profil A. 

I. Steinbruch d. Wedel.lII. Steinbruch d. Bader. \III. Steinbruch d. Sauer. 





Oberfläche. Oberfläche. 


1) 


3'm: gelber, ockriger, sehr feiner, dünn- 
bankig geschichteter, selten dickbankiger 
weisser Sandstein mit Ostrea sublamel- 
losa, Panopaea cf. Dunheri, Cardinia 
laevis, Tancredia securiformis, Cardium 
Philippicmwm und in ziemlich reich- 
licher Menge kleinen Fischzähnchen von 
Hybodus, wie auf der westlichen Thal- 
Seite Bamberg's an der Altenburg und 
auf dem Michelsberge ober dem Roth- 
hofe. 


2) 


3'in : graublauer Let- 
tenschiefer mit weis- 
sen, festen Sandstein- 
Platten mit Cardinia 
laevis 


5'm : blaugrauer, 
gelbgestreifter Let- 
tenschiefer, oft mar- 
morirt. 


3) 


2 'in: grauer, eisen- 
schüssiger Letten- 
Schiefer mit Eisen- 
Schwarten- u. -Geo- 
den und sandigen 
Zwischenlagen. 


6'm: gelbgrauer Let- 
tenschiefer mit san- 
digen Thonzwischen- 
lagen und zahl- 
reichenEisengeoden. 



228 



Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 



4) 



1 li / m : Eisenschwarte 
und gelber Sand- 
stein. 



1 1 l2'm : Gelber dünn- 
schichtiger Sand- 
stein , unten voll 
kugliger Concretio- 
nen mit Cardinia. 



Oberfläche. 
5) 3'm : grobkörniger, 
gelblicher Sandstein, 
meist locker gebun- 
den mit einzelnen 
Pflanzensteugeln = 
Bonebed. 



Bouebed. 



— lVzm: Eisen- 
schüssige, oliven- 
grüne bis gelbe, ge- 
fleckte, thonigeLage 
voll grober Sand- 
Körner mit Sargo- 
don tomicus Plien. 
Ceratodus cloacinus 
Qu. Hybodus cloac- 
cinus Qu. und Car- 
dinia cf. acuminata 
Mart. 



Bonebed. 

3 — 4"m: rauhe 
Sandstein-Schwarte , 
durchZersetzung von 
Schwefelkies eisen- 
schüssig und mit 
weissen Geoden und 

Fisch-Zähnchen 
neben Cardinia cf. 

acuminata Mart. 



6)2 1 /2 — 10'm: oben 
grünlich grauer Let 
tenschiefer , nach 
unten übergehend in 
grauen,oftröthlichen, 
zuweilen intensivroth 
und grüngestreiften 
Lettenschiefer , sehr 
wechselnd mächtig , 
die Unebenheiten der 
Unterlage ausfüllend. 



Unebener Wellen 

Boden mit grauem 

Thonüberzug. 



Welliger 



unebener 
Boden mitüeberzug 
grauen Thon's. 



7) x jt — 3'm: meist 
dünnschiefriger, stel- 
lenweise geschlossen- 
bankiger (zu Baustei- 
nen brauchb.), gelber, 
in's Olivenfarb. über- 
spielender , stellen- 
weise sich ganz aus- 
keilender Sandstein 
mit einzelnen rohen 
Pflanzenstengeln. 



2'm: rauher eisen- 
schüssiger Sandstein 
mit weissen, harten 
Geoden, Schwefel- 
Kiesputzen,einzelnen 

Pflanzenstengeln 
und grossen Saurier- 
knochen. 



V — 8'm : intensiv 
gelber, auch weisser, 
blasiger , schwefel- 
kieshaltiger Bau- 
sandstein mit ein- 
zelnen grossen, meist 
quer durchziehenden 
rohen Pflanzen- 
stengeln. 



Gümbel: Knochenbett und Pflamenscliichten Frankens. 229 



8) l'm: stellenweise 



6'm : grauer, oft in's 



Röthliche spielender 
Lettenschiefer voll 
Pflanzenreste ; stel- 
lenweise sich aus- 
keilend. 



sich ganz auskeilende 

Bank fetten , grauen 

Lettenschiefers mit 

den bekannten Strul- 

lendorfer Pflanzen- 
resten. 
Haupt -Horizont des fränkischen Pflanzenlagers. 



6'm: fetter, grauer 
oder röthlicher Let- 
tenschiefer mit 
schwarzen Zwischen- 
lagen von Pflanzen- 
resten. 



9) 15 — 20'm: oben 
in gelbe Sandstein- 
Schiefer übergehen- 
der, nach unten sehr 
fester, meist weisser, 

stellenweise auch 
gelblicher, feinkör- 
niger Bausandstein. 



lS'in: oben: Sand- 
Stein mit thonigen 
Streifen, nach unten 
weisslicher Bausand- 
stein, in der Mitte 

mit einer durch 
eisenhaltige Putzen 

getigerten Bank. 



18'— 20'ni: oben 
unregelmässig ge- 
lagerter, unten 
schöner,feiner,weiss- 
licher Bausandstein. 



10) Gemeinschaftliche Unterlage: Grauer und intensivrother 
Keuperlettenschiefer. 

Zu diesem Profile ist nur Weniges als Erläuterung 
hinzuzufügen. Die Schichten mit der Panopaea cf. BunJceri 
und den sonstigen, dieser Stufe angehörigen Versteinerungen 
orientiren uns, wie später gezeigt wird, über den Horizont 
des tiefsten Lias. Ich muss gleich hier Veranlassung nehmen, 
auf einen Umstand aufmerksam zu machen , der zu Miss- 
verständnissen führen könnte. Es finden sich nämlich in 
den Angulatenschichten und tiefer im ganzen nördlichen 
Franken sehr häufig Fisch- und Saurier- Zähne, 
welche allerdings mit jener des ächten Bonebed verwandt, 
jedoch nicht identisch sind. Ich halte es nicht für über- 
flüssig zu bemerken, dass ich ihre Lage und Schichten 
sehr wohl von tiefer liegenden (Bonebed) unterscheide 
und eine Verwechselung beider um so weniger zu be- 
fürchten ist, als nach umfassenden Vergleichungen beide 
Faunen strenge geschieden sind. Durch die Güte des 
Herrn Vorstandes der naturforschenden Gesellschaft in Bam- 
berg Dr. Küster, für dessen freundliche Unterstützung ich 



230 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

hier meinen herzlichen Dank auszusprechen, gerne Veranlas- 
sung nehme, sowie durch eigene, zahlreiche Aufsammlungen 
war ich in den Stand gesetzt, mir diese Ueberzeugung zu 
verschaffen. 

Sehr bemerkenswerth ist die Schicht 6. Diese Schicht 
ist durch die intensive rothe, dem Keuperletten höchst ähn- 
liche Färbung, welche sie allerdings nur stellenweise an- 
nimmt — denn meist ist der Lettenschiefer grau oder gelb- 
lichgrau — ausgezeichnet und spricht, da sie oberhalb des 
weissen Bausandsteins und der pflanzenführenden Schiefer 
liegt, durch diese Analogie mit dem bunten Keuper zu 
Gunsten der Zurechnung der letzteren zu den triasischen 
Formationen. 

Ein zweiter Steinbruch, in welchem die Bonebed-Schicht 
direkt nachgewiesen werden konnte, findet sich weiter N. 
von Bamberg zunächst bei Witzmannsberg zwischen 
Sesslach und Coburg. Das dort in dem Steinbruche ent- 
blösste 

Profil B. (Witzmannsberg.) 
zeigt folgende Einzelschichten: 

Oberfläche: Krume. 

1) Grobkörniger, sehr stark eisenschüssiger, 
etwas kalkiger Sandstein, nach dem benach- • 
bart beobachteten, völlig gleichen Gestein 
mit Arieten und Gryphaea arcuata orientirt, 

= Arietensandstein 3'm: 

2) Gelber Lettenschiefer, stark zersetzt 2'm: 

3) Gelber, oft ockriger, lockerer, oft fester 
feinkörniger Sandstein in dünnen Bäuken 
geschichtet mit Ammonites angulatus, Lima 
pectinoides, Astarte pusilla, Pentacrinus an- 
gulatus , Chemnitzia Zitikeni , Anomya pel- 

lucida. 7'ni : 



Günibel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 231 

4) Grauer und gelblicher Sandsteinscliiefer mit 
Fucoiden. 5'm : 

5) Oben intensiv gelber Lettenstreifen, darunter 
grauer Lettenschiefer mit Zwischenlagen von 
Eisengeoden und eisenreichen, wohlgeschich- 
teten Bänken mit Cardinia laevis 15'm: 

6) Feiner, gelber, sehr dichter Sandstein in 
grossen Gesteinslinsen mit Panopaea cf. 
DunJceri 0— lVm: 

7) Gelber Lettenschiefer mit weissen, harten 

Geoden und Schwefelkiesputzen 3 /4'in: 

8) Grobkörniger, sehr kieseliger Sandstein mit 
zahlreichen, durch Auswitterung kaolinhal- 
tiger Substanz und des Schwefelkieses ent- 
standenen blasenähnlichen Höhlungen, mit 
kohligen, grossen Pflanzen-Stengeln, vielen 
Steinkernen der Cardinia cf. acuminata Mart. 
von der charakteristischen Form und mit 
zahlreichen, meist ausgewitterten Knochen- 
Theilchen, deutlich erkennbar Termatosaurus 

Älbertii Plien: — Bonebedschicht. — 1 /b — */afäi: 

9) Graue thonige und thonigsandige Schichten 
von ungleicher Mächtigkeit, putzenartig aus- 
gebildet voll Pflanzenreste. — Fränk- 
isches Pflanzenlager — — 3'm: 

10) Fester weisslicher, oft gelblicher Bausand- 

stein 20'm: 

11) Bunter Keuperletten : Liegendes. 

Ein Blick auf das früher gegebene Profil lehrt die 
grosse Uebereinstimmung in der Aufeinanderfolge der ver- 
schiedenen Schichten. Von ganz merkwürdiger Gleichförmig- 



232 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

keit und Eigenthümlichkeit ist die Schicht 8 , so dass es 
unter sonst übereinstimmenden Umständen nirgends im 
nördlichen Franken schwer wird, diesen Horizont aufzu- 
finden. 

Den zwei voranstehenden Profilen soll hier ein drittes 
angefügt werden , welches uns mit der relativen Lage eines 
interessanten Ammoniten des Ammonites Johnstoni (Stellver- 
treter des Amin, planorbis) bekannt macht. Es ist der 
Durchschnitt, den die Steinbrüche auf dem Krappenberg 
bei Lichtenfels liefern. 

Profil C. (Krappenberg.) 
Waldboden — Oberfläche. 

1) Grauer Schieferthon mit Sandsteinzwischen- 
Lagen voll Ostrea sublamellosa , Tancredia 
securiformis, Lima pectinoides Area hettan- 

giensis und Ammonites angulatus 3'm: 

2) Welliggebogener, feiner, gelblicher, quarziger, 
sehr fester Sandstein mit Chemnitzia Zinkeni, 
Area Terquemi, Astarte spec, Mytilus mi- 

nutus Panopaca spec. ^'m: 

3) Grauer Lettenschiefer, unten mit einer starken 
Brauneisensteinlage Va'm: 

4) Ockriger, gelber feiner Sand und Schiefer, 
oft sich auskeilend, sehr fein, oft quarzig mit 
Tancredia securiformis in Unzahl, Hybodus 

sp. Ostrea sublamellosa, Cardina laevis — l'm: 

5) Gelber feiner, manchmal weisslicher Sand- 
stein, oft anschwellend, oft an Mächtigkeit 
sich vereinigend mit Ammonites Johnstoni, 
Ostrea sublamellosa Durik., Cardinia Listeri, 
Cardium Philippianum, Lima cf. tecticosta 
Rolle, Lepidotus spec. in grösster Häufigkeit 



Giimbel: Knochenbett und Pflanzenscliichten Frankens. 233 

aber eine höchst charakteristische Panopaea 
ähnlich Dwikeri Terg. und ein PleuropJwrus 
ähnlich elongatus Moore und Inoceramus 
Weissmanni Opp. — 2'm; 

6) Grauer Schieferthon 3'mi 

7) Eisenschwarte und feiner weisser Sandstein 
voll kleiner Steinkerne, die unbestimmbar 

sind, unten mit einer Thonlage abschliessend, 4"m : 

8) Durch Zersetzung von Schwefelkies rostfar- 
biger, sonst weisser, grobkörniger, sehr 
kieseliger Sandstein voll Höhlungen z. Th. 
von Knochentheilen herrührend = Schicht 

A, 5) und B, 8) und mit Kohlenputzen l'm: 

9) Grauer Lettenschiefer voll Pflanzenreste, oft 
sandig, in einen schiefrigen Sandstein über- 
gehend, auch röthlich gefärbt. (Flora der 
Palissyen-Schichten.) — 3'm : 

10) Weiss, gelbstreifiger, ziemlich feinkörniger, 
zuweilen grobkörniger Bausandstein 12'm: 

11) Rother Keuperlettenschiefer 

Daran reiht sich unmittelbar das Profil bei 0. Füll- 
bach, unfern Koburg, aus welchem Credner (c. c. S. 313) 
das Vorkommen eines Ammonites psilonotus == A. planor- 
bis anführt. Ich war nicht so glücklich, hier die charak- 
teristischen Ammoniten , die überhaupt äusserst selten sind, 
wieder zu finden , konnte jedoch durch die begleitenden, 
organischen Einschlüsse deren Horizont feststellen. Ich fand 
(Sommer 1853) daselbst folgendes Profil aufgeschlossen. 

Profil D. bei 0. Füllbach. 
Oberfläche — Ackerkrume. 
1) Sehr eisenschüssiger, grobkörniger Sandstein, 



234 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

oft kalkig unzersetzt grau, oberhalb des 
Ortes in gleichem Horizonte mit Gryphaea 
arcuata = Arietenbank l^'m: 

2) Gelber lettiger Schiefer mit sandigen und 
eisenreichen Zwischenlagen 7'm: 

3) Eisenreiche, kalkige Sandsteinbank, durch 
Mangan blauschwarz und ockergelb, voll 
Ammonites angidatus, Ostrea irregularis, 0. 
sublamellosa, Lima punctata, L. pectinoides 

Area pulla, Pentacrinus angulatus 2 1 /2 / ni: 

4) Sehr gelber, eisenschüssiger, lettiger Schiefer 
auf den Schichtflächen voll zopfähnlicher 
Zeichnungen und mit Fucoiden 2'm: 

5) Graugelber, lettiger Schiefer mit Eisenstein- 
Geoden und knolligen Lagen mit Fucoiden 

und Asterias lumbricdlis Gdf. 10'm : 

6) In zwei Bänken eisenhaltiger , gelblicher , 
harter Sandstein mit : Panopaea cf. Dmikeri 
(sehr charakt. cf. Prof. C; S.) Cardinia 
Listeri, Cardinia laevis. , Pleurophorus cf. 
elongatus , Ostrea sublamellosa, also Bett 
des Ammonites Johnstoni oder planorbis! 

7) Graugelber Lettenschiefer 2"m : 

8) Grobkörniger eisenreicher Sandstein, ähn- 
lich wie Schicht 6) Vz'ni : 

9) Dünnschichtiger, thonig glimmeriger, grau- 
gelber Sandstein mit thonigein, Eisengeoden 
umschliessendem Lettenschiefer Ö^s'm: 

10) Graues dünnschichtiges, sandiges Thonlager 

mit groben Sandkörnern und Schwefelkies 3 /4'm: 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 235 

11) Weisslicher , grauer, stellenweise intensiv 
rother 'oder rotligeflaninater Lettenschiefer 
mit Zwischenlagen von eingesprengten, groben 
Sandkörnern und mit vielen durch Zersetzung 
porösen Thonlagen ; durch Verwitterung 
plastisch = A 6), B 9) und C 9); mit 
spärlichen Pflanzenresten 8'm : 

12) Weisser Thonsandstein in dünnen Bänken, 
oben mit einer Eisenschwarte , nach unten 
übergehend in ^'m: 

13) Grossbankigen , weisslichen und gelblichen 
Bausandstein 45'm : 

14) Rothe und buntscheckige Keuperletten. 

Im Dorfe 0. Füllbach stehen dieselben Schichten an, 
namentlich ist die Arietensandsteinbank sehr charakteristisch 
ausgebildet. Darüben folgen an der Strasse nach Klein- 
Garnstadt in unzweifelhafter Uebereinanderlage die sämmt- 
lichen Liasstufen, zuerst die hellgrauen Mergel des mittleren 
Lias mit ihren flachen Kalkbänken voll Belemnites paxil- 
losus und mit Ammonites Davoei über 35'm, dann der 
Amaltheenthon, nach oben grau mit geodenartigen, 
grauen, in's Röthliche spielenden Trümmerkalken voll Am- 
monites spinatus in einem über 120' mächtigen Schichten- 
Complexe. Die drauffolgenden Posidonomyenschichten sind 
hier vorzüglich durch Monotisplatten vertreten mit auf- 
fallend grosser Monotis. Die noch höher liegenden Ba- 
diansscJiichten zeigen sich merkwürdig reich an Belemnites irre- 
gularis, Ammonites Aalensis und A. radians. Am Kreuz- 
wege auf der Höhe sind sie noch schliesslich von Opa- 
linusthon bedeckt, dessen weisse Schalenreste sogleich 
in's Auge fallen. Höher ist der Dogger hier nicht entwickelt, 
nur etwas weiter 0. fand ich auf dem Eichberg zwischen 
M. Wasungen und Plesten auch den Eisensandstein (Stufe 



236 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

•des Ammonites MurcMsonae) darüber ausgebreitet. Einen 
günstigen Platz zum Sammeln der hier prächtigen Ver- 
steinerungen bieten bei Wasungen in den Wasserrissen die 
Costatenschichten. 

Schon dieses einzige Profil genügt, die Unhaltbar- 
keit der Theorie unzweifelhaft darzulegen, nach welcher 
die pflanzenführenden Schichten Frankens eine Bildung 
neben, nicht unter dem Lias wären. Aber hunderte 
von Profilen beweisen die unzweideutige Aufeinanderfolge 
sämmtlicher Liasstufen über der triasischen Grenzbildung. 
Die einzelnen Steinbrüche schliessen diess freilich nicht voll- 
ständig auf, aber eine geognostische Begehung der nächsten 
Umgebung giebt uns in der Regel volle Aufklärung. Ich 
will nur noch ein Profil erwähnen, das, durch seine schönen 
Aufschlüsse und durch die rasche Aufeinanderfolge der ver- 
schiedenen Stufen ausgezeichnet, fast mit einem Blicke den 
ganzen über einander geordneten Aufbau erkennen lässt. Es 
findet sich dieser Aufschluss bei dem Orte Kirch lein von 
der Thalsohle bis zur Höhe des Reinbergs (NO. von 
-Burgkunstadt und NW. von Culmbach). 

Profil E. (Kirchlein-Reinberg.), 
Höhe des Reinbergs: Eisensandstein. 

1) Opalinusthon 180'm: 

2) Radiansmergel 15'm: 

3) Posidonomyenschiefer mit vielen Monotis- 

Platten 60'in : 

4) Blaugraue Mergel und Trümmergeodenkalk 

voll Ammonites spinatus 105'm: 

5) Lichtgraue Mergel mit Ammonites marga- 

ritatus 10'm: 

*6) Graue und gelbliche Mergel, unten meist 
blaugrau mit Eisengeoden, in der Mitte mit 



Gümbel: Knochenbett und Pßanzenschichten Frankens. 237 

kleinen Kalkknöllchen, oben lichtgrau mit 
einzelnen Bänken fleckigen Mergelkalkes mit 
Ammonites ßmbriatus, Plicatula spinosa, 
Terebratula numismalis, Spirifer verrucosus 
etc. = Numismalis Stufe 47'm: 

7) Arietensandstein mit Gryphaea arcuata 3'm: 

8) Ziemlich grobkörnig gelber Sandstein 4'm : 

9) Feinster, dünnschichtiger, gelber, eisenschüs- 
siger Sandstein mit Ammonites angulatus 3'm : 

10) Feiner hellfarbiger , dünnplattiger Sandstein 

mit Cardinia laevis iVa'm: 

11) Gelber lettiger Thon %'m: 

12) Eisenschüssiger gelber Sandstein 3 /4'm: 

13) Eisenschwarte als Decke l"m: 

14) Dünnschichtiger Sandstein, gelblich weiss mit 
lichtgranem Lettenschiefer voll Pflanzen- 
reste 4'm : 

15) Knolligklotziger, gelber, grobkörniger, luckiger 
Sandstein mit Pflanzenstengeln (Bonebedlage) 2'ni : 

16) Grauer Lettenschiefer voll sehr guterhaltener 
Pflanzen des fränkischen Pflanzenlager's 3'm : 

17) Bausandstein bis zur Thalsohle anstehend. 

Aber selbst in den allermeisten Steinbrüchen am N. 
und W. Rand der fränkischen Alb (nicht so am östlichen), 
gehen die Aufschlüsse im Abraum mindestens bis in die 
A ngulatuss chichten, mehrfach bis in die Arieten- 
Sandbank. Wohl sind die Zwischenschichten zwischen 
den Angulatenbänken und dem Bausandstein sehr wechselnd 



238 Sitzung der matli.-pliys. Classe vom 7. Mai 1864. 

zusammengesetzt, verschieden mächtig und unbeständig in 
der horizontalen Ausbreitung, selbst in ein und demselben 
Steinbruch. Dadurch verwischt sich das einheitliche Bild, 
das man sich für eine bestimmte Gesteinsstufe zu machen 
pflegt, allerdings leicht. Aber diese Stufen sind doch immer 
vorhanden, wenigstens angedeutet. 

Aus den zahlreichen Aufschlüssen, die ich in den Stein- 
brüchen des nördlichen Frankens untersucht habe, will ich 
nur noch zwei hervor heben, welche sich durch den Reich- 
thum der Schichtenentwicklung oder ihrer organischen Ein- 
schlüsse vor den übrigen auszeichnen. 

Das eine Profil schliesst ein Steinbruch am Mainthal- 
rande zwischen Ober- und Unterbrunn, Ebensfeld gegen- 
über auf. 

Profil F. (Oberbrunn.) 
Oberfläche : Ackererde. 

1) Grünlicher lettiger Schieferthon ohne Ver- 
steinerungen 10'm : 

2) Arietensandsteinbank, oben mit 5"m: 
Lage leberbraun oder graulich grünen 
Thones voll grosser Quarzkörner, darunter 
2 1 /2 / m: dünngeschichteter, blaugrauer, durch 
Verwitterung ockerfarbiger Sandkalk mit 
Gryphaea arcuata, getrennt durch eine 2"m : 
gelbe Thonlage von der 3 /4'm : unteren 
Bank eines gelben, ockerfarbigen, unver- 
wittert dunkelblaugrauen Kalkes voll grober 
Sandkörner mit Arteten 3*/2 — 4'ni: 

3) Versteinerungsleerer, grauer Schieferthon 3'm: 

4) Sandsteinbank mit unterlagerndem gelblich- 
grauem Schieferthon und braungelbgefärbten, 
ockrigen, sandigen Zwischenbänken erfüllt 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 239 

von den Versteinerungen der Angulatus- 
Schichten Ammonites angulatus, Lima 
pectinoides, Area Hettangiensis , Cardium 
Philippianum 2 X J2 'm : 

5) Eisenschüssige, dicht mit Cardinia laevis er- 
füllte Muschelbank ^i'm.: 

6) Gelber Schieferthon mit sandigen Zwischen- 

Lagen 3'm: 

7) Weisslich gelber, feiner, gelbpunktirter, fester 
Sandstein mit einer Lettenzwischenlage in 
zwei Bänken mit Ostrea sublamellosa, My- 
tilus Morrisi, Lima cf. pectinoides, Ger- 

vellia cf. Hagenowei, Panopaea cf. DunJceri 2'm: 

8) Grünlichgrauer Schieferthon 8'in: 

9) Grünlich grauer Schieferthon und Letten mit 
eisenhaltigen Zwischenlagen und Eisenstein- 
Geoden, voll von Fucoiden, Ostrea subla- 
mellosa und Cardinia laevis 12'm : 

10) Grünlich grauer, schiefriger, sandiger Thon 
mit glimmerigen Sandstein-Zwischenschichten 

voll Fucoiden lV^'m: 

11) Grauer, sandiger Schieferthon 3 li'm: 

12) Gelber, eisenschüssiger grobkörniger Sand- 
stein, luckig, porös mit zahlreichen Hohl- 
räumen von ausgewitterten kleinen Muscheln 

und Schneckchen herrührend — Bonebed — ^s'm: 

13) Hellgrauer, fetter, durch Zersetzung pla- 
stischer Thon voll Pflanzentheilchen 4'm : 

14) Grobkörniger Sandstein mit querdurchzie- 
henden Pflanzenstengeln 16'm: 

[1864. I. 4.] 17 



240 Sitzung der math.-pliys. Classe vom 7. Mai 1864. 

15) Weisslich grauer, etwas röthlicher, selten 
schwärzlicher Schieferthon mit der Flora der 
fränkischen Palissyenschicht 

16) Weisslicher und gelblicher Bausandstein 30'in: 

17) Schwärzlicher, darunter gelber und rother 
Keuperletten. 

Der andere Steinbruch, welcher besonders reiche An- 
gulatenschichten über dem Bausandstein aufschliesst , liegt 
an dem Thalgehänge zwischen Lauf und Sassendorf im 
sogenannten Buchholz N. von Bamberg. 

Profil G. (Lauf- Sassendorf.) 
Oberfläche : Waldboden. 

1) Grobkörniger Arietensandstein l^a'm: 

2) Graugelber bis grünlichgrauer Lettenschiefer 
mit eisenschüssigen und ockrigen Zwischen- 
lagen voll von Ammonitcs angulatus, Amm. 
spiratissimus , Pentacrinus angulatus, Car- 
dinia laevis, C. exigua, Anomya pellucida, 
Astarte pusilla, A. obsoleta,Arcapulla, Lucina 
problematica, Panopaea Oalathea, P. Dun- 
Jceri, Ostrea sublamellosa , 0. ungula, Pli- 
catula Hettangiensis , Turritella Dunkeri, 
Acteonina fragilis, Cerithium gratum, Pleu- 
rotomaria polita, Neritina canabis, Denta- 

lium Andleri, Ichthyosauruszähnen 3'm: 

3) Gelblicher, sehr fester quarziger, dünn- 
schichtiger Sandstein mit Lima gigantea, 
Avicula Deshayesi, Cardinia exigua, Ostrea 
sublamellosa, Leda Benevieri , Tancredia 
securiformis , PUcatula Hettangiensis, Tur- 
ritella Dunkeri, Chemnitzia Zenkeni 2 / rn : 



Gümbel: Knoclienbett und Pflanzenschichten Frankens. 241 

4) Dünnschichtiger, sehr feiner, gelblicher, nicht 
sehr harter Sandstein mit Panopaea cf. 
Dunkeri 5'm: 

5) Grauer, wohlgeschichteter Lettenschiefer mit 
Zwischenlagen von Eisengeoden und eisen- 
reichen Lagen 15'm: 

6) Grünlich grauer, fleckiger Thon mit groben 
Sandsteinlagerungen und mit weissen Geoden 
voll Schwefelkies- und Kohlenputzen, unten 
sehr grobkörnig und luckig — Bonebed- 

Lage — l 3 /4'm: 

7) Gelblich weisser Bausandstein voll schief 

und aufrecht stehender Pflanzenstengel 4 / m: 

8) Dünnschichtiger Sandstein mit thonigen 
Zwischenlagen und grauem bis röthlichem 
Lettenschiefer voll von Pflanzenresten — 
Oberfränkisches Pflanzenlager — l^'m: 

9) Fester weisslicher, oft gelblicher Saudstein 
nur 6' aufgeschlossen, soll im Ganzen 20'ni 
mächtig sein. 

Durch vorstehende Profile glaube ich , wenn auch nur 
für einen kleineren Bezirk bei und zunächst N. von Bam- 
berg, nachgewiesen zu haben: 

1) Dass auch in Franken eine wirkliche Bonebed- 
Schicht vorhanden ist. 

2) Dass die mit und hauptsächlich unmittelbar unter 
diesem orientirenden Horizonte gelagerten, weissen und 
gelben Sandsteine stets über buntein Keuperletten, also 
in absolut gleichem, geognostischen Niveau mit den 
schwäbischen Bonebed-Schichten, ihre Stelle ein- 
nehmen. 

3) Dass die innerhalb dieses Schichtencomplexes auf einem 

17* 



242 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

oder zwei thonigen Zwischenlagen vorkommenden 
Pflanzen-führenden Schiefer mithin als ein Zeitäqui- 
valent der in den Bonebedschichten entwickelten 
Ablagerungen betrachtet werden müssen. 
4) Durch die unmittelbare Ueberlagerung der Bone- 
bed- und Pflanzen-führenden Schichten durch 
die Gebilde der drei untersten Liasstufen, 
nämlich der Stufe des Ammonites Johnstoni (oder A. 
planorbis), des Ammonites angulatus und der Arieten- 
ammoniten, welche selbst in ein und demselben Stein- 
bruche über einander entblösst sind, ist festgestellt, 
dass die oberfränkischen Pflanzenschiefer nicht 
als eine Faciesentwicklung des Gesammten- 
lias in einer Lagerung neben denselben be- 
trachtet werden können. 

Um nun für diese Folgerungen die allgemeine Gültig- 
keit innerhalb des ganzen nordbayerischen Keuperbezirks 
zu gewinnen, wird es nöthig sein, dieselben Grenzschichten 
längs ihrer Gesammtausbreitung zu verfolgen. 

Ich beginne meine Erörterung über diesen Gegenstand 
mit der Schilderung der Verhältnisse im äussersten SW. 
da, wo die Grenzgebilde aus Schwaben in ihrem NO. Ver- 
laufe zunächst nach Bayern herüberstreichen und werde ver- 
suchen, sie von da an am Fusse des fränkischen Albgebirgs 
im W., N. und 0. bis in die Gegend von Regensburg ver- 
folgend, ihre Eigentümlichkeiten zu beschreiben. 

Im äussersten Südwest begegnet man zuerst den Grenz- 
gebilden zwischen Keuper und Lias diesseits der bayerischen 
Grenze an und um den Hesseiberg bei Wassertrüdingen. 
Natürliche Aufschlüsse auf dieser Grenze trifft man in dem 
Orte Opfenried (Hohlweg im Orte bis zu den Stein- 
brüchen an dem Wege nach Röckingen), unterhalb des 
Ortes Dambach und in Beyerberg. Viel vollständigere 
Aufschlüsse jedoch gewährte der Versuchsbergbau, welcher 



Gümbel: Knochenbett und Pßanzenschicliten Frankens. 243 

in den letzten Jahren hier zum Zwecke der Gewinnung von 
Schwefelkies geführt wurde. 

Zunächst bei dem Dorfe Dambach wurden 2 Schächte 
auf das Schwefelkieslager abgeteuft. Mit diesen wurden 
durchsunken : 

Profil H. Dambach, 
im Schacht Nr. I. im Schacht Nr. II. 

1) Lehm 5'm:| Rauher Sand 3Vm: 

2) Arietensandstein 5'm: | Arietensandstein ö^'ni: 

3) Kalkige und thonige Schien- 1 Gelbe sandige Schichten ohne 
ten ohne Versteinerungen l'm : | Versteinerungen ll"m: 



4) Gelber, oft intensiv brau- 
ner, sandiger Schiefer und 
Sandstein 6'm : 



Brauner Sandstein wechselnd 
mit gelbem Lettenschiefer und 
manganreichen Lagen 3 x /*'nK 



mit Ammonites angulatus, Chemnitzia Zenkeni, Lima pec- 
tinoides. 



5) Brauner Plattensandstein 
und blauer, lettiger Schiefer 
mit Asterias lumbricalis. 

2'2"m: 



Brauner Sandstein, gelber Let- 
tenschiefer und thoniger, dünn- 
schiefriger Sandstein voll 
Ostrea sublamellosa iVa'm: 

Dünne , kieselige Sandstein- 
platten voll Cardinia laevis 
l'4"m: 



6) Dünnschiefriger, sehr fester 
Sandstein in Platten voll Car- 
dinia laevis. 

7) Blaugrauer Lettenschiefer I Blaugrauer Lettenschiefer 
und Sandsteinplatten l'm: 0'7": 

8) Schwefelkiesschicht in beiden Schächten mit 
Pflanzenresten, Kohlenputzen und weissen 
Brocken, breccienartig mit MytUus minutus, 
Cardinia cf. acuminata, Ostrea irregularis, 
Lima cf. praecursor, punctata. ^"m: 



244 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

9) Weisser Thon eine Breccie mit Hornstein 
und Schieferbrocken bildend in beiden 
Schächten gleich l^'m: 

10) Rother und bunter Keuperletten. 

Profil I. (Beyerberg.) 
Am Versuchsstollen dabei. 

1) Rauhkörniger, kalkiger Arietensandstein in 
mächtiger Bank anstehend mit Arieten-Am- 
moniten 10 — 15'm: 

2) Gelber, mergeliger, dünnschichtiger Letten- 
Schiefer ohne Thier - Versteinerungen mit 

schönen Fucoiden 10'm: 

3) Braungelber, feinkörniger, ockriger Sand- 
stein mit Manganputzen und kugeligen Con- 
cretionen, gelbe sandige Mergel und Mergel- 
Sandstein, erfüllt von Versteinerungen der 
Angulatusschichten: Ammonites angulatus 
häufig, dazu: Cardinia concinna, Tancredia 
securiformis, Astarte pusilla, Ostrea subla- 

mellosa, Dentalium Andleri 6'rn: 

4) Sehr fester, kieseliger, dünnschichtiger Sand- 
stein und Sandsteinplatten voll Cardinia 
Listeri mit Lettenzwischenlagen und Wül- 
sten auf den Schichtflächen wie die Asterias- 
platten 5'm : 

5) Blaugrauer, poröser, blasiger Lettenschiefer 
oder thoniger Sandstein mit Pflanzenspuren 
und voll sehr schlecht erhaltener, nicht genau 
bestimmbarer Conchylien J^/a'm: 

6) Schwefelkies mit groben Sandkörnern und 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 245 

Kohlenbrocken gemengt, breccienartig voll 

Ostrea irregularis, Mytilus minutus 1 — 3"m: 

7) Grünlicher Letten mit Hornsteinbrocken die 
unebene Oberfläche des unterlagernden rothen 
Keuperlettens ausfüllend — lVni: 

8) Rother und grüner Keuperletten 80'm: 

9) Röthlicher grobkörniger, lockerer Keuper- 
Sand — Streusand liefernd. 

Aus diesen Profilen geht hervor, dass ähnlich, wie 
diess im nordöstlichen Schwaben der Fall ist, der eigent- 
liche Bonebed-Sandstein fehlt, dafür unmittelbar über dem 
rothen Keuperletten eine grünliche Breccienbildung mit 
Hornstein, Kohlen und Schwefelkies genau so, wie Quen- 
stedt diess (Jura S. 25) von Mittelbronn erwähnt, vor- 
kommt. Auch bei Beyerberg wurde früher der Schwefel- 
kies zur Vitriolbereitung verwendet. 

Es unterliegt demnach kaum einem Zweifel, dass im 
SW. Keuperliasdistrikte — um den Hesseiberg — die 
Bonebedschicht einzig und allein durch die 1 — lVmächtige 
schwefelkiesreiche Breccie vertreten werde. 

Während auf diesen Schichten oberhalb der Arieten- 
Sandsteinbank, welche rings um den Hesseiberg in zahlreichen 
Brüchen (bei Opfenried, Echingen etc.) gewonnen wird, durch 
die unmittelbare angeschlossene Tuberculatusschicht 
(mit Pentacrinus tuberculatus) den mittleren und oberen 
Lias, dann durch den ganzen Dogger und Jura bis zum 
Scyphienkalk über dem mergeligen Kalke mit Ämmonites 
tenuilobatus, welcher die höchste Bergkuppe ausmacht, sich 
das Gebirge zum hohen Hesselberge insularisch aufthürmt, 
zieht die Grenze zwischen Keuper und Lias ostwärts weiter 
am Fusse der Alb. Bei Cronheim und Gnotzheim sind 
noch dieselben Schwefelkieslagen ohne weissen Sandstein 



246 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

unmittelbar über dem grellfarbig rothen Keuperletten aus- 
gebreitet, wie um den Hesseiberg. 

Doch schon jenseits des Altmühlthaies an der Wasser- 
scheide gegen die schwäbische Rezat beginnt erst in geringer 
Mächtigkeit bei Dornhausen sich eine weisse Sandsteinlage 
auf den rothen Keuperletten aufzulegen, welche so rasch an 
Mächtigkeit wächst, dass schon bei Dörschbrunn, SW. 
von Pleinfeld ein Steinbruch behufs Gewinnung von Bau- 
steinen betrieben werden kann. 

Bei Ellingen und Weissenburg hat dieser zwischen 
rothem Keuper und Lias eingeschaltete, weisse oder gelbliche 
Sandstein schon seine für Franken normale Mächtigkeit und 
Entwicklung erreicht, wie die schönen Steinbrüche bei Wei- 
boldshausen, Höttingen und Ottmannsfelden lehren. 

Ich wähle aus dieser Gegend drei interessante Grenz- 
profile, welche das Unbeständige der Schichtenbildungen 
hier sehr klar machen und zeigen, dass selbst stellenweise 
mittlerer Lias unmittelbar auf dem oft gelblichen, dem An- 
gulatensandstein sehr ähnlichen Bausandstein aufliegt, so 
dass es scheinen könnte, als ob dieser möglicher Weise 
selbst diesen Angulatensand stein vertreten könnte. Diess ist 
jedoch bestimmt nicht der Fall. 

Profil K. 

an der Weiboldshauser Mühle bei Weissenburg. 
Oberfläche : Schwarze Ackererde. 

1) Dünnschichtiger, wellig flasrigbrechender , 
kalkiger, durch Verwitterung brauner, grob- 
körniger, fast breccien-artiger Sandstein mit 
Gryphaea cymbium, Belemnites brevis, Penta- 

crinus tiiberculatus 3'm: 

2) Kieseliger, blaugrauer, bei Verwitterung roth- 
brauner, grobkörniger Gryphaea arciiata 
enthaltender Arietensandstein 5'm: 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 247 

3) Gelber Lettenschiefer mit einer Eisenschwarte 
und nur stellenweise entwickelt, selbst in 
demselben Steinbruch theilweise ganz fehlend 
intensiv gelber, braunstreifiger, ockriger 
Sandstein mit Ammonites angulatus und 

vielen Gasteropoden — 2Vm: 

4) Grünlich graue , thonige Lage mit harten 
Knollen, Brocken und voll von Schwefelkies 
mit Kohlenputzen und Mytihis minutus, 

Ostrea irregularis; ungleichmächtig — 1/m: 

5) Grünlich graue, gestreifte und gefleckte, oft 
kleinblasige Lettenschiefer, zuweilen bunt 
gestreift, selbst stellenweise intensiv roth 

mit Spuren von Pflanzenresten 8'm: 

6) Weisser, unebengeschichteter fester, grob- 
körniger Sandstein mit grünlichem Thon als 
Zwischenlagen und Spuren von Pflanzen- 
stengeln 1 Vm : 

7) Mulden ausfüllender, daher ungleich- mäch- 
tiger, gelblicher, braunstreifiger Sandstein, 
zuweilen linsenförmige Partieen bildend 3 — 5'm: 

8) Feiner, weisser oder gelblicher, braun ge- 
fleckter oder getigerter, sehr brauchbarer 
Bausandstein 15— 20'm: 

9) Rother Keuperletten. 

Profil L. 

aus einem Theile der grossen Steinbrüche bei Höt- 

tingen unfern Weissenburg. 

Oberfläche : Ackererde. 

1) Grauer weicher Mergel mit grauen Kalk- 
bänken voll grosser Quarzkörner, enthaltend: 



248 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Belemnites paxillosus , Plicatula spinosa, 
Terebratula numismalis, Ammonites fim- 
briatus 

— Mittlerer Lias. — 



2) an dem nördlichen Theil 
des Steinbruchs fehlend 



Grobkörniger, eisenschüssiger 
Sandstein oben mit Belem- 
nites brevis l^'m: 



3) I unten mit Gryphaea arcuata 

3Vni: 
= Arietensandsteinbank 

4) Im nördlichen Theile des Steinbruchs unmit- 
telbar unter dem grauen Mergel des mitt- 
leren Lias, im südlichen unter dem Arieten- 
sandstein: Eisensteinschwarte 2"ni: 

5) Grünlicher Letten mit harten Geoden und 
Schwefelkiesknollen 3 /4'm : 

6) Grauer , grünlicher . stellenweise intensiv 
rother Lettenschiefer von wechselnder Mäch- 
tigkeit 2 — 7'm: 

7) Weisslicher und gelblicher, meist braun ge- 
tigerter Bausandstein 20'in: 

Profil M. bei Ottmannsfelden 

SO. von Pleinfeld. 

Oberfläche : Wiesenboden. 

1) Wellig gebogener, dünngeschichteter, grob- 
körniger, brauugelber Sandstein wie die 
Arietenbank 3'ra : 

2) Rother und grüngestreifter Lettenschiefer 

mit etwas Schwefelkies 6'm: 

3) Gelber Letten und gelber thoniger Sand- 
stein 3 4 / m : 



Grümbel: Knoclienbett und Pflanzenschichten Frankens. 249 

4) In zwei Bänken sehr fester, Steinmergel- 
artig-harter Sandthon l'm: 

5) Dünnschichtiger, hellgrünlicher Thonstein- 
ähnlicher Sandstein mit gelben Hecken 

6) Hellgrauer Sandsteinschiefer mit Wülsten 
auf den Schichtflächen wechselnd mit hell- 
grauem Thon 2Vm: 

7) Grobkörniger, fein gelbgetigerter, sehr fester 
unten mürber Sandstein, z. Th. in 3 — 4 
Bänke getheilt, z. Th. mit den darauf lie- 
genden sandig entwickelten Schichten bis 
zur Steinmergellage 4) in ein Ganzes ver- 
schmolzen 10 m: 

8) Rother Keuperletten. 

Die Profile zeigen die Doppelnatur des N. und S. In 
den Schwefelkieslagen ist die Entwicklung im Süden, durch 
das Vorkommen des weisslichen Bausandsteins und der Pflan- 
zenreste der Norden repräsentirt. In der successiven Ver- 
folgung dieser Schichtenentwicklung liegt die Bürgschaft, 
dass ich mich wohl nicht täusche, wenn ich die Schichten 
K4; L5 und M2 für die Zeitäquivalente der obersten 
Bonebedlage halte. 

Eine sehr ähnliche Beschaffenheit behält dieser Schich- 
tencomplex von dieser Gegend an weiter in N. und NO. 
Richtung gegen Neumarkt und Altdorf zu. An der Strasse 
von Nürnberg nach Neumarkt macht sich diese Grenzregion 
schon durch die plötzliche Steigung hinter Pensenhofen 
deutlich bemerkbar. 

In dieser Gegend stossen wir auf einen vorzüglichen 
Aufschluss in dem Steinbruche zuBurgthann bei Schwarzach 
in der Nähe des hier vorüberziehenden Kanals. Dieser Auf- 
schluss ist um so belehrender, als er die Schichtenfolge 



250 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

vom Bausandstein aufwärts bis zum Mergel mit Ämmonites 
margaritatus im mittleren Lias unmittelbar blosslegt. 

Profil N. bei Burgthann unfern Neumarkt. 
Oberfläche: Krume. 

1) Blaugrauer Mergel und Thon mit Ämmo- 
nites margaritatus und seinen Begleitern 10'm: 

2) Brauner, eisenschüssiger Mergel mit Eisen- 
haltigen Geoden und voll Belemnites paxil- 

losus lV'nv: 

3) Weisslich grauer, etwas fleckiger Kalk mit 
Belemnites paxillosus und Ämmonites mar- 
garitatus ^s'm: 

4) Gelblich weisser, schichtenweise blauer 
Schiefermergel, oft fleckig mit einzelnen, 
nicht harten Kalklagen in linsenförmigen 
Massen mit zahlreichen Belemnites paxü- 
losus 5' m : 

5) Blau grauer Mergelschiefer lVz'm: 

6) Blaugrauer Kalk, Flecken mit geodenartigen 
weissen Concretionen und Ämmonites Bavoei, 
Ä. fimbriatus, Püiynchonella rimosa. Tere- 
bratula numismalis und Beeten aequivalius. 

7) Blaugrauer, etwas sandiger Mergelschiefer 
mit weissen Kalkknollen und Plicatula 

spinosa IVa'm: 

8) Gelber, kalkig eisenhaltiger Mergel mit groben 
Sandkörnern voll Belemnites elongatus 2'm: 

9) Blaugrauer, weicher Kalk mit weissen Kalk- 
Knollen und zahlreichen Versteinerungen; 
Ämmonites ibex , ä. fimbriatus, Belemnites 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 251 

elongatus, Spirifer verrucosus, Bhynchonella 
rimosa, Pentacrinus subangularis, Phola- 
domya decorata tya'm: 

10) Grauer, harter Kalk mit vielen Quarzkörn- 
chen voll Gnjphaea Gigas (von Ainberg) 
und Ammonites Masseanus, Bhynchonellen, 
Terebrateln, Pecten-strionatis und Pleuroto- 

maria expansa * Im: 

11) Blaugrauer Sandmergel mit Gryphaea ob- 

liqua Vm: 

12) Eisenhaltiger, sandiger, durch Verwitterung 
brauner, rauher Kalk mit Ammonites cf. rari- 

costatus Vm: 

13) Dichter, harter, stark eisenschüssiger Kalk- 
Sandstein mit groben Quarzkörnchen und 
mit Pentacrinus tuberculatus, Gryphaea obli- 

qua, Belenmites spec. 5 'm : 

14) Gelber, grobkörniger Sandstein mit Arieten 
(undeutlich) 4Vm: 

15) Gelber lettiger Schiefer, oft weisslich l'm: 

16) Gelblich weisser, braun geflammter, feiner 
Sandstein in dünnen Bänken mit Lima pec- 

tinoides (Angulatenschicht) 5'm : 

17) Sehr eisenschüssiger Sandstein (Eisenputzen) 2'm : 

18) Gelblichweisser, getigerter, feiner Sandstein lVm: 

19) Eine muldenförmige Vertiefung im Bausand- 
stein ausfüllend, oben von der Schicht 18) 
abweichend bedeckt, rother Letten, grauer, 
thoniger Sandsteinschiefer, weisser, sandiger 
Schiefer, Pflanzenlager, grauer Lettenschiefer — 3'm : 



252 Sitzimg der math.-phys. (lasse vom 7. Mai 1864. 

20) Weisser, schöner Bausandstein, oben stellen- 
weise mit einer zweiten Lage von Thon und 
Pflanzenresten 18 — 20'm: 

21) Rother Keuperletten. 

Obwohl wir in diesem Profile die direkte Grenzscheide 
zwischen Lias und seiner Unterlage an der Schwefelkiesschicht 
nicht erkennen können, so giebt doch hier die Lagerung 
einen Anhaltspunct zur Bezeichnung dieser Grenze. Es liegt 
nämlich die Schicht 18 abweichend oder — auch flach auf 
den Gebilden der Schicht 19, welche in bogigen Lagen eine 
Vertiefung im weissen Sandstein ausfüllen. In dieser Aus- 
füllmasse liegt das obere Pflanzenbett, in weissem Sandstein 
etwas tiefer ein zweites. 

Aehnlich sind die Verhältnisse in einem zweiten, durch 
natürliche Entblössung aufgeschlossenen Profile am Dorfe 
Rasch zunächst südlich von Altdorf. 

Profil 0. bei Rasch unfern Altdorf. 
Oberfläche : Ackerboden. 

1) Blaugrauer, lettiger Mergel mit Einlagerungen 
von knolligen, gelblichen Kalken mit grossen 
Ammonites margaritatus , JBelemnites paxil- 

losus 5'm: 

2) Kalkbank, fest, gelbgrau voll JBelemnites 
paxillosus und mit Ammonites fimbriatus 
Davoeikalkbank 1 */* 'm • 

3) Lichtgelblich grauer Mergel mit Eisenstein- 
schalen und kalkigen Zwischenlagen voll 
Plicatula spinosa und Belemnites elongatus 10'm : 

4) Gelbgrauer Kalk in unregelmässiger, linsen- 
förmig verengter und erweiterter Bank mit 



Gümbel: Knochenbett und PflanzensclvicMen Frankens. 253 

weissen , kieseligen Concretionen. (Niveau 

des Amm. ibex) 3'm: 

5) Schiefermergel und grauer Kalk mit grossen 
Quarzkörnern voll von Gryphaea gigas (von 
Amberg) Vm: 

6) Grobkörniger, eisenschüssiger Sandstein (Arie- 
tensandsteinbank) 5'm : 

7) Gelber Lettenschiefer mit Zwischenlagen 
gelben feinen , oft ockerfarbigen Sandsteins 
und kieseliger Sandsteinplatten (nicht deut- 
lich zu specialisiren) 15'm: 

8) Grobkörniger, gelber Sandstein, nach unten 
unregelmässig geschichtet, thonig und mit 
Pflanzenresten 3'm : 

9) Grobkörniger, weisser, gelbgestreifter Sand- 
stein mit Kohlenputzen 7'ni : 

10) Stellenweise sich auskeilender, grauer Letten- 
schiefer mit schönen Pflanzenresten der 
fränkischen Pflanzenschicht — lVa'm: 

11) Feinkörniger Bausandstein, oben mit An- 
wachsstreifen 1 5'm : 

Von Altdorf zieht sich die untere Grenze des 
Lias durch den Nürnberger Lorenzii- und Sebaldiwald 
und am Fusse der Vorhügel des jurassischen Gebirgs 
ohne besonders bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten fort. 
Man findet zwar überall die Spuren der pflanzenführenden 
Schicht über dem weissen Sandstein und dem grobkörnigen 
eisenschüssigen Sandstein --im Niveau der Arietensand- 
steinbank — , aber die Gesammtentwicklung ist so gering 
mächtig und in Folge davon sind die einzelnen Schichten 
so wenig bestimmt abgegrenzt, dass, da auch fast alle Ver- 



254 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Steinerungen hier fehlen, eine eingehendere Darstellung un- 
nöthig erscheint. Es genügt die Bemerkung, dass diese 
Grenzgebilde mit Einschluss des unteren Lias in der Ge- 
gend 0. von Nürnberg im Vergleiche mit den entsprechenden 
Schichten des ganzen westlichen Albrandes wohl am dürftig- 
sten ausgebildet sind. 

Fast das Gleiche gilt auch von der nächsten Umgebung 
von Erlangen, wie das schon Pfaff hervorgehoben hat. 
Zum Belege führe ich das Profil an, das gleich unterhalb 
Marlofstein in einem Steinbruche aufgedeckt ist. 

Profil 0. bei Marlofstein bei Erlangen. 
Oberfläche: Krume. 

1) Gelbgrauer, lichter Mergel des mittleren Lias 

mit Kalkbänken lO'm : 

2) Gelber, grobkörniger, eisenschüssiger, kalkiger 
Sandstein — Niveau der Arietensand- 
steinbank — 2'ni: 

3) Gelblicher, grobkörniger Sandstein mit Eisen- 
schwarten und thonigen Zwischenlagen 7'm: 

4) Nagelkalklage 3"m: 

5) Gelber, eisenschüssiger, grobkörniger Sand- 
stein mit Schwefelkies und weissen harten 
Knollen? — Bonebed — 3 ) lVz'm: 



3) So eben bei Correktur dieser Zeilen kommt mir von Herrn 
Caplan Dr. Schrüfer in Rattelsdorf ein Separatabdruck seiner 
neuesten Arbeit über den ob. Keuper und ob. Jura in Franken 
zu, (Jahrb. der naturf. Gesellsch. in Bamberg 1864 S. 1) , worin sich 
der Verfasser S. 2 in folgender Weise gegen eine meiner früheren 
Beobachtungen ausspricht: „Dass bei Strullendorf, SO. von Bamberg 
das Bonebed vorkomme, wie diess Gümbel — angiebt — , muss in 
Abrede gestellt werden. Bei Strullendorf findet sich kein Bonebed. 






Gütnbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 255 

6) Weisslicher, durch Verwitterung zersetzter, 
plastischer Thon mit Pflanzenresten 2"m: 

7) Lichtgrauer, knollig uneben, wellig dünnge- 
schichteter, glimmeriger Thonsandstein und 
Lettenschiefer mit den Pflanzen der fränk- 
ischen Pflanzenschicht — 2'm: 

8) Weisser Bausandstein mit Anwachsstreifen 10'm: 



Die wenigen Fischreste, die Hr. Bergrath Gümbel von da besitzt, 
stammen wahrscheinlich aus dem untersten Lias." Diese Behauptung 
ist mit so grosser Bestimmtheit und in so absprechendem Tone der 
Unfehlbarkeit aufgestellt, dass man nicht glauben sollte, dass sie 
von Jemanden herrühren könnte, welcher in der Geognosie nur 
so nebenbei sich zu versuchen eben erst angefangen hat, und es ge- 
winnt fast den Anschein, als ob der junge Anfänger hier den Zweck 
gehabt habe, statt durch Gründe durch die kategorische Art und 
Weise seiner Darstellung den fehlenden Beweis zu führen. Denn 
fragt man nach dem Grunde für seine Ansicht, so liegt dieser allein 
in der vermeintlichen „Wahrscheinlichkeit", dass ich gewisse 
Schichten verwechselt habe. Herr Schrüfer scheint sich wohl nicht 
denken zu können, dass etwas Geognostisches in Franken vorhanden 
sei, was seinem Blicke bisher entgangen ist. Indess ist diese 
„Wahrscheinlichkeit" völlig unbegründet und bloss eine kühne 
Conjektur, um eine unbekannt gebliebene Thatsache in Abrede stellen 
zu können. Herr Schrüfer kennt eben einfach die Schicht 
noch nicht, aus der die Bonebed-Versteinerungen stammen, aber 
desshalb existirt sie doch, obgleich und wenn sie auch bis jetzt 
demselben unbekannt geblieben ist. Denn es bestehen in Franken 
wohl noch manche geognostische Verhältnisse, trotzdem sie bis jetzt 
von diesem fränkischen Landeskinde noch nicht entdeckt oder er- 
kannt wurden, wie z. B. die Existenz der Ammonites planorbis- 
Schichten, das Vorkommen basaltischer Gesteine im Bamberger Jura, 
die Streitberger Schwammlagen bei Würgau und vieles Andere. 
Ich habe nie ein Staatsgeheimniss daraus gemacht, wo dieses fränk- 
ische Bonebed zu finden sei; Hr. Schrüfer selbst hat Stücke davon 
bei mir gesehen, aber gleichwohl, wie es scheint, bei Strullendorf 
das Gestein nicht wieder erkannt. Die ausführliche Schilderung in 
den vorausgegangenen Blättern lässt mich hier davon Umgang 
nehmen, noch einmal auf die Beweise für das Vorhandensein der 
Bonebedschichten in Franken zurück au kommen. 

[1864. I. 4] 18 



256 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Prächtige Aufschlüsse gewähren wieder die zahlreichen 
Steinbrüche 0. von Forchheim am Rande des Wiesentthaies 
bei Wiesenthau, Reuth, Weilersberg, ganz insbesondere 
jene bei der Jägersburg, welch' letztere überdiess durch 
den Reichthum ihrer Pflanzeneinschlüsse wichtig gewor- 
den sind. 

Bezüglich des Aufschlusses der aufgelagerten Lias- 
schichten gibt der südliche Theil des grossen Steinbruchs 
bei Reuth die besten Aufschlüsse. 

Profil P. bei Reuth unfern Forchheim. 
Oberfläche: Waldboden. 

1) Gelber, zersetzter, lehmiger Mergel mit aus- 
gewitterten Belemnites paxillosus und Eisen- 
schwarten (Margaritatenmergel) 10'rn: 

2) Grauer, durch Verwitterung gelbgrauer Mer- 
gelkalk voll Fucoiden, dann mit Terebratula 
numismalis. Rhynchonella rimosa und Be- 
lemnites clavatus 1 jt / m : 

3) Wohlgeschichteter, grauer, durch Verwitter- 
ung gelber Mergelschiefer mit 4 — 5 Zwischen- 
lagen von meist in Linsen zertheiltem Kalk, 
mit Quarzkörnchen : Belemnites elongatus, 
Plicatula spinosa, Grypliaea öbliqua. (Mittlerer 

Lias) 10'm: 

4) Oben grüngrauer, unzersetzt schwarzerSchiefer- 
thon mit Schwefelkiesputzen , unten etwas 
sandig mit Kalkknöllchen voller Ammonites 
rarecostatus (Obere Lage des unteren Lias) 13'ni: 

5) Gelber, dolomitischer Kalk (Tuberculatusbank) 
und eisenschüssiger, grobkörniger Sandstein 

— Niveau der Arietensandsteinbank — Vs'm: 

G) Weisslicher und grauer weicher Mergel und 






Gümbel: Knochenbett und Pflanzen schichten Frankens. 257 

gelbliche Sandsteinplatte — Vertreter der 

tiefsten Liasschichten — V^m: 

7) Stellenweise rother, meist nur rothgefleckter, 
gelblich grauer Lettenschiefer und Thon 
durch weissliche, leicht auswitternde rund- 
liche Körnchen ausgezeichnet, die auswitternd 

der Masse ein poröses Aussehen verleihen 3'm: 

8) Rother und grünlicher Thon mit Schwefel- 
kies und Sandeisenstein 7 "in: 

9) Weisser gelbgestreifter, grobkörniger Bau- 
sandstein 15'ru: 
Daraus kann man die geringe Entwicklung der unter- 
sten Lagen des unteren Lias , selbst die der sonst doch 
einige Fuss mächtigen Arietensandsteinbank klar ersehen. Dass 
die Schicht 6) die Angulaten- und noch tiefere Schichten 
vertrete oder ersetze, lässt sich bestimmter in dem Hohl- 
wege gleich oberhalb des Dorfes Reuth ersehen, wo über 
dem weissen Thonstreifen wirklich eine schwache Lage 
feinen gelben Sandsteins vorkommt. Ganz ähnlich ist der 
Aufschluss in dem Steinbruche bei Weilersbach und Wie- 
senthau. 

Ich füge nun zunächst das Profil eines Steinbruches bei, 
der im Forchheimer Bürgerwald im sogenanntenLeierkram liegt. 

Profil Q. im Bürgerholz bei Forchheim. 
Oberfläche : Waldboden. 

1) Grauer Mergel mit eisenhaltigen Kalkmergel- 
Zwischenlagen 1 l'm : 

2) Starkeisenschüssiger, grobkörniger — (Arie- 

ten-) Sandstein 2Vm: 

3) Gelber und grauer Mergelschiefer mit Eisen- 
geoden und sandigen Zwischenlagen oft mit 
einzelnen in vollkommen gelben Sandstein 

18* » 



258 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

übergehenden Schichten — Stellvertreter 

des tiefsten Lias — 6'ni: 

4) Gelber Thon mit rothgelbem Sandeisenstein 
voll grober Quarzkörner und Schwefelkies- 
theilchen, fein porös wie P Nr. 7 (Keuper) 3 j^m : 

5) Grauer Lettenschiefer mit zahlreichen sehr 
schönen Pflanzenresten, besonders Equisetiten, 
nach unten mit einer Eisenschwarte abschlies- 
send (II) 2Vm: 

6) Grobkörniger fester Bausandstein in 20' von 
oben mit einer lettigen Zwischenlage eben- 
falls voll Pflanzenreste (I) 24'm: 

Die Steinbrüche an der Jägersburg liegen N. von diesem. 
Um die Uebereinstimmung und Verschiedenheit der Grenz- 
gebilde zu zeigen, theile ich zwei Profile mit, das eine aus 
dem östlichen Theile, dem sogenannten Königsbruche, das 
andere aus dem westlichsten Theile unmittelbar neben der 
Strasse — dem Heldbruche. 

Profil R. Königsbruch an der Jägersburg. 
Oberfläche: Waldboden. 

1) Gelbgrauer schiefriger Mergel des mittleren 

und unteren Lias 15'm: 

2) Eisenschüssiger, grobkörniger — Arieten- 
sandstein — stellenweise 6'm : durchsch. l'm: 

3) Grauer und gelber Mergelschiefer und Schiefer- 

Thon mit sandigen Zwischenlagen (Lias) l 3 /4'in: 

4) Grobkörniger Sandstein durch eine thonige 
Zwischenschicht in zwei Bänken getheilt, 

mit grossen Pflanzenstengeln (III) (Keuper) 6'm: 

5) Oben weisslicher, unten schwarzgrauer Let- 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 259 



tenschiefer voll der schönsten Pflanzenreste 
des fränkischen Pflanzenlagers (— Q. Nr. 5) 
(II) 2Vm: 

Oft etwas rechlicher, sonst gelber, ziemlich 
feinkörniger Sandstein in dünnen Lagen, 
unten mit einer Thonschichte (I) 3'm: 

Grobkörniger Bausandstein 30'm: 

Profil S. Heldbruch an der Jägersburg. 
Grobkörniger — Arietensandstein — l'm: 

Gelber , unten stark eisenschüssiger Mergel 

und Schieferletten — Lias — 5'm: 

Grobkörniger, gelblicher Sandstein mit blasen- 
ähnlichen Räumen — Keuper — 7'm : 

Gelber, oft röthlicher Schieferthon mit kleinen 
Knöllchen, durch deren Auswitterung die 
Masse porös wird, mit wenigen Pflanzen- 
resten (III) 0— 2'm: 

Grobkörniger Sandstein wie Nr. 3 1 V^'m : 

Feiner grauer, nach unten oft etwas röth- 
licher Lettenschiefer voll Pflanzenreste 
(= R. 5 und Q. 5) (H) 2'm: 

Feinkörniger, gelblichweisser Bausandstein 10'in: 

Grauer und röthlicher sandiger Schiefer voll 
Pflanzenreste wie Nr. 6 von wechselnder 
Mächtigkeit, oft ganz verschwunden (I) — iWm: 

Grobkörniger, weisslicher Bausandstein 16'w : 

Blauer und rother Keuperletten. 

Aus diesen Profilen geht insbesondere hervor, dass 
innerhalb des unzweifelhaft einheitlichen Schichtencomplexes 



260 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

3 pflanzenführende Lagen vorkommen (bezeichnet I, II, III) 
die jedoch bald verschwinden, bald sich aufthun; ob sie einen 
Unterschied in Bezug auf die Art ihrer Pflanzeneinschlüsse 
darbieten, ist schwierig zu ermitteln. Die Differenzen, die 
etwa bemerkt werden, können ebensogut denen der Stand- 
örtlichkeit, als eines bestimmt abgegrenzten Niveaus entsprechen. 
Da übrigens diese Lagen so sehr wechseln, stellenweise vor- 
kommen und verschwinden, so wurde bis jetzt beim Sammeln 
ausser Acht gelassen, diese Pflanzenlager auseinander zu halten. 

An diese Profile von der Jägersburg reiht sich zu- 
nächst jenes von Strullendorf bei Bamberg und dann so- 
fort diejenigen, die unter B, C, D, E. F, und G früher 
mitgetheilt worden sind, wenn wir die Grenzgebilde am 
Fusse der Alb in der eingeschlagenen N. Richtung immer 
weiter verfolgen. 

Es ist nur bezüglich der pflanzenführenden Schichten, 
die fast in keinem der zahllosen Steinbrüche dieser N. 
fränkischen Gegend fehlen, noch die allgemeine Bemerkung 
hinzuzufügen, dass es immer mehrere Lagen sind, die man 
beobachtet, und dass bald das tiefere, bald das höhere sich 
an Pflanzen ergiebiger zeigt. Für Sammler sind die Stein- 
brüche bei Reut unfern Kirchlein NO. von Burgkunstadt, 
dann jene an der Teufelsbrücke bei Küps und die Tegel- 
grube bei Burgersdorf, in welcher der feine plastische Thon 
(voll Pflanzenreste) des tieferen Lagers (für Kapseln und 
Glashäfen brauchbar) gewonnen wird , während im NW. 
Theile Ober- und im 0. Theile Unter frankens , also in der 
Gegend von Baunach (Gethönig auf dem Stiefenberg, Thon- 
löcher auf dem Lussberg), Ebern (schwarze Thongrube 
auf der Ebent im Ebener Hasswalde) und bei Sesslach so- 
wie an vielen Orten im Koburgischen das obere Thonlager, 
das fast ohne Pflanzeneinschlüsse ist, für gleiche Zwecke 
ausgebeutet wird. 

Jenseits der beschriebenen Profile gelangen wir, der 



Gümbel: Knochenbett und PflanzenscMcMen Frankens. 261 

Grenze des Lias weiter nach N. folgend, in die Gegend von 
Kulmback. Hier ist das Püanzenlager am Lindig bei 
Veitlahm, vorzüglich zur Zeit des Hrn. Rentbeaniten Welt- 
rich in Culmbach ausgebeutet, von hohem Interesse. Ich 
fand daselbst folgenden Gebirgsaufschluss mit Beizieliung 
des Hohlwegs am Lindigbach bei Veitlahm: 

Profil T. am Lindig bei Veitlahm. 

1) Mittlerer Lias: Margaritaten- und Numis- 
malis-Mergel am Fusse des Patersberges. 

2) Rand des Hohlwegs : Grobkörniger , eisen- 
schüssiger Arietensandstein mit Gryphaea 

arcuata 3'm : 

3) Dünnschichtiger, feinkörniger, ockeriger, 
braunfleckiger Sandstein (Angulatensch.) 5'm: 

4) Mergeliger Sandsteinschiefer, lichtgelb l^'m: 

5) Dünne Bänke harten, kieseligen Sandsteins 

in Platten voll Ostrea sublamellosa 2'm : 

6) Grauer Thon und Sandsteinschiefer mit 
Wülsten auf der Schichtfläche — Lias — 2 1 /a / m: 

7) Grobkörniger, gelber eisenschüssiger Sand- 
stein von der Beschaffenheit des Bonebed- 

lagers bei Witzmannsdorf — Keuper — Vz'm: 

8) Rand des Steinbruchs: Grauer, durch 
Verwitterung weisslicher, plastischer Thon 
mit Sandsteinschieferzwischenlagen und ein- 
zelnen undeutlichen Pflanzenresten lVs'ni: 

9) Lockerer , grobkörniger, etwas röthlicher, 
eisenschüssiger, dünnbankiger Sandstein 3'm: 

10) Hellgrauer Lettenschiefer mit Pflanzen Vm: 



262 Sitzung der matli.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

11) Grobkörniger Bausandstein — Obe reBank — 
weisslich gelbstreifig 30'm: 

12) Roth und graulicher feiner Letten mit 
Pflanzen */* — l'm: 

13) Rauhe Sandsteinbank l^'m: 

14) Hauptpflanzenlager in grauem, oft röth- 
lichem und rothfleckigem Thon von verschie- 
dener Mächtigkeit in Mulden des Sandsteines 
eingelagert 1 V« — 3'm : 

15) Grobkörniger streifig gelber, vorherrschend 

weisser Bausandstein — Untere Bank — 40'm'. 

16) Bunter Keuperletten. 

Aus diesem Profil geht die vollständige Uebereinstim- 
mung mit Strullendorf und den Steinbrüchen an der Jägers- 
burg bei Forchheim hervor. 

Von diesem weit N. vorgeschobenen Punkte wendet 
sich nun die Grenze zwischen Keuper und Lias wieder 
rückläufig in SO. Richtung längs des Ostrandes der Alb 
über Peesten, Thurnau, Pleofen, Neustädtlein, 
Forstlahm nach Eckersdorf, Fantasie, Donndorf und 
Hardt in der unmittelbaren Nähe von Bayreuth. An allen 
Orten, wo hier die Schichten durch Steinbrüche aufgeschlos- 
sen sind, zeigen sie sich reich an Pflanzen einschlüssen. Es 
sind diess die Fundstellen, welche durch Braun's phyto- 
paläontologische Arbeiten eine klassische Berühmtheit unter 
den Geognosten erlangt haben. 

Unter den vielen Profilen aus diesen nördlichsten Di- 
strikten des 0. Albrandes , welche eine ungemein grosse 
Uebereinstimmung zeigen, wähle ich zu Mittheilungen die- 
jenigen aus, welche wegen des Anschlusses an die Lias- 
gebilde erhöhtes Interesse gewinnen. Denn meist ist hier 
der tiefste Lias so schwach ausgebildet, dass, da in der 



Gümbel: Knochenbett und PflanzenschicMen Frankens. 263 

Regel zugleich das Terrain über der Terrasse, welche durch 
den Bausandstein erzeugt wird, ganz flach ansteigt, kaum 
die letzten Spuren der Liasformation noch im obersten 
Abraum der Steinbrüche sichtbar sind. Diess zeigt sich so- 
gleich in den Steinbrüchen bei Thurnau. Hier sind nur 
wenige Schichten aufgeschlossen. 

Profil U. 

im Steinbruche des H. Münch bei Thurnau. 

1) Grobkörniger Sandstein (?) Arietensandstein 3'm: 

2) Eisenschale und gelber Lettenschiefer mit 
Cardinia laevis 2'm : 

3) Blauer Mergelschiefer mit Zwischenlagen sand- 
igen Schiefers und undeutlichen Versteiner- 
ungen von Cardinien, Mytilus etc. — Lias — 5'm : 

4) Gelblich weisser Lettenschiefer — Keuper — 1 x b'm : 

5) Grobkörniger Sandstein, oben durch eine 
Eisenschale abgeschlossen, blasig, Schwefel- 
kieshaltig, die Unebenheiten seiner Unterlage 
ausfüllend mit Pflanzenspuren l lz — 3'm: 

6) Feinster, weisser, glimmeriger Sandstein mit 

weissen Punkten zu Schleifsteinen benützt 10'm : 

7) Grauer, sandiger Letten und Lettenschiefer 

voll schöner Pflanzenabdrücke Wm: 

8) Gelblich weisser Bausandstein. 

Von den Profilen näher bei Bayreuth kann jenes am 
Forst bei Neustädtlein für den ganzen Verbreitungsbezirk 
von Dörnhof, Forstlahm, Teufelsgraben, Donn- 
dorf, Fantasie, Eckersdorf , Hardt und Mistelbach 
gelten, welche sämmtlich wesentlich gleiche Lagerung zeigen. 



264 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Profil Y. am Forst. 

1) Fester, eisenschüssiger, grobkörniger Sand- 
stein (Arietensandsteinbank) l'/z'io: 

2) Dunkelgrauer eisenhaltiger, durch Verwitter- 
ung intensiv gelber Schieferthon */i*m: 

3) Grauer, durch Verwitterung gelber Letten- 
schiefer mit gelbem Sandstein in Zwischen- 
lagen, oben mit schwarzen Putzen (dem 
Angulatensandstein gleich) unten fein, kalkig 

mit einem Ammonites cf. planorbis (Lias) 5'm: 

4) Rauher Sandstein mit Brauneisensteinputzen V^'m : 

5) Dunkelgrauer Thon mit Pflanzenresten, oft 

fehlend — Keuper — l'm: 

6) Weisser, feinkörniger, glimmerführender, 
dünnschiefriger Sandstein 5 — 10'in: 

7) Grauer bis schwarzer Schieferthon und san- 
diger Schiefer , oft glimmerreich auch ins 
Röthliche spielend mit Kohlen, Schwefelkies 
und zahlreichen Pflanzen — Hauptlager des 
fränkischen Pflanzenschiefers */* — 3'm: 

8) Weisser und gelber Bausandstein bis 30'in : 

9) Rother Keuperletten. 

Verfolgt man das ansteigende Hügelland gegen den 
Fuss der Juraberge, so überzeugt man sich leicht, dass in 
regelmässiger Folge auch hier über dem Arietensandstein, 
aus dessen Lage ein sehr schöner Ariet: Ammonites Bodlei 
vom Heisenstein stammt, der mittlere und obere Lias u. s. w. 
aufgethürmt ist, dass mithin auch in dieser Gegend von 
einem Ersetztsein des Lias durch die pfianzenführenden 
Schichten nicht die Rede sein kann. 



Giimbel: Knochenbett und JPflanzensckichten Frankens. 265 

Am deutlichsten zeigt uns diess das Schachtprofil 
des vielberühmten Fundortes bei dem Dorfe Theta auf 
jener Liasinsel, die fern ab vom eigentlichen Jurakörper 
nach NO. vorgeschoben ist. Dieser neuerlich behufs Ge- 
winnung des hier in diesen Schichten vorkommenden 
Kohlenflötzes und Schwefelkieses abgeteufte Schacht legt den 
Schichtenbau vollkommen klar dar. 

Profil W. 

des Schachtes bei Theta N. von Bayreuth. 

1) Oberfläche: Gelblicher Lehm entstanden aus 
dem Mergel des mittleren Lias voll Gry- 
phaea obliqua, Plicatula spinosa, Belemnites 
elongatus 2 — 3 m : 

2) Grober, sehr eisenschüssiger Sandstein durch 
den Fund eines Arieten: Ammonites Bodlei 
in nächster Nähe des Schachtes und in voll- 
ständig gleichem Gestein und gleichem Ho- 
rizonte bei Heisenstein als Arietensand- 

stein festgestellt lVm: 

3) Blaugrauer Letten- und Mergelschiefer mit 
Zwischenlagen dünner Bänke schiefrigen 
festen Sandsteins und mit eisenreichem Kalk- 
mergel (Lias) 6 Di : 

4) Eisenschüssiger, grober Sandstein mit weissen 
Thongallen 3'm: 

5) Hellgrauer, feiner, fettig anzufühlender 
Schieferletten und Sandsteinschiefer mit 
spärlichen Pflanzenresten 2 m : 

6) Oben schiefriger feiner, unten etwas grob- 
körniger, dickbankiger Sandstein mit Thon- 
gallen und Kohlenputzen (Keuper) 15'm: 



266 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

7) Dünnschichtiger, thoniger Sandstein mit 
Pflanzenstengeln, stellenweise darunter ein 
Pechkohlenflötz von 3 M — l 1 /*' Mächtigkeit 
und unter diesen eine 1" starke Schwefel- 
kieslage, oft in Schwefelkies umgesetzte 
Holzstücke umschliessend 3'm ; 

8) Blaugrauer bis schwarzer, glimmeriger, oft 
sehr kohliger oder die Kohle ersetzender, 
zuweilen bloss grauer Lettenschiefer voll 
der prachtvollsten Pflanzenreste — Haupt- 
lager der Thetapflanzen bis 2Vm: 

9) Grobkörniger Sandstein, dünnbankig mit 
Schwefelkies auf der Schichtfläche 2 1 /*'m: 

10) Weisslicher Bausandstein (Tiefstes des 
Schachtes). Nach dem Aufgeschlüsse über 

Tag ist diese Bausandsteinbank 30'm: 

11) und wird unterteuft von rothem Keuper- 
letten. 

Auch im benachbarten Pech graben liegt die pflan- 
zenführende Schicht zwischen den Sandsteinbänken Nr. 6 
und 10. 

Das Kohlenflötz, wegen geringer und sehr unbestän- 
diger Lagerung und seinem Reichthume an Schwefelkies 
wohl unter keinen Verhältnissen bauwürdig, findet sich ähn- 
lich auch bei Schloss Fantasie. Auch hier wurde ein 
Versuchsbau darauf getrieben. 

Südwärts von Bayreuth beschränkt sich die Entwick- 
lung des Lias noch mehr auf die oberen Stufen (Posidono- 
myen- und Radiansmergel), so dass selbst der mittlere Lias 
selten mehr sichtbar wird. Dagegen behält der weisse Bau- 
sandstein oberhalb der rothen Keuperletten nicht nur seine 
Mächtigkeit bei, sondern tritt auch dadurch, dass seine 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 267 

festen Gesteinmassen eine steile Terrasse zwischen dem 
flachen Keuperland und der sanftansteigenden Liasfläche 
bilden, sehr bestimmt in der Oberflächengestaltung hervor. 
Die Liasschichten sind hier kaum zu erkennen, wie das 
Profil an der Strasse zwischen Schnabelweid und Creussen 
an der hohen Warte lehrt. 

Profil X. an der h. Warte bei Creussen. 

1) Grünlicher Mergel und Letten, unten voll 
grober Sandkörner und weisser Mergeigeoden 
mit spärlichen Belemniten (? B. elongatus) 
Mittlerer Lias Vm: 

2) Sehr eisenreiche, feste Kalksandbank, grob- 
körnig mit weissen Quarzkörnern oben mit 
einer Eisenoxydrinde (wohl sicher Arieten- 
sandbank) Vm: 

3) Grobkörniger, eisengelber Sandstein, locker- 
sandig, nach oben von weisslichen Adern 
durchzogen — Lias — 15'm: 

4) Weisslicher Letten und grober eisenschüssi- 
ger Sandstein 3'm: 

5) Weissgelber Sandstein mit Blasengruben 
und schiefdurchziehenden Pflanzenstengeln — 

Keuper — 10'm: 

6) Schwarzer und röthlicher lettiger Schiefer 
mit einzelnen, schwarzen Pflanzentrümmern, 

sonst glimmerreich und voll Sandputzen ^m: 

7) Grober weisser und gelblicher Sandstein, 
dessen Liegendes hier nicht ausgeschlossen 
ist. Bei der Neumühle liegt aber der rothe 
Keuperletten deutlich darunter, während im 
Dorfe Schnabelweid die Posidonomyenschiefer 
darüber ausstreichen. 



268 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Die Schichten neigen sich flach widersinnig nach SW. 
Je weiter wir aber nun die Grenzgebilde nach S. zu am 
Ostrande der fränkischen Alb verfolgen, um so mehr ver- 
stärkt sich diese Schichtenaufrichtung und bald geräth diese 
Grenzbildung in die Richtung jener grossartigen Dislokation's- 
spalte, welche von Creussen über Kirchenthumbach, 
Pappenberg, Freihung bis ins Hirschauerthal bei 
Schnaittenbach fortsetzt. Längs dieser Linie lässt sich 
nichts zuverlässiges über die Zusammensetzung der Gebirgs- 
schichten ermitteln. 

Erst in der Hirschau - Amberger Gegend beginnt wieder 
ein regelmässiger Aufbau, indem die Liasgebilde buchten- 
förmig in die Vilsthalung weiter westlich vordringen und 
dann, über Amberg fortsetzend, einen Zweig in die 
grosse Urgebirgsweitung des Bo den w öhrer Beckens 
längs des Urgebirgsrandes entsenden, einen anderen aber in 
normaler Lagerung am Fusse des jüngeren und aufgelager- 
ten Kalkgebirges ausbreiten. In diesem ganzen südöstlichen 
Juradistrikte ist der Lias höchst kümmerlich entwickelt, 
nur die oberen Schichten der mittleren Stufe und die obere 
Stufe sind einiger Massen vertreten; das Ganze nimmt 
ausserdem einen petrographisch abweichenden Charakter an. 
Denn die oberen Schichten des mittleren Lias sind in der 
Form von oolithischem, eisenreichem Gestein (Eisenerz von 
der Bucher-Zeche bei Bodenwöhr und oolithischem 
Rotheisenstein vom Keilberg bei Regensburg) ausge- 
bildet und die Posidononiyenschiefer , obwohl bei Amberg 
noch typisch, gehen bei Regensburg in einen gelben, blätt- 
rigen Lettens chief er über. Es ist daher um so schwieriger, 
die Grenzgebilde hier sicher aus einander zu halten. Nur 
der mächtig entwickelte weisse Bausandstein, welcher auch 
in diesem Landstriche nicht fehlt und durch seine Terras- 
senbildung sofort schon äusserlich ins Auge fällt, erleichtert 
die Aufgabe der Grenzbestimmung in hohem Grade. 



Günibel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 269 

Nördlich von Amberg und westlich von Hirschau ist 
wohl kein Aufschluss schöner und vollständiger als der bei 
Gr. Albertshof, wesshalb hier dieses Profil, welches den 
Character des ganzen südlichen Distriktes repräsentirt, nicht 
übergangen werden darf. 

Profil Y. bei Gr. Albertshof. 
Oberfläche: Krume. 

1) Gelbgrauer, eisenhaltiger Mergelkalk voll 
Quarzkörnchen mit Gryphaea gigas, Ammo- 

nites Masseanus etc. 2 1 /*'m: 

2) Braungclber, sandiger Kalk mit thonigen 
Zwischenlagen in dünne Bänke geschieden 

mit Pentacrinus tuberculatus 2'm : 

3) Braungelber, kalkiger Sandstein mit grossen 
Quarzkörnern (Arietensandstein) 3'm : 

4) Gelber, brauner und grauer Letten- oder 
Mergelschiefer mit Zwischenlagen gelben 
Sandsteins — Lias — 4'm: 

5) Grobkörniger Sandstein mit Brauneisenstein- 
schalen, porös — Keuper — 3'm : 

6) Gelber Sandstein 12'm: 

7) Thonige Zwischenlage mit Spuren von 
Pflanzenresten ^i'm : 

8) Weisslicher Bausandstein 4 3'm: 

In den beiden durch den versteinerungsreichen Wach- 
telgraben bei Raigering und den Hohlweg oberhalb 
Paulersricht entblössten Profilen genügt es zur Orientir- 
ung mit den tiefsten Lagen des mittleren Lias, mit dem 
durch seine gigantische Gryphaea (gigas) ausgezeichneten 



270 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Quarzkalke oben zu beginnen. So erhält man beide zu- 
sammenfassend folgende Schichtenreihenfolge: 

Profil Z. 

Wachtelgraben — Paulersricht NO. von Amberg. 

1) Gryphaea gigas-Bank, grauer Quarzkalk mit 
Ammonites brevispina 2 1 li'm: 

2) Fester, grauer, durch Verwitterung brauner 
Mergelkalk mit grossen rohen Fettquarz- 
körnern ohne Gryphaea gigas (? Tuberculatus- 
Schichte) 1 Vm : 

3) Braungelber bis schwarzbrauner Mergel mit 
groben Quarzkörnern und festen Mergel- 
knollen — Arietensandstein — 3'm : 

4) Grauschwarzer, sehr fester Schieferthon mit 
Pecten Hehli 3 /4'm: 

5) Gelber, sehr harter kieseliger Schiefer 2'm : 

6) Gelber Lettenschiefer — Lias — 1 x li'm : 

7) Gelber grobkörniger Sandeisenstein und 
Eisenschwarten, unzersetzt mit Schwefelkies- 
putzen, unten von weisslichen Letten be- 
grenzt — Keuper — 3 /4'm: 

8) Grauer, oben schwärzlicher, feiner Letten- 
schiefer, zu oberst glimm erreich, kohlig und 
voll Blasenräume l'm : 

9) Lebergelber Lettenschiefer 3 /4 / m : 

10) Eisenschüssiger, gelber, grobkörniger Sand- 
stein , nach unten übergehend in weissen 
Bausandstein 54'm : 

11) Unterlage unmittelbar unter dem Sandstein : 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 271 

gelber Letten, Eisenschwarte, gelber Letten- 
schiefer zusammen V^'m: 

12) Rother Keuperletten. 

Innerhalb des grossen Bodenwöhrer Beckens sind die 
Aufschlüsse auf der Grenze zwischen Lias und Keuper sehr 
dürftig, da hier in dem weissen Keupersandstein keine 
Steinbrüche angelegt sind. 

Die schönste Entblössung fand ich am Wege von 
Brück nach 0. Ransberg und an dem Bergwege nach E in- 
siede 1. Um zu zeigen, dass auch in dieser weit iu's 
Urgebirge eingreifenden Bucht keine wesentliche Aenderung 
in der Zusammensetzung der Grenzgebilde eingetreten ist, 
folge hier das combinirte 

Profil ZI bei Brück im Bodenwöhrer Becken. 

1) Gelber Kalk voll Ammonites crassus und 
Belemnites irregularis 3'm : 

2) Gelber, dünngeschichteter Mergelschiefer mit 
Ammonites communis, oben kalkig und eben- 
schichtig, unten dolomitisch, braungefleckt, ' 

in knolligen Lagen mit Monotis substriata 16 ^'nt: 

3) Weisser aufgelockerter Lettenschiefer 3'm : 

4) Gelber, unzersetzt blaugrauer Posidonomyen- 

Schiefer mit Pflanzenresten 5'm: 

5) Oben in Nagelkalk-ähnlichen Massen ausge- 
bildeter Brauneisenstein (Kräuselerz) , unten 
grüngrauer Mergel mit Brauneisenoolith- 
körnchen (Sohlerz) mit Ammonites spinatus, 
Bliynchonella acuta etc.: Bergbauschicht. iVa'm; 

6) Eisenschüssiger, grobkörniger Sandkalk voll 
Crinoideen mit Pecten liasinus , Spirifer 
Münsteri und Gryphaea obliqua 3'm: 

[1864. 1. 4.] 19 



272 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

7) Sehr grobkörniger, eisenschüssiger Sandstein 
mit Pecten Hehli, P. texturatus, JBelemnites 

acutus — Arietensandstein — 2'm: 

8) Weisser grobkörniger Sandstein l^'m: 

9) Gelblich weisser, feinster gelbstreifiger unten 
dünnschichtiger Sandstein — Keuper — 8'm: 

10) Weisser Bausandstein 20'm: 

11) Rother Keuperletten. 

In der direkten Verbindung zwischen Amberg und 
Regensburg berührt die Naabthalung den Schichtencomplex 
des tiefsten Lias und obersten Keupers, dieselben quer durch- 
brechend , oberhalb Burglengtmfeld. Hier kann man ihre 
Zusammensetzung am vollständigsten in dem Hohlwege von 
Dorf Bubach gegen den Buchheimer Forst beobachten. Be- 
schränken wir das Profil auf die Schichtenreihe von der 
ersten bestimmt orientirten Liasbank, so erhalten wir das- 
selbe in folgender Weise. 

Profil ZJL bei Bubach. 

1) Eisenbraune, dünnbankige Schichte mit grossen 
Quarz-, auch Feldspathkörnchen mit Gryphaea 

obliqua und Pentacrinus tuberculatus 1 ji / m : 

2) Grobkörniger, eisenschüssiger braungelber 
Sandstein (Arietensandstein) 3'ni : 

3) Weisser und gelber locker gebundener Sand- 
stein, nach unten feinkörnig bis dicht in 

dünnen Bänken getrennt 7'm: 

4) Feinster gelbweisslich gefärbter Sandstein in 
dünne Bänke geschichtet, auf den Schicht- 
ungsflächen wellig uneben, mit Wellenschlägen 
und rothgefärbten Wülsten (zopfartig) , in 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 273 

der Masse mit rothen, quer durchsetzenden, 
Algen-ähnlichen Zeichnungen — Lias — 10'm: 

5) Thonig sandige Lage, buntfarbig, weiss, 
blauroth und gelb; weich 5'm: 

6) Sandsteinbildung genau wie Schicht Nr. 4 10'm: 

7) Grobkörniger Sandstein mit Rotheisenstein- 
putzen, in der Mitte mit einer an Rotheisen- 
stein reichen Lage 18'm : 

8) Mittelkörniger Sandstein nach Art des Bau- 
sandsteins — Keuper — 9'm : 

9) Weisse, sandig thonige Lage mit Pflanzen- 
abdrücken 3'm : 

10) Grobkörniger, weisser Sandstein mit röth- 

lichen Feldspathkörnchen , arkoseartig 25'm: 

11) Rother, grüngefleckter Keuperletten. 

Zum Schlüsse der Darstellung in den einzelnen Pro- 
filen setze ich noch den Durchschnitt im äussersten SO. 
des ganzen Verbreitungsgebietes , nämlich auf dem Keil- 
berg bei Regensburg hier bei, wie ihn ein Schacht 
früher hat beobachten lassen. 

Profil ZA auf dem Keilberg bei Regensburg. 

1) Gelber lettiger aufgewitterter Boden mit 
geodenartigem blauem Kalk in Brocken mit 
Ammonites radialis 6 3 M'm: 

2) Blaugrauer Mergelschiefer, nach unten gelb 
dünnblättrig mit Posidonomya JBronni und 
sonstigen Versteinerungen der Posidonömyen- 

Schicht 23Vm: 

3) Gelber Mergel mit Brauneisenerz 1 V*'m : 

4) Oolithischer Rotheisensein mit Bhynchonella 

19* 



274 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

acuta, Pecten priscus, P. aequivalvis, Myti- 
lus subpulcher , Belemnites breviformis. 
(Margaritatus und Spinatus- Schichten oder 
Niveau des Bodenwöhrer Sohlerzes) lV2'm: 

5) Eisenhaltiger, fast krystallinisch körniger 

Kalk mit Quarzkörnern und Gryphaea obliqua 1 Vs'm ; 

6) Grobkörniger, sehr fester Quarzsandstein 

— Arietensandsteinbank — 1 1 \% 'in : 

7) Ganz feinkörniger, oft hornsteinartiger gelb- 
licher Sandstein mit Ammonites cf. John- 
stoni — Lias — 3'm : 

8) Feinkörniger, gelblicher, röthlicher und weiss- 

licher Sandstein (Bausandstein) — Keuper — 27'm: 

9) Rother Keuperletten 31'in: 

10) Keupersandstein von mittlerem Korn in 

Lagen wechselnd mit buntem Keuperletten 32 / m: 

11) Weisser, mittelkörniger Keupersandstein, 
dessen feldspathige Beimengung in Por- 
zellanerde umgewandelt ist, daher behufs 
der Gewinnung der Porzellanerde berg- 
männisch ausgebeutet (Stubensandstein) 6 3 /4'm : 

12) Sand und bunter Keuperletten. 41'm: 

Urgebirgs schichten. 
Aus dieser Reihe von mitgetheilten Profilen, die im 
äussersten SW. am Westflusse des bayerischen Antheils 
am fränkisch-schwäbischen Juragebirge beginnen und längs 
des ganzen Randes bis zum letzten nördlichen Ausläufer 
bei Koburg und dann auf dem 0. Rande der Alb durch die 
Oberpfalz bis zum letzten südöstlichen Punkte dicht an der 
Donau bei Regensburg von Stelle zu Stelle die Beschaffenheit 
der Grenzgebilde zwischen Keuper und Lias darstellen, möchte 
unzweifelhaft hervorgehen, dass die durch ihre weisse und 



Gümbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 275 

gelbliche Färbung und meist feste Beschaffenheit 
— daher zu Bauzwecken brauchbare Sandsteinbildung, 
stets über dem rothen, oberen Keuperletten und 
unter den tiefsten Liasschichten lagernd, ein 
zusammenhängendes Ganzes, eine bestimmt ab- 
gegrenzte Stufe ausmacht; dass ferner die berühmte 
oberfränkische Pflanzenschicht (von Strullendorf, 
Jägersburg, Veitlahm, Theta und Fantasie etc.), in 1, 2 
oder 3 dicht an einander liegenden Schichten vertheilt, in- 
nerhalb dieser Stuf e des Bausandstein's lagert, fast 
gleichem geognostischem Horizonte angehört und 
unter der eigentlichen Bonebedschicht liegend mit 
diesen entweder nach den triasischen Formationen 
als oberste Abtheilung angeschlossen, oder als eine 
Vorbildung der jurassischen Formation zu diesen 
hinaufgezogen werden muss. Man kann mithin diesen 
Schichtencomplex der die piianzenführenden Schiefer ein- 
schliessenden Gebilde mit Recht entweder als Bonebed- 
Schichten oder wie ich vorgeschlagen habe, als Rhae- 
tische Stufe bezeichnen. 

Hierfür sprechen noch die Analogien anderer Lokali- 
täten. Denn nicht bloss in Franken liegen pflanzenführende 
Schichten innerhalb der Bonebedstufe, sondern auch 
unter ganz entsprechenden Verhältnissen an Orten, wo auch 
wirkliches Bonebed entwickelt ist, in Schwaben. 

Quenstedt führt ausdrücklich in seinein ,,Jura'' 
(S. 25) diese Pflanzenablagerungen an und scheidet sie sehr 
bestimmt von der kleinen Kohlenbildung, die tiefer im Stu- 
bensandstein stellenweise sich zeigt. Auch Oppel (Sitzb. d. 
k. Ak. d. Wiss. in Wien XXI. S. 539) erwähnt in dem 
Esslinger Profile in den Grenzschichten hellgrauen, glimmer- 
reichen Thon mit Kohlen resten. Wären in Schwaben 
gerade in dieser Höhe zahlreichere Steinbrüche, hätte man 
wahrscheinlich auch dort dieselbe Flora, wie in Franken. 



276 Sitzunj der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Die Analogie ist wenigstens eine vollständige. Auch in dem 
nächsten der schwäbischen angeschlossenen Bonebedbezirke 
kommen in derselben Lage Pflanzenreste vor, nämlich bei 
Langenbrücken am Rheinthale (Deffner und Fraas. d. Jura- 
versenk. N. Jahrb. 1859. S. 8). 

Im norddeutschen Gebiete werden solche Pflanzenlager 
in gleichem Niveau ebensowenig vermisst. Schlönebach 
bezeichnet sie in seinen äusserst lehrreichen Profilen mehr- 
fach (N. Jahrb. 1860 S. 520; 523; 525; 1862 S. 150; 
163; 175) und Credner (N. Jahrb. 1860 S. 298) spricht 
gleichfalls davon. 

Auch aus England erwähnt Moore (Quart. Journ. of 
the geol. Soc. Nov. 1861 S. 512), das Vorkommen von 
Pflanzen in den Bonebedschichten. 

Es ist demnach die Einlagerung pflanzenführender 
Schichten in der dem Bonebed entsprechenden Stufe Fran- 
kens keine aussergewöhnliche Erscheinung. 

Was nun die Natur dieser Pflanzen anbelangt, so darf 
ich mich hier auf einige allgemeine Bemerkungen beschrän- 
ken, weil wir in Bälde eine ausführliche Arbeit über diesen 
Gegenstand von Hrn. Prof. Schenk in Würzburg zu er- 
warten haben. 

Bei Untersuchung der verschiedenen Lagerstätten im 
SW. , N. und NO. konnte ich einen wesentlichen Unter- 
schied in ihrer Flora nicht erkennen. Es kommen zwar 
viele Arten nur an einzelnen Fundorten vor, aber diess 
sind meist überhaupt Seltenheiten. Die charakteristischen 
Species finden sich gleichmässig fast an allen Hauptfundorten, 
an welchen mit Energie gesammelt wurde. Diess geht auch 
unzweideutig aus einer Zusammenstellung aller bisher im 
nördlichen Franken in diesen Schichten gefundenen Arten 
hervor, welches Verzeichniss ich der besonderen Güte des 
Hrn. Prof. Braun in Bayreuth verdanke. Ich nehme hier 
gerne Veranlassung, für diese uneigennützige Unterstützung 



Gilmbel: Knochenbett und Pflanzenschichten Frankens. 277 

meines sehr verehrten Freundes meinen besten Dank aus- 
zusprechen. 

Unter den gewöhnlichsten d. h. häufigsten Arten finden 

sich nach dieser Zusammenstellung beispielsweise : 

Equisetites Münsteri Sternb. zu Strullendorf, Reindorf, 

Höfen, Veitlahm, Hardt, Saaserberg, Jägersburg und 

Reuth, ich kann hinzufügen auch bei Roth unfern 

Schesslitz und im Bürgerwalde bei Forchheim. 

Taeniopteris Münsteri Göpp. zu Theta. im Teufelsgraben, 

bei Forst. 
Andriania baruthina Fr. Braun zu Theta , Veitlahm , Forst 

und am Saaserberg. 

Kirchneria ovata Fr. Braun zu Theta und im Teufelsgraben. 

Camptopteris Münsteriana Presl. zu Strullendorf, Fantasie, 

Theta, Veitlahm, Saaserberg und Atzeisberg bei Erlangen. 

Camptopteris crcnata Presl. zu Fantasie , Veitlahm , Hardt 

und im Teufelsgraben. 
Pecopteris liaso-Jceuperina Fr. .Braun zu Veitlahm, Theta, 

Forst und Saaserberg. 
Pterozamites Münsteri Presl. zu Strullendorf. Fantasie, 

Veitlahm, Saaserberg und Reuth. 
Podozamites distans Presl. zu Strullendorf, Fantasie, Veit- 
lahm, Saaserberg und Reuth, auch bei Oberleiterbach 
fand ich diese Art. 
Palissya Brauni Endl , zu Strullendorf, Veitlahm , Hardt, 
ausserdem fand ich sie an der Birkenleite unfern 
Rentweinsdorf, am Centberge und in den meisten 
Steinbrüchen bei Sesslach, Ebern und Schesslitz, in 
welchen die Pflanzenschiefer entblösst waren. 
Was nun die Natur der Gattungen und Arten von 
Pflanzen , welche in diesen Schichten eingeschlossen sind, 
anbelangt, so scheinen auch die Pflanzenreste, nnalog der 
Fauna, eine doppelte Richtung nach rückwärts and nach 
vorwärts zu vertreten; einige Arten sind Abkömmlinge 



278 Sitzung der math.-phys. Gasse vom 7. Mai 1864. 

der triasischen Flora, andere Prototypen der nachfolgen- 
den jurassischen Formen. Im Allgemeinen lässt sich ein 
enger Anschluss an die LiasÜora nicht verkennen. Doch 
soll, wie mir Hr. Prof. Schenk mitzutheilen die Güte hatte, 
soweit seine Untersuchungen reichen, keine Art mit 
einer Liasspecies identisch sein. Dass starke An- 
klänge an die jurassische Flora zu bemerken sind, ist 
übrigens nicht anders zu erwarten, da ja, auch wenn wir 
von der Flora des Kanonenbergs bei Halberstadt, deren 
ganz genauer Horizont nach den neuesten Mittheilungen 
Schlönebach's (1. c. 1860 S. 319 und 1862 S. 146 u. folg.) 
immer noch in tiefes Dunkel gehüllt bleibt, absehen, vergleich- 
bare Pflanzenreste mehr in höher liegenden Liasbildungen be- 
kannt sind, welche diesen Grenzgebilden nach der 
Zeit ihrer Entstehung weit näher stehen, als die vor- 
ausgehenden der Lettenkohlenstufe oder gar des bunten 
Sandsteins. Ich glaube, bei dem gegenwärtigen Standpunkte 
der Keuntniss der Fauna und Flora dieser Grenzschichten 
und in Berücksichtigung der Lagerung und Verbreitung 
derselben hat die Streitfrage, ob diese Grenzgebilde zur 
Keuper- oder Liasformation zu rechnen seien , kaum mehr 
eine grössere Bedeutung, als die eines Wortstreites. In 
geognostischer Beziehung ist die Hauptsache, festgestellt 
zu haben, dass diese Schichten ausnahmslos zwischen den 
oberen Keuperlagen und den bisher als tiefste Liasbildung 
angenommenen Schichten ihre Stelle finden und vermöge 
ihrer sehr ansehnlichen, horizontalen und vertikalen Aus- 
breitung die Bedeutung einer selbstständigen Abtheilung zu 
beanspruchen berechtigt sind. Ich nehme desshalb hier 
Veranlassung, meinen Vorschlag, diesen Sehichtencomplex 
als rhaetische Formation auszuscheiden, zu wieder- 
holen. 



Vogel jun.: lieber Torfkohle. 279 



Herr Vogel jun. hielt einen Vortrag: 
„Ueber die Torfkohle." 

Die zahlreichen Versuche , welche in neuerer Zeit mit 
Verkohlung und Destillation organischer Körper angestellt 
worden sind , haben verschiedene zum Theil ganz neue 
VerkohluDgs- und Destillationsmethoden zu Tage gefördert, 
von denen einige, wie z. B. die Verwendung von überhitzten 
Wasserdämpfen , sich zwar als wissenschaftlich höchst in- 
teressant, gleichwohl in der Praxis ziemlich schwierig er- 
wiesen und wenigstens bis jetzt nicht die Hoffnungen er- 
füllt haben , die man anfangs davon hegte. Unter diesen 
Methoden ist eine, welche sich ganz besonders durch die 
überraschende Qualität ihrer Produkte auszeichnet, indem 
sie selbst solche organische Körper, welche in der Regel 
bei erhöhter Temperatur ihre Form verlieren , wie z. B. 
Haare, Federn, ja selbst ganze Thierkörper, feine Pflanzen- 
theile, Aehren, Blumen u. dgl. ohne Veränderung ihrer 
ursprünglichen Form vollständig zu verkohlen gestattet. 
Die Methode besteht darin, dass man ein durch Ver- 
brennung trockner Substanzen erzeugtes . heisses, sauerstoff- 
freies Gasgemenge mittelst eines ganz einfachen Ventila- 
tionsapparates über den in einem verschlossenen Räume 
befindlichen zu verkohlenden Körper leitet. Es schien mir 
diese Verkohlungsmethode, die eben so wohl zur blossen 
Röstung, wie zur vollständigen Einäscherung modificirt 
werden und deshalb eine sehr vielseitige Anwendung er- 
halten kann, hier insofern besonders erwähnenswerth , weil 
sie zuerst in Bayern eine praktische Verwendung im Grossen 
und zwar zur Verkohlung von Torf erhalten hat. 

Die Beschaffenheit der Torfkohle hängt, wie man weiss, 
von der Beschaffenheit des zur Verkohlung verwendeten 
Torfes ab; eine harte consistente Torfsorte, wie sie durch 



280 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Maschinenbearbeitung erhalten wird, gibt selbstverständlich 
eine härtere Kohle, als eine lockere Torfsorte, wie diess 
ja auch mit den verschiedenen zur Verkohlung verwendeten 
Holzarten der Fall ist. Bei der Verkohlung des Maschinen- 
torfes tritt auch der wohl zu berücksichtigende Umstand 
ein, dass zur Herstellung einer als Heizmaterial brauch- 
baren Torfkohle es nicht hinreichend erscheint, einen mög- 
lichst harten und compakten Torf anzuwenden, sondern 
dass es ausserdem nothweadig ist, nur solche Torfsorten 
zu wählen, welehe sich beim Erhitzen nicht in Schichten 
abblättern; durch dieses blättrige Gefüge ist z. B. mancher 
im Uebrigen ganz brauchbare Presstorf zur Verkohlung 
ganz und gar ungeeignet. 

Wenn es nun für Heizzwecke vortheilhaft sein muss, 
möglichst harte und nicht abblätternde Torfkohle herzu- 
stellen, so wird es zu einer anderen Reihe technischer An- 
wendungen rationell sein, möglichst lockere Torfkohle zu 
gewinnen. Bisher hat man indess nur selten und ober- 
flächlich den Werth und die Brauchbarkeit der lockeren 
Torfkohle beachtet. In England resp. Irland entstand zu- 
erst zu Derrymullen ein grösseres Werk, das sich mit der 
Herstellung von lockerer Torfkohle als Düng- und Des- 
infektionsmittel beschäftigte; die Verfahrungsweise ist aber 
noch sehr roh und ungenügend. 

Einige auf den bekannten Torfwerken Staltach bei 
Starnberg und Moosschwaige bei Schleisheim ausgeführte 
Versuche stellen jedoch für diese Art Kohle eine so ausge- 
dehnte und wichtige Art der Verwendung in Aussicht, dass 
ich nicht umhin kann , hier das Ergebniss meiner eigenen 
Beobachtungen zu erwähnen. Es ist nämlich auf den ge- 
nannten Torfwerken gelungen , aus einem als Heizmaterial 
fast unbrauchbaren, leichten Torfe eine Kohle darzustellen, 
die an Porosität alle anderen Kohlensorten , mit Ausnahme 
der ganz reinen Blutkohle, weit übertrifft. Die Absorptions- 



Vogel jun.: lieber Torfkohle. 281 

fähigkeit der auf solche Weise erhaltenen Kohle ist, wie 
direkte Versuche gezeigt haben , überaus gross. Zu den 
Versuchen wurde zunächst künstlich bereitetes Schwefel- 
wasserstoffwasser verwendet. Dasselbe enthielt nach der 
bekannten mit Normalarsenlösung und Jod ausgeführten 
Titrirniethode 0,14 Grmni. Schwefelwasserstoff in 100 C.C. 

360 C.C. dieses Schwefelwasserstoffwassers wurden in 
einer Flasche mit 40 Grmm. Torfkohle in Pulverform ge- 
schüttelt; das nach kurzer Zeit von der Torfkohle abfiltrirte 
Wasser hatte den Geruch nach Schwefelwasserstoff gänzlich 
verloren und zeigte auch nicht die mindeste schwarze Fär- 
bung mit einer Lösung von essigsaurem Bleioxyd. Erst bei 
der Anwendung von 660 C.C. des Schwefelwasserstoff- 
wassers auf 40 Grmm. Torfkohle zeigte die durchgelaufene 
Flüssigkeit noch schwachen Geruch nach Schwefelwasserstoff 
und eine geringe Färbung mit dem Bleisalze. Weitere 
quantitative Absorptionsversuche ergaben das Resultat, dass 
100 Grmm. Torfkohle 2,1 Grmm. Schwefelwasserstoff zu 
absorbiren , mithin 1522 C.C. eines Schwefelwasserstoff- 
wassers von 0,18 Proc. Gehalt zu desinficiren vermochten. 
Sie steht somit in dieser Beziehung, wie vergleichende Be- 
obachtungen nachgewiesen haben, der thierischen Kohle 
nahezu gleich, obschon sie letzterer als Entfärbungsmaterial 
nachsteht. 

Faule und übelriechende Körper mit dieser Kohle be- 
streut, verlieren fast augenblicklich jeden Geruch. In ihr 
dürfte wohl das beste Mittel gefunden sein, um Cloaken in 
grösseren Städten zu desinficiren, auch für Krankenzimmer 
wird sie sehr geeignet sein , um den üblen Geruch der De- 
jektionen zu beseitigen. In Verbindung mit thierischen 
Excrementen, mit Blut, Abfällen u. dgl. bildet sie eines der 
wirksamsten Düngemittel, welches wegen seiner vollkom- 
menen Geruchlosigkeit einen unbeanstandeten Transport ge- 
stattet. Da diese Torfkohle zu einem verhältnissmässig 



282 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

sehr niedrigen Preis gestellt werden kann, so steht ohne 
Zweifel eine bedeutende Anwendung dieses Materiales im 
Grossen zu erwarten. 



Herr Nägeli hielt einen Vortrag: 

,,Ueber den innern Bau der vegetabilischen 
Zellenmembranen". 

(Mit zwei Tafeln) 

Es ist schon lange bekannt, dass die pflanzlichen Zell- 
membranen nicht bloss geschichtet sind, sondern dass sie, 
auch von der Fläche angesehen, eine zarte Zeichnung zeigen, 
unabhängig von der gröbern Zeichnung, welche Folge un- 
gleicher Verdickung ist und in Form von Fasern und Poren 
auftritt. Die ersten genauen und sichern Angaben hierüber 
rühren von Mo hl her (Erläuterung und Vertheidigung 
meiner Ansicht von der Structur der Pflanzensubstanz 1836). 
Derselbe beobachtete an den Wandungen vorzüglich von 
Bastzellen eine netzförmige Structur und leitete dieselbe 
von spiralförmig gewundenen, steil aufsteigenden Fasern 
her, welche in den verschiedenen Membranschichten sich 
kreuzten und daher die Fläche der Zelle in rhomben- 
förmige Felder zu theilen schienen. 

Valentin machte gleichzeitig ähnliche Beobachtungen, 
glaubte aber irrthümlieher Weise , dass die spiralförmigen 
Fasern an einer Zelle in gleicher Richtung verlaufen und 
dass die Kreuzung derselben von dem Durchscheinen der 
hintern Zellwand herrühre und daher wie bei den eigent- 
lichen Spiralfasern nur scheinbar sei (Valentin's Reperto- 
rium für Anat. und Physiol. I, 88). Derselbe fand ferner, 
dass nicht die äusserste Schicht der Membran (die sog. 
ursprüngliche Membran), sondern nur die übrigen Schichten 
(die sog. Verdickungs- oder Verholzungsschichten) die spirali- 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 283 

gen Streifen erkennen lassen; und es sollten dieselben aus 
Körnchen hervorgehen, welche auf der innern Fläche der 
Membran sich anlagern, zuerst ohne bestimmte Anordnung, 
bald aber reihenförmig geordnet erscheinen und schliesslich 
in die Fasern übergehen. 

Zu der nämlichen Zeit beschäftigte sich auch Meyen 
mit der spiraligen Zeichnung der Zellenmembranen, ver- 
öffentlichte seine Untersuchungen aber etwas später (Ptian- 
zenphysiologie 1837, I, 18, 45, 108). Durch Vermengung 
von wirklichen Spiralfaserzellen, welche sehr feine und eng- 
gewundene Spiralfasern besitzen, mit den spiralförmig ge- 
streiften Membranen wurde derselbe zu dem Ausspruche 
veranlasst, die Schichten der Zellwandung , auch die 
äusserste nicht ausgenommen , bestehen aus trennbaren 
Fasern. 

Fortan tritt nun die Frage , ob die Membranen aus 
sogenannten Primitivfasern zusammengesetzt seien, in den 
Vordergrund. Mohl widmete ihr eine Abhandlung (über 
den Bau der vegetabilischen Zellmembran 1837) und ver- 
neinte sie. Indem er die Irrthümer Meyen 's nachwies, 
legte er besonderes Gewicht auf die beiden Thatsachen, 
erstlich, dass bei den Bastzellen der Apocyneen die Fasern 
häufig einen netzförmigen Verlauf haben, und dass die 
Lücken zwischen denselben mit einer glatten Membran aus- 
gefüllt seien, ferner dass die jugendlichen Zellhäute immer 
homogen erscheinen und erst später gestreift werden; die 
Faserung oder Streifung im einen und andern Fall erklärte 
er durch ungleiche Verdickung der Membranschichten. 

Für die Zusammensetzung der Zellmembranen aus 
Primitivfasern trat hinwieder J. Agardh in die Schranken 
(De cellula vegetabili fibrillis tenuissimis contexta 1852). 
Er untersuchte ausschliesslich einige grosszellige Meeralgen 
und glaubte hier aufs deutlichste die Selbstständigkeit der 
Fibrillen erweisen zu können , welche gleichsam wie in der 



284 Sitzung der math.-plnjs. Classe vom 7. Mai 1864. 

Leinwand mit einander verwoben und gekreuzt seien und 
nicht nur von einer Mernbranschicht in die andere, sondern 
auch von einer Zelle in die andere übertreten. Diese 
Fibrillen werden durch eine Gallerte bedeckt und vereinigt 
und lassen sich nur selten vollkommen von einander 
trennen. 

Dagegen erwiederte Mo hl (Bot. Zeit. 1853 p. 753), 
dass der Uebergang einer Faser aus einer Membranschicht 
in die andere an den von Agardh untersuchten Pflanzen 
nicht zu beobachten sei, dass im Gegentheil die Selbst- 
ständigkeit der Schichten hier besonders deutlich und lehr- 
reich entgegentrete. Die einzelnen Schichten seien aber 
mit sehr feinen, parallellaufenden, einander sehr genäherten 
Linien besetzt, welche sich ungefähr unter einem rechten 
Winkel kreuzen und welche in der gleichen Fläche zu liegen 
scheinen. Eine Trennung dieser Streifen oder Fäserchen 
lasse sich weder durch mechanische noch durch chemische 
Mittel vollziehen; diess gelte auch von den Spiralstreifen 
der Bastzellen, welche entweder in gleicher Richtung ver- 
laufen oder gleichzeitig rechts und links gewundene Spiralen 
darstellen , wobei es unentschieden gelassen wurde , ob die 
sich kreuzenden Linien der nämlichen oder verschiedenen 
Membranschichten angehören. Ebenso lässt es Mo hl schliess- 
lich unentschieden , ob die Membran aus Elementarfasern 
von bestimmter Form und Organisation zusammengesetzt, 
oder ob jene Streifen nur die Andeutung einer ungleich- 
förmigen , nach der Richtung einer Spirale geordneten An- 
ordnung der Molecüle seien. 

Durch eine Reihe von Untersuchungen an den ver- 
schiedenen pflanzlichen Geweben wollte H. Crüger (Bot. 
Zeit. 1854 p. 57 und 833) nachweisen, dass die Schichten 
aus nebeneinander liegenden und leicht trennbaren Primitiv- 
fasern bestehen. Beobachtung und Urtheil lassen aber all- 
zusehr den Mangel an Critik fühlen. Mit der Streifung 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 285 

wird nicht nur die Faltung der Membranen, sondern selbst 
die Schichtung vielfach verwechselt. Die Angaben betreffend 
das zweite Liniensystem , welches auf den Bastzellen der 
Apocyneen und Asclepiadeen sich mit den aufsteigenden 
Spiralstreifen kreuzt und eine netzförmige Zeichnung hervor- 
bringt, werden missverstanden und dasselbe für eine auf 
Interferenz beruhende optische Täuschung erklärt. Die 
Messungen, welche Crüger über die Zunahme der Zellen- 
durchmesser und die Richtungsänderungen der Streifen bei 
der Quellung anstellte, entscheiden nicht, wie er meinte, 
über die Existenz der Primitivfasern, sondern nur über 
deren Imbibitionsfähigkeit ; sie geben übrigens, wenn die 
Rechnung richtig ausgeführt wird, das entgegengesetzte 
Resultat von dem, das der Verfasser ableitet, indem sie 
nämlich eine beträchtliche Wasseraufuahme in der Längs- 
richtung der Streifen darthun. 

Crüger ging noch weiter und wollte die Primitiv- 
fasern der Zellmembranen mit den Protoplasmaström chen 
des Inhaltes in Verbindung bringen (Bot. Zeit. 1855 p. 601). 
Es ist überflüssig, auf diese Phantasie einzutreten, da jeder, 
der die Strömchen des Inhaltes und die Streifen der Mem- 
bran beobachtet hat, ihre Verschiedenheit mit Bezug auf 
die Grösseverhältnisse , die Anordnung und die Richtung 
kennt. 

Rücksichtlich der thatsächlichen Beobachtungen stellt 
sich Schacht (Beiträge zur Anat. und Physiol. der Ge- 
wächse 1854 p. 221) auf Seite Agardh's, indem er an- 
giebt, dass in vielen Fällen die Membranschichten durch 
chemische und mechanische Mittel sich zerfasern lassen. 
Er bestreitet aber, dass dieselben desswegen aus Fasern 
beständen , behauptet vielmehr , dass die faserähnlichen 
Streifen nichts anderes als verdickte Stellen der Mem- 
branschichten seien, wenn ich anders den Sinn richtig auf- 
fasse ; denn im Verlaufe der Abhandlung wird dann die 



286 Sitzung der math.-phys. Gasse vom 7. Mai 1864. 

Verdickung mit Verdichtung und schliesslich selbst die un- 
gleiche Verdichtung der verschiedenen Membranstellen mit 
der in verschiedenen Richtungen ungleichen optischen Dich- 
tigkeit, welche die Polarisationserscheinungen bewirkt, ver- 
mengt. 

Wigand (Ueber die feinste Structur der vegetabilischen 
Zellenmembraneu , in den Schriften der Gesellschaft zur 
Beförderung der gesammten Naturwissenschaften zu Mar- 
burg 1856) folgte im Allgemeinen der Darstellung Mohl's. 
Ueberdem hält er dafür, dass die sich kreuzenden Streifen 
verschiedenen Membranschichten angehören und leitet die 
Streifung in den einen Fällen von einer Faltung oder 
wellenförmigen Biegung der Membran , in den anderen 
Fällen von einer chemischen Differenz des Zellstoffes ab. 

Ich habe mich veranlasst gesehen, das Resultat meiner 
eigenen Untersuchungen bereits bei einer früheren Gelegen- 
heit kurz darzulegen. Hier will ich , einlässlicher darauf 
eingehend , zunächst einige allgemeine Fragen behandeln 
und dann das Verhalten der verschiedenen Zellenformen 
erörtern. 

Die erste und wichtigste Frage ist die, wodurch das 
feingestreifte Aussehen der Membranen veranlasst werde. 
Es giebt drei mögliche Ursachen , die auch alle bereits in 
Anspruch genommen wurden : 1) wellenförmige Biegung, 
2) ungleiche Dicke, 3) ungleiche Substanz der Schichten. 
Vorerst sind natürlich alle diejenigen Fälle auszuschliessen, 
wo ein gefasertes Aussehen durch zarte Falten bewirkt wird, 
welche sich in Folge der mechanischen Behandlung (Zerren 
mit Nadeln etc.) an den dünnen .Membranen bilden. Es ist 
das Verdienst Mohl's in diesem Umstände eine Quelle des 
Iirthums nachgewiesen zu haben. 

Dass auch die wirkliche Streitüng ganz oder zum Theil 
auf einer wellenförmigen Biegung beruhe, wurde von Wi- 
gand für Conferva Melagonium, Polysiphonia com- 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 287 

planata, Halurus equisetifolius und für Bastzellen 
angenommen. Es scheint mir aber, dass er in dieser Be- 
ziehung nicht genau genug beobachtet und nicht scharf ge- 
nug unterschieden habe. 

Wellenförmige Biegung oder Fältelung lässt sich nämlich 
an sehr vielen Zellen beobachten; und sie kann als ge- 
wöhnliche Erscheinung betrachtet werden an weichen gallert- 
artigen Membranen (Algen) , welche getrocknet waren und 
wieder aufgeweicht werden oder die in Weingeist und 
andern Mitteln aufbewahrt wurden, sowie an festern Mem- 
branen (ßastzellen, Holzfasern), welche durch ein quellendes 
Medium aufgelockert werden. Da die Menge der abgegebenen 
oder aufgenommenen Imbibitionsflüssigkeit nicht in allen 
Schichten die nämliche ist, so erfolgt natürlich eine Fälte- 
lung einzelner Schichten oder Schichtencomplexe. Man 
kann dieselbe bald auf dem Querschnitt, bald auf dem 
Längsschnitt, bald auch auf beiden sehen. 

Eine gleiche Fältelung sieht man zuweilen auch an 
Präparaten , die frisch von einem lebenden Pflanzentheil 
angefertigt werden (z. B. an den Epidermiszellen von 
Blättern). Ich lasse es unentschieden, ob diese Erscheinung 
wirklich der lebenden Zelle angehöre und eine Folge 
ungleichen Wachsthums der verschiedenen Membrantheile sei, 
oder ob sie erst durch die Präparation hervorgebracht 
werde. Letzteres wäre insofern möglich, als, wie ich an 
einem andern Ort gezeigt habe , lebende Zellmembranen, 
welche durchschnitten werden, eine beträchtliche Menge 
von Imbibitionsflüssigkeit aufnehmen. 

Alle diese Fältelungen erscheinen, wenn man die Mem- 
bran von der Fläche betrachtet, als parallele Streifungen. 
Neben diesen Faltungsstreifen kommen aber noch andere 
vor , die ich wegen ihrer später zu erörternden Natur als 
Dichtigkeitsstreifen bezeichnen will. Die Faltungsstreifen 
sind im Allgemeinen breiter (IV2— 5mal so breit), stärker 
[1864. 1. 4.] 20 



288 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

und viel unregelmässiger als die Dichtigkeitsstreifen, welche 
letztere sich durch ihre Zartheit und Gleichmässigkeit aus- 
zeichnen. Oft werden die letzteren durch die erstem ganz 
verdeckt oder undeutlich gemacht, so dass man sie nur bei 
längerem und genauem Zusehen erkennt. Dass beide aber 
von einander unabhängige und selbstständige Bildungen 
sind, ergiebt sich klar aus dem Umstände, dass man sie 
sowohl auf der Flächen- als auf der Durchschnittsansicht 
neben einander sieht, und dass die Dichtigkeitsstreifen ge- 
rade da am deutlichsten sind, wo die Faltungsstreifen durch- 
aus mangeln l ). 

Nachdem die Dichtigkeitsstreifen als eine Eigenthüm- 
lichkeit der ungefalteten Membranschicht nachgewiesen sind, 
handelt es sich ferner um die Frage, welchem Umstände 



1) Bei Untersuchungen über die Streifung der Zellwände giebt 
es noch andere Erscheinungen, welche den Beobachter zu täuschen 
suchen, die aber bei einiger Aufmerksamkeit leicht erkannt werden. 
Auf den Durchschnitten erscheinen einmal gewöhnlich Streifen, die 
von der ausgezackten Messerklinge herrühren. Sie sind oft sehr 
deutlich, bald in gleichen, bald in ungleichen Abständen abwechselnd 
hell und dunkel. Sie geben sich leicht dadurch zu erkennen, dass 
sie über den ganzen Schnitt parallel verlaufen. 

Auf Durchschnitten durch hornartige Gewebe bilden sich ausser- 
dem zarte Risse. Dieselben sind streifenartig, abwechselnd hell und 
dunkel, etwas hin und hergebogen, oft verzweigt. Sie werden durch 
die Messerstreifen unterbrochen und bilden mit diesen spitze Winkel. 
Eine mit solchen Rissen besetzte Fläche des hornartigen Albumens 
erscheint oft wie wellig-gestreiftes Papier. 

Die eigentlichen Messerstreifen und die Rissstreifen werden um 
so eher vermieden, je besser das Messer polirt ist. Beide unter- 
scheiden sich , ausser ihrer constanten Richtung , namentlich auch 
dadurch, dass sie sich nur an der Oberfläche des nicht zu dünnen 
Schnittes befinden , während die eigentlichen , durch die innere 
Structur bewirkten Streifen sich durch die ganze Dicke des Schnittes 
verfolgen lassen und in ihrer Richtung von der Membranfläche ab- 
hängig sind. 






Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 289 

dieselben ihre Sichtbarkeit verdanken. Es wurden ver- 
schiedene Ursachen, jedoch ohne weitere Begründung, als 
erklärende Hypothese angenommen, bald eine ungleichför- 
mige Anordnung der Molecüle, bald eine chemische Ver- 
schiedenheit, bald eine ungleichmässige Verdickung nach 
Art der Spiralfaserzellen, bald eine wirkliche Zusammen- 
setzung aus Fasern. Diese Möglichkeiten gehören zwei 
Kategorien an: entweder wechseln in der Membranschicht 
bei gleicher Dicke Substanzen von ungleichem Lichtbrech- 
ungsvermögen, oder bei gleichem Lichtbrechungsvermögen 
der Substanz Stellen von ungleicher Mächtigkeit ; es können 
auch beide Verhältnisse zusammenwirken. 

Die Entscheidung dieser Frage durch direkte Beobach- 
tung stösst bei der ausserordentlichen Zartheit der Streifen 
auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Doch giebt es, wie 
mir scheint, einige Thatsachen und einige Berücksichtig- 
ungen, welche eine Beantwortung mit ziemlicher Wahrschein- 
lichkeit erlauben. Zuerst bemerke ich, dass, wie schon von 
verschiedenen Beobachtern hervorgehoben wurde, die Streifen 
nicht etwa bloss an der Oberfläche der Membran, sondern 
in deren ganzer Dicke vorkommen, ferner dass, wie ich 
später zeigen werde, dieselben in den verschiedenen La- 
mellen einer Wandung sich genau entsprechen. Wenn nun 
die Streifen Folge ungleicher Verdickung wären, so müssten, 
weil die verdickten Stellen einerseits, die verdünnten ander- 
seits auf einander treffen, leere Lücken zwischen den Mem- 
branschichten sich finden. Diese Lücken wären im be- 
feuchteten Zustande mit Flüssigkeit, im trockenen mit Luft 
gefüllt, und es müssten daher im letzteren die Streifen viel 
deutlicher hervortreten; denn in der trockenen Membran 
würden sie durch den Gegensatz von Substanz und Luft, 
in der befeuchteten durch den Gegensatz von Substanz (die 
überdem mit Wasser imbibirt ist) und Wasser sichtbar. Es 
ist nun aber gerade das Umgekehrte der Fall; beim Ein- 

20* 



290 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

trocknen verschwinden die Dichtigkeitsstreifen mehr oder 
weniger, während die Faltungsstreifen in der Regel deut- 
licher werden. — Abgesehen hievon trifft die Annahme eines 
solchen inneren Baues der Membran noch auf mehrfache 
Schwierigkeiten bei der Erklärung der Erscheinungen, welche 
das Aufquellen, das Austrocknen und das Wachsthum der 
Membran darbieten. Ich kann auf diese Erörterungen hier 
nicht eintreten, und bemerke nur, dass in allen diesen Be- 
ziehungen die Membranen sich ganz analog den Stärke- 
körnern verhalten. 

Wir werden demnach auf die andere Erklärung geführt, 
dass nämlich die Streifung durch Substanzen von ungleichem 
Lichtbrechungs vermögen hervorgebracht werde. Es kann 
sich hier offenbar weder bloss um eine verschiedene An- 
ordnung der Molecüle , noch um chemische Verschiedenheit 
handeln, sondern lediglich oder vorzugsweise um verschie- 
dene Dichtigkeit, d. h. um verschiedene Mengen des einge- 
lagerten Wassers, denn nur dadurch sind die bedeutenden 
optischen Differenzen erklärbar. Somit ergiebt sich eine 
genaue Analogie zwischen Streifung und Schichtung; wie 
die Schichten einer Membran im befeuchteten Zustande 
alternirend dicht und weich sind , so bestehen die Streifen 
einer Schicht abwechselnd aus wasserarmer und wasser- 
reicher Substanz. In der That verhält sich die Streuung 
in verschiedener Beziehung wie die Schichtung. Wie diese 
beim Eintrocknen ganz oder grösstenteils verschwindet , so 
wird auch jene in der Regel viel undeutlicher; dass sie oft 
in geringem Grade sichtbar bleibt, wird gerade durch die 
Vertheilung des Wassers in der frischen Membran bedingt, 
wie ich später zeigen werde. Wie die Schichtung, so wird 
an festen Membranen auch die Streifung erst durch quellende 
Mittel bemerkbar. Wie endlich die Schichten an stark auf- 
quellenden Membranen wieder unsichtbar werden , so ver- 
schwinden auch die Streifen. 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zeilenmembranen. 291 

Rücksichtlich der Anordnung der Streifen ist zuerst 
festzustellen, dass sie in allen Lamellen einer Membran 
einander entsprechen. Wenn sie daher auf Durchschnitten 
der Zell wandung sichtbar sind, so stellen sie sich ebenfalls 
als ununterbrochene Streifen von alternirend dichter und 
weicher Substanz dar. Der dichte Streifen des Durch- 
schnittes wird durch wasserärmere Stellen aller Schichten, 
der weiche Streifen durch wasserreichere Stellen gebildet. 
Ist die Structur besonders deutlich und unterscheidet man 
an den einzelnen Schichten der durchschnittenen Membran 
die alternirenden Stellen von ungleichem Vrassergehalt als 
helle und dunkle Punkte, so erkennt man auch direkt, dass 
in zwei benachbarten Schichten einerseits die hellen Punkte, 
anderseits die dunkeln opponirt sind. --Die Streifen, welche 
der Durchschnitt der Zellmembranen zeigt , sind übrigens 
meistens gerade, zuweilen jedoch gebogen; es hängt diess 
mit dem Verlauf und der Verdickung der Schichten zu- 
sammen. 

Eine schon mehrfach behandelte Frage ist ferner die, 
ob die Streifen in der nämlichen Schicht nur nach einer 
Richtung verlaufen, oder ob sie nach zwei Richtungen 
streichend sich kreuzen. Gewöhnlich fiel die Antwort in 
ersterem Sinne aus, und es wurde angenommen, dass die 
Kreuzung durch die in den successiven Lamellen mit 
ungleicher Neigung aufsteigenden Fasern bewirkt werde. 
Die Beobachtung ist hier ausserordentlich schwierig, so dass 
z. B. Mo hl nach sorgfältiger Untersuchung eine bestimmte 
Ansicht nicht auszusprechen im Stande ist. Nach Andern 
wäre freilich die Sache leicht zu entscheiden. So sagt 
Schacht (Beiträge zur Anat. und Physiol. d. G. p. 228), 
alle die von ihm aufgeführten Bastzellen lassen sich nach 
der Maceration mit chlorsaurem Kali und Salpetersäure 
mehr oder minder leicht in ihre einzelnen Verdickungs- 
schichten zerlegen, und jede Schicht lasse sich alsdann, 



292 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

aber immer nur in einer Richtung zerfasern; er fügt bei, 
dass er unter Oelsüss Präparate der Bastzellen von Vinca 
minor und von Asclepias curassavica bewahre, wo er 
jede Schicht für sich abgelöst habe und wo jede derselben 
ihre eigene einfache Streifungsrichtung zeige. Auch Wigand 
will an einem Membranstück von Conferva Melagonium, 
welches sich in der Weise geblättert hatte, dass am Rande 
drei Schichten , die eine über die andere , hervorragten , in 
der obersten dieser Schichten bloss Querstreifung, in der 
folgenden bloss Längsstreifung und in der untersten gar 
keine Streifung gefunden haben. 

Mit Rücksicht auf die beiden eben erwähnten Angaben 
muss ich vorerst bezweifeln, dass Schacht und Wigand 
wirklich einfache Schichten beobachteten. Es ist ungemein 
schwer, von einer Membran so äusserst dünne Lamellen ab- 
zublättern, und gelingt es ausnahmsweise, so ist daran 
platterdings nichts mehr zu sehen. Diess ist auch bereits 
von Mohl angegeben worden. Daher möchte ich vermuthen, 
dass die genannten Beobachter Schichtencomplexe vor sich 
hatten, — und in diesem Falle würde ihre Aussage nichts be- 
weisen. Es ist nämlich , wie ich später zeigen werde , eine 
häufige Erscheinung, dass, von der Membranfläche ange- 
sehen, die Streifen in verschiedenen Schichtencomplexen 
einen ungleichen Verlauf haben. So sieht man namentlich 
an Bastzellen oft, dass die Streifen in der äussern Hälfte 
der Membran eine linkswendige, in der innern Hälfte eine 
rechtswendige Spirale beschreiben, oder umgekehrt; und 
insofern kann man uneigeutlich von einer Kreuzung sprechen. 
Darum handelt es sich aber nicht. Neben diesen stärkern 
Streifen kommen in den nämlichen Schichtencomplexen noch 
zartere vor, welche in entgegengesetzter Richtung verlaufen, 
und die, wie ich vermuthe, von Schacht übersehen wurden. 
An einer solchen Bastzelle hat man also aussen z. B. links- 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 293 

wendige stärkere und rechtswendige schwächere, innen 
rechtswendige stärkere und linkswendige schwächere Streifen. 

Von diesen ungleich verlaufenden, in dem nämlichen 
Schichtencomplex befindlichen Streifen ist es im höchsten 
Grade wahrscheinlich, dass sie auch beide in jeder einzelnen 
Schicht vorkommen. Bald sind sie nämlich gleich stark, 
und dann behalten beide eine gleiche Stärke, wenn man 
die Focalebene langsam verändert. Bald sind sie ungleich 
stark, und dann bleibt das Verhältniss ihrer Deutlichkeit 
bei Focusveränderungen ebenfalls das nämliche. Würden 
die ungleich gerichteten Streifen verschiedenen Schichten 
angehören, so müssten bei unmerklicher Höher- und Tiefer- 
stellung des Focus die einen an Schärfe gewinnen, die 
andern verlieren. — Ueberdem sind in einzelnen Fällen, 
wo die Streifen besonders breit und deutlich hervortreten, 
die hellen Quadrate, Rechtecke oder Rhomben, welche durch 
die sich kreuzenden Streifen bewirkt werden, auf allen vier 
Seiten so scharf gezeichnet und gleich stark conturirt, dass 
man die Ursache der ungleichen Lichtbrechung in der näm- 
lichen Schicht zu suchen geneigt ist. Die Streifung ist näm- 
lich, wie besonders auch die Durchschnitte der Membranen 
zeigen, oft nur an den dichten Schichten sichtbar; die 
weichen können in diesem Falle wegen ihrer geringen Sub- 
stanzverschiedenheit ganz vernachlässigt werden. Wenn nun 
in einer Schicht bloss Streifen nach einer Richtung vor- 
kämen, so müsste das parketähnliche Aussehen der Mem- 
branfläche durch Kreuzung in den successiven dichten 
Schichten erzeugt werden, und könnte demnach, da die 
einen Linien von dem Durchscheinen einer zuweilen merklich 
tieferliegenden Schicht herrührten, kaum die gleichmässige 
Schärfe zeigen, wie es wirklich der Fall ist. 

Ein möglichst dünner Complex von Schichten zeigt 
also, von der Fläche betrachtet, folgende Structur, und 
ohne Zweifel gilt diess auch für jede einzelne der dichten 



294 Sitzung der math.-phys. Gasse vom 7. Mai 1864. 

Schichten (Fig. 3 — 7). Nach irgend einer Richtung streicht 
ein System von dichtgedrängten parallelen Streifen, welche 
abwechselnd aus dichter und weicher Substanz bestehen 
und daher abwechselnd hell und dunkel erscheinen. Damit 
kreuzt sich unter einem rechten oder schiefen Winkel ein 
zweites System von ähnlichen Streifen. Jedes dieser beiden 
Streifensysteme umfasst die ganze Substanzmasse des Schich- 
tencomplexes. Dieses ist daher parketartig gefeldert mit 
quadratisch-rechteckigen (Fig. 3 — 5) oder mit rhombischen 
Feldern (Fig. 6, 7). Wenn die beiden sich kreuzenden 
Streifensysteme einander ganz gleich sind, so zeigen die 
Felderchen ein dreifach verschiedenes Aussehen; sie be- 
stehen nämlich aus dichter, weicher und mittlerer Substanz, 
je nachdem sie der Kreuzungsstelle zweier dichter , zweier 
weicher oder eines dichten und eines weichen Streifens ent- 
sprechen (Fig. 3, 6, 7 ; d, und d„ die dichten , w, und w„ 
die weichen Streifen). Es besteht also ein Streifen nicht 
aus einer homogenen Masse, sondern aus kleinen aneinander 
gereihten Felderchen, die alternirend ungleich dicht sind. 
In dem dichten Streifen wechseln dichte und mittlere, in 
dem weichen Streifen weiche und mittlere Areolen. 

Zeigen die beiden sich kreuzenden Streifensysteme nicht 
die nämlichen Dichtigkeitsverschiedenheiten , so besteht die 
Membranschicht aus 4 verschiedenen Arten von Felderchen. 
Die dichten Streifen des einen Systems bestehen aus dichten 
und halbdichten, die weichen Streifen aus weichen und 
halbweichen Areolen, und dem entsprechend die dichten 
Streifen des andern Systems aus dichten und halbweichen, 
die weichen Streifen aus halbdichten und weichen Areolen 
(Fig. 4). Daraus folgt, dass das erste System (d, und w,) 
als das stärkere erscheint uud deutlicher gesehen wird, das 
das zweite (d„ und w„) schwächer ist und bis zum Ver- 
schwinden zurücktreten kann. Die beiden Streifensysteme 
sind aber auch von ungleicher Deutlichkeit, wenn sie bei 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 295 

gleichen Dichtigkeitsverschiedenheiten aus ungleich breiten 
Streifen bestehen (Fig. 5). 

Wenn die Areolen einer Fläche nach zwei Richtungen 
in Reihen geordnet sind , so müssen auch noch in andern 
Richtungen Reihen, aber undeutlicher, sichtbar werden. 
Kreuzen sich die primären Reihen unter einem rechten 
Winkel, so giebt es zwei gleiche Systeme von secundären 
Reihen , die bezüglich jener eine symmetrische Lage haben. 
Wenn die primären Reihen sich dagegen unter schiefen 
Winkeln schneiden, so sind die beiden secundären Reihen 
ungleich ; diejenigen , welche den stumpfen Winkel der pri- 
mären Streifen theilen (Fig. 6 und 7, s — s, t— t), sind 
immer deutlicher als diejenigen, welche in den spitzen 
Winkel derselben fallen. Wenn die primären Reihen einen 
sehr spitzen und einen sehr stumpfen Winkel bilden, so 
treten diejenigen secundären Reihen, welche dem letztern 
angehören, selbst mehr hervor als die beiden primären 
Reihen. 

Diese theoretische Forderung wird durch die Beob- 
achtung vollkommen bestätigt. Wo eine Membranfläche 
zwei sehr deutliche sich kreuzende Streifensysteme zeigt, so 
gelingt es in der Regel, auch ein drittes oder viertes System 
von Streifen wahrzunehmen. Ich habe es namentlich bei 
verschiedenen Algenzellen gesehen. Die drei oder vier 
Streifensysteme haben anscheinend den gleichen Charakter, 
nur dass sie in der Deutlichkeit von einander abweichen. 
Es lässt sich desshalb nicht immer entscheiden, welches die 
primären und welches die secundären Systeme seien. 

Das Vorhandensein von drei oder vier sich schneidenden 
Streifensystemen auf einer Membranfläche ist von der 
grössten Wichtigkeit ; denn es liefert so zu sagen den mathe- 
matischen Beweis für die Theorie von der Natur der Streif- 
ung, wie ich sie entwickelt habe. Es lassen sich nämlich, 



296 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

da die Winkel zwischen den Streifen oft sehr genau ge- 
messen werden können, die relativen Abstände in jedem 
System berechnen. Die so berechnete Breite der verschie- 
denen Streifen stimmt genau mit der wirklichen überein. 
Diese Uebereinstimmung macht es aber unmöglich, dass die 
Streifensysteme in verschiedenen Membranschichten liegen, 
und fordert eine areolirte Zeichnung der einzelnen Schicht. 
Ich verweise hierüber auf die später folgenden Untersuchun- 
gen an Algenzellen. 

An den mit drei oder vier Streifensystemen gezeichneten 
Membranen lässt sich noch eine andere Wahrnehmung 
machen, welche ebenfalls mit aller Schärfe den Beweis da- 
für liefert, dass dieselben der gleichen Schicht angehören. 
Es kommt nämlich öfter vor, dass das eine System höher 
zu liegen scheint als die anderen; ebenso ist es häufig der 
Fall, dass bei einer gewissen Stellung des Spiegels nur das 
eine System deutlich gesehen wird oder stärker hervortritt 
als die übrigen. Diese Beobachtungen, aus denen man den 
Schluss gezogen hat, dass die in verschiedenen Richtungen 
verlaufenden Streifen nicht derselben Ebene angehören, be- 
ruhen auf optischer Täuschung. Dreht man nämlich das 
Mikroskop um seine vertikale Axe, so fallen andere Systeme 
mehr in die Augen; und was die Niveauverschiedenheiten 
betrifft, so kann man sicher sein, dass das höhere System 
nach einer halben Umdrehuug in gleichem Verhältniss tiefer 
zu liegen scheint als die andern, während eine mittlere 
Stellung es in gleicher Höhe mit denselben zeigt. Diese 
ungleichen Bilder sind eine Folge der schief durchgehenden 
Lichtstrahlen, die nicht rings um die Axe gleichmässig ver- 
theilt sind und daher bald das eine, bald das andere 
Streifensystem deutlicher hervortreten lassen. Dass man 
aber, ohne die Focaleinstellung zu ändern, beliebig dem 
einen oder dem andern eine scheinbar höhere Lage geben 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 297 

kann, beweist gerade, dass sie in der gleichen Ebene sich 
befinden 2 ). 

Auf Durchschnitten durch die Zellmembran sieht man 
zuweilen ebenfalls zwei Streifensysteme, die sich kreuzen, 
und welche in einzelnen Fällen ein ganz ähnliches Aussehen 
darbieten, wie die gefelderte Zeichnung der Membranfläche. 
Das eine der beiden Systeme wird nun aber durch die 
Schichten der Zellwand dargestellt. Die dichten Schichten 
erscheinen als eine Reihe von getrennten dichten Punkten, 
d. h. als eine Reihe von abwechselnd dichtem und weichern 
Areolen, ganz wie ein dichter Streifen der Flächenansicht. 
— Der Querschnitt stimmt auch darin mit der Membran- 
fläche überein, dass ausser den primären zuweilen noch 
secundäre Streifen sichtbar werden. Diess ist namentlich 
dann der Fall, wenn die primäre Streifung die Schichtung 
nicht unter einem rechten Winkel, sondern schiefwinklig 
durchsetzt. 

Eine Membran lässt sich also in 3 Richtungen in La- 
mellen zerlegen, die alternirend aus wasserreicherer und 
wasserärmerer Substanz bestehen, und die sich in ähnlicher 
Weise wie die Blätterdurchgänge eines Crystalls kreuzen. 
Die Lamellen der einen Richtung sind die Schichten, die 
der beiden andern die zwei Streifensysteme. Die letztern 
können sich fast unter jedem Winkel schneiden; beide 
stehen auf den Schichtenlamellen, wie es scheint, in den 
meisten Fällen rechtwinklig. 

Rücksichtlich der Neigungen der drei Lamellensysteme 
zu einander giebt es folgende drei mögliche und auch 



2) Ganz ebenso verhält es sich mit den Streifensystemen der 
Navicula, von denen auch Schacht (Beiträge p. 268) sagt, dass sie 
in verschiedenen Schichten liegen. Man kann beim Drehen des 
Mikroskops abwechselnd jedes der drei Systeme als das höhere 
sehen. 



298 Sitzung der math.-phys. Classe vovi 7. Mai 1864. 

wirklich vorkommende Fälle, wenn man ein kleines Mem- 
branstück, in welchem die Schichten als eben betrachtet 
werden können, berücksichtigt. 1) Die Schichtung und die 
beiden Streifungen schneiden sich unter rechten Winkeln; 
ihre Normalen verhalten sich wie die Crystallaxen im quad- 
ratischen und orthorhombischen System. 2) Die Schichtung 
kreuzt die beiden Streifungen rechtwinklig, indess diese 
sich schiefwinklig schneiden, oder es kann auch die Schich- 
tung zu einer der beiden Streifungen schiefwinklig geneigt 
sein, indess die andere Streifung sich rechtwinklig ansetzt; 
die Normalen verhalten sich wie die Crystallaxen im klino- 
rhombischen System. 3) Die Schichtung und die beiden 
Streifungen schneiden sich unter schiefen Winkeln; ihre 
Normalen haben die Lage der Crystallaxen im klinorhom- 
boidischen System. 

Fig. 8 giebt eine schematische Darstellung dieser Ver- 
hältnisse an einem kleinen würfelförmigen Stück , das in 
Gedanken aus einer Zellmembran herausgeschnitten wurde. 
Die drei Lamellensysteme kreuzen sich unter rechten Win- 
keln. Sie wurden ferner rücksichtlich der Dimensionen 
und Dichtigkeitsverschiedenheiten einander gleichgesetzt. 
Unter dieser Voraussetzung giebt es Areolen von vier Dich- 
tigkeitsgraden, je nachdem sich drei weiche Lamellen, oder 
zwei weiche und eine dichte, oder eine weiche und zwei 
dichte, oder endlich drei dichte kreuzen. In der Zeichnung 
sind die weichsten weiss gelassen; die dichtesten sind mit 
dreifacher Schraffirung versehen; die zwei mittleren Grade 
sind mit einfachem und mit doppeltem Liniensystem ge- 
zeichnet. 

Unter dieser Voraussetzung sind die drei Lamellen- 
systeme gleich deutlich. Sie werden ungleich deutlich, wenn 
ihre Grössenverhältnisse oder ihre Dichtigkeitsverschieden- 
heiten ungleich sind. Stimmen zwei Lamellensysteme rück- 
sichtlich der Dichtigkeitsverhältnisse überein, indess das 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 299 

dritte abweicht, so hat man sechs, wenn alle drei Lamellen- 
systeme von einander abweichen, 8 veischiedene Dichtig- 
keitsgrade für die Areolen. 

Ich habe bereits oben gesagt, dass beim Eintrocknen 
die StreifuDg mehr oder weniger verloren geht. Nach der 
eben stattgehabten Erörterung der innern Structur ist es 
begreiflich, dass trocknende Membranen sich sehr ungleich 
verhalten können. In einem Falle verschwindet die Zeich- 
nung vollständig, nämlich dann, wenn in dem einen der 
zwei Lamellensysteme, welche unter dem Mikroskop sich in 
senkrechter Lage befinden, die Dichtigkeitsverschiedenheiten 
gegenüber dem andern System unbemerklich sind, so dass 
man also im feuchten Zustande nur das letztere deutlich 
sieht. Diess beobachtet man nicht sehr selten auf Durch- 
schnitten, welche befeuchtet nur die Schichtung zeigen und 
trocken homogen erscheinen. Solche Membranen verhalten 
sich wie die Stärkekörner. Wenn dagegen in den beiden 
senkrecht vor dem Beobachter stehenden Lamellensystemen 
Substanzen von beträchtlich verschiedener Dichtigkeit wech- 
seln, so bleibt die Zeichnung auch bei vollständiger Wasser- 
entziehung noch sichtbar, obgleich sie undeutlicher wird. 
Die dichten Lamellen, welche sich kreuzen und gleichsam 
ein Gebälke darstellen , halten einander gegenseitig und 
springen daher rippenartig an der Oberfläche vor. Bei- 
spiele hiefür giebt sowohl die Flächenansicht der Mem- 
branen, wo die beiden Streifensysteme, als Durchschnitte, 
wo die Schichtung und das eine Streifensystem zuweilen 
auch im trockenen Zustande noch bemerkbar sind. 

Die Schichtung und die beiden Streifensysteme sind 
rücksichtlich ihrer Mächtigkeit und Deutlichkeit ausserordent- 
lich verschieden. Es giebt weiche Membranen , welche mit 
Wasser befeuchtet die innere Structur sehr schön hervor- 
treten lassen. Andere dagegen zeigen dieselbe erst, nach- 
dem sie eine mechanische oder chemische Einwirkung er- 



300 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

fahren haben; zuweilen reicht einfaches Quetschen aus; 
häufig bedarf es der Auflockerung durch Quellungsmittel 
(Schwefelsäure, Aetzkali, Salpetersäure mit chlorsaurem 
Kali etc.). — Streifen und Schichten bewegen sich, sobald 
sie sichtbar geworden, innerhalb der nämlichen absoluten 
Grössenverhältnisse. Es gehen 10 Streifen (eigentlich 
Streifenpaare, jedes aus einem dichten und einem weichen 
Streifen bestehend) auf 8 — 30 Mik. , so dass also jedem 
einzelnen eine Dicke von 0,8 — 1,5 Mik. zukommt. Diese 
Ausdehnung haben sie aber bei vielen Membranen erst 
durch beträchtliches Aufquellen erhalten. Aus der Zunahme 
beim Aufquellen lässt sich in einzelnen Fällen berechnen, 
dass in der unveränderten Membran 10 Schichten oder 
Streifen nicht mehr als 0,14 und 0,12 Mik. einnehmen. 
(Beispiele geben Bastzellen und aufquellende Epidermiszellen 
von Samen und Früchten.) 

Es giebt auch Membranen und Membrantheile , an 
denen auf keine Weise eine innere Structur sichtbar ge- 
macht werden kann. Schon Valentin hat die Zellen und 
Gefässe mit treppenförmig- und porös-verdickten Wandungen 
als solche bezeichnet, an denen die Spiralstreifen schwierig 
wahrzunehmen seien, und Mo hl konnte sie an vielen Paren- 
chymzellen nicht nachweisen. Wie mir scheint, liegt der 
Grund davon in zwei Verhältnissen , in der Dicke der 
Wandung und in dem Verlauf der Schichten. Nur wenn 
der Schichtencomplex eine gewisse Mächtigkeit hat, sieht 
man die Streifung deutlich. Desswegen mangelt sie an 
allen jungen Zellen und an dünnwandigem Parenchym. Die 
Streifung ist ferner um so deutlicher, je mehr die Schichten 
unter einander parallel und je ebener sie sind. Dieser 
regelmässige Schichtenverlauf findet aber die grössten Stör- 
ungen an Zellen mit zahlreichen Poren, so wie an solchen 
mit Ring-, Spiral- und Netzfasern. 

Von den bisherigen Beobachtern wurde ferner vorzüglich 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 301 

die Frage erörtert, ob auch die äusserste Schicht der Zell- 
wand (sog. primäre Membran) gestreift sei, und diess ge- 
wöhnlich verneint. Nach Schacht soll auch die innerste 
Membranschicht ungestreift sein. Ich muss in beiden Be- 
ziehungen eine andere Meinung verfechten. Allerdings sieht 
man diese Schichten, wenn man sie von der Fläche be- 
trachtet, ohne Zeichnung; auch die Durchschnittsansicht 
zeigt sich meistens homogen, was ich in manchen Fällen 
ihrer beträchtlichen Dichtigkeit zuschreibe. In andern Fällen 
dagegen erscheinen sie auf dem Durchschnitte sehr deutlich 
gestreift. An dickwandigen Parenchymzellen besteht dann 
die innerste, auch wohl die mittlere Schicht der Wandung 
zwischen zwei Zellen abwechselnd aus dichten und weichen 
Areolen, und an dünnwandigem Parenchym löst sich die 
ganze durchschnittene Wand in eine Reihe von Knötchen auf. 

Schichtung und Streifung sind nicht nur an verschie- 
denen Membranen und Membrantheilen sehr ungleich; sie 
bieten auch, wenn wir sie in dem nämlichen Membrantheil 
mit einander vergleichen, höchst mannigfaltige Verhältnisse 
dar. Was zuerst die beiden Streifensysteme betrifft, so 
sind dieselben zuweilen von gleicher Stärke; es scheint diess 
namentlich dann vorzukommen, wenn sie mit der Zellenaxe 
gleiche Winkel bilden. Bei der Spiralstreifung, wo die sich 
kreuzenden Streifen zu der Axe ungleich geneigt sind, be- 
obachtet man in der Regel auch eine mehr oder weniger 
ungleiche Ausbildung derselben; die einen können selbst 
bis zur Undeutlichkeit verschwinden, indess die anderen 
sehr entschieden hervortreten. 

Vergleichen wir ferner Streifung und Schichtung mit 
einander, so giebt es Zellen, an denen beide eine gleiche 
Entwickelung zeigen, sei es, dass sie beide sehr augenfällig 
sind , sei es , dass sie sich gleich sehr der Wahrnehmung 
entziehen. Bei der grossen Mehrzahl der Zellen aber tritt 
die Schichtung viel deutlicher hervor als die Streifung, und 



302 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

auf Durchschnitten ist es namentlich die scharfe Zeichnung 
der Schichten, welche die zarten Streifen leicht übersehen 
lässt. Doch kommt auch das Umgekehrte vor. Es giebt 
Zellen, an denen die Streifung sehr deutlich gesehen wird, 
während die Schichtung entweder nur schwach angedeutet 
ist, oder auch ganz mangelt. Dieses auffallende Factum 
findet sich zuweilen an alten Holzzellen, und zwar sowohl 
bei der Längsansicht derselben als auf Querschnitten. 

Für die Anordnung der Streifen kenne ich bis jetzt 
mit Sicherheit 3 verschiedene Typen: 1) die gerade, 2) die 
Spiralstreifung und 3) die schiefe Ringstreifung. Bei der 
geraden Streifung, die man an einfach gebauten Algen be- 
obachtet, läuft das eine Streifensystem mit der Zellenaxe 
parallel, das andere quer zu derselben. Bei der Spiral- 
streifung beschreiben beide Systeme Schraubenlinien, ge- 
wöhnlich mit entgegengesetzter Wendung und in der Regel 
schiefwinklig zu einander geneigt. Gerade und spiralige 
Streifung sind übrigens nicht prinzipiell verschieden, indem 
sie unmerklich in einander übergehen. 

Von diesen beiden Typen ist die schiefe Ringstreifung, 
die von den bisherigen Beobachtern übersehen wurde, wesent- 
lich verschieden. Sie bildet, wenn wir eine einfache Mem- 
branschicht berücksichtigen, schiefe Ringe, welche nach zwei 
Richtungen geneigt sind und sich somit kreuzen. An dem 
ganzen Schichtencomplex einer cylindrischen oder pris- 
matischen Zelle stellt der einfache Spiralstreifen eine Wen- 
deltreppe dar, der Ringstreifen dagegen eine in der Mitte 
durchbrochene, geneigte Scheibe, die genau einem schief 
geführten Querschnitt entspricht. Alle Streifen des einen 
Systems bilden einen Satz von solchen schiefen , unter ein- 
ander parallelen Scheiben , die Streifen des andern Systems 
einen Satz von ebenfalls schiefen und unter sich parallelen 
Scheiben, welche aber die des ersten Systems unter einem 
schiefen Winkel schneiden. 



Nägeli : Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 303 

Mohl (Bot. Zeit. 1853 p. 769) giebt an, dass die an 
der Oberfläche der Frons von Dictyosphaeria favulosa 
freiliegenden Zellmembranen mit zwei Systemen von Streifen 
besetzt seien, von denen die einen radienförmig vom Cent- 
rum der Zellwand zu ihrem Rande verlaufen, während die 
andern concentrische Kreise um den Mittelpunkt beschreiben. 
Es scheint mir, dass diese Anordnung keinen neuen Typus 
begründet, sondern der geraden Streifung beizuzählen ist; 
denn das freie Ende einer mit Längs- und Querstreifen be- 
gabten Zelle muss, wenn es von oben betrachtet wird, die 
beschriebene radial-concentrische Zeichnung zeigen. — Auch 
Epidermiszellen von Blättern lassen an der freien Wand 
zuweilen radiale, vom Centrum ausgehende, starke Streifen 
wahrnehmen. Ich habe aber die dazu gehörigen concen- 
trischen Linien nicht sehen können. 

Bei allen Typen laufen die Streifen des nämlichen 
Systems unter einander parallel. Geringe Abweichungen 
von dem strengen Parallelismus kommen indessen nicht 
selten vor, und bestehen vorzüglich darin, dass ein Streifen 
sich in zwei theilt, oder, was das Nämliche ist, dass 
zwei zu einem sich vereinigen. Auf der Flächenansicht 
ist es im Kleinen die gleiche Erscheinung wie die Ver- 
zweigung der Spiralfasern im Grössern. Der Querschnitt 
der Zellen zeigt an den stärkern Biegungsstellen der Mem- 
bran, namentlich wenn die letztere eine grössere Mächtigkeit 
besitzt, mehrfache Theilung der Streifen, welche hier natür- 
lich eine radiale Richtung haben. Ein einzelner derselben 
kann sich von innen nach aussen je nach Umständen 
in 2 , 3 , 4 und mehrere spalten. Die Streifen erinnern 
dann rücksichtlich ihrer Lage und Anordnung an die ver- 
zweigten Porenkanäle dickwandiger Zellen, für welche sie 
auch irrthümlicher Weise gehalten wurden; nur sind sie 
viel feiner und gedrängter. Dadurch wird erreicht, dass 
an dem äussern und an dem innern Rand der Zellmembran 
[1864. I. 4.] 21 



304 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

durchschnittlich gleich viel Streifen auf die Längeneinheit 
kommen. 

Wie die verästelten Spiralfasern, wenn die Verästelung 
häufiger eintritt, in Netzfasern übergehen, so scheinen auch 
die zwei sich kreuzenden Systeme paralleler Streifen in der 
Flächenansicht der Membran in manchen Fällen durch ein 
Netz ersetzt zu werden. Die Streifung nimmt dann das an 
den netzförmigen Gefässen bekannte Aussehen an. Die ver- 
längerten rhombischen Maschen erinnern an zwei Systeme 
von Linien, die sich unter einem kleinen Winkel kreuzen. 
Die Zeichnung ist aber so zart und undeutlich, dass ich 
nicht zu entscheiden wage, ob sie bloss durch einen un- 
regehijässigen Verlauf der sich kreuzenden Spiral- und Ring- 
streifung hervorgebracht werde , oder ob es ein eigener Typus 
mit wirklicher netzförmiger Vereinigung der Streifen sei. 

Die Streifung kann an einer Zelle überall den gleichen 
Charakter zeigen; sie kann aber auch in bestimmten Re- 
gionen einen andern Charakter annehmen. So kommt es 
namentlich an Bastzellen vor, dass in bestimmten Intervallen 
schiefe Ringstreifung und Spiralstreifung mit einander alter- 
niren. — Selbst in den verschiedenen Schichtencomplexen, 
welche in dickwandigen Zellen übereinander liegend die 
ganze Wanddicke bilden, beobachtet man nicht selten eine 
mehr oder minder bedeutende Aenderung in der Richtung 
und Anordnung der Streifen. Bei Holz- und Bastzellen sind 
häufig die stärkern oder allein sichtbaren Streifen in der 
äussern Hälfte der Membran anderswendig als in der in- 
nern. Es können selbst die gleichwendigen Streifen in ver- 
schiedener Tiefe eine ungleiche Neigung zur Zellenaxe 
zeigen. Zuweilen besitzen auch die äussersten Schichten 
netzförmige, die übrigen Spiralstreifung. 

Mit Rücksicht auf die Entwickelungsge schichte der 
Streifungen ist kaum etwas Sicheres bekannt. Sie scheint 
indess interessante Ergebnisse zu versprechen. Einige That- 



Nägeli : Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 305 

Sachen deuten darauf hin, dass in dem nämlichen Schich_ 
tencomplex der Charakter der Streifung sich verändern 
kann, dass namentlich die Spiralstreifung verschwinden und 
durch schiefe Ringstreifung ersetzt werden kann. Denn es 
kommt vor, dass an jungem Bastzellen undeutliche Spiral-, 
an älteren aber undeutliche Ringstreifen gesehen werden. 
Es würde also in verschiedenen Perioden das Wachsthum 
mit Rücksicht auf die Einlagerungen in ungleichen Rich- 
tungsverhältnissen thätig sein. Andeutungen dieses ver- 
schiedenartigen Wachsthums dürften sich in solchen ausge- 
bildeten Bastzellen finden, welche je nach der Einwirkung 
des Quellungsmittels die eine oder andere Streifung (spiralige 
oder ringförmige) hervortreten lassen. Dagegen ist es mir 
bis jetzt nicht gelungen , an dem nämlichen Schichtencom- 
plex gleichzeitig die beiden Streifungen zu sehen. 

Es liess sich erwarten, dass die Configuration der Ober- 
fläche in gewisser Beziehung zu dem innern Bau der Mem- 
bran stehe . dass also die durch ungleiche Verdickung der- 
selben erzeugten Fasern und Poren von dem Verlaufe der 
Streifen bedingt werden. Am schönsten sieht man diess an 
den Spiralfasern der Holzzellen und an den Poren der 
Bast- und Holzzellen. Der Querschnitt zeigt zuweilen, 
dass jedem dichten Streifen ein schwacher Vorsprung 
auf der innern Fläche entspricht; zuweilen trifft auf je den 
4. bis 7. Streifen eine stärkere Verdickung. Uebereinstim- 
mend mit der letztern Beobachtung sieht man auf der 
Flächenansicht zwischen je zwei Spiralfasern 3 bis 6 damit 
parallel laufende dichte Streifen. Für diese Fälle ist es 
sicher, dass die feine Spiralfaser einem Spiralstreifen ent- 
spricht. Stärkere Spiralfasern scheinen mehreren (2 — 4) 
Spiralstreifen zu entsprechen. 

Wenn die Poren , von der Membranfläche angesehen, 
elliptisch oder linear verlängert sind, so stimmt dieser 
Längsdurchmesser genau mit der Richtung der stärkern 

21* 



306 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

Spiralstreifung überein. Ich habe sogar an Bastzellen be- 
obachtet, dass die Richtung des Porus in den verschiedenen 
Membranschichten mit den Streifen sich ändert, dass der- 
selbe z. B. in der äussern Hälfte der Zellmembran einer 
links-, in der innern Hälfte einer rechtsgewundenen Schrau- 
benlinie folgt. In solchen Fällen ist also der flachgedrückte 
Porenkanal, wenn wir ihn von der inuern bis zur äussern 
Grenze der Membran verfolgen, wie eine Wendeltreppe gedreht. 

In der gegenwärtigen Abhandlung habe ich die Zeich- 
nung auf den Zellen der Diatomeen nicht berücksichtigt. 
Obgleich dieselbe eine grosse Analogie mit der gekreuzten 
Streifung der übrigen Pflanzenzellmembranen hat, so scheinen 
mir doch einige Verschiedenheiten es rathsam zu machen, 
die beiden Erscheinungen vorerst nicht mit einander zu 
vermengen. 

Ich bin auch nicht auf das Problem eingetreten, ob die 
Membran aus Primitivfasern zusammengesetzt sei oder nicht. 
Offenbar hat diese formelle Frage, welche mit Unrecht die 
Erforschung der factischen Verhältnisse in den Hintergrund 
drängte, bei den Beobachtern um so mehr an Werth ver- 
loren, je mehr dieselben sich mit dem wirklichen Bau der 
Membran beschäftigten. Sie muss gänzlich obsolet werden, 
sowie das Wesen der Streifen richtig erkannt ist. Es zeigt 
sich dabei, dass denselben von den Einen ein zu grosses, 
von den Andern ein zu geringes Maass der Selbständigkeit 
eingeräumt wurde. Der Fehler war, dass nur die dichten 
Streifen der dichten Schichten berücksichtigt, und die weichen 
Streifen derselben sammt den weichen Schichten ganz über- 
sehen oder als homogene Bindesubstanz in Anspruch ge- 
nommen, dass ferner ein anatomisches Verhältniss für den 
Beweis einer bestimmten Entstehungsweise genommen, und 
dass demnach die unrichtige Alternative „Membranschicht 
oder Faser" gestellt wurde. Der Streifen ist so gut vor- 
handen und hat ebensoviel und ebensowenig Berechtigung 



Nagelt: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 307 

auf Selbständigkeit als die einzelne Meinbranschicht ; beide 
sind ein scharf geschiedener Theil der ganzen Zell wand, 
aber weder der eine noch die andere tritt je selbständig 
für sich und unabhängig von den andern Schichten und 
Streifen auf. Ob die dichten Streifen, worauf so viel Ge- 
wicht gelegt wurde, durch mechanische oder chemische 
Mittel isolirt werden können oder nicht, ist eben so gleich- 
gültig, als es für die Existenz der Schichten unerheblich 
ist, ob sich die dichten Schichten von einander trennen 
lassen. Beides ist mit grossen praktischen Schwierigkeiten 
verbunden, gelingt aber ohne Zweifel, wenn man die ver- 
bindende weiche Substanz auflösen oder gehörig auflockern 
kann, ohne die dichten Streifen oder Schichten allzusehr 
anzugreifen. 

Nachdem ich das Verhalten der Streifen im Allge- 
meinen erörtert habe, will ich die an den einzelnen Zellen- 
formen gemachten Beobachtungen besonders darlegen. Ich 
beginne mit den Verhältnissen der innern Structur , welche 
uns die Parenchymzellen darbieten. 

1. Zellencryptogamen. 

Kücksichtlich des Baues der Membran von Chaeto- 
morpha, welcher von J. Agardh, H. v. Mohl und 
Wigand untersucht wurde, verweise ich besonders auf die 
gründliche Darstellung Mohl's. Die Streifung geht parallel 
der Zeilenaxe und rechtwinklig zu derselben. Bei wenig 
andern Zellen ist deutlicher zu sehen , dass der Streifen 
nichts anderes als ein Theil der Membranscliicht ist, und 
dass von einem Uebertreten eines dichten Streifens (Primitiv- 
faser) aus einer Schicht in die andere und aus einer Zelle 
in die andere keine Rede sein kann. 

Sehr schön sieht man die Streifung auf der Membran- 
flache von Cladophora hospita Kg. Die Längsstreifen 



1 


2 


3 


4 


13° 


16° 


17° 


27° 


89° 


79° 


7672° 


69° 


78° 


85° 


8672° 


84° 



308 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

beschreiben eine linkswendige (südöstliche), die Querstreifen 
eine entgegengesetzte Spirale. Ich fand z. B. folgende 
Neigungen 



Winkel zwischen den Längsstreifen und 

der Zellenaxe 
Winkel zwischen den Querstreifen und der 

Zellenaxe 



Winkel zwischen Längs- und Querstreifen 78° 85° 



Ein drittes System von Spiralstreifen wird sowohl bei 
Chaetomorpha als bei Cladophora hin und wieder ge- 
sehen. Doch ist dasselbe nur stellenweise erkennbar und 
meistens äusserst zart. — Die Längsstreifen sind etwas 
stärker und etwas unregelmässiger; zuweilen scheinen sie 
nicht genau parallel zu sein, sondern ein Geflecht mit sehr 
verlängerten Maschen zu bilden. Die Querstreifen sind zarter, 
regelmässiger, genau parallel und gleich weit von einander 
entfernt. Von jenen gehen 12 — 13, von diesen 16 auf 25 Mik., 
so dass also der einzelne Längsstreifen 2 Mik. , der Quer- 
streifen 1,56 Mik. breit ist 3 ). 

Die Membran der grossen Zellen, aus denen Valonia 
utricularis Ag. besteht, lässt fast überall drei Streifen- 
systeme erkennen. Die stärksten schneiden die Zellenaxe 
fast rechtwinklig, dieselben sind häufig etwas unregelmässig; 
die mittlem laufen mit derselben fast parallel ; die schwäch- 
sten haben eine schiefe Richtung. Nur die Querstreifen 
konnten sicher gemessen werden; es gehen deren meist 8 



3) Wenn ich von der Dicke einer Membranschicht oder von der 
Breite eines Streifens spreche, so verstehe ich darunter den Abstand 
zwischen der Mitte zweier dichter oder zweier weicher Lamellen, 
also eigentlich die Dicke eines Paars bestehend aus einer dichten 
und der zugehörigen weichen Lamelle. 



Nagelt: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 309 

auf 12 Mik. Die Breite der andern Streifen lässt sich aus 
dieser Grösse und aus den Winkelmessungen berechnen. 

In Fig. 1 geben die Linien A, B und C die Richtungen 
der drei Streifensysteme, a, b und c sind die senkrechten 
Abstände zweier benachbarter Streifen der Systeme A, B 
und C. cc ist der Winkel zwischen A und B, ß zwischen 
B und C, y zwischen A und C. Wenn nun das Stück der 
Linie B, welches zwischen zwei benachbarten Linien des 
Systems A (oder C) liegt, gleich 1 gesetzt wird, so sind 
die drei gesuchten Werthe 

a = Sin a 

c = Sin ß 

, _ Sin ct. Sin ß 
Sin y 
denn b == C x Sin ß, wenn C x das Stück der Linie C be- 
zeichnet , welches zwischen zwei benachbarten Linien des 

a 4 ) 
Systems B sich befindet, und C x = ^ • 



4) Man kann als Einheit auch das Stück der Linie A, welches 
zwischen zwei benachbarten Linien des Systems B, oder das Stück 
der Linie C, welches zwischen zwei benachbarten Linien des Systems 
A liegt, annehmen. 

Im erstem Fall hat man die Formeln 
c = Sin y 
b = Sin « 

Sin «. Sin y 



Sin ß 



im zweiten Falle 



b = Sin ß 
a = Sin y 



Sin ß. Sin y 

c = f- i- . 

Sin « 

Es versteht sich, dass das Verhältniss zwischen a, b und c das 

nämliche bleibt, man mag die Berechnung nach der einen oder 

andern Formel ausführen. 



310 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 



1 


2 


3 


83° 


80° 


78° 


53° 


57° 


58° 


44° 


43° 


44° 



An drei Zellen wurden folgende Winkelgrössen gefunden ; 
a ist der Winkel zwischen den Quer- und Längsstreifen, 
ß derjenige zwischen den Quer- und den schiefen Streifen, 
y zwischen den Längs- und den schiefen Streifen. 

a 

ß 

y 

Daraus wurden nach den obigen Formeln für die 
Breite der verschiedenen Streifen die relativen Werthe und 
ferner vermittelst derselben aus der gemessenen Breite der 
Querstreifen die absolute Breite der beiden andern Streifen 
berechnet; a ist die Breite der Längsstreifen, b der Quer- 
streifen und c der schiefen Streifen. 

1 | 2 I 3 

relative W. absoluteW. 

b 
a 
c 

Ich habe diese Berechnungen nicht angestellt, um die 
Breite der Streifen an und für sich zu erfahren, sondern 
um zu prüfen, wie die gefundenen Werthe sich zu der An- 
nahme verhalten, dass die drei Streifensysteme durch die 
Areolen der nämlichen Schicht dargestellt werden. Das 
Resultat stimmt genau mit dieser Annahme überein. Die 
Längsstreifen sind in dem Maasse zarter und gedrängter, 
als es die berechnete Breite verlangt. Die Deutlichkeit der 
schiefen Streifen ist noch etwas geringer, als es ihre Dimen- 
sionen erfordern, was sich leicht daraus erklärt, dass es 
secundäre Streifen sind , die bei gleicher Breite weniger in 
die Augen fallen als die primären. — Es wäre nun gewiss 
undenkbar, dass die Streifen verschiedenen Schichten ange- 
hörten und dabei genau dieselben Verhältnisse der Stärke 
und Richtung zeigten, wie die sich kreuzenden Areolen einer 



relative W. 


absoluteW. 


relative W. 


absoluteW. 


relative W. 


absoluteW. 


1,1411 


1,6 Mik. 


1,2110 


1,5 Mik. 


1,1941 


1,6 Mik. 


0,99255 


1,4 - 


0,98481 


1,2 — 


0,97815 


1,3 - 


0,79863 


1,1 - 


0,83867 


1,0 - 


0,84805 


1,1 - 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 311 



Fläche. Ich werde ähnliche Berechnungen noch für Micro- 
dictyon und Chamaedoris mittheilen, und bei letzterer 
auch einen Fall von Valonia anführen, wo 4 Streifen- 
systeme sichtbar waren. 

Die Membran der Zellen von Microdictyon Agard- 
hianum Dcsne. zeigt, von der Fläche angesehen, deutliche 
Längsstreifen. Von andern Streifen sieht man zuweilen 
nichts, doch giebt sich deren Anwesenheit schon aus dem 
Umstände kund, dass die Längsstreifen zart gegliedert sind. 
Manchmal erkennt man zarte Querstreifen und noch zartere 
schiefe Streifen , jene mit den Längsstreifen einen Winkel 
von 80 — 85°, diese mit den nämlichen einen Winkel von 
51 — 63° bildend. In zwei Fällen wurden folgende Winkel- 
messungen gemacht, aus denselben die relativen Werthe für 
die Breite der Streifen berechnet, und aus der gemessenen 
Breite der Längsstreifen die absolute Breite der beiden 
andern Streifen gefunden. 

_1 i 2 
« (zwischen den Längs- und Querstreifen) 
ß (zwischen den Quer- und schiefen Streifen) 
y (zwischen den Längs- und schiefen Streifen) 



a Breite der Längsstreifen 
b Breite der Querstreifen 
c Breite der schiefen 
Streifen 

Auch hier stimmt die aus den Winkeln berechnete 
Breite der Streifen mit dem Grade ihrer Deutlichkeit. Es 
ist übrigens noch zu bemerken, dass diese Structur nur in 
der geschichteten eigentlichen Zellmembran sichtbar ist. Die 
dicke , ungeschichtete Hüllmembran (Extracellularsubstanz) 
erscheint ungestreift. 

Fast am schönsten unter den Zellencryptogamen zeigte 



80° 


85° 


47° 


35° 


53° 


60° 



' 


L 


2 


relative W. 


absoluteW. 


relative W. 


absoluteW. 


0,98481 


1,4 Mik. 


0,9962 


1,6 Mik. 


0,90184 


1,3 - 


0,65979 


1,06 — 


0,73135 


1,0 - 


0,57358 


0,9 — 



312 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1S64. 

sich mir die Streifung an Cbamaedoris annulata Mon- 
tagne (Fig. 9). 

Die Längsstreifen laufen ziemlich genau paraLel der 
Zellenaxe; die Querstreifen schneiden dieselbe ziemlich unter 
einem rechten Winkel. Die Breite der einen und der andern 
variirt nicht unbedeutend. Zuweilen sind die Längsstreifen 
merklich stärker als die Querstreifen; von jenen gehen 
z. B. 10—13, von diesen 16—19 auf 25 Mik. ; jene sind 
also 2,5—1,9 Mik., diese 1,8 — 1,3 Mik. breit. Manchmal 
zeigen beide Systeme eine gleiche Stärke; der einzelne 
Streifen hat eine Breite von 1,5 — 2 Mik. Nicht selten treten 
auch die Querstreifen etwas deutlicher hervor; sie sind 
1,8—2,1 Mik. breit, indess die Längsstreifen 1,4—1,7 Mik. 
betragen. — Die Querstreifen verlaufen gerade und äusserst 
regelmässig; die Längsstreifen haben zuweilen eine gleiche 
regelmässige Anordnung, und die Membranfläche gleicht 
dem feinsten Battistgewebe. Manchmal jedoch sind die 
Längsstreifen etwas hin und her gebogen, zuweilen etwas 
verzweigt, und ausnahmsweise scheinen sie selbst ein Netz 
mit sehr langgezogenen , linealrhombischen Maschen zu 
bilden. 

Wenn die Structur der Membran von Chain aedoris 
besonders deutlich ist, so erkennt man ausser den Längs- 
und Querstreifen noch zwei Systeme von schiefen Streifen, 
von denen das eine nach rechts, das andere nach links ge- 
neigt ist. Dieselben sind so zart, dass es mir nicht möglich 
war , die Breite zu messen. Sie lässt sich aber wieder 
durch Rechnung aus den Winkeln finden. Die Linien A, B, 
C, D in Fig. 2 geben die Richtungen der 4 Streifensysteme ; 
a, b, c, d die verticalen Abstände zweier benachbarter 
Streifen des gleichen Systems ; cc, /?, y, <f die Winkel und 
zwar cc zwischen A und B, ß zwischen B und C, y zwischen 
A und C, oJ zwischen B und D. Nehmen wir das Stück 
der Linien B, welches von zwei auf einander folgenden 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 313 

Linien der andern Systeme eingeschlossen wird, gleich 1, 
so sind die 4 gesuchten Abstände 5 ) 
a = Sin et 
c = Sin ß 
d = Sin <J 

= Sin ct. Sin ß 
Sin y 
Es wurden nun an den Streifensystemen von Chamae- 
doris annulata folgende Winkelbestimmungen gemacht: 





1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


« (gemessen) 


88° 


87° 


89° 


87° 


88° 


90° 


90° 


ß — 


38° 


42° 


44° 


48° 


52° 


40° 


37° 


y — 


54° 


51° 


47° 


45° 


40° 


50° 


53° 


(f — 


34° 


40° 


43° 


47° 


47° 


41° 


36° 


d (berechnet) 


36° 


39° 


43° 


45° 


49° 


40° 


37° 



et ist der Winkel zwischen den Querstreifen (B) und 
Längsstreifen (A) ; ß derjenige zwischen den Querstreifen (B) 
und den ersten schiefen Streifen (C) d. h. dem etwas stär- 
kern System von schiefen Streifen, welches in dem stumpfen 
Winkel (von 91 — 93°) zwischen Längs- und Querstreifen 
sich befindet, y ist der Winkel zwischen den Längsstreifen 
(A) und den ersten schiefen Streifen (C) , und J derjenige 
zwischen den Querstreifen (B) und den zweiten schiefen 
Streifen (D), d. h. dem etwas schwächern System von schiefen 
Streifen, welches in dem spitzen Winkel (von 87—89°) 



5) Nimmt man eine andere Einheit an, so erhält man die näm- 
lichen Verhältnisse in anderer Form. Wenn z. B. das Stück der 
Linie A , welches zwischen je zwei benachbarten Linien der andern 
Systeme sich befindet, = 1 gesetzt wird, so ist 
c = Sin y 
b = Sin « 

Sin y. Sin « 
a = Sin ß 

Sin y. Sin d 
d = SnTT 



314 



Sitzung der math.-phys. Ciasse vom 7. Mai 1864. 



zwischen Längs- und Querstreifen liegt. Für 6 sind je zwei 
Werthe angegeben; in der ersten Horizontalzeile sind die 
Resultate der Messungen enthalten , in der zweiten dagegen 
die Winkelgrössen , welche sich durch Berechnung aus den 
andern Winkeln (a, ß, y) ergeben. 

Aus den eben niitgetheilten Winkelmessungen erhält 
man nach den obigen Formeln für die verticalen Abstände 
a, b, c, d (wenn a die Breite eines Längsstreifens, b die- 
jenige eines Querstreifens, c die Breite eines ersten schiefen 
Streifens und d die eines zweiten schiefen Streifens be- 
zeichnet) folgende relative Werthe , und ferner aus der ge- 
messenen Breite von a folgende absolute Werthe: 

1 I 2 | 3 



relative W. 


absoluteW. 


relative W. 


absoluteW. 


relative W. 


absoluteW. 


0,99939 


2,2 Mik. 


0,99863 


1,7 Mik. 


0,99985 


1,9 Mik. 


0,76053 


1,7 - 


0,85983 


1,5 — 


0,94968 


1,8 - 


0,61566 


1,35 — 


0,63913 


1,1 - 


0,69466 


1,3 — 


0,55019 


1,2 - 


0,64279 


1,1 — 


0,68200 


1,3 - 





4 




5 




6 


1 


' 


f 




relat. W. 


absol. W. 


relat. W. 


absol. W. 


relat. W. 


absol. W. 


relat. W. 


absol. W. 


a 


0,99863 


1,5 M. 


0,99939 


1,7 M. 


1,0000 


2,0 M. 


1,0000 


2,4 M. 


b 


1,0495 


1,6 - 


1,2252 


2,1 - 


0,83910 


1,7 - 


0,75355 


1,8 - 


c 


0,74314 


1,1 - 


0,78801 


1,3 - 


0,64279 


1,3 - 


0,60182 


1,4 — 


d 


0,73135 


1,1 - 


0,73135 


1,2 - 


0,65606 


1,3 - 


0,58778 


1,4 — 



Ich lüge hier noch einen Fall bei, wo bei Valonia 
utricularis ebenfalls 4 Streifensysteme sichtbar waren und 
folgende Messungen gestatteten : 

« (gemessen) 85o 
ß — 54o 

y — 41« 

d — 50o 

<J' (berechnet) 48o 

Von den 4 Streifensystemen, welche bei Chamaedoris 
gewöhnlich, bei Valonia ausnahmsweise sichtbar werden, 
sind offenbar die Längs- und Querstreifen als die primären, 





relative W. 


absolute W. 


a 


0,9962 


gemessen 1,2 Mik 


b 


1,2284 


gemessen und 
berechnet 1,5 — 


c 


0,80902 


berechnet 1,0 — 


d 


0,76604 


— 0,9 — 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 315 

die schiefen nach rechts und links geneigten als die secun- 
dären zu bezeichnen. Die erstem treten im Verhältniss zu 
ihrer Breite immer etwas deutlicher hervor als die letztern. 
Wenn Längs- und Querstreifen sich unter einem rechten 
Winkel schneiden, so sind die beiden schiefen Systeme von 
gleicher Stärke. Sie werden um so ungleicher, je mehr 
jener Winkel sich von 90° entfernt. Es sind diess alles 
Thatsachen, welche auf's Schönste mit der Annahme über- 
einstimmen, dass die Streifen nichts anderes sind als die 
Areolenreihen der Membranschichten. Eine weitere Be- 
stätigung wird auch durch den Umstand geboten, dass die 
Winkel, welche das vierte Streifensystem mit den drei 
übrigen bildet, nach der Messung und der Berechnung ziem- 
lich genau übereinstimmen, wie sich aus den Werthen für 
6 in den mitgetheilten Beispielen ergiebt. 

Die Querschnitte durch die Membran zeigen die Längs- 
streifen mehr oder weniger deutlich als Linien , welche 
rechtwinklig oder schiefwinklig die Schichten schneiden 
(Fig. 10). In letzterm Falle sieht man noch ein zweites 
System von schiefen Streifen, welches nach der andern 
Seite geneigt ist und sich mit jenen kreuzt, mehr oder 
weniger deutlich. In beiden Fällen ist jede einzelne dichte 
Schicht in regelmässigen Intervallen von einer weichen 
Masse durchbrochen und besteht somit aus einer Reihe 
dichter Areolen von fast quadratischer oder etwas rhom- 
bischer Gestalt. Die Dicke der Schichten beträgt im Mittel 
der ganzen Wanddicke meist etwa 2,7 Mik. , also wenig 
mehr als die Breite der stärksten Streifen; zuweilen ist 
dieselbe auch merklich geringer. 

Um das Verhalten der beiden primären Streifensysteme 
beim Aufquellen der Membran zu beobachten, wurden aus 
den grossen Zellen kleine viereckige Membranstücke heraus- 
geschnitten und diese im trockenen Zustande, darauf in 
Wasser und schliesslich in Säuren gemessen. Das Ergebniss 



316 



Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 



war, dass die Membran, von der Fläche angesehen, etwas 
mehr Flüssigkeit in der Querrichtung als in der Längs- 
richtung einlagert, dass also die Längsstreifen verhältniss- 
mässig mehr zunehmen als die Querstreifen, wie folgende 
Messungen (in Millimetern) beweisen: 





trocken 


in Wasser 


in Salzsäure 


in Salzsäure 
gekocht 


Länge 


1,08 


1,11 


1,12 


1,13 


— 


100,00 


102,78 


103,70 


104,63 


Breite 


1,09 


1,13 


1,16 


1,18 


— 


100,00 


103,67 


106,42 


108,26 


Länge 


1,06 


1,11 


1,13 


1,15 


— 


100,00 


104,71 


106,60 


108,49 


Breite 


L47 


1,56 


1,59 


1,62 


— 


100,00 


106,12 


108,16 


110,21 



Die Scheiden von Petalonema alatum Grev. 6 ) be- 
stehen aus zwei Partieen. Die innere ist schmäler, dichter 
und. wie die Scheiden der verwandten Gattungen , parallel 
der Axe geschichtet. Die äussere ist viel breiter, weicher 
und scheinbar gegliedert, indem hier die Schichten mehr 
oder weniger rechtwinklig nach aussen biegen. Dieser 
äussere Theil der Scheide besitzt zwei Streifensysteme. Im 
Längenprofil sieht man deutliche Streifen, welche die Schich- 
ten rechtwinklig durchbrechen und somit ziemlich parallel 



6) Kützing hat den von Berkeley gegebenen Gattungsnamen 
Petalonema und den von Greville gegebenen Artnamen alatum 
ohne Noth und ohne Recht in Arthrosiphon Grevillii verän- 
dert. Er führt als Grund an. dass dieselben auf einem offenbaren 
Irrthum beruhen. Wenn dieser Grund ausreichend wäre, so müssten 
noch manche Gattungsnamen und namentlich mehrere von Kützing 
selbst aufgestellte preisgegeben werden. Arthrosiphon selbst 
wäre nicht sehr glücküch gewählt. Petalonema alatum bedeutet 
einen Faden, der ein geflügeltes blumenblattartiges Aussehen ge- 
währt. Diese Bezeichnung ist sehr charakteristisch, wenn sie auch 
nur bildlich ist und den Schein statt des Wesens wieder gibt. 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 317 

mit der Fadenaxe verlaufen. Wir können sie mit Rücksicht 
auf ihre Richtung als Längsstreifen bezeichnen. Diese 
Längsstreifen stellen sich auf Querschnitten als concentrische 
Ringe dar. Ausserdem sieht mau auf den Querschnitten 
eine zarte radiale Streifung. 

Bei dieser Pflanze finden wir also in der äussern 
Scheide, wie bei andern Pflanzenzellen, drei sich kreuzende 
Lamellensysteme. Aber in Folge eigenthümlicher Ent- 
wickelung sind ihre räumlichen Verhältnisse vertauscht. Die 
Schichtung hat die Lage und Form der Querstreifung, die 
Querstreifung dagegen die der Schichtung angenommen. 

Die Schläuche der Flechten, z. B. von Hagenia cili- 
ar is, lassen auf Querschnitten zuweilen eine zarte radiale 
Streifung wahrnehmen; dieselbe tritt besonders hervor, 
wenn man die Schläuche schwach durch Jod färbt. Die 
Flächenansicht zeigt sie nur höchst undeutlich. 

Auf den grossen Sporen einer Pertusaria sieht man 
sehr deutliche Querstreifen, welche wie in einem netzförmigen 
Gefässe unter einander anastomosiren und verlängerte rhom- 
bische Maschen bilden. Sie gehören, wie es scheint, bald 
den äussern, bald den innern Membranschichten, nicht aber 
der ganzen Wanddicke an. 

2. Parenchymzellen der Phanerogamen. 

Wenn die Parenchymzellen hinreichend dickwandig sind, 
so beobachtet man an ihnen nicht selten die Anwesenheit 
von Streifen. Aber es ist oft schwer, den Verlauf derselben 
im Räume genau auszumitteln. So sah ich die durch- 
schnittenen Wände des Blattparenchyms von Hyacinthus 
orientalis Lin., Agave americana, Hakea pectinata 
Dum. Cours. hin und wieder von zarter Querstreifung 
rechtwinklig durchsetzt. Fig. 12 zeigt dieselbe an einer 
Epidermiszelle der letztern Pflanze. Ist die Wandung dünner, 
so besteht sie durch und durch aus dichter Substanz und 



318 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

die Streifen sind in der ganzen Dicke ziemlich scharf ge- 
zeichnet (a). An den dickern Stellen dagegen befindet 
sich zwischen den zwei dichtem Aussenschichten eine weiche 
Mittelsubstanz ; die letztere ist äusserst zart gestreift, während 
jene deutlich unterbrochen und in eine Reihe von Punkten 
aufgelöst sind. 

Die eben erwähnten Streifen sieht man zuweilen auch, 
wenn man die Zellmembran von der Fläche betrachtet. 
Bald sind es zarte Linien, bald Reihen von Punkten, welche 
auf gekreuzte Linien deuten, bald auch zarte Punkte schein- 
bar ohne Ordnung. 

Sehr deutliche Querstreifung wurde ferner auf den 
durchschnittenen Wänden der innern Samenhaut von Pia- 
typ odium spec. beobachtet. (Fig. 21). Diese Streifen gehen 
bald rechtwinklig, bald schiefwinklig durch die Wandung. 
Im letztern Falle kreuzen sich zwei Systeme mit entgegen- 
gesetzter Neigung, und es treten die für diesen Fall charak- 
teristischen Zeichen V X Y auf. Einzelne dieser Querstreifen 
sind von beträchtlicher Stärke und gleichen feinen Poren- 
kanälen. Dass es keine Poren sind, sieht man daraus, dass 
sie sich bis zu der zartesten Streifung abstufen, ferner 
daraus, dass neben ihnen noch wirkliche Porenkanäle vor- 
kommen, und endlich besonders aus der Flächenansieht der 
Zellwandung. Diese zeigt theils unregelmässig parallele, 
leicht hin und her gebogene, theils verzweigte und netz- 
förmig anastomosirende Streifen, letztere mit langgezogenen 
schmalen Maschen. 

Die räumliche Construction dieser Streifen würde aus 
den Beobachtungen an den Zellen von Platypodium kaum 
möglich sein. Die Analogie der beiden Ansichten mit den 
Holzzellen der Coniferen zeigt deutlich, dass es Ringstreifen 
sind. Ich verweise auf die später folgende Analyse dieser 
Formation. 

Die innere Samenhaut von Entada Gigalobium DC. 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 319 

verhält sich ganz wie diejenige von Piatyp odium. Die 
Streifen auf den Durchschnitten der Wandungen sind bald 
sehr stark und deutlich, bald äusserst zart und gedrängt. 
Wenn die Schnitte den Rand der Zellenhöhlungen treffen, 
so sieht man die Streifen des Profils in die der Flächen- 
ansicht übergehen. Auch hier kommen neben denselben 
einzelne Poren vor. 

Die Zellen des Fruchtfleisches von Hymen aea Cour- 
baril Sin. sind länglich und zusammengefallen. Man nimmt 
auf deren Fläche 3 oder 4 Streifensysteme wahr, zwei 
Systeme von Querstreifen und 1 oder 2 von Längsstreifen. 
Es giebt Zellen mit glatter Wandung, andere, auf denen 
nur die Querstreifen sichtbar sind , ferner solche , welche 
Quer- und Längsstreifen zeigen , endlich solche , auf denen 
die Längsstreifen stark hervortreten, die Querstreifen aber 
mehr oder weniger undeutlich sind. Da die erstgenannte 
Kategorie von Zellen im Allgemeinen die zartesten, die letzte 
die derbsten Membranen hat, so vermuthe ich, dass die 4 
verschiedenen Bildungen zugleich die Entwicklungsstadien 
der nämlichen Zellen darstellen, dass nämlich zuerst die 
Querstreifen auftreten und nachher von den Längsstreifen 
verdränge werden. Es giebt auch Zellen, die auf verschie- 
denen Stellen ungleich ausgebildet sind und somit zwei 
verschiedene Zustände vereinigen. 

Die beiden Querstreifensysteme sind sehr zart und ziem- 
lich symmetrisch ; jedes ist zur Zellenaxe unter einem 
Winkel von 65° — 75° geneigt. Die Breite eines Streifens 
beträgt 0,7 — 1,2 Mik. — Die Längsstreifen sind zuweilen 
ebenso zart und fein wie die Querstreifen; andere Male 
übertreffen sie dieselben um das Zwei- und Dreifache an 
Stärke. Die zarten Längsstreifen stellen zwei regelmässig 
sich kreuzende und ziemlich symmetrische Systeme dar, 
von denen jedes mit der Zellenaxe einen Winkel von 10° 
bis 20° bildet. Die stärkern Längsstreifen dagegen sind 
[1864. I. 4 ] 22 



320 Sitzung der math.-phys. Gasse vom 7. Mai 1864. 

stellenweise parallel, wohl auch nach einer Seite fächer- 
förmig aus einander weichend und dabei sich verzweigend; 
meistens aber sind sie etwas hin und her gebogen, hin und 
wieder verzweigt und mit einander anastomosirend. Es hat 
zuweilen den Anschein, als ob die unregelmässigen stärkern 
aus den zarten gekreuzten Längsstreifen so entständen, dass 
die einen Linien des Netzes in unregelmässiger Zickzack- 
folge sich weiter entwickelten, die andern unterdrückt wür- 
den, — Die starken Längsstreifen sind abwechselnd die 
einen breit und weisslich, die andern schmal und spalten- 
ähnlich. Die erstem erscheinen meist unregelmässig-ge- 
gliedert, aus dichten und weichern Stellen bestehend. Zu- 
weilen ist die Gliederung regelmässig und deutlich, und in 
einzelnen Fällen erkennt man bestimmt, dass dieselbe durch 
zwei sich kreuzende Systeme von Querstreifen erzeugt wird 
(Fig. 18). Ob die stärkern Längsstreifen bloss durch un- 
gleiche Dichtigkeit hervorgebracht werden, oder ob dabei 
auch eine ungleiche Verdickung oder selbst Biegung und 
Faltung der Membran ins Spiel komme, muss ich dahin 
gestellt sein lassen. 

Das farblose Rindenparenchym, welches in Zweigen der 
Rothtanne (Abies excelsa) innerhalb der Epidermis und 
ausserhalb des grünen Parenchyms sich berindet, lässt netz- 
förmige Streifung erkennen. Dis Netz besteht aus schmalen 
rhombischen Maschen und wird in einzelnen Fällen ziemlich 
deutlich aus zwei Systemen paralleler Streifen gebildet, 
welche sich unter einem Winkel von 10—20° kreuzen. Das 
Netz hat fast jede mögliche Neigung zur Zellenaxe , indem 
es bald steilspiralig , bald nachspiralig, bald horizontal ge- 
richtet ist. Die Richtung übt aber keinen Einfiuss auf die 
Ausbildung des Netzes; dasselbe kann bei jeder Neigung 
sowohl regelmässig als unregelmässig sein. Bald erscheint 
es äusserst zart, bald ziemlich stark, als ob es aus wirk- 
lichen engen Netzfasern gebildet würde. 



Nägeli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 321 

Die beiden Streifensysteme, deren Kreuzung das Netz 
hervorbringt, scheinen in der gleichen Fläche zu liegen. In 
der Regel bilden sie die einzige Zeichnung der dünnen 
Wandung zwischen zwei Zellen , so dass wahrscheinlicher 
Weise nur in der einen der beiden mit einander vereinigten 
Membranen die Streifung ausgebildet ist. — Diese Ansicht 
wird dadurch plausibel gemacht, dass zuweilen ausser der 
genannten netzförmigen Streifung noch eine zweite zartere 
Streifung , die in entgegengesetzter Richtung verläuft , be- 
obachtet wird. Von derselben blieb es zweifelhaft, ob sie 
ebenfalls netzförmig und aus zwei sich kreuzenden Systemen 
gebildet sei oder nicht. 

Ganz ähnliche netzförmige Streifung kommt auf der 
Wandung der Gefässe im Holze der Pappelwurzel vor. Ich 
werde später dieselbe näher beschreiben. 

3. Epidermiszelleii der Phanerogamen. 

Ich spreche hier nur von der Aussenwand der Epider- 
miszellen, welche zum Theil sich analog wie die übrigen 
Membranen des Parenchyms, zum Theil etwas abweichend 
verhält. Ihre Seitenwandungen unterscheiden sich nicht von 
den im Innern des Gewehes liegenden Zellen. 

Der Längsschnitt durch das Blatt von Hyacinthus 
orientalis hin. zeigt auf der äussern Wand der Oberhaut- 
zellen sehr zarte und äusserst regelmässige, genau parallele 
und häufig gleichweit von einander entfernte Querstreifen, 
welche die Membran rechtwinklig durchbrechen (Fig. 16). 
Wenn sie am stärksten ausgebildet sind, so ist der einzelne 
nicht über 1,2 Mik. breit; häufig sind sie beträchtlich 
schmäler. Diese Querstreifen reichen nach aussen bis zu 
der innersten Schicht, welche viel dichter als die übrige 
Zellwand ist, und wegen der sie kreuzenden Querstreifen oft 
einer Reihe von Knötchen gleicht. In der übrigen Membran 
sind sie zwar schwächer ausgebildet , aber doch treten sie 

23* 



322 Sitzung der math.-plvys. Classe vom 7. Mai 1864. 

oft noch deutlicher hervor als die äusserst zarten Schichten, 
welche man in der Zahl von 2 bis 5 zwischen der innersten 
und der Cuticula beobachtet. 

Auf frischen Längsschnitten ist die innerste dichte 
Schicht meist etwas gekerbt (Fig. 16). Die Kerben sind 
zuweilen sehr schmal und gedrängt, zuweilen breiter. Im 
erstem Falle trifft jeder weiche Querstreifen, im zweiten 
je der zweite, dritte, vierte u. s. w. auf eine Einkerbung. 
Lässt man die Schnitte austrocknen, so wird die Kerbung 
viel stärker. Entfernt man die übrigen Membranen, so 
dass die Aussenwand der Epidermis isolirt ist, so krümmt 
sie sich, mit Wasser befeuchtet, stark nach aussen und 
die Kerben der innersten Schicht verschwinden gänzlich 
oder doch grösstenteils. 

Betrachtet man die Oberhautzelien von der Fläche 
(Fig. 17), so erscheinen etwas gebogene, hin und wieder 
verzweigte Querstreifen, welche den Kerben des Profils ent- 
sprechen. Die einen sind breiter und bläulichweiss , die 
andern schmal, spaltenförmig und röthlich; jene stellen die 
Erhabenheiten, diese die Einschnitte der Kerbung dar. 
Trocken ist diese Streifung ebenfalls viel stärker und deut- 
licher als im befeuchteten Zustande. Ausserdem kommen 
auch zarte Längsstreifen vor (Fig. 17). 

Die innere Wand der Epidermiszellen, sowie noch tiefer 
liegende Wände des Gewebes zeigen zuweilen , wie ich be- 
reits oben bemerkt habe, ganz ähnliche Querstreiiüng so- 
wohl im Profil als in der Flächenansicht. 

Die Epidermiszellen der trockenen, reifen Fruchtwandung 
von Fedia Cornucopiae Valü. erheben sich nach aussen 
mehr oder weniger kegelförmig. Von der Fläche betrachtet, 
lässt die Aussenwand zarte radiale Streifen wahrnehmen, 
welche sich nach aussen verzweigen. Der Querschnitt durch 
die Aussenwand zeigt Streifung, welche rechtwinklig durch 
die Membran geht und an der dünnen Cuticula aufhört. 



Nägeli : Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 323 

Sie ist die Profilansicht der auf der Flächenansicht undeut- 
lichen concentrischen Streifen. 

An der Epidermis des Blattes von Agave americana 
Lin. (Fig. 11) bildet die Cuticula (die sog. Cuticularschich- 
ten) eine dicke Membran (c), welche nach innen starke 
Fortsätze zwischen den äussern Theii der Epidermiszellen 
ausschickt. Innerhalb der Cuticula und zwischen jenen Fort- 
sätzen derselben befindet sich der unveränderte Theil der 
Aussenwand, in welchen das kegelförmige Lumen hineinragt. 
Die innerste Schicht der Cuticula und ihrer Fortsätze ist 
dichter, zuweilen etwas wellenförmig oder gekerbt; die letz- 
tern bestehen manchmal bloss aus zwei Blättern dieser 
dichten Schicht. Sie sind auf Durchschnitten quergestreift 
und zwar besonders deutlich an der dichten Grenzschicht, 
während in der mittleren weichern Masse die Streifung 
mehr oder weniger zurücktritt. Von der übrigen Cuticula 
ist nur die innere Grenzschicht zuweilen quergestreift (a). 

Der nicht cuticularisirte innere Theil der Wandung 
ist oft deutlich geschichtet und die Schichten rechtwinklig 
von Streifen durchsetzt, welche sich an die Querstreifen der 
Cuticulafortsätze anschliessen und als deren Fortsetzungen 
zu betrachten sind. Diese Querstreifung fällt besonders an 
der innersten dichtem Schicht in die Augen, welche in eine 
Reihe von Knötchen aufgelöst ist (b). Es kann auch eine 
einzelne Schicht zwischen den übrigen durch Dichtigkeit sich 
auszeichnen und die nämliche schöne Querstreifung zeigen. 
— Die kegelförmige Verlängerung der Zellhöhlung ist auf 
der Flächenansicht mit Streifen gezeichnet, welche von den 
im Profil sichtbaren Knötchen der innersten Schicht aus- 
gehen und denselben entsprechen (d). — Die dünnen Seiten- 
wände der Epidermiszellen lassen im Profil die Querstreifung 
oft eben so schön sehen, wie die innerste Lamelle der 
Aussenwand , als deren Fortsetzung sie sich kundgeben. 

Es giebt verschiedene Epidermiszellen , die in dem in- 



324 Sitzung der math.-phys. Classe vom 7. Mai 1864. 

nern Theile ihrer Aussenwand Linien erkennen lassen, welche 
die Schichten quer durchsetzen. Sie sind von Mo-hl an 
Hakea abgebildet (Vermischte Schriften Taf. X. Fig. 18) 
und als Tüpfelkanäle erklärt, auch dazu benützt worden, 
um weitere Schlüsse für die morphologische Deutung des 
betreffenden Membrantheiles zu ziehen. Schacht zeichnet 
sie ebenfalls an verschiedenen Pflanzen (Hex, Gasteria, 
Hakea, Hechtia, vgl. Anat. Phys. Taf. III) und nennt 
sie Tüpfelkanäle. 

Ich habe diese Erscheinung nur an den Blättern von 
Hakea untersucht, hier aber mich von der Unrichtigkeit 
der bisherigen Deutung überzeugt. Bei Hakea pectinata 
Dum. sind die Epidermiszellen in der Axenrichtung der 
Blattlappen verlängert, und es zeigen Quer- und Längs- 
schnitt in besondern Fällen ein ungleiches Verhalten der 
porenähnlichen Querstreifen. Auf Querschnitten ist der in- 
nere gestreifte Theil der Aussenwand gewölbt und die 
Streifen in der Mitte am stärksten und längsten (Fig. 14). 
Auf Längsschnitten zeigt sich der innere Theil der Wandung 
an den beiden Enden am mächtigsten und mit Streifen 
versehen; in der Mitte ist derselbe dünner und nicht oder 
kaum gestreift (Fig. 15). 

Auf der Flächenansicht (Fig. 13) bieten diese Streifen 
eine sehr mannigfaltige Zeichnung dar. Im Allgemeinen sind 
es verzweigte und anastomosirende Linien von etwas ge- 
schlängeltem Verlaufe und in ehr oder weniger radienförmiger 
Anordnung. Oft gehen sie von einein centralen oder excen- 
trischen Mittelpunkte aus. In sehr langgestreckten schmalen 
Zellen können die Streifen um zwei Mittelpunkte gruppirt 
sein, welche sich nahe den Zellenenden befinden und durch 
parallele Längsstreifen verbunden sind, an die sich zuweilen 
noch zarte Querstreifen seitlich anschliessen. Solche Zellen 
entsprechen der in Fig. 15 gegebenen Abbildung. 

Bei Hakea Baxteri R. Br. sind die Streifen des 



Nägcli: Innerer Bau vegetabilischer Zellenmembranen. 325 

Querschnittes besonders stark, mangeln aber dem innersten 
nicht cuticularisirten Theile der Zellmembran (Fig. 20). Die 
Flächenansicht ist ähnlich wie bei H. pectinata, und sind 
die Zeichnungen womöglich noch mannigfaltiger und unregel- 
mässiger (Fig. 19). Gewöhnlich sind es die schmälern, 
spaltenähnlichen Streifen von röthlic'ner Farbe, welche sich 
verzweigen und mit einander anastomosiren , seltener die 
breitern weisslichen Streifen. 

Dass diese Streifen in der Aussenwand der Epidermis 
bei Hakea, und ohne Zweifel auch bvii andern Pflanzen, 
keine Porenkanäle sind , ergiebt sich unzweifelhaft aus der 
Flächenansicht. Dagegen muss ich unentschieden lassen, ob 
es Lamellen aus weicherer Substanz oder wirkliche Risse 
seien, welche durch ungleiches Wachsthum oder durch das 
Austrocknen veranlasst wären. 

Erklärung' der Tafeln. 

Die in ( ) eingeschlossenen Ziffern geben die Vergrösserung an. 

1, 2. Constructionen , um aus dem Abstand und der Neigung 
der primären Streifen gegen einander den Abstand und die Neigung 
der secundären Streifen zu bestimmen (Pag. 309). 

3 — 7. Schematische Darstellung von gestreiften Flächen (Pag. 294). 

8 Schematische Darstellung eines kleinen aus einer Zellmem- 
bran in Gedanken herausgeschnittenen Stückes (Pag. 298). 

9 (900). Zellmembran von Chamaedoris annulata Montagne 
von der Fläche gesehen (Pag. 312). 

10 (900). Dieselbe im Querschnitt (Pag. 315). 

11 (1200). Querschnitt durch die Aussenwand der Epidermis- 
zellen des Blattes von Agave americana Lin. (Pag 323.) c Cuti- 
cula; a innerste Schicht derselben; b die innerste Schicht des nicht 
cuticularisirten Theils der Membran ; d Streifung dieser Schicht von 
der Fläche gesehen , auf der hintern Seite der kegelförmigen Aus- 
buchtung der Zellhöhlung; e seitliche Wand zwischen zwei Epider- 
miszellen. 

12 (750). Epidermiszelle des Blattes von Hakea pectinata 
Dum. Cours. parallel der Oberfläche durchschnitten (Pag. 324) p 
Porenkanäle. 



326 Sitzung der math.-phys Classe vom 7. Mai 1864. 

13 (500). Zwei Epidermiszellen der gleichen Pflanze, von aussen 
gesehen (Pag. 324). 

14 (500). Querschnitt durch solche Epidermiszellen mit den 
porenähnlichen Streifen (Pag. 324). 

15 (500). Längsschnitt durch dieselben (Pag. 324). 

16 (1000). Aussenwand der Oberhautzellen im Längsschnitt des 
Blattes von Hyacinthus Orientalis Lin. (Pag. 321). 

17 (1000). Die nämliche Zellmembran im trockenen Zustand von 
der Fläche gesehen (Pag. 322). 

18 (1400). Zellmembran aus dem Fruchtfleische von Hymenaea 
Courbaril Lin. von der Fläche (Pag. 319). 

19 (1000). Epidermiszellen des Blattes von Hakea Baxteri 
B. Br., von aussen gesehen (Pag. 324). 

20 (700). Dieselben im Querschnitt mit den porenähnlichen 
Streifen (Pag. 324). 

21 (1000). Innere Samenhaut von Platypodium spec. ; man 
sieht eine Zellmembran von der Fläche, die übrigen im Durchschnitt 
(Pag. 318). 



Historische Classe. 

Sitzung vom 28. Mai 1864. 



Herr Löringer theilte eine Notiz über zwei Abhand- 
lungen des Herrn von Koch-Sternfeld und eine von Herrn 
Professor Sighart, corresp. Mitglied, eingesendete Abhand- 
lung mit: 

..Ueber ein aus Wachstafeln bestehendes 
Buch v. J. 1340". 

Das Buch stammt aus dem Kloster Polling, enthält 
Randbemerkungen in deutscher Sprache und betrifft Leist- 
ungen von Victualien. 

Dieselbe wurde für die Denkschriften bestimmt. 



Einsendungen von Druckschriften. 327 



Einsendungen von Druckschriften. 



Vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den Je. preussischen 
Staaten in Berlin: 

Wochenschrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde. Nr. 17 — 24. April — 
Juni 1864. 4. 

Vom landwirtschaftlichen Verein in München : 
Zeitschrift. Juni. Juli 6. 7. 1864. 8. 

Von der Academie des sciences in Paris: 

Comptes rendus hebdomadaires des seances. t. 58. N. 16. 17. 18. 19. 
Avril, Mai 1864. 4. 

Von der Societe d'Histoire de la Suisse Romane in Lausanne : 
Memoires et Documents t. 18. 19. 1863. 1864. 8. 

Von der pfälzischen Gesellschaft für Pharmacie in Speyer: 
Neues Jahrbuch. Bd. 21. Heft, Juni. 1864. 8. 

Von der Academia real das sciencias in Lissabon: 

a) Historia e Memorias. Classe de sciencias moraes , politicas e 

bellas-lettras. Nova Serie, t. 3. Parte 1. 1863. 4. 

b) Memorias. Classe de sciencias mathematicas, physicas et naturaes. 

Nova Serie, t. 2. p. 1. 2. t. 3. p. 1. 1861. 1863. 4. 

Von der Societe d' Anthropologie in Paris: 
Bulletins, t. 5. 1. Fase. Janvier — Mars 1864. 8. 



328 Einsendungen von Druckschriften. 

Von der Geschieht»- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Oster- 
landes in Altenburg : 

Mittheilungen. 6 Bd. 1. Hft. 1863. 8. 

Vom historischen Verein des Kantons Bern : 

a) Archiv. 5. Bd. 1—5. Heft. 1862. 1863. 8. 

b) Neujahrsblatt für die bernische Jugend 1862. Die Berner in 

Veltlin unter ihrem Heerführer Nikolaus von Mülinen. 1862. 4. 

c) Der Friedenscongress von Frankreich und dem deutschen Reiche 

zu Baden im Aargau im Sommer 1714; nach K. J. Dorer's Tage- 
buch herausgegeben von Ludwig Lauterburg, Grossrath. 1864. 8. 
dj Die feierliche Erneuerung des Burgerrechtes der Münsterthaler 
mit Bern den 24. Septbr. 1743. Von Franz Ludw. Haas. 1863. 8. 

Von der deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin: 
Zeitschrift. 15. Bd. 4. Hft. 16. Bd. 1. Hft. 1864. 8. 

Von der Societe Linneenne de Normandie in Caen : 

a) Memoires. Annees 1862—63. 1864. 4. 

b) Bulletin. 8. Volume. Annee 1862—63. 1864. 8. 

Von der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft in Königsberg: 
Schriften. 4. Jahrg. 1863. 2. Abthlg. 1863. 4. 

Vom Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti in Venedig: 

a) Memorie. Vol. 11. Part. 2. 1863. 4. 

b) Atti. t. 8. 9. Serie 3. Dispensa 11. 1862. 63. 8. 

Von der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien : 
Jahrbuch 1863. 13. Bd. Nr. 4. Oktbr. Novbr. Dezbr. 8. 

Von der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien : 
Mittheilungen. 6. Jahrg. 1862. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 329 

Von der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien: 

a) Denkschriften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe. 22. Bd. 

1864. 4. 

b) Sitzungsberichte. Philosophisch-historische Classe. 

Jahrg. 1863. März— Juli. Oktbr. 8. 

42. Bd. Hft. 1. 2. 3. 

43. „ „ 1. 2. 

44. „ „ 1. 

c) Sitzungsberichte. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe. 

47. Bd. Hft. 4. 5. Schluss. 

Erste Abthl. 48. Bd. Hft. 1—3. Juli— Oktbr. 1863. 

Zweite „ 48. „ „ 1—4. Mai— Novbr. 1863. 8. 

d) Archiv für Kunde österreichischer Geschichts- Quellen. 30. Bd. 

1. und 2. Hälfte. 1863. 8. 

e) Fontes rerum austriacarum. Oesterreichische Geschichts- Quellen. 

1. Abth. Scriptores. 4. Bd. 

Siebenbürgische Chronik des Schässburger Stadtschreibers Georg 

Krauss. 2. Theil 1864. 8. 

f) Almanach. 13. Jahrgang. 1863. 8. 

Von der Commission imperiale Archeologique in St. Petersburg: 
Compte - Rendu pour l'annee 1862. (Avec un Atlas) 1863. 4. 

Vom Verein für Kunst und Alterthum in Ulm : 
15. Veröffentlichung. 1864. gr. fol. 

Von der geological Survey of India. Geolog ical Museum in Calcutta : 

a) Memoirs. Palaeontologia Indica. Yol. 6. Ser. 2. Vol. 1. Ser. 3. 4. 

b) Annual Report for the year 1862. 63. 8. 

Von der Linnean Society in London: 

a) Transactions. Vol. 24. Part. 2. 1863. 4. 

b) Journal of the Proceedings. Vol. 7 Botany Nr. 27. Zoology 

Nr. 27. Oktbr. 1863. 8. 

c) Address of George Bentham, Esq F. R. S. Read at the anniver- 

sary meeting on Monday, May 25. 1863. 8. 

d) List of the Linnean Society. 1863. 8. 



330 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom naturhistorischen Verein der preuss. Rheinlande und Westphalens 

in Bonn: 

Verhandlungen. 20. Jahrg. 1. und 2. Hälfte. 1863. 8. 

Von der Academie imperiale des sciences, beUes-lettres et arts in Ronen : 
Precis analytique des travaux, pendant l'annee 1862 — 1863. 8. 

Von der St. Gallischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft in St. 

Gallen : 

Bericht über die Thätigkeit derselben während des Vereinsjahres 
1862—63. 8. 

Vom Committee of the overseers of Harvard College in Boston: 

Report appointed to visit the observatory in the year 1863. Submit- 
ted January 28. 1864. 8. 

Vom historischen Verein von und für Oberbayern in München: 
Oberbayerisches Archiv. 23. Bd. 1863. 8. 

Von der Asiatic Society of Bengal in Calcutta : 

a) Bibliotheca Indica a Collection of Oriental Works. Xr. 196—200. 

New Series Nr. 38-41. 1863. 8. 

b) Journal. Nr. 292. Nr. 4. 1863. New Series. Nr. 118. 8. 

Vom historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg in Regensburg: 

Verhandlungen. 22. Bd. der gesammten Verhandlungen und 14. Bd. 
der neuen Folge. 1864. 8. 

Vom naturhistorisch-medizinischen Verein in Heidelberg: 
Verhandlungen Bd. 3. 3. 1863/64. S. 

Vom Verein für hessische Geschichte und Landeskunde in Kassel: 
a) Zeitschrift. Bd. 10. Hft. 1 und 2. 1863. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 331 

b) Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins. Nr. 9—11. April, 

Juli, Oktbr. 1863. 8. 

c) Mittheilungen des Hanauer Bezirkvereins. Nr. 3. Historische Bei- 

träge zur Geschichte der Schlacht bei Hanau am 30. und 31. 
Oktbr. 1813. Bearbeitet und zusammengestellt ven G. W. Roeder. 
1863. 8. 

Von der k. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen: 

a) Gelehrte Anzeigen. 22—26 Stück. Juni 1864. 8. 

b) Nachrichten von der k. Gesellschaft der W. und der G. A. Uni- 

versität. Nr. 9. 10. Juni 1864. 8. 

Von der natural History Society of Dublin: 
Proceedings for the Session 1362— 1863. Vol. 4. Part. 1. 1864. 8. 

Von der Entomological Society in London: 
Transactions. Third Series. Vol. 1. Part. 8. 1863. 8. 

Von der Ray dl Asiatic Society in London: 
Journal. Vol. 20. Parts. 3 und 4. 1863. 8. 

Von der Royal geographica! Society in London: 

a) Journal. Vol. 32. 1862. 8. 

b) Proceedings. Vol. 8. Nr. 2. February 1864, 8. 

Von der Society of Antiquaries of Scotland in Edinburgh : 
Proceedings. Vol. 4. Part. 2. 1863. 8. 

Von der Geological Society in London: 
Quarterly Journal. Vol. 20. Part. 1. Nr. 77. February 1864. 8. 

Von der Chemical Society in London: 
Journal Serie 2. Vol. 1. 2. Decbr. 1863— March 1864. 8. 



332 Einsendungen von Druckschriften. 

Von der Redaktion des Correspondenzblattes für die gelehrten und 
Realschulen in Stuttgart: 

Blatt. Nr. 2—5. Febr.-May 1864. 8. 

Von der Universität in Heidelberg : 

Jahrbücher der Literatur. 57. Jahrg. 2—4 Heft. Febr. März. April. 
1864. 8. 

Vom U. S. Naval Observatory in Washington: 

Astronom)' cal and Meteorological Observations. The year 1862. 
1863. 4. 

Von der Je. bayer. Central- Tliier arzneischule in München: 
Thierärztliche Mittheilungen 4. Heft. 1863/64. 8. 

Von der Historisch Genootschap in Utrecht: 

a) Werken. Kronijk 1862. Blad 22—33. 

„ 1863. „ 1-18. 1863. 8. 

b) Werken. Berichten. 7 Deel. 2. Stuk. Blad 22—33. 8. 

c) Werken. Nieuwe Serie. Nr. 2. Verbaal von de Buitengewone Am- 

bassade van Jacob van Wassenaar-Duivenvoorde, Arnout van 
Citters en Everard van Weede van Dykveld naar Engeland in 
1685. 1863. 8. 

Vom Institut Royal Meteorologiqiie de Pays-Bas in Utrecht: 

Meteorologische Waarnemingen in Nederland en zijne Bezittingen 
en Afwijkingen van Teraperatuur en Barometerstand op vele 
plaatsen in Europa. 1862. 1863. 8. 

Von der Tc. Akademie der Wissenschaften in Amsterdam: 

a) Jaarboek 1862. 1863. 8. 

b) Verhandelingen. Afdeeling Letterkunde. Deel II. 1863. 4. 

c) Verslagen en Mededeelingen. Afdeeling Letterkunde. Deel. 7. 

1863. 8. 

d) Verslagen en Mededeelingen. Afdeeling Natuurkunde. Deel 15. 

und 16. 1863. 64. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 333 

e) De lebetis materie et forma ejusque tutela in machinis vaporis vi 

agentibus. 1863. 8. 

f) Catalogue du cabinet de monnaies et medailles. 1863. 8. 

g) Histoire des Provinces-Unies des Pais-Bas, depuis le parfait 

etablissement de cet etat par la paix de Munster par M. Ab- 
raham de Wicquefort. Publiee par M. L. Ed. Lenting. t. 1. 
1861. 8. 

Von der allgemeinen geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz in 

Bern : 

Schweizerisches Urkunden-Register. 1. Bd. 1. Hft. 1863. 8. 

Vom Institut historique in Paris: 

L'investigateur Journal. Trente-Unieme Annee. t 4. 4. Serie. 
354 livraison. Mai 1864. 8. 

Von der Societe des Antiquaires de Picardie in Paris: 
Memoires. Deuxieme Serie, t. 9. 1863. 8. 

Von der Hollandsclien Maatschappij der Wetenschappen in Hartem: 

Natuurkundige Verhandelingen. 18. Deel. (Tweede Verzameling.) 
1863. 4. 

Vom Comite der Versammlung von Berg- und Hüttenmännern zu 
Mährisch-Ostrau : 

Bericht über die dritte allgemeine Versammlung. 14 — 18. Sept. 1863. 
Wien 1864. 8. 



Von den Herrn Jos. Böhm und Moriz Alle in Prag : 

Magnetische und meteorologische Beobachtungen zu Prag. 24. Jahrg. 
Vom 1. Jan. — 31. Dezbr. 1863. 1864. 4. 

Vom Herrn Friedrich von Alberti in Stuttgart: 

Ueberblick über die Trias mit Berücksichtigung ihres Vorkommens 
in den Alpen. 1864. 8. 



334 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Herrn Th. Scheerer in Berlin: 

a) Ueber den Astropliyllit und sein Verhältniss zu Augit und Glim- 

mer im Zirkonsyenit, nebst Bemerkungen über die plutonische 
Entstellung solcher Gebilde. 18G4. 8. 

b) Vorläufiger Bericht über krystallinische Silikatgesteine desFassa- 

thales und benachbarter Gegenden Südtyrols. 1864. 8. 

Vom Herrn Ferdinand Müller in Melbourne: 
Fragmenta Phytographiae Australiae. Vol. 3. 1862. 1863. 8. 

Vom Herrn Adolph Friedr. Eicdel in Berlin: 

Novus codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Haupttheil oder 
Urkundensammlung zur Geschichte der geistlichen Stiftungen, 
der adeligen Familien, sowie der Städte und Burgen der Mark 
Brandenburg. 24. 25. Bd. 4. 

Vom Herrn W. Bollen in St. Petersburg: 

Die Zeitbestimmung vermittelst des tragbaren Durchgangsinstruments 
im Verticale des Polarsterns. 1863. 4. 

Vom Herrn Jdh. Vesqiie von Tuttlingen in Wien: 

Das musikalische Autorrecht. Eine juristisch -musikalische Abhand- 
lung. 1864. 8. 

Vom Herrn Bobert Main in Oxford: 

Astronomical and meteorological observations made at the Radcliffe 
observatory Oxford, in the year 1861. Vol. 21. 1864. 8. 

Vom Herrn Alfred Beumont in Born: 

Cause diplomatiche italiane a proposito dell' opera „causes celebres 
du droit des gens del Barone di Martens", memoria. 1864. 8. 

Vom Herrn A. Grunert in Greifswald: 
Archiv für Mathematik und Physik. 41. Theil. 4. Hft. 1864. 8 



Einsendungen von Druckschriften. 335 

Vom Herrn Christian August Brandts in Berlin: 

Geschichte- der Entwicklung der griechischen Philosophie und ihrer 
Nachwirkungen im römischen Reiche. 2. Hälfte. 1864. 8. 

Vom Herrn Quesneville in Paris: 

Le moniteur scientifique du chimiste et du manufacturier. t. 6. 179. 
180. 181. Livraison. Annee 1864. 8. 

Vom Herrn Julius Braun in München: 
Naturgeschichte der Sage. 1864. 8. 

Vom Herrn V. Ritter von Zepharovich in Wien: 

a) Krystallographische Studien über den Idokras. 1864. 8. 

b) DieKrystallformen des unterschwefligsauren Kalkes. CaO, S202-j-6Aq. 

1862. 8. 

c) Krystallographische Mittheilungen aus dem Laboratorium der 

Universität zu Graz. 1863. 8. 

d) Berichtigung und Ergänzung meiner Abhandlung über die Kry- 

stallformen des Epidot in dem 34. Bd., Jahrg. 1859 der Sitz- 
ungsberichte d. k. Akad. d. W. in Wien. 1862. 8. 

e) Ueber die Krystallformen des zweifach ameisensauren Kupferoxydes 

und des ameisensauren Kupferoxyd-Strontian. 1861. 8. 

Vom Herrn B. Hidber in Bern: 
Gesammelte kleinere historische Aufsätze. 1864. 8. 

Vom Herrn F. Collardeau in Paris : 

Origine d'un deficit annuel de plusieurs millions pour l'etat et pour 
une classe de commercants. Urgence d'un controle des areo- 
metres. 1864. 8. 

Vom Herrn C. Bruch in Frankfurt a. M.: 

Der zoologische Garten, Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und 
Zucht der Thiere. Nr. 2—6. 5. Jahrg. Febr.— Juni 1864. 8. 

[1864. 1. 4.] 23 



Sach - Eegister. 



Aedelforsit 72. 

Alaya 88. 

Algen 287. 

Antikensammlungen in München, Beiträge zu deren Geschichte 1. 

Astrograph 103. 



Berber in 61. 

Buddhismus, dessen Gottesbegriff 83. 

Buddhas, die 89. 

Buddhas, die der Beschauung 92. 



Chemie 53. 79. 107. 167. 207. (ökonomische) 279. 
China unter den drei ersten Dynastieen 102. 



Desinfection 281. 
Dilatometer 153. 

23' 



338 Sacli-Beg ister. 

Federwage zu exacten Wägungen 162. 

Fränkische Reichsannalen des Karoliugischen Zeitalters 82. 

Frost, dessen Einfluss auf Kartoffeln 177. 

Fluorescenz des menschlichen Harnes 132. 



Geologie-Palaeontologie 215. 
Geschichte : 

chinesische 102. 

deutsche 82. 170. 

geistl. Ritterorden 184. 



Harn, menschlicher 115. 

dessen Nitrithaltigkeit 119. 

dessen Veränderungen während seiner Gährung 140. 
Harnpilze 123. 
Heizungsmaterial 280. 



Indigotinctur , durch Wasserstoffschwefel entfärbt, ein Reagens auf 

Wasserstoffsuperoxyd 113. 136. 
Interpolationsformeln für Wasservolumina bei Temperaturen von 

28—50o und von 50— 80<>C. 151. 



Kartoffeln 177. 

Knochenbett (Bonebed) und Pflanzenschichten Frankens 215. 
Kupfer, verbesserte Methoden in der Trennung und Bestimmung 
desselben 79. 



Meridiankreis 1. 
Mineralogie 72. 
München 1. 



Sach-Begister. 339 

Naturphilosophie Schellings, ihre Bedeutung 207. 

Oel, ätherisches von Abies Reginae Amaliae 67. 

Pflanzenphysiologie 282. 



Reagens höchst empfindliches auf das Wasserstoffsuperoxyd und die 

salpetrigsauren Salze 113. 
Respiration von landwirtschaftlichen Hausthieren 207. 
Rhaetische Stufe 219. 



Säcularisation des Kirchengutes unter den Karolingern 170. 
Schädelumfang und Gehirngewicht 13. 

von Männern 19. 

von Weibern 26. 

an frischen Leichen von Männern 48. 
Schädelinnenraum und Gehirngewicht 

von Männern 41. 

von Weibern 43. 
Sphenoklas 76. 

Schwefelverbindungen organische, eine neue Classe derselben 167. 
Stickstoff der Nahrung durch Nieren und Darm ausgeschieden 210. 



Templerorden 184. 
Torfkohle 279. 
Turpethharz 53. 
Turpethin 55. 
Turpetholsäure 58. 



340 Sach-Begister. 

Turpetholsaures Natron 60. 
Turpetholsaurer Baryt 60. 
Turpethsäure 56. 



Wachstafeln von Polling aus dem 14. Jahrhundert 326. 
Wasser, dessen Ausdehnung von 30 — 100» C. 141. 
Wasserstoffschwefel 107. 

seine Zerlegung 108. 
Wasserstoffsuperoxyd im menschlichen Körper 134. 



Zellenmembranen vegetabilische, ihr innerer Bau 282. 

1. Zellencryptogamen 307. 

2. Parenchymzellen der Phanerogamen 317. 

3. Epidermiszellen der Phanerogamen 321. 



Namen -Register. 



Beckers 207. 
Berger 220. 
Bidder 210. 
Bischoff 13. 210. 
Braun 221. 224. 
Buchner 53. 61. 67. 

Carus 40. 
Christ 1. 
Credner 223. 

Döllinger 184. 186. 

Föringer 326. 

Criesebrecht 82. 
Gümbel 215. 

Henneberg 210. 

Jolly 141. 162. 

Kirchner 220 

Kobell, von 72. 

Koch- Sternfeld, von 326. 

Kolbe (in Marburg) 167. 

Kopp 160. 

Küster 229. 



342 Namen-Register. 

Lehmann 210. 

Liebig, von 167. 185. 213. 

Martius, von 187. 193. 

Mohl 282. 

Mohr 79. 

Münster, Graf von 220. 221. 

Nägeli 282. 

Oppel 218. 

Perrins 61. 

Pettenkofer 107. 11 5. 207. 
Piei*re 160. 
Plath 102. 

Ranke 210. 

Regnault 208. 

Reiset 207. 

Rose, Heinrich (Nekrolog) 192. 

Roth 1*70. 

Schenk 276. 

Schlagintweit, E. von 83. 

Schmidt 210. 

Schmöger, von (Nekrolog) 196. 

Schönbein (in Basel) 107. 113. 115. 132. 134. 

Sighart 326. 

Spirgatis (in Königsberg) 53. 

Steinheil von 1. 103. 

Süss 218. 

Vogel jun. 177. 279. 
Voit 210. 

Wagner 51. 

Zipser von (Nekrolog) 195. 



Taf I. 




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Taf II 



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AS Akademie der Wissenschaften, 

182 Munich 

M8212 Sitzungsberichte 

1864 
Bd.l 



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